Samstag, 25. Mai 2013

"Blind Date in der Therme" von Georg Greiner


 Hallo liebe Leser!

Die Rezi zu "Anwaltshure 2" bettelt mich sehnsüchtig an, doch ENDLICH geschrieben zu werden, aber die Muse zickt grade rum. Und da ich als *wichtig tu* Ex-Hartz IV-Kind alles nehme, was es gratis gibt, habe ich mir spontan das Buch runtergeladen.

Illustriert wird dieser  Eintrag übrigens von Bildern, die es nicht in die Feuchtoasen-Rezi geschafft haben :-)





Allgemeines

Das Buch hat 436 Positionen, Amazon gibt 35 Seiten (6500 Wörter) an, und kostet normalerweise 2,99 EUR. Heute gibt es das Buch im Rahmen einer Gratis-Aktion kostenlos.

Der Autor

Etwas über den Georg Greiner herauszufinden ist nicht einfach, er hat zwar eine Facebook-, aber keine Autorenpage. Laut Internet arbeitet er tatsächlich als Professor für Völkerkunde in Wien, was man auch an einem kleinen Fehler im Buch sieht - am Anfang wird die Kasse 'Kassa' genannt :-)

Auf Amazon sind 18 Werke von ihm gelistet, die in den Bereich Erzählung einzuordnen sind.

Das Cover

Das Titelbild ist sehr knallig, man sieht eine Frau durch einen Pool schwimmen. Das Blau ist mit einem dünnen roten Rahmen versehen, auch der große Titel und der Autor sind knallrot. Es erinnert mich an die 80iger, schlimmer ist aber: es flirrt fast.

Was passiert?

Und ja, ich spoilere :-)

Ein alter Mann und ein junges Mädchen, die über das Internet zahlreiche erotische Gespräche geführt haben, treffen sich in einer Therme, haben an verschiedenen Orten Sex und gehen am Ende wieder getrennte Wege.

Charaktere

Georg ist 45 und sein gleichnamiger Onkel war ein Völkerkundler. Die Geschichte beginnt und endet bei ihm, sie wird personal aus seiner Sicht erzählt. Georg zweifelt an sich und seinem Aussehen und versteht nicht, warum sich ein junges Mädchen für ihn interessiert. Gleichzeitig ist er fasziniert und genießt ihre Zuneigung.

Michelle ist Anfang 20, jugendlich und drängt nach vorn. Außerdem scheint sie Georg über ihre privaten Probleme aufgeklärt zu haben.

Insgesamt sind die Charaktere eher oberflächlich. Das ist für eine Geschichte dieses Genres zwar nicht ungewöhlich, jedoch hätte ich mir aufgrund der Thematik etwas mehr Tiefe gewünscht.

Der Alterskonflikt

Das Grundthema ist auf den ersten Blick plakativ, aufgrund der Medien auch provokativ, bei genauerer Betrachtung jedoch sehr vielfältig.

Denn es ist nicht nur das 'sexy Äußere' einer jungen Frau und die 'Erfahrung' eines alten Mannes. Sondern vor allem Vertrauen und Werte. Bin ich es als junge, unerfahrene bis naive Frau wert, von einem alten Mann, der vieles erlebt hat, gemocht zu werden? Bin ich es als alter Mann mit meinen Falten und der Erfahrung wert, von einer jungen Frau gemocht zu werden? Außerdem - diese Frage greift auch das Buch auf - wird diskutiert, was die beiden ineinander sehen - Georg fühlt sich geehrt, weil Michelle ihm eingies von sich erzählt hat. Michelle schätzt seine Erfahrung.

Und natürlich spielt auch Sex eine Rolle - Michelles Aussehen und Georgs Fähigkeit sie zu überraschen.

Insgesamt wird im Buch auch nur wegen neben den Sexszenen erwähnt. Michelle und Georg sehen mehr ineinander als bloße Sexpartner, es wird aber kaum erzählt. Das ist sehr schade.

Was man dem Autor aber auch nicht vorwerfen kann ist, dass er das Thema ausgenutzt hat - der Erzählstil ist zu ruhig, als dass es die mega-heiße Fantasie eines Greises ist, der endlich mal wieder mit einer jungen Schnecke ficken will, damit er sich bestätigt fühlt.  Ich hatte das Gefühl, dass er mehr sagen wollte, sich aber nicht getraut hat.

Schreibstil

Der Stil ist ruhig und gekonnt, aber nicht erregend. Der Autor weiß, was er tut, es gibt kaum Wortwiederholungen und ich habe nur einen Tippfehler gefunden. Es lässt sich wirklich gut lesen! Doch durch die personale Perspektive Georgs schwingt in jeder Zeile Selbstzweifel mit, selbst, als Michelle ihn verführt, wirkt es eher berichtend. Keinerlei Stolz über das eigene Handeln, sondern sehr neutral. In anderen erotischen Erzählungen spürt man immer die Gedanken, es macht die Protagonisten geil, geil zu sein, der Erzähler genießt es, die Szene beschreiben zu dürfen! Hier passiert nichts.

Der Autor bedient sich in den Sexszenen dem üblichen Vokabular, ohne extrem vulgär zu werden; auf Klischeewörter, die erregen sollen, verzichtet er, besonders poetisch oder neu ist es aber auch nicht.

Fazit

Man hätte mehr aus dem Thema machen können. Ich bin froh, dass der Autor das Thema aufgreift und es fast liebevoll behandelt - dabei ist er aber zu vorsichtig. Mehr Mut wäre gut gewesen :-) Es ist nett zu lesen, schöne Umgebung, aber nicht erregend. Und 2,99 EUR für 6700 Wörter bzw. 20 min Lesen ist mir zu teuer.

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