Dienstag, 30. April 2013

Traue niemals einem Vampir - Diana Scott

Hallo,

nachdem die letzte Review eher spontan war, habe ich an diesem Buch tatsächlich einen ganzen Monat lang gelesen - in der Straßenbahn :-) Und es ist ca. 4 Stunden her, dass ich endlich damit fertig geworden bin.

Kleine Vorwarung: wenn ihr eine ordentliche Rezi haben wollte, guckt bitte auf Amazon.


Vorgeplänkel

Ich muss beim Lesen des Buches ziemlich komisch ausgesehen haben, weil ich dauernd mit dem Kopf gegen Glasscheiben schlug, in peinlichen Kicherkrämpfen versank oder mit den Augen rollte, weil mir alles furchbar klischeemäßig und erwartet vorkam. Besonders am Anfang war es echt hart. Ich hatte nicht viel erwartet, aber es war... heftig. Es gab soviele Dinge, über die ich mich aufgeregt habe.

Irgendwann hatte ich mich aber an den Stil gewöhnt und es war gar nicht mehr so schlimm - wobei sich natürlich die Frage stellt, ob das die Gewöhnung war oder die Autorin besser wurde....

Außerdem habe ich mir irgendwann die Frage gestellt, wie gemein man eigentlich sein kann und wessen Schuld es ist, wenn ein Buch nicht so gut ist, wie man es hofft. Dabei bin ich auf folgenden Gedanken gekommen:

Man unterstellt dem Autor immer, er sei einfach dumm. Er sei zu blöde zu erkennen, dass sein Buch nichts taugt, man fragt sich, warum er es nicht merkt, dass die Dialoge so gekünstelt sind. Oder man wirft ihm vor, einfach seine kleine, nette Fantasie aufgeschrieben zu haben.

Und ohne die Autorin gefragt zu haben, denke ich mir allgemein: sie wissen es einfach nicht besser. Mal abgesehen von biografien-schreibenden Superstars will jeder Autor ein gutes Buch schreiben - ein Buch, das ihm vor allem selbst gefällt, das er gerne lesen würde. Und manchen (ich zähle mich auch dazu) wollen genau das schreiben, was sie gerne lesen, sie wollen ihre eigene, kleine Geschichte schreiben und nebenbei ihre eigenen Ansichten darstellen - ihre Meinung literarisch verarbeiten. Man kann das auch nicht in Arbeit messen - ein Autor mit brillianten Sätzen kann sein Werk an einem Tag niederschreiben, während einer mit mäßigem Stil an jedem Kapitel eine Woche arbeitet - bei manchen fließt es, bei manchen nicht. Und dann kommen natürlich ein guter Lektor und eine kritische Testleserschaft dazu.

Natürlich klingt das jetzt so, als würde ich den anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Und man kann nicht jeden zwingen, kritisch über das Werk eines Freundes zu urteilen. Nicht jeder hat sich einen Blick für Details, Pro und Con antrainiert. Aber: keiner würde sein Buch gegen alle Widerstände veröffentlichen. Künstler sind empfindliche Menschen, manchmal sehr egoistisch und kritikresistent, manchmal aber auch leicht zu verletzen. Und wenn viele Leute aus dem Umfeld sagen: Guck nochmal drüber, denk nochmal anders - dann würde man etwas ändern und es nicht entgegen aller Widerstände veröffentlichen.

Es gibt einfach zuviele Leute, die ein Buch  mit 'Gefällt mir nicht' abharken - das ist so schade!

So, und jetzt zurück zum Buch!

Allgemeines

Das Buch ist im AAVAA Verlag erschienen und hat 295 Seiten. Die Printversion (ISBN 10: 3862542858) kostet 11,95 EUR, das E-Book bekommt man für 6,99 EUR. Außerdem gibt es eine 247 Seiten starke englische Print-Version (ISBN 10: 3862549909), die ebenfalls 11,95 EUR  kostet.

Eine Fortsetzung ist lt. der Autorin geplant.

