Mittwoch, 29. Mai 2013

Aus meinem Alltag - Ich sehe dicke Menschen!

Hallo,

die nächste Rezi steht schon in den Startlöchern (ich glaube, das mache ich zu meinem Einleitungssatz :-)), aber ich möchte spontan über ein Thema bloggen, das mich schon seit einer Weile unbewusst beschäftigt, seit ein paar Wochen intensiver: Dicke Menschen. Anlass dafür war, dass ich Femme Fatale abboniert habe. Sie ist eine Beautybloggerin und deswegen verfolge ich auch ihr virtuelles Tagebuch. Aber zunehmend - für meinen Geschmack nich genug :P - schreibt sie auch über das Dicksein und den Umgang damit. Un
d das hat erst mein Bewusstsein geschärft und mich dann zum Nachdenken angeregt.

Thin is in, bitch!

Ich habe es gut - ich bin schlank (was ich manchmal hasse), als Kind trug ich ein Schildchen 'magersüchtig' um den Hals und die Lehrer wollten mich sogar zur Zunehm-Kur schicken!

Ich hab kein Problem mit meiner Figur und die meisten meiner Mitmenschen auch nicht. Ich gehe in der Masse regelrecht unter.

Auch wenn es heutzutage im Trend ist, sich über Magermodels aufzuregen, ist das nichts im Vergleich zu dem, was dicke Menschen erleiden. Das klingt übertrieben, aber es ist so: Die Diskusion um zu dürre Mädchen gibt es seit ein paar Jahren; davor wurde zwar in JEDER Jugendzeitschrift vor Magersucht gewarnt (warum nicht vor Fettleibigkeit?), aber erst, nachdem sich Models zu Tode hungerten, kam das Thema in Mode. Ich habe das Gefühl, dass manche Designer sich durch die von den Medien erzwungene Beschränkung der Körperfülle gekränkt fühlen und aus Trotz nur Mode für Magere machen. Und man kann mit einer fast glatten Leinwand anders umgehen, als wenn man dreidimensionale Kurven hat - für manche Künstler ist das eine Herausforderung, andere sind damit überfordert. Und: Mode wiederholt sich. Alles war schonmal da. Und da ist es natürlich praktisch, wenn das einzige, was definitiv verändert werden kann, das Gewicht ist - das Kleid ist banal, aber wenn man die Rippen sieht, ist dem Designer ein Platz in der Front-Row der Klatschpresse sicher!

Und ich muss gestehen, ich bin manchmal kein Stück besser: Ganz junge Mädchen, denen man ansieht, dass sie mit ihrem zu schnell wachsenen Körper überfordert sind, bemitleide ich, weil ich weiß, wie scheiße es ist, dass man essen kann, was man will und sich nix tut. Und extrem dürren, aber aufgepimpten Tussen möchte ich gegen ihre Streichholzbeinchen treten, damit sie wegbrechen - knack... Aber ich denke auch, dass eine Skinny Jeans nur an dünnen Beinen gut aussieht. Viele Klamotten sehen an dünnen Menschen besser aus, weil ein Farbfleck besser aussieht als ein riesiger Farbklecks.

Was nicht geht - und ich total abstoßend finde! - sind ausgemergelte Gesichter, eingefallene Wangen und strohiges Haar; Menschen, denen man ansieht, dass sie ihren Körper ruinieren und stolz darauf sind. Aber übertriebener Stolz ist ohnehin nicht gut...

(es ist echt schwer, eine Meinung zu posten, obwohl man sich der Gegenmeinungen bewusst ist, aber einfach kein Platz da ist :-))

Fat is mad!

Meine Haltung zu dicken Menschen war schon immer eher einfach: Bei Freunden, die zuviele Kilos haben, übersehe ich das einfach, nach ein paar Minuten sehe ich ihr Wesen und der Rest interessiert mich nicht. Leute auf der Straße verachte ich.

Aus meiner Kindheit hallt noch der Satz "Guck dir das fette Mädchen an!" - von meinen Eltern. Ich glaube, die Optik ist das einfachste Merkmal, nach dem man Menschen einteilen kann, aber ich habe auch gemerkt, dass sie das letzte Mittel ist, um jemanden zu beleidigen - wenn man den Menschen schon nicht mag, dann sind die Kilos das I-Tüpfelchen. Es ist weit verbreitet, dass man zuerst mit dem Aussehen anfängt und dem Menschen dann Charaktereigenschaften zuordnet. Aber was sieht man denn zuerst, wenn man eine Person bemerkt? Ihren Gesichtsausdruck, Kleidungsstil, Gang. Und wenn dieser schlecht ist, dann vermuten wir, dass die Person unfreundlich ist oder nichts leistet. Dass sie auch noch dick ist, macht es nur einfacher, den negativen Eindruck beizubehalten.

