Freitag, 10. Mai 2013

"Feuchtoasen" von Anna Lynn

Hallo,

nachdem ich mein Blog generalüberholt, die Überschriften aufgespritzt und den öden Hintergrund abgesaugt habe, folgt hier die erste Rezension.

Da ich mir vorgenommen habe, etwas freier zu schreiben, muss hier mal gesagt werden:

Es hat mich geprägt.

Jedes Buch behält man natürlich im Kopf, positiv wie negativ, aber es ist nicht wie andere Bücher des Genres. Gut :-)

Das Buch hat 220 Seiten und kostet als Print 9,90 EUR, als E-Book 9,99 EUR, das Hörbuch 9,95 EUR. Hier ist das Buch auf Amazon.




Wie bin ich dazu gekommen?

Blue Panther Books stand auch dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse und verteilte niedliche Leseproben. Unter anderem  von „Feuchtoasen 2“. Als ich rein las, rieb ich mir die Augen und dachte: Wie kann man nur solchen Stuss schreiben? Dennoch hat es mich gereizt, einen geschriebenen Porno, das Pendant zu all den halb-professionellen Filmchen im Internet, zu lesen. Und da ich ohnehin die restlichen Teile der „Anwaltshure“ als Mängelexemplar bestellt habe, kam es auf ein Buch mehr oder weniger auch nicht an. Nebenbei konnte ich testen, wie die Print- im Vergleich zu den E-Book-Ausgaben sind.

An dieser Stelle muss ich den Verlag loben: Meine Mails wurden zeitnah beantwortet und neben den Büchern lag auch die Zusatzgeschichte, die man über den Internet-Code bekommt, als Papierversion im Paket. Grundsätzlich gibt es zu jedem Buch ein robustes Lesezeichen aus dünner Pappe. Werbung war bis auf das Verlagsprogramm nicht drin – noch ein Pluspunkt :-)
   
Das Cover

Das Titelbild ist simple und löst viele Assoziationen aus – man sieht eine Frau ab der Taille von hinten, vertikal betrachtet etwas mehr als die Hälfte. Im Mittelpunkt steht der schwarze Slip, neben dem auch die Überschrift platziert ist; auf Taille und Wade sorgen ölig schimmernde Flecken für einen optischen Ausgleich.

Titel und Autorin sind in Magenta geschrieben, der Untertitel ist sandfarben. Am oberen Rand findet sich mit einer  Banderole der Hinweis auf die Zielgruppe – Männer. (Ich war schonmal in der Männerabteilung einer Klamottenkette – ich denke, das qualifiziert mich als Mann :-))

Das Bild wiederholt sich auf der Rückseite, neben der Inhaltsangabe findet man die Meinung einer anderen Verlagsautorin und der Hinweis auf den Gutschein-Code.

Das Cover ist stimmig, der Frauenkörper idealisiert, aber nicht so offenherzig wie andere Bilder. Außerdem zeigt er, dass es um SIE geht – der Sex ist, obwohl Partner benannt werden, anonym; es geht nur um ihre Bedürfnisse. Das Titelbild zeigt nicht zuviele Informationen und es fällt leicht, die Übersicht zu behalten.

Das Farbschema ist toll, weil alle Farbtöne eher rotstichig sind. Es wird in den Folgebänden aufgegriffen – Band 2 ist cyan, das Bild mit kühlem Unterton, Band 3 neongrün mit etwas hellerer Haut.

Allerdings ist ein Zitat einer Autorin, die ihre Bücher beim gleichen Verlag herausgibt, wenig aussagekräftig. Auch wenn diese eine geringfügig andere Zielgruppe bedient, handelt es sich um pure Eigenwerbung.

Und wirklich robust ist der Softcoverumschlag nicht – das Weiß zieht Flecken an und nach 5 Tagen in meiner Tasche sieht das Buch etwas mitgenommen aus.
 
Gliederung und Gestaltung

Es gibt 27 Kapitel, die sich aneinander reihen und mit Sternchen in Abschnitte unterteilt sind. Die Textteile sind standartmäßig in Times New Roman gedruckt, die Kapiteltitel in einer eher geraden Schrift mit Serifen. Durch die Großschreibung sind sie besonders hervorgehoben. Gedanken werden kursiv gedruckt, weitere Besonderheiten gibt es nicht.