Zur Autorin

Diana Scott stammt aus Baden-Würtemberg und hat einen kaufmännische Ausbildung absolviert. Mittlerweile lebt sie mit Mann und Kindern in Berlin. Begonnen hat sie als Hobbyautorin im Internet.

Diana Scott hat neben ihrem Roman Geschichten in folgenden Anthologien veröffentlicht:

Mitten unter uns (2010)
Pendulus und andere gruselige Geschichten (2010)
London (2011)
Vampire sind überall
Vampire Cocktail

Hier ist die Autoren-Page


Cover

Das Titelbild ist schlicht, aber einprägsam: ein schwarzer Hintergrund, aus dem das halb-beleuchtete Gesicht eines Vampires mit leuchtend rot-orangenen Augen erscheint, das Gesicht selbst wirkt blau-grau. Titel und Autor sind mit einem Farbverlauf in rot bzw. grau gedruckt, ich finde es gut lesbar. Meine Freundin fand das Cover gut, mir war es etwas zu simple.

Großer Minuspunkt ist die Beschaffenheit: nach vier Wochen täglichem Lesen in der Straßenbahn hat es einige nicke und die oberste Schicht löst sich an den Kanten leicht ab. Natürlich ist das eine hohe Beanspruchung, aber andere Bücher schlagen sich besser, meist, wenn das Cover etwas sturkturiert ist.

Inhalt

Kimberly und Angela, zwei relativ junge Immobilienmaklerinnen, treffen beim Verkauf eines alten Hauses auf die beiden Brüder Nicolas und Vasco, die nicht nur sehr schön sind, sondern die beiden auch auf unheimliche Weise anziehen. Schnell stellt sich heraus: Kimberly ist die Auserwählte, die mit Nicolas ein Kind zeugen sollte, falls diesem etwas passiert. Während ihre Freundin mit Vasco anbandelt, gefällt Kimberly das nicht. Hinzu kommt, dass der faszinierende Jacques, den sie auf der Zeugungsparty trifft, wesentlich netter ist. Leider wird er etwas zu aufdringlich und will Kimberly schlussendlich umbringen. Zufällig erhält sie ein Angebot aus Amerika, ist aber auch dort nicht vor Jacques sicher.

Spoiler:

Doch es gibt ein Happy End - Nicolas war mit Jacques Schwester zusammen, die nach ihrer Verwandlung auf mysteriöse Weise starb. Da Jacques Nicolas dafür verantwortlich glaubt, will er diesem das Wichtigste nehmen. Esstellt sich aber heraus, dass Atheka, eine Freundin der beiden Brüder, Nicolas Geliebte aus Eifersucht töteteund nun auch Kim nach dem Leben trachtet. Aber der Feind kann vernichtet werden und alles ist gut.

Umgebung

Ich mag keine langen Beschreibungen des Handlungsortes, aber hier war es mir zuwenig: ein Großteil der Geschichte spielt in einem alten Haus, aber davon liest man sehr wenig - nur die wichtigsten Zimmer werden beschrieben, auch sonst beschränkt sich die Autorin auf ein paar Eckdaten. Ich finde das sehr schade, da dadurch auch ein Stück Atmosphäre verloren geht.

Beschreibung der Vampire

Ich war überrascht, so wenig in dem Buch davon zu lesen, es gibt einfach zuviel Handlung. Alle Vampire sind schön, auch wenn die Figuren nicht in sie verliebt sind, und sie haben eine erotische Anziehung. Meistens haben sie lange Haare. Die Vampire müssen tagsüber in Särgen schlafen, können sich aber offensichtlich spiegeln. Wenn sie wütend werden, werden ihre Muskeln stärker und ihre Augen funkeln bedrohlich, für Außenstehenden wirken sie damit sehr furchterregend. Wenn ein Mensch von einem Vampir gebissen wurde, ist er an ihn gebunden, d.h. er muss das Blut des Vampires trinken, um zu überleben. Die Kommunikation über Gedanken ist ebenfalls möglich, dies geht bis zur Gedankenkontrolle bzw. einem Trancezustand.