Stellen wir uns vor: Jemand betritt einen Raum, strahlendes Lächeln, begrüßt alle nett - und dann sehen wir nach unten und sehen, dass er etwas anderes ist als wir :-) Keiner würde solch einem Menschen zutrauen, dass er unqualifiziert ist.

Andererseits liegen in der Schublade 'dick' auch viele, viele Vorurteile - sie essen zuviel (immerhin genießen sie), sind faul (wenn sie faul wären, würden wir sie nich auf der Straße rumlaufen sehen...), sie sitzen zuhause und grummeln über ihr Leben und sie sind undiszipliniert, weil sie keine der Super-Fernseh-Diäten durchhalten. Und natürlich Mitleid, weil es so schwer ist, wenn man nicht dem Schönheitsideal entspricht und das auch noch weiß!

Den Gesundheitsaspekt, Pro und Contra, lasse ich mal außer Acht.

Bloom me, green me, let the prejudices leaving me!


Seit ich Femme Fatales Blog lese, ertappe ich mich dabei, wie ich dicke Menschen ansehe und mich frage, warum ich sie so hässlich finde.

Der Gesichtsausdruck macht eine Menge aus, aber nicht jeder hat gute Laune.

Vielfach liegt es tatsächlich an den Klamotten: sie ähneln meist Kartoffelsäcken. Und nein, ich hab mich noch nicht in ein Übergrößen-Geschäft reingetraut :-) Es gibt soooooooooooo viele Kleidungsstücke für normal-gewichtige Menschen, verschiedene Stoffe, Schnitte usw. Aber bei Dicken ist die Auswahl mager.

Und wenn, dann sind die Klamotten unvorteilhaft: entweder indem man die Schnitte auf größere Klamotten überträgt (sodass die Proportionen nicht mehr stimmen) oder in dem man sich an gut gemeinte Regeln hält - keine Teilung der Körperachse, unschöne Stelle kaschieren usw.

Ich denke, man sollte woanders ansetzen:

Was ist denn da?

Natürlich wird die Figur mit zunehmender Körperfülle immer spezieller, gerade was die breite Masse der Kunden betrifft - ein Brett ist ein Brett, aber manche Menschen haben mehr Busen. andere mehr Hüfte, bei manchen ist das Fett eher gleichmäßig verteilt, bei anderen konzentriert es sich irgendwo. Da sollte man flexibel sein.

Aber: Das ist eine riesengroße Fläche, auf der man soviel machen kann! 

Niemand sollte wie ein Clown rumlaufen, nur, weil man eine große Fläche zum Gestalten hat :-)

Aber kein Shirt kann Fettröllchen überdecken - es sei denn, man trägt echt einen Kartoffelsack xD Dann kann man sie doch einbinden - wenn sie sinnvoll ins Outfit integriert sind (Streifen?).

Ein schönes Outfit ist findet ihr hier.

Conclusion - Fuck the illusion!


Ja, weg mit der Illusion, dass die Welt nur eindimensional ist und dicke Menschen kein Recht auf Fashion haben! Anstatt uns zu beklagen, wie dick (oder auch dünn) wir sind, sollten wir es als Geschenk betrachten: wir wollen eigen sein - unsere Gene geben uns die Chance dazu! Wir können nähen, uns austauschen usw. - heutzutage ist das alles möglich :-)

Mir gehen Vorurteile und Trotzhaltungen auf den Keks - auch meine eigenen.

Ich will, dass dicke und dünne Menschen sich und vor allem die Mode repräsentieren - auf EINEM Laufsteg!

Wir sollten unsere Mitmenschen als Bereicherung betrachten und sie nicht verachten. Denn jeder kann insprierend sein :-)

Und ich will meiner Freundin sagen, dass sie tolle Farben trägt. Und einem Bekannten, dass sich sein Shirt mit Unterfüllung besser anfühlt. Einem
Ex-Freund, dass er schöne Lippen hat. Und einem Kollegen, dass ihm Pullunder super stehen :-)

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