Die Titel spielen mit den zusammengesetzten Wörtern – das zweite Substantiv ist durch einen Initial hervorgehoben, zum Nachdenken regt das aber nicht an.

Die Kapitel sind durchschnittlich 9 Seiten lang, variieren aber stark zwischen wenigen Zeilen und einigen Seiten. Überschrieben sind sie oft mit erotischen Wortspielen, die zwischen banal („Die Fickmaus“) und geringfügig anspruchsvoll („Vögelparadies“) pendeln, nach Spannung heischen („Was ist mit Faida los?“) oder einfallslos die Situation zusammenfassen („Eine Spur verliert sich“). Hier wäre mehr Kontinuität gut gewesen.

Insgesamt finde ich die Aufmachung in Ordnung; ich mag Kapitel auf einer neuen Seite, allerdings wäre das hier Papierverschwendung gewesen. Gut gefällt mir die Kombination der Schriftarten – man kann die Kapitel optisch leicht trennen.

Was mich aber stört: die Buchstabenbreite ist unterschiedlich. Das betrifft Überschriften, aber auch Textteile. Der Verlag erklärt dies auf Nachfrage damit, dass die Überschriften einzeilig bleiben sollen. Allerdings stellt sich die Frage, warum man keinen anderen Titel genommen hat – an einem Text wird so oft etwas verändert, es wäre ein Leichtes gewesen, die Überschrift anzupassen.

Rechtschreibung

Erstaunlicherweise ist dieses Buch fast fehlerfrei! Ich habe ein paar Kommafehler gefunden, aber es gibt keine größeren Fehler! Stolpersteine beruhen meistens auf dem Ausdruck, aber dazu später mehr :-)

Inhalt

Die Geschichte besteht aus zwei Rahmen und viel Sex zwischen: Anna ist die neue Ehefrau von Frank, einem reichen Reedereibesitzer. Sie ist die Hauptfigur und hat gefühlt den größten Anteil am Buch. Es beginnt mit ihrer Erzählung, bevor zu Franks Ex-Frau Judy geblendet wird. Im Verlauf von Teil 1 erfährt man von ihren Erlebnissen mit dem Gärtner und dem Chauffeur sowie Geschäftskunden ihres Mannes. Nach ihrem Verschwinden beginnt Teil 2. Hier wird von Annas Erlebnissen auf ihrer Hochzeitsreise (nach wenigen Tagen ohne Mann) berichtet.  Sie fährt mit dem Schiff und schläft dort mit allen. Im Gegensatz zur ersten Hälfte werden hier auch Vergewaltigung und SM-Spiele thematisiert sowie eine vor allem körperliche, aber auch seelische Beziehung zu einer Frau. Die Geschichte endet mit Annas Ankunft und der Präsentation Nadjas, einer Medizinstudentin – der ideale Cliffhanger, denn Nadjas Erzählstrang wird auch in der Internet-Geschichte nicht weitergeführt.
 
Charaktere

Anna ist Marketingdirektorin einer Reederei und ca. Ende 20. Über ihren Job lernt sie Frank kennen und wird nach dem Tod Judys deren Nachfolgerin – sie bekommt Geld, muss dafür an Franks Seite die treue Ehefrau spielen; in seiner Abwesenheit hat sie Sex mit sich und den Menschen um sie herum.

Anna liebt sich selbst am meisten, was besonders am Anfang klar wird – hier wird ausführlich ihr wöchentliches Date mit ihrer Vagina beschrieben. Sie hat ein großes Gerechtigkeitsempfinden und ist mutig genug, ihre Meinung darzustellen, wenn es die Handlung voran bringt. Ihre Umgangsformen sind gut, außerdem hat sie hilfsbereit.

Judy ist Franks frustrierte Ehefrau und Hauptfigur des ersten Teils. Sie ist genervt, weil ihr Mann nicht mehr mit ihr schläft und will ihn deshalb verlassen; nachdem Judy ihn mit dem Gärtner betrog, vereinbarten die beiden, dass sie ein Haus an einem See bekommt, in dem sie machen kann, was sie möchte, ausdrücklich mit Gärtner und Chauffeur schlafen, dafür aber an Franks Seite stehen und nicht mit Kunden verkehren darf. Am Ende des ersten Teils verschwindet sie, nachdem sie einen Kunden ihres Mannes in Russland besucht hat; diesem hat Frank vorher Geld gegeben. Es ist nicht klar, ob Judy nach Osteuropa gelockt und dort ermordet wurde oder das Geld als „Abfindung“ diente.  Im Gegensatz zu Anna hat sie weniger Erfahrungen mit Frauen und wirkt insgesamt unglücklicher.

