Sonntag, 13. Januar 2013

Der nackte Mann - Ausstellungen in Wien und Linz - Teil 1



Lange ist es her, aber der Sonntag ist so ruhig, dass ich ENDLICH mal meine Liste mit Ausstellungen, die ich besucht habe (meine Freunde wundern sich schon) abarbeite.


Vorgeplänkel

Ja, ich bin bekloppt und habe zuviel Geld (29 EUR mit dem Europa-Ticket nach Wien finde ich sehr günstig, auch die Jugendherbergen sind preislich super, aber: die Fahrt nach Linz kostet 35 EUR [hätte ich nur vorher gebucht...] und von Linz nach Hause habe ich ca. 70 EUR bezahlt - ouch!) und fahre nur wegen der legendären Ausstellung ins dialektfreundliche Ausland.

Nein, das war nicht mein völliger Ernst: Eigentlich wollte ich endlich mal die Stadt sehen, ich war bis jetzt immer nur mit oder wegen Menschen dort und es wurde mal Zeit, sie alleine zu erkunden, Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die schon immer auf meiner Liste standen und das Flair zu fühlen.

Ich und Wien....

Das ist eine Hassliebe. Ich dachte, Berlin ist so, weil ich diese Stadt auch liebe und nicht mag (obwohl hassen noch schlimmer ist). Mir gehen der Glamour und die Öffnungszeiten auf den Geist, aber es gibt sehr nette Menschen dort, tolle Architektur und U-Bahnen, die ich zwar cool finde, die mich aber auch sehr melancholisch machen - dunkle, dunkle Gänge. Das Schlimmste ist aber: man findet keine Ruhe. Überall glitzert und funkelt es, die Straßenbeleuchtung läuft auf Hochtouren und ich habe keinen Ort gefunden, an dem es still ist :-(

Kurz gesagt: Die Stadt tut mir weh, und gleichzeitig entdecke ich in tiefen Momenten immer ihre Schönheit  - und sie hat tolle Museen! Übrigens rausche ich auch in Wien überall rein - vor dem Parlament war eine Aufruhr, weil irgendein Promipolitiker da war :-)

Und warum jetzt die Ausstellung?

Tagtäglich begegnen uns nackte Frauen - auf Werbeplakaten und.... gut, es ist nicht nicht Quantität, sondern die Qualität - Frau = nackt = Sexobjekt. Mann = Anzug = Softie oder harter Kerl. Wenn ich an Frauen denke, denke ich auch als Frau an Brüste, wallende Haare, Taille - und trotz dieser Reizüberflutung vermitteln mir die Medien nur ein unklares Bild von Frauen; in Pornos sind sie die Handelnden, sie unterwerfen sich. Und gleichzeitig werden wir in Zeitschriften auf modeliebende Fashion-Victims reduziert, mit Ach und Krach auch auf eine Karrierefrau, aber selbst dann bitte nur mit Modetick! Dem entgegen stehen zwei Strömungen: die einen versuchen uns hervorzuheben, als Menschen mit Anspruch (auch wir mögen Pornos, aber dann bitte nur mit viel Romantik oder Domina-Getue, weil auch das Eingestehen der Vorliebe zu hartem, hartem Sex ein zuckersüßer Mädchentraum ist). Die anderen heben den Mann hervor - auch Männer haben Gefühle, Gedanken, sie sind vielfältig wie jeder Mensch. Und ich finde das gut, denn Rollenklischees benachteiligen Frauen nicht nur, sie bevorteilen sie auch, beispielsweise in Erziehungsfragen. Es geht oft nur darum, was die Frau nicht kann - arbeiten usw. Aber kaum jemand interessiert sich dafür, was der Mann kann - schwer Elternzeit nehmen usw.

Der Ausstellungsnahme ist sehr plakativ, daher wusste ich nicht, was mich erwartet - aber ich hatte mit Nachdenklichem gerechnet, Intellektuellem. Dass dem nur bedingt so war, lest ihr jetzt :-)

Leopoldmuseum Wien

Der Teil der Ausstellung findet in den wunderschönen Räumen des Leopoldmuseums statt. Da das wie das Mumok im Museumsquartier liegt, verweise ich für die Punkte 'Hinkommen' und 'Preise' auf die Ausstellungsreview zum Mumok. Der Einzelpreis beträgt 12 EUR/7 EUR.

