Freitag, 20. Juli 2012

Ein Tagebuch von Nele Night

So, schon die zweite Rezension an diesem Tag. Und vermutlich werde ich sie in den nächsten Tagen nochmal editieren müssen :D

Vorwort (Vorwort zum Vorwort: der Spiegel [oder so] hat neulich geschrieben, ein Vorwort sei nur für das Ego des Autors gut - vlt. sollte ich mich auf den naturwissenschaftlichen Begriff der Vorbetrachtung oder Vorraussetzung festlegen?): Ein Freund hatte mir das Buch empfohlen und da ich eig. alles lese, was ich grundsätzlich nicht gut finde, nur um meine Meinung wenigstens mit Argumenten untermauern zu können oder sie zu revidieren, habe ich mich mal an das Buch rangewagt.


Der Titel ist kurz und schnörkellos, eigentlich beliebig, denn Tagebücher gibt es genug, immerhin schreit er nicht nach dem Thema Magersucht. Ich kenne mich mit dem Thema nicht extrem aus, ich hab natürlich den Teenie-Kram in der Bravo gelesen und ein paar Bücher durchgeguckt, aber ansonsten ist das für mich Neuland.

Was gleich am Anfang klar wird: es handelt sich nicht um den Weg in die Magersucht. Das Buch zeigt nicht, was die Protagonistin dazu treibt, sondern sie hat es von Anfang an vor. Sie war magersüchtig und beschließt, wieder abzunehmen. Egal was kommt. Ich finde es sehr interessant, wie sie immer zwischen Trotz, Sehnsucht und Selbstkontrolle schwankt - sie weiß sehr wohl, was sie ihrem Körper antut, sie weiß auch, wie sie ihre Umwelt wahrnimmt, aber sie nimmt sich selbst 'falsch' wahr - sie kennt das Gefühl des Hungers und sie findet es nicht immer gut, sie hasst ihren Körper sogar dafür. Sie versucht ihr Tun mal als selbstgewähltes Ziel darzustellen, dann rechtfertigt sie es mit dem Argument, ihr Freund sei auch dünn usw. Ohnehin ist der Freund als Symbol des Geliebtwerdens der Dreh- und Angelpunkt - er taucht immer auf, er ist der einzige, von dem sie schreibt, der Fixpunkt - er leidet mit und stößt sie ab, verzweifelt an ihrem Dasein und verlässt sie. Weswegen sie verhungert. Kein Happy End.

Es war sehr spannend, welche Abgründe sich auftun - dass ihr die Magersucht vorgelebt wurde, dass sie dicke Menschen verachtet, dass sie sogar als Strafe an ihren Freund nichts isst, einfach, wie sie die Sucht positiv wie negativ zur Manipulation ihrer Umwelt einsetzt. Und dass sie zwar ihr Gewicht im Auge behält, aber der Rest ihres Körpers ihr egal ist - sie schreibt davon, wie sie trotz Schmerzen joggt und erwähnt nur kurz, dass sie sich auch übergibt und Abführmittel schluckt.

Stilistisch ist das Buch eines Tagesbuches würde, die Sätze sind mal klar, mal abgehackt, gerade am Ende. Manchmal war es mir jedoch zu konzentriert, zu sehr fokussiert auf sich selbst; über den Sohn und sonstige Erlebenisse erfährt man nichts. Außerdem frage ich mich, ob eine 19-jährige wirklich so kindisch redet, so wenig selbstreflektierend; ich hatte einfach keine Person, sondern nur ein Gerippe vor Augen, auch sinnbildlich.

Die Idee, am Anfang jeweils Gewicht und Essen hinzuschreiben, war gut, aber nicht konsequent genug - eig. fehlen noch Kalorienangeben zu jedem einzelnen Bissen usw. Dennoch entfaltet dieses sehr banale Stilmittel am Ende seine Wirkung, als man sieht, dass sie immer dasselbe und am Ende gar nichts mehr isst.

Rechtschreibung und Grammatik waren in Ordnung, man muss allerdings berücksichtigen, dass es über einen Books-on-Demand-Verlag erschienen ist, d.h. nicht durch ein Lektorat gegangen ist - und dafür ist es ganz gut. Zwar sind einige Schusselfehler drin (wieder/wider, viel/fiel), selten Buchstabendreher usw., aber als 'normaler' Leser würde man diese vermutlich übersehen.

Preislich waren mir die 6 EUR für die e-Book-Ausgabe eigentlich zu teuer, zumal das Format nicht grade leserfreundlich ist - auf einem Reader ließe sich das Buch sicher ohne Größenanpassung lesen, wenn man gute Augen hat, aber am Computer muss man mehr scrollen als blättern und das empfinde ich als mühselig. Das Cover an sich ist freundlich und hell, ausgeglichen gestaltet, wenngleich nich kreativ.

Alles in allem vergebe ich Schulnote 3 bzw. 2,5 von 5 Sternen (da viele Seiten damit arbeiten), da es sehr eindringlich, der Ausdruck aber unausgereift ist und der Preis zu hoch.

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