Samstag, 20. Oktober 2012

Trainspotting in der TU Bühne

Theater, Theater - wer kennt das nicht? Und ich liebe es! Besonders dieses kleine Theater, das zum großen Teil von Studenten geführt wird. Dort wird derzeit Trainspotting nach dem gleichnamigen Buch von Irvine Welsh aufgeführt.

Hier ist der Link zum Stück und hier das Schmackhaft-mach-Video auf youtube:


Die nächsten Termine sind:

07.11.2012 (Mittwoch)
09.11.2012 (Freitag)
10.11.2012 (Samstag)

Beginn ist jeweils 20:15 Uhr, der Eintritt kostet 7,50 EUR bzw. 4,50 EUR.

Trainspotting. Ein Kultroman, der kultverfilmt und auch schon an Theatern inszeniert wurde. Es geht um eine Gruppe Heroinabhängiger in einer schottischen Kleinstadt, die zwischen Draufsein, Runterkommen, Entziehen, Sex und Blödsinn hin- und herpendeln, immer mit dem Wunsch, die kleinbürgerliche Welt zu vergessen, anders zu sein.

Es gibt Figuren, für die scheint alles furchtbar leicht zu sein. Das ganze Leben ist ein Tripp, Runterkommen ein notwendiges Übel, aber kein Muss. Andere schließen sich nur aus Gruppenzwang und aus Frust jener Truppe an und stürzen tiefer, als man es den anderen wünschen will. Mädchen werden gefickt und verlieren ihr Kind - ob totgeprügelt vom Freund oder ein 'Plötzlicher Kindstod' infolge Verwahrlosung. Gejagt vom Sozialamt und anderen staatlichen Institutionen, die ihnen nur helfen wollen, diskutieren sie über Strategien, um ein Bewerbungsgespräch erfolgreich zu versauen und wen es am härtesten im Gefängnis trifft.

Soviel zur Geschichte. Und Jens Heuwinkel, ab dieser Spielzeit freier Regisseur am Theater, hält sich eng an die Vorlage - das betrifft nicht nur Inhalt und Dramaturgie, sondern auch den Erzählstil - wir stehen kommentierenden Figuren gegenüber, die das Publikum über skurile, traurige und ernste Passagen unterrichten.

Mark Renton rockt - sein mal hilfloser, mal ironisch glitzernder Blick passt super, die Frisur sitzt immer, die Gestik ist tol!

Sick Boy ist permanent aufgedreht, ich hätte gerne mehr gesehen!

Spud wirkt immer zerstreut, auch hier ist die Darstellung toll, auch wenn andere aus dem Publikum meinten, der Darsteller passe vom Typ her nicht.

Auch Thommy, dessen Darsteller, wie die folgenden auch, mehrere Rollen spielte, wirkte schön ratlos bzw. aggressiv (jetzt gehen mir die Figuren aus :-))

Herausragend waren die Damen: hatte das Mädchen im blauen Kleid als schwangere Freundin noch wenig zu sagen, blühte sie als penetrante Verehrerin Marks und zum Schluss als bitterböse Kellnerin richtig auf!

Sick Boys Freundin, deren Kind stirbt, wirkt immer in der Rolle, sogar Marks nervig-fürsorgliche Mutter nimmt man ihr ab - auf die Technik, wie sie ihre Haare hochknotet, sollte man achten - und ein Undercut kann auch sehr gut aussehen :-)

Die Leistungen waren also alle durchweg gut. Allerdings schwankten die Darsteller immer zwischen Dialekt und Hochdeutsch, was sie unglaubwürdig gemacht hat - manchmal waren sie in ihre Rolle hineingepresst, manchmal ging es.

Die Requisiten waren gut eingesetzt - die Rutschte dient nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Bett zum Fesseln beim Entzug. Als geniale Idee entpuppt sich ein Podest, auf das die Figuren klettern und Standesunterschiede deutlich machen können - beim Bewerbungsgespräch, bei der Gerichtsverhandlung usw. Der Fußboden ist mit Schaumstoffmaterial bedeckt, das als Fleisch, Babybauch und Boden eingesetzt wird.

Die Kostüme waren passend, besonders die Shirts von Mark (blau), Sick Boy (gelb) und Spud (rot) haben super gepasst!

Das Licht (für das übrigens der Intendant verantwortlich ist) ist wie erwartet eingesetzt worden - buntes Licht für Tripps und Disko, eher kaltes für Dramatisches.

Was mir aufgefallen ist: es gibt vieles, was typisch für Die Bühne ist, und einiges, was neu ist. Am Auffälligstens ist die Nähe zur Vorlage - waren die letzten Stücke eher frei, hält sich der Regisseur sehr genau an den Roman. Auch gesungen wird viel, gemeinschaftlich, was sehr schön ist, besonders am Anfang! Allerdings ohne das obligatorische Mikro, das von der Decke hängt. Außerdem wird wieder viel gefallen - ob zusammen, oder allein, einigen Schauspielern sieht man die Blessuren an. Und es gab keine Nebenmaschine - leider :P

Fazit: Inszenierung gelungen, kleines, feines Bühnenbild, hübsche Kostüme, authentische Darstellung. Mir war die Dramaturgie zu nah am Original, ich bin von diesem Theater mehr Fragezeichen gewöhnt :-) Dennoch: Reingehen, genießen und danach ein Gläschen Wein trinken :-D


Edit:

Der beste Song im ganze Film - Heaven 17 mit Temptation :-)

Hier die Inszenierung eines anderen Theaters:


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