Mittwoch, 10. April 2013

Die Anwaltshure 1 von Helen Carter

Blue Panther Books fällt auf der Buchmesse immer durch (normal gekleidete) Damen auf, die kleinformatige Leseproben verteilen - heutzutage leider eine Seltenheit. Nachdem ich in den vergangen Jahren eifrig zugegriffen habe, las ich sie diesmal mit der Offenheit, etwas kaufen zu wollen. Und neben viel Schund ('Feuchtoasen' ist sehr, sehr porno) hat mich der Auszug aus 'Die Anwaltshure 2' überzeugt - also habe ich auf Amazon das E-Book gekauft.


Allgemeines

Blue Panther Books (Abkürzung BPB) vertreibt seine Bücher über diverse Online-Shops und einen eigene Online-Shop, im Realen findet man die Bücher eher selten, ich habe sie aber im FunFactory-Geschäft gesehen. Mein Buch habe ich über Amazon gekauft, wo es standartmäßige 9,90 EUR als Print (ISBN-10: 3940505307) und 8,95 EUR als E-Book kostet. Das Buch hat im Papierformat 256 Seiten.

Zum 2009 erschienenen Erstling gibt es 3 Forsetzungen.

Hier ist das Buch auf Amazon.

und hier die Leseprobe auf der Verlagsseite.

Zum Verlag

Weil ich ihn vorher nicht kannte und es ein paar Besonderheiten gibt, hier ein kleiner Abriss:

Blue Panther Books vertreibt vorwiegend erotische Romane, meistens Hetero-Geschichten, in Papierform, als Hörbuch und als E-Book. Die Bandbreite reicht von pur pornografisch über trivial bis hin zu Alltagsgeschichten mit deutlichem sexuellen Einschlag.

Vertrieben wird über das Internet, selten über Buchläden.

Gut ist, dass z.B. über Amazon auch Mängelexemplare für derzeit 4,90 EUR angeboten werden. Das finde ich umweltfreundlich und preisgünstig. Allgemein finde ich die Preise etwas hoch, besonders, weil der Unterschied zwischen E-Book und Papierversion so gering ist.

Wichtig: Guckt man auf der Verlagshomepage über 'Bücher', wird man auf die jeweilige Amazon-Page weitergeleitet. Es gibt aber zu jedem Buch eine kleine Leseprobe - die findet man aber nur über die Registerkarte 'Shop'!

Gut ist aber, dass grundsätzlich alle Shops vermerkt sind, in denen man die Bücher kaufen kann.

Zur Autorin

'Helen Carter' ist das Pseudonym von Petra Schäfer, einer studierten Germanistin, die im PR-Bereich arbeitet. Unter diesem Decknamen erscheinen Hetero-Geschichten, des Weiteren schreibt sie als 'Kathrin v. Potulski' und 'Cassandra Norton'auch Gay-Geschichten.

Bei BPB ist neben den Anwaltshure-Bücher im Februar 2013 'Rockstar' erschienen.



Gestaltung des Buches

Das Cover zeigt eine Frau unter einem Stehtisch, der Blick starr bis selbstbewusst, links unten ein Weinglas; sie wirkt, als säße sie auf einer verlassenen Party; ihre Haltung ist aber etwas verkrampft. Das Titelbild ist mit seinen Brauntönen sehr ausgeglichen, Titel und Autor sind gut platziert und deutlich lesbar.

Es gibt 14 Kapitel, die mit ihrer Groß- und Kleinschreibung auf erotische Doppeldeutigkeiten anspielen, die sich mir nicht immer erschließen. Nach dem zweiten der jeweils ca. 11 Seiten langen Kapitel findet sich der Gutschein-Code, mit dem man sich - mit entsprechender Registrierung! - von der Verlagshomepage ein Zusatzkapitel im pdf-Format herunter laden kann. Dabei handelt es sich um das erste Kapitel des zweiten Bandes, das jedoch auch als eigenständige Geschichte funktioniert, weil die Handlung eher episodenhaft mit rotem Faden ist.

Positiv ist, dass die Kapitel auf einer neuen Seiten beginnen und auch innerhalb dieser großen Abschnitt in kleine unterteilt wird.

Nervig finde ich die Werbung für weitere Werke des Verlages am Ende.

Handlung

Ausgangspunkt ist Emma, die als Aushilfe in einem Buchladen arbeitet und sich auf die völlig aussichtslose Stelle bei einem Anwalt bewirbt. Genretypisch wird die naive, unbedarfte und genervte Protagonistin von George engagiert und soll als Escort-Dame für dessen Klienten arbeiten. Neben ihrer Faszination für den alten, smarten Anwalt steht ihr dabei sein Sohn Derekt, der widerwillig als dessen Handlanger arbeitet, im Wege. Und schon haben wir das fröhliche Beziehungsdreiecke aus zwei Unausstehlichen und einem naiven Mädchen.