Frank selbst tritt nur als Nebenfigur in Erscheinung; er ist verklemmt – mag keine Blowjobs – und schläft nur selten mit seinen Partnerinnen; nachdem ihn Judy mit dem Gärtner betrogen hat, ist er „impotent“, hat also noch weniger Lust auf Sex. Frank erwartet von seinen Frauen, dass sie ihm treu sind und ihn repräsentieren; ansonsten ist ihm aber sein Job wichtiger. Er wirkt im Auftreten dominant, geht aber auch Kompromisse ein, indem er Judy das Haus kauft.

Wichtige Nebenfiguren (= Leute, mit denen Judy und Anna öfters Sex haben) sind: der Gärtner Dave und Burt, der Chauffeur (besonders im ersten Teil), Ken (die Jungfrau in Teil 1), Tom (die Jungfrau in Teil 2), der Kapitän, die Afrikanerin Faida, zu der Anna eine besondere Beziehung hat und die von einem Passagier zum Sex gezwungen wird (aber erst, nachdem sie etwas mit Anna angefangen hat) und der Verkäufer und die Ladeninhaberin eines Schuhgeschäftes.

Die Figuren sind grob charakterisiert, meist klischeehaft. Nur Faida bekommt durch ihre Beziehung etwas Tiefe, besonders, weil sie und Anna nicht immer miteinander schlafen, sondern manchmal „nur“ kuscheln.

Über die Berufe Annas bzw. Judys erfährt man fast nichts, was durch ihre Rolle als Ehefrau auch nicht nötig ist – ein billiger Schachzug der Autorin. Auch sonst bleibt keine Gelegenheit zu tieferen Betrachtungen, da die Figuren fast nichts anderes machen als miteinander zu schlafen.

Allerdings muss auch gesagt werden, dass man immer den Überblick behält, da die Anzahl der Nebencharaktere beschränkt ist und diese immer wieder auftauchen und sich so einprägen.
 
Welche Klischees werden ausgeführt?

Ausgangspunkt sind frustrierte Frauen und Männer, die sich nicht für sie interessieren.

Der Gärtner als Verkörperung des immer verfügbaren, fleißigen Freigeistes mit Tendenz zur Untergebenheit taucht auf, genauso wie der Chauffeur, der dem Ehemann treu ergeben ist und dessen Verführung einen größeren Vertrauensbruch darstellt als die des Gärtners. Der Schuhverkäufer in Teil 2 ist das Pendant zum Gärtner, zeichnet sich jedoch durch mehr Fleiß und Ergebenheit aus.  Die Ladenbesitzerin ermöglicht das Spiel mit Unterwerfung (weil sie im Laden immer Macht ausstrahlen muss, die sie beim Sex abgibt) als auch Dominanz, da sie die Rolle, die man ihr zuschreibt, beim Akt nochmehr erfüllt.

Korpulenz als Zeichen von Sinnlichkeit wird aufgegriffen, meist bei Frauen.

Bezüglich der Ethnie wird nur auf Afrikaner näher eingegangen – ihnen wird ein großer Penis und Ausdauer zugeschrieben. Des Weiteren haben sie immer den Hauch des Exotischen, Fremdartigen.

Eine Sonderstellung nimmt die Verführung der männlichen Jungfrau ein. In beiden Teilen ist sie Anfang 20 und gebildet, aber unerfahren. Sie erlitt in der Jugend traumatische Erfahrungen, weil sie andere beim Sex beobachtet hat und findet alles, was damit zu tun hat, eklig. Hier fällt auf, dass die Einleitung in Teil 2 zwar holpriger, das Motiv der Erweckung aber kreativer ausgeführt wurde; es wirkt als wollte die Autorin unbedingt am Ende noch eine Jungfrau präsentieren. Diese wird dann aber mittels Pralinen an Oralsex herangeführt, was die Geschichte sehr bildlich macht. Ken in Teil 1 ist ruhiger, wirkt aber passender in das Geschehen eingefügt. Außerdem darf Tom am Ende die Grundbotschaft verkünden – Sex ist wundervoll. Leider wird es in diesem Buch nicht so dargestellt.

