Dienstag, 11. September 2012

Was vom Samstag übrig blieb - Gesammelte Erlebnisse

Ein erlebnisreicher Nachmittag/Abend ging am Samstag sehr müde zu Ende, daher folgt hier mal eine lange Liste meiner Taten!




1. Galerie Next



Nachdem die Bild auf das Seite-1-Mädchen verzichtet hatte und stattdessen Kunst gezeigt hatte, machte ich mich auf den verheißungsvollen Weg in die Galerie Next, zur Ausstellung 'Fuck the Truth' von Manfred Peckl.

Diese besteht im Wesentlichen aus zwei Untertechniken der Collage: dem Druck und der 'richtigen' Collage. Während einige Bilder, wie das Werk, das der Bild einen Artikel wert war, aus teilweise sehr dünnen Streifen aus Landkarten bestehen, die so genau übereinander geklebt sind, dass wirklich der Eindruck eines Bildes entsteht, bestehen andere aus Drucken. Hier wird ein zum Bild passendes Wort immer und immer wieder in verschiedenen Farben auf das Papier gedruckt, bis es ein harmonisches Ganzes ergibt. Das kann im Fall eines Katzenbildes sehr niedlich sein, bei der Kleinserie 'I'll change my sexuality' traurig. Es muss nicht immer der typische Transsexuelle sein, es reicht, den Kontrast aus dem beispielsweise weibliche Äußeren und dem männlichen Namen zu sehen.

Weitere Bilder beschäftigen sich mit Menschen - es sind kleine Collagen aus tw. vervielfältigten Streifen eines Gesichtes, die neu zusammen gesetzt sind, sodass es irgendwie verzerrt wird. Eine ähnliche Technik liegt auch den großformatigen Bildern wie 'Love is overrated' zugrunde, bei denen sich der Künstler teilweise auch wieder des Wortes bedient. Nicht zu vergessen die Collagen, die nur eine geografische Position angeben, z.B. '38,8', das nicht in der Ausstellung zu sehen ist, aber einen guten Einblick in die Technik gibt. Hier werden Streifen des Ortes nebeneinandergesetzt, sodass man zwar nichts erkennen kann, aber die Vielfältigkeit und Ruhelosigkeit des Ortes spürbar wird.

Überhaupt scheint es in den Werken Peckls um Erinnerungen zu gehen, Menschen, die er getroffen hat, nur selten kommen sehr plakative Gefühle wie 'Arschloch' zum Einsatz.

Und am Ende stellt man sich die Frage, was eigentlich das Wort überhaupt bedeutet; es gibt ein Bild, das irgendwas mit 'Roit' zu tun hat, das Wort steht im Hintergrund, immer und immer wieder, und vorne sind drei Jugendliche zu sehen, die sich schemenhaft prügeln. Hätte man die Szene auch ohne Wort erkannt? Ja, hätte man. Und trotzdem wirkt es eben nicht wie ein Plädoyer gegen die gelangweilte, gewaltbereite Jugend, sondern eher normal. Es soll eher zum Nachdenken anregen, dazu ist das Wort da, kein plakativer Fingerzeig, sondern eine ruhige Beschäftigung mit dem Bild.

Zur Ausstellungskonzeption: Der Ort ist interessant, er besteht aus einem großen Raum, an zwei Seiten sind große Treppenstufen aus gebaut, die man teilweise betreten kann, sowie ein kleinerer Raum.

Die Bilder sind, denke ich, unglücklich angeordnet; sie sind weder stilistisch noch inhaltlich geordnet, nur die Kleinserien sind zusammen aufgehängt, dazwischen 'Spuckbilder'. Ein zusätzliches Problem ergibt sich durch die Stufen, durch die manche Bilder nicht gut sichtbar sind, weil sie von anderen verdeckt werden. Schlimm ist, dass die Nummern unter den Bildern sehr klein sind und die Reihenfolge nicht dem gedruckten Infoblatt, das durch sein Format (zwei Seiten DIN-A4) eher unhandlich ist, entspricht.

Die zwei Bücher, die auf der Theke liegen, ordnen das Wirrwarr sehr gut:  es gibt die Atlasbilder, und es gibt den Druck. Beides zusammen überfordert mich als Betrachter. Und was leider auch  nur auf den Kunst-Nackt-Fotos im Buch und dem Text auf der Ausstellungskarte rüberkommt: der Mann hat eine Menge Humor!

