Sonntag, 26. Mai 2013

Die erste Fantasy-Geschichte seit langem...

.. sie ist ein Anfang und wird es auch bleiben :-) 

Es handelt sich um einen Wettbewerbsbeitrag für Quindie - ich hab es nur etwas übertrieben :P

Und meine Idee ist mal wieder verne-mäßig mehr technisch als fluffig-kreativ :-)

Viel Spaß beim Lesen!

Und ja, ohne Beta-Korrektur, einfach runtergetippt.




Es ist kalt, als ich erwache. Erschreckend kalt. Die morgendliche Brise kratzt über meine Haut wie Sandpapier und lässt mich schaudern. Viel zu laut quietscht das Fenster, während es monoton gegen den Rahmen knallt. Alles ist weiß. Ich meine, mein Zimmer war schon vorher weiß, ich mag weiße Möbel und klare Formen. Aber jetzt ist alles weiß. Jegliche Dekoration ist verschwunden; die CDs auf dem Schreibtisch, der Fahrradhelm an der Türklinke, sogar die Blume auf dem Fensterbrett! Alles ist leer. Verwirrt blicke ich nach links, um auf die Uhr zu gucken und wenigstens die Gewissheit zu haben, dass die Zeit noch normal voranschreitet. Aber sie ist weg! Kein rotes Leuchten, nur Leere. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es fühlt sich nicht schlecht an, aber so... farblos. Und warum sollte jemand mein Zimmer ausräumen und sogar den Boden streichen? Vielleicht sollte ich einfach liegen bleiben und warten, bis die Farben wieder zurück kommen. Nichts ist für immer und irgendeine Naturkatastrophe wird schon über uns hereinbrechen, die Natur war schon immer gut ihr Gleichgewicht wieder herzustellen. Und Farblosigkeit stellt ein Defizit dar! Aber leider wird aus dem Weiterschlafen nichts, denn der Lärm, den das Fenster verursacht, ist so penetrant, dass ich aufstehen muss, um es zu schließen. Und meine Blase bittet auch um Auslauf. Murrend setze mich auf und schwinge die Beine aus dem Bett. Ein Ruck und ich stehe schwankend da. Hoffentlich sind meine Adern nicht weiß, mein Blut weit, weit aus meinem Körper gewichen. Gut, dass sich der Schwindel irgendwann gelegt hat! Gähnend watschle ich ins Bad und blicke routiniert in den Spiegel über dem Waschbecken. Wenn er denn da wäre. Stattdessen klafft dort nur ein schwarzes Loch. So ein Mist! Das kurze Sit-in auf dem Klo verschafft mir nicht nur Erleichterung, sondern die Gelegenheit, mich zu betrachten. Ich bin blasser als sonst, aber nicht weiß. Ich bin nicht weiß?! Die Natur ist auch nicht weiß! Der Blick aus dem Fenster zeigt: alles ist kräftig grün wie immer, die Blumen magenta und der Himmel strahlend blau! Jetzt wird es absurd. Wenn man schon Dinge tut, dann bitte richtig und nicht so halbfertig! Genervt lasse ich den Deckel auf die Brille knallen und drücke die Spülung. Wenn die Natur das irgendwann mal repariert, kommt es auf eine kaputte Klobrille auch nicht an.

Während die Wut in mir hochsteigt, klettert auch etwas anderes in ungeahnte Höhen, das mich brutal abstürzen lässt, wenn es nicht bald befriedigt wird: mein Hunger. Nichts ist schlimmer als morgens aufzustehen und das tolle Gefühl im Magen zu haben, dass nichts da ist. Selbst der Dauerterror des Killerkrümels drei Etagen über mir ist nichts dagegen. Also auf in die Küche! Der Duft von gleich-gebrühtem Kaffee und Rührei in der imaginären Pfanne steigt in mir auf und lässt mich übersehen, dass die Küchentür normalerweise nicht geschlossen ist.

Bumm! Ein ohrenbetäubender Knall reißt mich aus meinen schönen Träumen hinein in das größte Chaos, das ich jemals gesehen habe – den Inhalt meines Kleiderschrankes nicht mitgerechnet. Überall liegt Mehl, durch die Staubwolke ist nur schemenhaft zu erkennen, dass hier tatsächlich Möbel stehen. Bevor ich darüber nachdenken kann, wie ich zum Fenster komme, um die Wolke rauszuwedeln, taucht aus dem Puderschwall ein rundes Dinge auf, das aussieht, wie...

„Ein Nilpferd? Ein Nilpferd mit Flügeln! Noch dümmer geht es wohl nicht?!“, gut, dass ich noch neben dem Türrahmen stehe, um mit dem Kopf so lange dagegen zu knallen, bis der leichte, dumpfe Schmerz meine Abscheu über soviel Unkreativität verdrängt.

„Hey, du kennst mich doch gar nicht!“, piepst das Ding. Seine Stimme ist so hoch wie erwartet, bin ich für Kinderserien nicht etwas zu alt?

„Muss ich auch nicht!“, erwidere ich genervt, „Sag mir, was hier läuft, und dann verschwinde.“

„Hallo, ich bin Penny!“ Das Ding übergeht meine Worte und schaltet auf Kuschelkurs. Wieviele Jahre bekommt man, wenn man ein Kuscheltier killt?

„Und ich bin das einzig nicht-weiße Wesen in dieser Umgebung: Florence. Würdest du mir bitte erklären, warum alles so farblos ist und vor allem: Wann ich meine Küche wieder betreten kann – ich habe Hunger!“ Leider beruhigt mich das Weiß mehr, als mir lieb ist, sonst würde dieses Viech schon längst in irgendeiner Ecke liegen.

