Montag, 29. Oktober 2012

Offene Bühne Dresden (leider nur der erste Teil)

Schon seit Ewigkeiten (es sind... 6 Jahre) besuchte ich die Offene Bühne Dresden in unregelmäßigen Abständen, bis ich dem irgendwann überdrüssig wurde. Eine Freundin hat mich aber wieder hingeschleppt - und es war eine gute Entscheidung!



Offene Bühnen sind meist kostenlose Veranstaltungen, bei denen sich Künstler aller Künste - meist aber Musik und Literatur - vor Publikum ausprobieren können. 'Alte Hasen' sind genauso dabei wie Neulinge, die noch nie auf einer Bühne gestanden haben. Manchmal hat man sogar das Glück, und bekommt Lokalgrößen z.B. Thomas Jurisch (Veranstalter von Poetry Slams und [Kinderbuch]Autor) oder Roman Israel  (ein begnadeter Vortragender) zu sehen.

Die Dresdner Version findet jeden letzten Sonntag im Monat in der Blauen Fabrik auf der Prießnitzstraße 44/48 statt. Außnahmen bilden die Dezember-, weil alle nur feiern, und die Juli- oder August-Ausgabe, die Open-Air veranstaltet wird. Ursprünglich im Bogen unter der Albertbrücke findet diese nun wegen Baufälligkeit (noch ist kein Stein runtergefallen) in der Saloppe statt.

Dieser Offenen Bühne konnte ich leider nur zur Hälfte beiwohnen, weil ich morgen eigentlich früh rausmuss :-)




Den Anfang machten Hoch5, eine relativ junge Dresdner Deutschpop-Rock-Band, die sich durch intelligente Texte, die aus dem Alltag gegriffen scheinen, und eingängige Melodien auszeichnet. Highlight ist die Querflöte, die vielen Songs eine eigene Note, zumindest aber eine Prise Ingwer verleiht. Sie spielten ein Lied von den Denkern, eines vom Neuanfang und eines über Wirtschaft (glaube ich)







Danach war gab es Episch-Poetisches mit Moritz7. Er ist bekannt für seine ruhigen Texte, die das Alltagsgeschehen nüchtern vorgetragen beleuchten und zwischendurch mit Wortspielen glänzen. Um euch einen Einblick zu geben, hab ich mal einen Vortrag auf yt gesucht. Er las einen Text aus seiner Reihe 'Der Jeschke' vor, in dem es um das Warten ging.








Zweiter musikalischer Beitrag war ein Neuling - Florens Thamm. Optisch Hal Oszran in Fallen Angel ähnelnd verzauberte er mit hübscher Gitarre (ein Kranzmuster um das Schalloch), vielfältigem Gitarrenspiel (das rhythmisch an spanische Musik erinnerte) und ironischen Texten, die offenbaren, wieviel Potential in ihm steckt. Natürlich bleiben Klischees nicht aus, aber für das 'erste Mal' hat er es echt toll gemacht! Schade war, dass er manchmal übertrieben tief singt, mehr Lockerheit wäre cool, aber bei seinen Songs wirken die Paarreime richtig gut! Vorgetragen hat er 'Traum-Frau' (ironisch-entlarvend), 'Ich mag sie nicht' (nicht neu, aber herrlich knackig, offen) und das 'Antinichtraucherlied' (in dem die durchaus berechtigte Frage gestellt wird, warum man als Nichtraucher keine Kippen für die armen Raucher dabei hat - ich werde das ändern!)
 


Danach folgte Jonathan Ulrich, der angeblich schon auf Poetry Slams aufgetreten ist. Er trug ein Gedicht über den Arabischen Frühling vor. Das war - sorry - ein Reinfall, es hat mir überhaupt nicht gefallen. Die Reime waren schemenhaft zu erkennen, schlimmer war aber der Vortragsstil: wie ein Schüler in der siebten Klasse hat er das Gedicht übertrieben betont, untermalt mit 'Puff' und 'Bumm', er versuchte den Eindruck zu vermitteln, im Text zu stehen und zu wissen, wovon er redete. Stattdessen wirkte es aber völlig gekünstelt. Ich kann als Laie nicht erkennen, ob jemand schlecht schauspielert, aber hier habe ich leider gemerkt, was das bedeutet.