Gliederung

Haupthandlungsstrang ist Emmas Job bei  George und der Konflikt zwischen ihr und Georg und Derek. Dazwischen gibt es Episoden mit Männern, Orgien usw., von denen Emma fasziniert ist und die für weitere Episoden taugen - die einzelnen Geschichten sind also nicht abgeschlossen, wenngleich es die Körperlichkeiten sind - aber die Autorin vermittelt den Eindruck, dass sich die Verhältnisse weiter entwickelnt könnten.

Ich finde die Gliederung in Ordnung, sie ist aber von Anfang an auf Fortsetzung angelegt. Außerdem ist es gut, dass sich die jeweiligen Geschichten nicht belanglos und wie Perlen auf einer Schnur aneinander reihen, sondern immer in sehr enger Beziehung zum roten Faden stehen und daher Spannung aufkommt.

Charaktere

George erscheint mir als grauer Herr, der Macht hat, vor allem über Emma, stellenweise aber auch emotional, hilflos wirkt. Er fordert viel und hat den Anspruch sich durchzusetzen. Er nimmt sich selbst als Monster wahr und warnt Emma davor.

Derek ist Georges Sohn und wirkt anfangs noch sympatisch; jugendlich und charmant, offenbahrt aber, dass er genauso fordernd und zickig wie sein Vater sein kann. Als Handlanger kämpft er um Anerkennung, wehrt sich aber gleichzeitig gegen die bloße Rolle als 'Sohn von...', woraus viel Wut entsteht.

Emma ist die Hauptfigur und aus ihrer Perspektive ist das Buch erzählt. Sie ist naturgemäß unerfahren und naiv, genervt von ihrem Leben. Erstaunlicherweise findet sie sich schnell mit ihrer Rolle als Hure ab und bezeichnet sich so, ohne, dass sie von George so genannt wird. Emma legt sich somit auf den Charakter der Hure fest und will diesem gerecht werden, kann es aber auch wundervoll ausnutzen - der neue Status gibt ihr Selbstbewusstsein, weil die Männer mit ihr ausgehen WOLLEN.

Die Sexszenen

Es gibt einige dieser Szenen, nach einer langen, ruhigen Einleitung wird man fast von ihnen erschlagen. Die Ideen sind teils ungewohnt (Sex in einer Buchhandlung), teils banal (Orgie in einem Restaurant), aber nett beschrieben. Man kann sie immer nachvollziehen, allerdings kam keine erotische Stimmung auf, weil die Perspektive nervte.

Der Rest

Im Gegensatz zu anderen Büchern gibt es hier eine ausführliche Einleitung, auf den ersten Seiten passiert nichts Sexuelles, Emma beschreibt ihr langweiliges Leben.

Gut finde ich, dass sie auch persönliche Empfindungen schildert, die ich gut nachvollziehen konnte, besonders wenn es um das Entdecken des eigenen Ichs geht. Außerdem beschreibt sie stellenweise sehr ausführlich und fokussiert sich auf scheinbar banale Details, was gut vom Sexuellen ablenkt.

Schreibstil

Die Ich-Perspektive ist immer problematisch, und was aus Emmas Perpektive erzählt wird, ist gut - interessante Selbsterfahrungen und Beobachtungen.

Das große Minus ist aber das WIE! Alles wirkt extrem genervt, überbetont, als wollte man sagen: Seht hier, ich schreibe nicht nur über Sex, sondern auch über andere Sachen - aber andere Sachen sind so schrecklich, dass mir nur der Sex bleibt! Ich fühlte mich schmerzhaft an die Szene aus 'Dirty Dancing' erinnert, in der Baby auf die Party kommt und trotzig den legendären Satz sagt: 'Ich hab eine Wassermelone getragen!' - sie ist nur zufällig reingeraten, aber damit niemand denkt, sie sei ein naives Mädchen, hat sie die Wichtigkeit ihrer Aufgabe betont - denn eine große, schwere, sperrige Wassermelone zu tragen, das erfordert Einiges! Und davon abzulenken, dass es nur um Sex geht, ist eine große Kunst!

Ich denke, dass die Autorin hier in einem großen Konflikt stand - sie hätte gerne einen normalen Gossip-Frauen-Roman geschrieben, aber davon kann man nicht leben - sex sells. Ich habe auf jeder Seite ihr Potenial für solche Alltagsgeschichten gesehen - schade, dass sie das nicht ausführen kann.

Allerdings ließ sich die Geschichte gut und flott lesen, es gab manchmal ein paar Fremdwörter, die nicht ganz passten, aber insgesamt war es sehr angenehm. Außerdem gab es wenige Schusselfehler (ich glaube, einen oder zwei)

Fazit

Das Buch war besser als erwartet und ich werde die Fortsetzungen lesen, weil die Geschichte spannend ist. Die Geschichte ist etwas fundierter als andere Geschichten, die nur auf Sex aus sind, und ich mag die Figur und ihren Blick für Details.

Der Schreibstil ging mir manchmal auf die Nerven, aber das muss man aushalten.

Für mich eines der guten erotischen Bücher.

Anmerkung: Ich hab die Rezi (nur ohne Links) auf eine Bewertungsportal veröffentlicht.

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