Sonntag, 12. August 2012

Numbers - Den Tod im Blick

Weil ich grade die Zombie-Antropologie lese und zwei Rezensionen in einem Eintrag zuviel wären, hier mal meine Meinung zum Debut von Rachel Ward.


Vorgeplänkel: Mein Weg zu diesem Buch war nicht steinig, aber immerhin sehr, sehr weit. Es begann alles mit einer Leseprobe, die ich vor 2 Jahren im Buchladen mitgenommen hatte, so, wie ich alles mitnehme, was kostenlos ist und was man gebrauchen kann, und Literatur kann man immer gebrauchen :-) Jedenfalls faszinierte mich die Grundidee. Und obwohl ich sonst keine Jugendbücher mag, weil sie immer was Erzieherisches haben (Lotta zieht um und Flanagan haben mich geprägt) und weil ich nicht auf Fantasy stehe, wollte ich das Buch nicht kaufen. Dann haben mir nette Menschen einen Gutschein geschenkt, von dem ich es kaufen wollte - aber dazu kam es nicht, ich geb nicht gern das Geld fremder Leute aus. Und als ich mal wieder bei amazon vor der Versandkosten-frei-Grenze stand, fiel mir das Buch ein. Und ich hab den Fehler gemacht, vorher die Rezensionen zu lesen. Aber dazu gleich mehr.

Das Cover ist schlicht, aber prägnant, magentafarbene und weiße Schriftzüge mit mit Zahlen ausgefülltem Titel, es wirkt dadurch sehr geradlinig und kompakt.

Der Aufhänger ist so einfach wie genial: ein Mädchen kann in den Augen der Menschen deren Todesdatum sehen. Stellt sich die Frage: Was macht man damit? Beziehungsweise: Was macht die Autorin daraus? Meine Antwort: weniger, als erwartet. Was als durchaus philosophierenswerter Gedanke beginnt, verkommt zum Roadmovie.

Jem (15) lebt nach dem Drogentod ihrer Mutter mal wieder bei einer Pflegefamilie in einem heruntergekommenen Viertel Londons, schüchtern, zurückgezogen. Bis sie eines Tages Terry 'Spinne' trifft, einen 'schwarzen', quirligen Jugendlichen, der ihr mit seinem Verhalten auf den Geist geht, was ihn aber auch irgendwie liebenswert macht. Langsam freuden sich die beiden an, bis es zu einem dramatischen Zwischenfall kommt: nach einer Suspendierung von der Schule werden die beiden Zeugen eines Terroranschlages und flüchten, weil sie vermuten, dass man sie für die Drahtzieher hält. Auf dem Weg zu dem Ort, an dem Spinne seine Kindheit verbracht hat, begegnen sie Kleinkriminellen, netten Menschen, skeptischen Dörflern und der Polizei. Während Jem immer Spinnes Todesdatum vor Augen hat, das sich bedrohlich nähert. Schließlich der Showdown auf einer Kirche, in der Jem beschließt, vom Dach zu springen. Doch Spinne hält sie ab und fällt in einem Anflug von Angeberei selbst hinunter - die Zahlen hatten recht. Zum Schluss gibt es noch einen Ausblick auf Jems Zukunft 5 Jahre später - sie ist Mutter, hat Freunde, eine Zukunft - und ein Todesdatum - der Cliffhanger :-)

Wie eingangs gesagt, inhaltlich hatte ich mehr erwartet - nur am Ende gibt es mal philosophische Einblicke, was es überhaupt bedeutet, so eine Fähigkeit zu haben. Ansonsten ist es ein gut geschriebenes Roademovie. Die Schauplätze sind anschaulich, die Gedanken nachvollziehbar und die Protagonisten plastisch. Das, was viele Rezensenten anprangern, dass die Sprache so locker ist, empfinde ich nicht so: es wird oft 'Scheiße' gesagt, aber das macht es authentisch. Genauso wie die Anrede 'Du' - zwar weiß man nicht, warum das eingebaut wurde, vermutlich, um eine Bindung zum Leser herzustellen, aber es stört nicht; wir denken ja auch manchmal in Du-Form :-) Ich finde den Stil wirklich gut, weil er weder übertrieben cool noch erwachsen klingt - er passt einfach gut zu den Figuren.

Der Ausblick am Ende war nicht so kreativ, etwas locker, zu perfekt und der Cliffhanger billig, aber naja...

Dennoch tendiere ich in Richtung 'lesenswert' :-)

Kommentare:

  1. Klingt nach Stoff für eine 20000-Zeichen-Kurzgeschichte ...

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  2. Ich verstehe dich grade nich - die Geschichte wurde doch geschrieben xD

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