Die Autorin hat sich auf das Wesentliche beschränkt und fast nichts Neues hinzugefügt. Für Leser, die damit vertraut sind, ist das gut, denn man erfährt nichts, was man schon weiß. Für mich als Neuling war es aber zu wenig.

Dramaturgie

Ich hätte es fast übersehen (s.u.), aber das Buch ist gut gestaltet: es gibt eine Einleitung inkl. Vorstellung der Protagonisten, einen Gegenspieler, ein paar Helfer, die auch als Ablenkung für die Helding dienen, eine  Feindin, die vorgibt zu sein, was sie nicht ist. Es gibt spannende und ruhige Passagen und den Showdown am Ende.

Wiederholt fragt man sich, ob Kim nicht doch einen anderen Partner als den ihr vorherbestimmten Nicolas wählt und ob sie überlebt. Auch wenn relativ früh klar ist, wer der Feind ist, war es unterhaltsam zu lesen.

Die Autorin hat damit das Rad nicht neu erfunden, aber die Umsetzung des Bekannten ist gelungen - und das kann nicht jeder!

Charaktere

Es wird ihnen mehr zugesprochen als sie sind. Kim ist die Heldin und wirkt trotzig, während Angela Vasco sofort verfällt, sie arrangiert sich eher mit dem späteren Leben als Vampir, steht ihrer Freundin aber treu zur Seite.

Beide eint der Humor, der zwar da ist, mich aber nicht zum Lachen anregt, weil der Stil gekünstelt ist. Nicolas soll bedrohlich erscheinen, Vasco eher nett und besonders am Anfang eher untergeben. Jacques ist  charmant und gefährlich.

Das Problem bei allem ist: es kommt nicht rüber, weil die Dialoge sehr, sehr konstruiert sind.

Die Erotik

Wenn man mir dauernd ein Stück Kuchen zeigt, dann will ich es irgendwann essen - aber irgendwann bin ich immun dagegen und frage mich, ob ich das Stück überhaupt bekomme. Genauso ging es mit mit dem Buch: es wird dauernd angedeutet, aber erst kurz vor Schluss intensiv vollzogen (abgesehen von der Zeugung im ersten Drittel und der Verführung durch einen Nebencharakter im letzten Drittel). Kim findet alle Vampire erotisch, sie spürt die Erregung, aber dieser Dauerzustand wird irgendwann langweilig. Selbst Situationen, die eigentlich spannend und erregend ist, hatten auf mich keine Wirkung, weil ich irgendwann wusste, dass nichts passiert und weil man wusste, dass sie nur mit Nicolas schlafen würde.

Stil

Der größte Kritikpunkt, der dazu führt, dass man das ganze Buch nicht mag, wenn einem nicht auffällt, dass es mit etwas mehr Lockerheit besser und angenehmer lesbar wäre.

Das Buch lebt von der Ich-Perspektive und den Dialogen, es wird ziemlich viel geredet. Die Sätze sind konstruiert, das beginnt bei den korrekt ausgeschriebenen Verbendungen ('denkE'...) und endet bei langen Passagen, die zwar nett klingen, die man aber in der Realität nicht so sagen würde.

Besonders auffällig sind die Anreden: Angela und Kim reden sich meist mit Schatz, Liebling oder Süße an, sodass ich ihr Alter zwischen 15 und 55 geschätzt habe, weil sie stellenweise wie ältere Damen beim Kaffeeklatsch wirkten, manchmal aber wie Teenager auf der Straße.

Außerdem ist die Satzstruktur anfangs sehr monoton und unbeabsichtigte Wortwiederholungen treten auf.

Positiv ist, dass es fast keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler gibt, diese sind dafür aber auffällig: ein das/dass-Fehler, ein vergessener Buchstabe und ein falsch geschriebener Antagonist im Klappentext.

Fazit

Das Buch ist gut - es ist unterhaltsam, gut gestaltet und leicht zu lesen. Es krankt aber am Schreibstil und das sehr stark; klare Tatsachen wirken damit noch klarer und dadurch klischeehaft.

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