Öffnungszeiten

Täglich außer Dienstag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Dienstag geschlossen.
Juni, Juli, August: täglich geöffnet!

(gesegnet seinen Copy and Paste)


Gebäude und Personal

Ich werde es kurz halten: Das Leopoldmuseum ist ein einem natursteinernen, viereckigen Bau untergebracht; zum Eingang führt eine Treppe, was nicht gerade rollkoffer-freundlich ist.

Seine Kleidung abgeben kann man an der Gardarobe, man bezahlt ca. 1 EUR, kann dort auch seine Koffer abstellen; Schließfächer gibt es, glaube ich, nicht. Ungünstig ist, dass der Museumsshop in der ersten Etage ist, man also sein Portemonee holen muss, um oben einkaufen zu können :-)

An den Wänden findet man sehr hilfreiche Informationstafeln zum jeweilgien Ausstellungsteil.

Das Personal ist sehr freundlich, man kann gut mit den Mitarbeitern reden und sie sind einfach nett :-)

Ausstellungen

Gustav Klimt - ein bisschen Klimt-Wahnsinn muss sein :-) Ich weiß nicht, ob der Teil noch zu sehen ist, er ist ca. 1/2 Etage groß und sehr aufschlussreich, weil man nicht nur die typischen Klimt-Werke sieht, sondern auch Landschaftsbilder ua. Das hat mich sehr beeindruckt!

Egon Schiele - war eine tolle Ergänung, weil Schiele auch in Der nackte Mann auftaucht. Er ist ein sehr.... melancholischer, zerrissener Künstler gewesen, denke ich, und es war gut, etwas über ihn zu erfahren. Außerdem umfasst die Ausstellung 'Der nackte Mann' den Zeitraum von der Antike bis ca. 1945, Schwerpunkt die Zeit um 1900, sodass es eine gute Ergänzung war.

Wien 1900 - eine spannende Möbelausstellung! Es gibt viele Vasen, Stühle und Tische aus der Zeit, was toll ist, weil es mal nicht so verschnörkelt, sondern eher sachlich, geradlinig war.

Japan - dieser Teil hat mich weniger interessiert, es war einfach zuviel :-) Beeindruckend fand ich die Fotografien, weil sie so klein und gleichzeit prägnant waren - Menschen bei der Arbeit, einfach Alltag.



Der nackte Mann (neu: Die nackten Männer)

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt um die Kunst um 1900, die Antike wird etwas aufgegriffen, danach folgt die Entdeckung von Männern als Aktmodelle und man findet auch ein paar Bilder aus der Neuzeit. Die Austellung ist historisch ausgelegt, alles steht in einem geschichtlichen Kontext - im Gegensatz zu Linz.

Der erste Raum ist beeindruckend: er ist hoch, von oben kommt Tageslicht rein und eine Wand ist dunkelgrün. In der Mitte stehen fünf Statuen, die männliche Abbilder von der Antike bis heute zeigen - am Anfang eine Steinskulpur, am Ende eine Schaufensterpuppe, deren T-Shirt man auch im Museumsshop erwerben kann. Das ist eine tolle Einleitung und zeigt, wie der Mann zur Kommerz wurde. Männlicher Ausverkauf :-)

In den folgenden Räumen sieht man viele, viele Bilder, Gemälde und Fotos. Der Aktfotografie wurde ein großer Raum eingeräumt, es gibt ganze Serien, in denen Männer putzige Posen einnehmen, damit Muskeln sichtbar werden oder man einfach sieht, wie der Körper in Bewegung wirkt. Sehr beeindruckend! Mich haben auch drei Selbstporträts eines Künstlers innerhalb von 3 oder 4 Jahren fasziniert - Stil und Selbstbild haben sich erheblich gewandelt, in den Texten auf der Tafel wird auch erklärt, warum.

Es gibt wirklich viel anzugucken!

Und am Ende...

.... habe ich nicht wirklich mehr zum Thema gewusst. Sicher, ich habe viele Bilder gesehen und viel über die Zeit des Impressionismus gelernt, aber man hat sich nicht getraut, sich wirklich mit dem Thema auseinander zu setzen. Der Betrachter ist gezwungen, zu sehen und selbst zu denken - aber es werden nur bedingte Anregungen gegeben; ich fühlte mich gar nicht in eine Atmosphäre versetzt, in der ich gut denken kann.

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