Der Text selbst war gut gegliedert: zuerst Allgemeines, danach der Verlauf einer Kugel, die einen Mann trifft, in allen Einzelheiten, dazwischen Bruchstücke seines Lebens. Allerdings wirkte es extrem klischeehaft, meine Freundin meinte, wie er sich erdreisten könne, über etwas zu schreiben, was er gar nicht erlebt habe. Ich sage es etwas netter: er hat die Zeitungsartikel aus Bild, Spiegel usw. ein Reime gequetzscht, mit der gleichen ahnungslosen Betroffenheit. Wir sitzen auf unserem Sofa und gucken in die tausende Kilometer entfernten Länder und sind geschockt. Wir sehen Bomben, die Häuser kaputt machen, und verstümmtelte Opfer. Wir bewundern Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen und hassen Diktatoren. Wir fühlen mit Menschen, die länger hätten leben können, hätten sie nicht in diesem Land gelebt, sondern in Deutschland. Aber wir haben keine Ahnung. Nicht von den Hintergründen oder sonst was. Wir betäuben damit nur unsere eigene Leere oder verschließen unsere Augen vor unseren Problemen. Ich habe mich mit der Situation nicht beschäftigt, daher will ich kein Urteil über den Arabischen Frühling fällen.

Aber wenn ich an meine Nachbarn denke und mich frage, wofür sie in ihrem Leben gekämpft haben, ob sie nicht auch etwas verloren haben und ob es ihnen besser ginge, würden sie nicht so leben, wie sie leben - dann stimmt mich das nachdenklich.

Danach folgte wieder Musik von David Walther. Er wirkte klein und knuddlig, ich hätte ihm am liebsten die Hand auf die Schulter gelegt, denn er trug sehr traurige Lieder vor. Das eine handelte von 'einem Freund, dem Schlimmes passiert ist', der sich aber 'nicht umgebracht habe' - er war nervös und dafür hat er das sehr gut gemeistert, aber dies Ansage versaut alles. 'Etwas Schlimmes' kann vieles sein, ich dachte an Prügel etc. - aber der letzte Satz macht es schlimmer als schlimm - man erwartet einen sehr tiefsinnigen, bedeutungsschwangeren Text, und dieses Gefühl wird man nicht los. Der Song an sich war voller klarer Worte und Hoffnung, aber nicht wirklich  konkret. Ähnlich war es beim zweiten Song, der von seiner Freundin handelte, die er liebe, mit der es aber nicht immer einfach sei. Es ging um Fische. Alles war sehr verschommen, zu mir ist die Botschaft nicht vorgedrungen. Außerdem war das Gitarrenspiel zwar nach zwei Songs noch gut, bei mehr würde es aber eintönig werden. Dennoch: er hat das gut gemacht :-) Und ich will ihm einen Lolli geben!

Danach gab es wieder amüsante Wortspiele mit Steffen Blaubach zu den Themen Wege, Post und Fische. Was das Vortragen von Dialogen betrifft, ist er mit dem Verstellen der Stimme und dem Drehen in verschiedenen Richtungen wirklich genial! Er ist Mit-Veranstalter der Offenen Bühne und tritt vielerorts auf.









Den ersten Teil beendete SaphireSound am Klavier, der in jeglicher Hinsicht auffällt. Nicht nur wegen seiner langen Haare, dem Schild mit der fb-Adresse oder dem verwaschenen Englisch, bei dem ich am Anfang nicht wusste, welche Sprache es war. Sondern, weil er lebt. Er bewegt sich am Klavier, er leidet mit, 'virtuos', sagte ich, 'übertrieben' meine meine Freundin. Die Melodien waren verschlungen, aber noch stimmig und sie waren vielfältig. Gut war, dass es nur wenige Enjambements gab, ich mag es nicht, wenn Wörter auf zwei Verse aufgeteilt und dadurch unnötig gedehnt werden. Einen Minuspunkt gab es aber für den Hinweis, die Setlist auf fb zu finden - nicht jeder ist auf Facebook und man möchte schon wissen, wie die Songs heißen. Ich fand das arrogant. Er spielte übrigens - soundcloud sei dank - 'Vodka' und 'Küss mich wach'

So, das war es also. Die restlichen Teilnehmer findet ihr in ein paar Tagen auf der Homepage :-)

Alles in allem war es wieder sehr schön, unterhaltsam und inspirierend!

Und hier noch einer, der noch da war, aber erst, als ich schon gegangen war:

Magnus Mond :-D


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