Das Buch bedient einige Klischees, aber nicht zuviele – ich bin erstaunt, dass man nicht durch alles, was möglich ist, durchrattert, sondern sich auf Beispiele beschränkt und wiederholt. Auf manche Leser wirkt das unglücklich, ich finde es aber gut, weil man sonst den Überblick verliert – so erinnert man sich an die Figuren und verknüpft sie mit bereits aufgetauchten.

Die Sexszenen inhaltlich

Vorwiegend wird „normal“ in Missionar- und Doggy-Stellung miteinander geschlafen, auch Oralverkehr wird oft praktiziert, selten Analverkehr. Schwerpunkte sind geschlossene  Räume bzw. Betten (z.B. wird das Schuhgeschäft abgeschlossen), sodass zwar die Spontanität und Vielfältigkeit betont wird, es aber nicht um Voyeurismus geht.

Meist verkehren die Figuren zu zweit, manchmal kommt es zu Dreiergespannen, seltener zu Gruppenorgien – dies erleben meistens andere Figuren, aber nicht Anna. Dabei sind fast immer alle aktiv – nur bei der familien-internen Orgie im letzten Drittel sitzt ein Onkel onanierend im Sessel, beteiligt sich aber später wieder am Geschehen. Daran sieht man, dass moralische  Grenzen berührt, aber nicht überschritten werden – der Vater schläft mit der Cousine, was gesetzlich erlaubt ist, Sex zwischen Mutter und Sohn gibt es aber nicht.

Auch der Bereich SM wird nur angetastet: die Jungfrau in Teil 2 wird von der Ladenbesitzern erst verführt, leidet dann aber unter ihrer unstillbaren Lust, die ihm Schmerzen bereitet – das wird aber heftig verurteilt. Auch Faida wird von einem Passagier zuerst zum Sex animiert, nach kurzer Zeit aber gezwungen, weil sein Penis zu groß ist und Faida sich wehrt. Diese Geschichte wird in mehreren Kapiteln thematisiert, dient aber nur dazu, die Bindung zwischen Anna und Faida zu stärken – zwar wird der Vorfall moralisch korrekt gemeldet und der Schänder bestraft, Faida von sexuelle Aktivitäten verschont. Aber da Anna im Vordergrund steht und die Vergewaltigung keine Auswirkung auf IHR Sexleben hat, geht das unter. Damit wird sexuelle Gewalt zum Stilmittel degradiert, um Spannung zu erzeugen.

Insgesamt geht es in diesem Buch ziemlich bieder zu. Es werden die gängigen Techniken und Orte genutzt; der Reiz liegt nicht in der Grenzüberschreitung, sondern der Frequenz – es geht darum, innerhalb von 220 Seiten so oft wie möglich Sex zu beschreiben.
 
Männer- und Frauenbild

In diesem Buch sind alle frustriert und auf der Suche nach Sex. Das gilt nicht nur für die Haupt-, sondern auch für alle Nebenfiguren. Der einzige Ausweg aus diesem negativen Gefühl ist die Liebe zu sich selbst, die durch Sex ausgedrückt wird.  Anna verachtet die Männer und Frauen, denen sie begegnet; sie sind zwar da, aber ihre Existenzberechtigung ist Sex. Manchmal wird diese Abneigung explizit erwähnt, oft schwingt sie unterschwellig mit. Ich ging davon aus, dass ein „Männerbuch“ entweder weibliche Dominanz ausstrahlt oder Untergebenheit, Huldigung. Die Autorin hat sich für ersteres entschieden, zumindest versucht sie, ihre Figuren mittels Abgeklärtheit mächtig wirken zu lassen.  Aber fühle ich mich als Mann gut, wenn ich permanent getreten werde? Unterwürfigkeit, Unterdrücktwerden, das ist eine Spielart und sicher entspannend – aber wenn ein Mann das ganze Buch lang nur ein Objekt ist, dann ist das für keinen schön.

Ein anderer Aspekt ist die Ausdauer – und hier dachte ich wirklich: Wenn man das Jugendlichen vorlegt, dann ist das ziemlich demoralisierend. Einerseits bewundere ich Anna für ihre Freizügigkeit – den Mut, sich kompromisslos zu nehmen, was man möchte, habe ich nicht. Allerdings leiden die Figuren auch nicht unter Schüchternheit – sie müssen sich nicht überwinden, sie tun es einfach. Das macht sie unglaubwürdig. Wichtiger ist: sie können immer. Stundenlang können sie Sex haben und auch wenn ein Penis zu groß oder die Vagina trocken ist, geht nach ein paar Anlaufschwierigkeiten oder einem halben Tag mit einer Spezialsalbe ALLES. Das vermittelt ein falsches Bild, denn wer kann schon 3 mal binnen kurzer Zeit einen Orgasmus haben?