„Oh, natürlich, daran habe ich nicht gedacht, entschuldige bitte! Hier ist dein Kaffee!“, eine wundervoll weiße Tasse erscheint vor meiner Nase und ich greife zu, „Und hier ein Brötchen! Erdbeermarmelade und Butter ist in Ordnung, oder?“ Ich bin nicht sicher, ob der durchsichtige Glibber auf dem Teller wirklich nach Erdbeere schmeckt, aber was geschwebt kommt, soll man nicht ablehnen.

„Komm schon, Florens, wenn du noch lange hier stehst sind wir morgen noch nicht fertig! Außerdem isst es sich im Sitzen besser!“, das Ding, das mich grade einen Jungen genannt hat, ist unbemerkt an mir vorbei ins  Wohnzimmer geflogen und hat auf dem Tisch Platz genommen. Irritiert setze ich mich dazu und checke die Lage.

„Tut mir übrigens leid wegen der Küche. Ich wollte dich überraschen, aber ich hab zuviel Schießpulver genommen. Aber bis du alles erledigt hast, steht alles wieder dort, wo es hingehört!“, das Nilpferd grinst von einem Ohr zum anderen einmal über sein großes, großes Maul hinweg.

„Der Kaffee ist weiß!“, sage ich trocken. Die Küche ist egal, aber mein Kaffee ist weiß!

„Ich weiß. In dieser Wohnung ist alles weiß.“, erklärt Penny unbeeindruckt.

„Aber draußen ist es bunt!“, langsam verzweifle ich.

„Nicht ganz bunt.“, interessiert blickt sich das Wesen im Zimmer um, „Die Menschen sind weiß. Den Kaffee kannst du übrigens trinken. Alles schmeckt, wie es schmecken soll. Es sieht nur nicht so aus.“

„Wozu? Das ist doch bescheuert!“, ich weiß nicht, was ich denken oder wie ich mir das erklären soll. Und wie soll ich Erdbeermarmelade ohne rote Farbe essen?

„Nein, das ist eher logisch. Und vor allem: verdammt cool! Dass wir sowas hinbekommen haben, ist eine Glanzleistung!“, Penny hüpft fröhlich auf meinem Tisch rum.

„Komm auf den Punkt!“, fordere ich und rühre mit dem Finger im Glibber rum. Fühlt sich normal an.

Penny setzt sich vor mich hin und sieht mir tief in die Augen.

„Für dich sind alle Menschen weiß. Sie selbst sehen sich ganz normal, bunt, in Farbe. Aber du hast die einzigartige Fähigkeit, sie so zu sehen, wie sie sind – eine weiße Leinwand! Jedes Mal, wenn Menschen mit einander kommunizieren, schießen sie ihr Gefühl mittels bunter Herzchen an ihren Partner. Das kannst auch nur du sehen. Während sie reden, kannst du feststellen, ob sie es ernst meinen und ob die Botschaft ankommt.“

„Gedankenlesen wäre auch eine Möglichkeit ...“, wende ich ein.

„Das geht nicht, wegen dem Datenschutz. Im Grunde lesen wir tatsächlich die Gedanken und wandeln sie in bunte Herzchen um – aber DU darfst sie nicht lesen. Das geht alles durch 100 Filter, bis du es sehen kannst. Ein Wunderwerk der Technik! Jedenfalls ist es deine Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen. Wenn sie sich verstehen und fröhlich sind, dann werden sie wieder normal.“, erklärt das Nilpferd.

„Eure supertolle Aktion zur Rettung der Menschheit hat nur einen Harken – niemand ist dauerhaft glücklich. Das ist ein Kampf gegen die Windmühlen!“, wie kann man sich nur so in Details irren? Der ganze Aufwand für NICHTS!

„Florens, hälst du uns für so unklug? Natürlich haben wir an dein Wohl gedacht! Du musst nicht alle retten, sondern nur 50. Du darfst dir sogar aussuchen, welche. Aber vieles ist nicht so einfach, wie es aussieht! Und nun iss die Marmelade, sie ist lecker!“

„Das Zeug ist DURCHSICHTIG!“, sage ich langsam.

„Und noch was: sobald du alles erledigt hast, wird auch deine Wohnung wieder normal. Solange bleibt sie weiß“, Penny grinst mich an.

„Und wie soll ich den Menschen helfen? Bekomme ich einen Zauberstab oder Liebespfeile?“, frage ich grummelnd.

„Nein, die wurden abgeschafft, es gab zuviele Unfälle. Die einzigen Waffen, die bei sowas erlaubt sind, sind Worte.“ Kuschelphilosophie lässt grüßen!

„Und jetzt erklärst du mir nochmal, wozu das alles gut sein soll!“, fordere ich.

„Ach Florens! Das ist doch logisch: wenn du EIN Paar glücklich machst, trägt es das weiter. So rettet sich die Menschheit langsam von ganz allein. Ist das nicht toll?“, frohlockt das Flügeltier.

„Das ist abartig! Bekommt FLORENCE wenigstens ein cooles Kostüm?“, wenn ich schon so einen Stuss mitmache, dann richtig!

„Was glaubst du denn? Natürlich nicht! Sonst rennen doch alle weg!“, das Nilpferd schüttelt verständnislos den Kopf.

„Na toll!“, genervt lass ich meinen Kopf auf den Toast fallen und bete, dass das nur ein ziemlich bescheuerter Traum ist.

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