Alles in allem: interessanter Künstler, ungünstige Konzeption.

2. Ausstellung 'Die Friedliche Revolution in Leipzig'

Ich wollte schon immer mal den Landtag von innen sehen, nachdem ich ihn bisher nur aus Erzählungen und einer Briefmarke kannte. Und da man auf dem Weg zur Galerie dort vorbei kommt, und auch auf dem Rückweg zum Schauspielhaus (s.u.), hab ich mich mal reingetraut.

Die Ausstellung war eine Enttäuschung. Das begann schon am Anfang: neben einem kleinen Tisch mit dem Gästebuch stand groß und breit die Danksagung - und man musste sehr vielen Leuten für alle die Unterstützung danken, ohne die das alles nicht nötig gewesen wäre....

Außerdem wurde inmitten des 'Ausstellungsgebietes' eine Bühne für Präsentationen eingerichtet - ich weiß nicht, wer da wann gesprochen hat, aber an manche Tafeln kam man einfach schlecht ran, weil Kabel fehlten.

Aber das sind 'nur' Kleinigkeiten. Viel wichtiger ist die Grundkonzeption - die leider nur einer speziellen Zielgruppe dient - nämlich denen, die die Zeit erlebt haben oder sich dafür interessieren. Der Besuch setzt ein gewisses Grundwissen voraus und soll eher Fakten beleuchten, die inmitten von Montagsdemonstrationen untergehen. Chronologisch werden die Ereignisse beleuchtet und Hintergründe aufgezeigt. So erfährt man von einem Straßenmusikfestival und Spaltungen innerhalb der Gruppe. Das ist sehr interessant - aber wenn man sich nicht mit der Materie beschäftigt hat, sitzt man auf dem Trockenen.

Die Exponate selbst sind, zumindest am Anfang, noch sehr schön - auch wenn vieles nur Kopien sind, sieht man beispielsweise Lehrbücher usw. - das macht es greifbar. Außerdem wurde neben den obligatorischen Spruchbändern auch eine Wahlkabine aufgebaut - wirklich cool! Mein persönliches Highlight war, als Spiegel-Leserin, ein Bericht von 1983. Ich hab mich gefragt, welches Bildzeitungs-ähnliche Blättchen Leipzig als 'Provinz' darstellt und meint, die Ereignisse würden in der ansonsten so tristen Einöde länger verweilen (leider fällt mir die originale Formulierung nicht mehr ein). Es war der Spiegel....

Zusammenfassend ist die Ausstellung sicher etwas für Nostalgiker, aber für Menschen, die die DDR usw. nur aus Erzählungen kennen, nichts.

3. Spielzeiteröffnung im Staatsschauspiel Dresden

An das Staatsschauspiel habe ich viele schöne Erinnerungen. Und an die Spielzeiteröffnung erst recht - am Tag nach meinem ersten Date war ich dort, mit fast allen wichtigen Menschen war ich dort und die Hauptbühne ist sowieso... wow! Und hätte ich auf Facebook nicht den Link von einer netten Freundin bekommen, hätte ich den Tag doch glatt verpennt xD

Mittlerweile kann ich die Studiotour trotz der interessanten Historie links liegen lassen und auch das Feuerwehrauto hat mich nicht interessiert :D Stattdessen wollte ich den 'Schauspiel-Workshop' mitmachen. Was sich gut anhörte, war leider nicht mehr als ein 15-minütiges Aufwärmtraining mit spielerischen Übungen für Stimme, Körper und Gefühl für den Spielpartner. Für mich war es inhaltlich nicht so toll, weil man über das Schauspiel selbst nichts gelernt hat, hier besteht also Verbesserungsbedarf! Aber ich habe eben jenes schon in einem 'wirklichen' Schauspielkurs gemacht; ich kannte die Übungen und konnte mich besser auf ihre Wirkung konzentrieren. Denn wenn man sich gemeinsam total blöde verhält, schafft das wirklich ein Gemeinschaftsgefühl; man wird offener und hat viel Spaß zusammen, obwohl man sich total fremd ist! Das war echt toll!