Interessant ist auch, dass die Figuren für ihre Ausdauer nicht belohnt werden – es ist selbstverständlich, dass sie können. Das rettet das Buch – man baut keine Beziehung zu den Figuren auf, man hinterfragt ihre Motive nicht so sehr, sodass man sie nicht als vollwertige Vorbilder nimmt.

Dennoch ist es sehr traurig, wie wenig positive Energie in diesem Buch steckt.

 Perspektiven

Das Buch ist zum großen Teil aus Annas Sicht erzählt, sie ist die einzige Figur, die selbst berichtet. Die anderen Figuren treten kapitelweise in Erscheinung, aber immer durch den personalen Erzähler. Ein beliebtes Mittel, um dem Leser eine Bezugsperson zu geben, zu der er Vertrauen hat, aber dennoch alles erzählen zu können und den Text aufzulockern. Das klappt hier aus zwei Gründen nicht: meistens kann man die Perspektiven zwar auseinander halten, aber gerade am Ende verliert man den Überblick, wer gerade erzählt. Und die Figuren sind nicht „in chara“ – die Dialoge sind ohnehin gekünstelt und nicht sehr realitätsnah, aber hier ist die Abgrenzung zur Hauptfigur misslungen – alle Passagen klingen nach Anna – der Blickwinkel, die Wortwahl bleibt, nur die Figur einschließlich der Klischees ändert sich.

Anna wirkt dominant, die Geschichte beginnt mit ihr, aber die anderen Charaktere wirken trotz ihrer Perspektive nicht lebhaft.

Erzählstil

Die Geschichte ist sehr temporeich, variiert aber stärker als erwartet – zwar reiht sich oft Sexszene an Sexszene, manches wird aber ausgeführt; es gibt keine Einleitung, kein Vorspiel, aber eine ausführliche Beschreibung, manchmal sogar Dialoge, die nichts mit Sex zu tun haben und ein bisschen tiefgründig wirken. Erstaunlicherweise wird zwar flott berichtet, aber das Tempo wird nicht spürbar – ich kann  mir nicht vorstellen, wie der Mann rammelt, sie umdreht, weiterrammelt, wieder umdreht, weiterrammelt... – hier fehlt die Dynamik bzw. inmitten der Abgeklärtheit der Figuren ist keine Zeit dazu.

Schreibstil

Es ist ein beliebtes Argument, einem Buch Wiederholungen zu unterstellen und dabei unbeabsichtigte Wiederholungen mit solchen zu verwechseln, die durch eine Wiederholung der Situationen entstehen. Soll heißen: wenn binnen drei Zeilen fünfmal das Wort „fickte“ geschrieben steht, dann ist das meist ohne Absicht und liest sich grausam. Wenn aber innerhalb einer Seite fünfmal gesexelt wird, dann MÜSSEN sich Worte irgendwann wiederholen. Und das ist hier der Fall – der Autor hat penibel darauf geachtet, dass sich die Worte innerhalb einer Sexszene nicht wiederholen. Was am restlichen Text klar wird – denn hier war man nicht so genau, es kommt manchmal zu unglücklichen Wiederholungen.

Allerdings ist auch klar, dass die Autorin weiß, welche Worte bei Männern Erregung auslösen und diese auch bewusst einsetzt – der Text wurde mit solchen Worten vollgepumpt, um den Lesern zu gefallen. Meiner Erfahrung nach reagiert aber jeder Mann auf Worte anders – manche sind von einigen Begriffen extrem angetörnt, andere lassen sie völlig kalt (und natürlich ist wichtig, wer und wie er die Worte sagt). Dementsprechend klein ist der Wortschatz.

Interessant ist, dass besonders bei männlichen Figuren oft Begriffe verwendet werden, die ich negativ betrachte z.B. herumstochern usw. Man merkt, dass sich die Fickenden bemühen, aber nicht zur Freude der Gefickten, es gibt nur unterschwelliges Mitleid.

