Freitag, 25. Januar 2013

Bin ich schon krank? - Die Titelgeschichte des Spiegels

Guten Morgen!

Nach langer, langer Zeit habe ich es geschafft, die gefühlten 6 Seiten (mehr war es diesmal gar nich!) zu lesen. Und ich bin gespalten. Denn es war ganz anders als erwartet; was schien wie eine Auseinandersetzung mit der Frage "Was ist krank und was nur eine Störung?" war in Wirklichkeit eine Kritik am DSM - dem Handbuch für Psychsische Störungen, das Standart- und Nachschlagewerk eines jeden Psych... (-ologen/iaters/otherapeuten). Jeder, zumindest schonmal eine Störung gegoogelt hat, hat den Namen schonmal gehört.


Das Problem am Artikel ist: danach weiß ich auch nicht mehr darüber; der Artikel wirkt zwar relativ gut strukturiert (es gibt einen Anfang und ein Ende), aber man kann sich nicht so recht entscheiden, ob es nun Kritik an der Pharmabranche sein soll (das zwar sehr ausführlich, aber nicht wirklich tief), die Frage, ob es überhaupt so ein Manual eben sollte, das Prestige, das daraus besonders für die 'Erfinder' neuer psy. Störungen entsteht und - der Menschlichkeit.

Das fehlte mir in diesem Artikel wirklich; es gibt eine Einleitung mit einer Frau, die Jahre nach der Wende ihren Job verloren hatte und sich deshalb nicht gut fühlte. Mit ihr endet der Artikel auch. Aber mehr Beispiele werden nicht gebracht. Mich hätte interessiert, wo die Grenze verläuft - und vor allem, wie Psychologen mit dem Manual umgehen - ob es zu Fehldiagnosen kommt etc. - es wird alles allgemein angesprochen, aber nicht konkret. Die Psychologen, die ich kennenlernen durfte, waren nicht so versessen darauf, Medikamente zu verschrieben, ich habe sogar von einem Mann gehört, der bei einem Kind, das auffällig fidel war, kein ADHS sondern nur einen Bewegungsdran diagostiziert hat - dem Kind geht es heute sehr gut und es zeigt keine typischen Symptome einer ADHS. Man schaut sich den Patienten an und entscheidet dann. Die Definition ist ohnehin zweitrangig.

Was ich auch interessant fand ist der Umgang mit einem Mitglied aus der APE-Kommision; man hat sich dreimal mit ihm beschäftigt - einmal als Einleitung am Ende der ersten Seite, bei der (wirklich spannend) darauf hingetextet wird, dass sich sogar ein Mitglied selbst kritisch mit der Kommision auseinandersetzt. Später wird kritisiert, dass er wohl nur verbittert sei, weil seine gefundene Krankheit in das Manual aufgenommen wurde und er Angst vor Konkurrenz hat oder dass sie irgendwann wieder entfernt wird. Und im Anschluss wird er menschlich dargestellt, ein Mann, der einen großen Teil seiner Freizeit dafür opfert und sogar seine Ehe kaputt gegangen ist (kann man das auch als Anti-Marriage-Störung einfügen?) - er aber gleichzeitig mit Glasschreibtisch und extra Raucherbüro davon profitiert.

Leider reicht die Zeit nicht, aber eines möchte ich noch ansprechen: das Ende. Denn das ist wundervoll und zeigt, was aus dem Artikel hätte werden können. Es zitiert die Frau am Anfang, die sagt 'Das Beste wäre, ich würde eine Arbeit finden' - und das bestätigt mich in meiner laienhaften Meinung, dass viele Störungen der Neuzeit (ich rede nicht von wirklich heftigen Erkrankungen wie Schizophrenie usw.) auf eine Ursache zurück zu führen sind: Unzufriedenheit. Menschen sind unmotiviert und überfordert mit ihrem Leben. Und gleichzeitig sagt der letzte Satz, dass sich manchmal äußere Umstände ändern sollten.

Übrigens auch etwas, was mir gefehlt hat: Zwar zählt der Artitkl wundervoll auf, was mit dem DSM falsch diagostiziert wird, indem die Kriterien für einige Krankheiten aufgeweicht werden, und das der Gabe von Neuroleptika und Psychopharmaka Tür und Tor öffnet. Aber manche freuen sich vlt., weil ihre Störung endlich definiert ist - die Hoffnung der Patienen wird angesprochen, und den Gedanken, dass man denkt, weil eine Störung definiert ist, ist sie so gut erforscht, dass man einem helfen kann, kann ich teilen - und was international anerkannt ist, wird vlt. auch national anerkannt - der Kampf mit den Krankenkassen um Psychotherapien?

Ich glaube, ich werde mich nochmal ausführlich damit beschäftigen müssen, bis dahin entschuldigt meine laienhafte Meinung :-)

Mein Fazit ist aber: Der Spiegel weiß nich, wo er hinwill. Mal wieder. Kritik oder Menschlichkeit, das ist hier die Frage :-(


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