Ich würde mir wünschen, dass es nächstes Jahr einen Klassikworkshop gibt, bei dem man historische Texte spielen kann, und einen Improvisations-Workshop, bei dem man sich diesem Thema mehr widmen kann. Und die Länge müsste verändert werden - 15 min ist zu wenig!

Da ich bis zum Kurzfilmprogramm noch Zeit hatte, geriet ich zufällig in den Saal der Hauptbühne, wo die Dresdner Philharmonie einen Ausschnitt aus ihrem 'Begrüßungsprogramm' des Schauspielhauses spielte. Nach der umbaubedingten Schließung des Kulturpalastes wird der weiße Bau gegenüber des Zwinger die neue Spielstätte des Orchesters. Die Schwärmerei über den Ausblick vom 1. Rang spare ich mir, wichtiger ist, dass ich noch nie ein professionelles Orchester live gesehen hatte - und es war beeindruckend! Ich kann weder die Stücke noch die Leistung der Musiker beurteilen, aber ... es hörte sich an, wie auf einer CD, nur besser, viel klarer, deutlicher... einfach sehr, sehr toll!

Danach folgte ein Best-Of des 24. Filmfestes Dresden, von dem aus technischen Gründen leider nur drei der vier Filme gezeigt werden.

Den Anfang machte der hochkarätig besetzte Pärchenabend, in dem mit einer Mischung aus Realität und Prolepse die Begegnung zweier Pärchen geschildert wird. Während sich der Fotograf von seiner konservativen Freundin missverstanden fühlt, ist seine Ex gerade frisch verliebt und kann sich selbst Knutschorgien im Fahrstuhl nicht verkneifen. Was ihr der Fahrstuhl, ist dem Fotograf das Bad, in dem er sich kurze Zeit später wieder findet, um sich von seiner Freundin zu trennen. Und am Ende gehen sie - die Verliebten sind kurz vor der Trennung, die kurz-vor-der-Trennung-Stehenden scheinbar vereint. Bezeichnenderweise heißt der Dreh- und Angelpunkt 'Sabrina' - Sabrinas haben schon immer Ärger gemacht :-) Ernsthaft: mir waren die Schnitte zu schnell, vieles nur angedeutet, alles wirkte wie ein Trailer. Am prägnantesten war die Szene, in der Sabrina und der Fotograf über ein gemeinsames Erlebenis lachen. Und lachen. Und lachen. Und alles nach einer Schauspielübung aussieht.


Danach folgte mit Luminaris ein wunderschöner Animationsfilm aus Argentinien.

Ein Mann stellt Glühbirnen her, seine Kollegin bringt sie zum Leuchten. Doch sein Traum ist es, eine Riesenglühbirne zu kreieren. Kurz, amüsant, ohne Längen und einfach total niedlich zeigt dieser Film uns die Erleuchtung :-)

Den Abschluss bildete Ast mit Last, ein Film über das Leben eines Vogels auf einem Ast. Besonders beeindruckend ist die Technik - man sieht scheinbar die Spuren der Entstehung - der Autor zeichnet und radiert für die nächste Einstellung wieder weg, überklebt usw. Ich fand das sehr, sehr spannend. Leider hat mich das vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Trotzdem ein sehr niedlicher Film!


Draußen rockten derweil 'Romain Rocks' (ich vermute, die Schülerband des Romain-Rolland-Gymnasiums, aber leider sagt auch das Internet nix); die Songauswahl hätte besser sein können und einheitlich sahen die Musiker nicht aus - aber sie wussten, was sie tun, wirkten sehr selbstbewusst!








Abends wurde dann weitergerockt - Baru, eine Indieband aus Königswalde, brachte mit Violine, 3 Sängern/Bassisten/Klavierspielern und dem Computer die Masse zum Kochen! Coldplayähnlich, nur rockiger, aber mit genauso gefühlvollen Texten bespielten sie die Bühne und animierten - leider zu wenige :-( - Menschen zum Tanzen.












Alles in allem eine gelungene Spielzeiteröffnung; vieles kann man verbessern, mehr Spritzigkeit, mehr Möglichkeiten, sich als Besucher aktiv zu beteiligen, aber dennoch sehr witzig, aufregend und chilllig!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)