Beliebte Begriffe sind vögeln, ficken, Möse, Muschi und Schwanz. Wie beim Inhalt bleibt man auch hier bei anrüchigen Begriffen ohne Tendenz zur Verweichlichung (z.B. streicheln) oder zur Härte (z.B. Prügel)

Der Ton ist grundsätzlich umgangssprachlich, regionaltypische Begriffe werden nicht verwendet, sodass es jeder lesen kann.

Leider ist der Text nicht überall sorgfältig korrigiert, es gibt einige Ausdrucksfehler.

Insgesamt ist das Buch relativ vielfältig, zumindest bei dieser sehr raschen Abfolge an Szenen. Aber man hat sich nur auf den Inhalt konzentriert, weniger auf die Sprache.


Lesegefühl

Als ich die Leseprobe zum zweiten Band las, ist mir übel geworden, weil es so knallt, sinnloses Rumgeficke, gute Ideen, die völlig untergehen, weil das Buch vor allem geil, geil, geil machen soll.

Band 1 habe ich aber gut überstanden. Ich dachte, dass ich dem ständigen Gevögle irgendwann überdrüssig werde, aber dieses Gefühl kam erst auf den letzten 60 Seiten auf. Ansonsten überliest man es einfach, man ist zu sehr damit beschäftigt, den Überblick zu behalten.

Ich finde die Anfangsszene wirklich gut: die Idee, dass man sich einen Tag in der Woche nur mit sich beschäftigt, dass man sich um sich und seine Bedürfnisse kümmert, ohne, dass einem jemand reinredet, ist toll. Und ich denke, dass wir darauf stärker achten sollten – oft werden Frauen nur als Objekte dargestellt, die Männern nicht gehorchen, aber gefallen müssen.

Daher weiß ich nicht, ob sich hinter dem Pseudonym der Autorin ein Mann oder eine Frau verbirgt. Einerseits spricht die Verachtung der Hauptfigur gegenüber Männern, aus der Dominanz entsteht, für einen Mann, der weiß, was seine Leser wünschen. Andererseits ist es zu bedacht darauf, Männer anzuregen – ich habe schon ähnliche Geschichten im Amateurbereich gelesen, und dort kommen Männer schneller und intensiver zur Sache – sie genießen es, eine Frau zu sehen, die sich hingibt – die Erregung des anderen Geschlechtes zu sehen ist erregend :-).  Es ist vermutlich eine Frau, die meint zu wissen, was Männer antörnt und das hemmungslos übertreibt – was auch wieder laienhaft ist.

Vielleicht ist aber auch alles ganz anders und das Buch eine versteckte Parodie – die Anlehnung an „Feuchtgebiete“ ist offensichtlich.

Im Nachhinein betrachtet stumpft mich das Buch kurzzeitig ab, weil es einfach schnörkellos ist. Allerdings hat es mich tatsächlich erregt – aber nur, wenn ich die Szenen in Gedanken weitergesponnen, ausgebaut habe.

Was ich aus diesem Buch mitgenommen habe ist die Erkenntnis, dass man sich manchmal um sich selbst kümmern sollte. Ansonsten ist nicht viel hängengeblieben.


Fazit

Das Buch meistert den Spagat zwischen schnellem, häufigen Sex und Übersichtlichkeit gut, man kann anfangen und aufhören, wann man will, da die Szenen so kurz sind, wird man auch selten gefesselt.

Es ist in allen Bereichen stimmig – das Cover ist hübsch und inhaltlich werden keine Experimente gewagt, sondern Bekanntes aneinander gereiht.  Auch die Dramaturgie ist gut.

Die Versuche, der Geschichte Tiefgang zu verleihen wirken eher brachial, man hätte es bei der Oberflächlichkeit belassen sollen.

Gut ist aber, dass es durchgängig Klischees bedient, aber so vage bleibt, dass sie nicht so auffallen – gerade die Ethnien betreffend gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten.

Sprachlich ist es ok, tiefgehende Poesie kann man nicht erwarten, aber gerade die Sexszenen lassen sich ohne Stolpersteine lesen, beim Rest fehlt die Sorgfalt, aber es hat keinen Einfluss auf das Leseerlebnis.

Ich werde das Buch nicht in den Müll werfen – es ist flüchtig, aber das, was die Autorin wahrscheinlich beabsichtigt hat, ist stellenweise eingetreten und gut umgesetzt.

1 Kommentar:

  1. Ich bin beeindruckt. Endlich mal eine Rezi, die sich wirklich Rezension nennen kann.

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