Dienstag, 21. Mai 2013

Ich war gewesen: KunstOffen und ein Hauch WGT

Papier
Hallo liebe Leser!

Das vergangene Wochenende war formal ereignisreich, fühlte sich eher mau an, war aber emotional sehr cool. Da ich mich als Freund der Farben und Formen mehr schlecht als recht getarnt unter das schwarze Volk gemischt habe (sry für den Witz - wichtiger sind mir die Menschen und wie ich mit ihnen reden kann - egal, was sie tragen und was sie in ihrem kleinen Kämmerlein denken), verschone ich euch mit laienhaften Eindrücken vom Wave-Gotik-Treffen und präsentiere nur mein Lieblingsfoto ganz unten. Schöne Bilder von Menschen findet ihr bei Detlef Plaisier. Und jetzt zum eigentlichen Thema:


KunstOffen - Was ist das?

Das Projekt beschäftigt sich - wie auf der Homepage nachzulesen ist - mit der Förderung der Ateliers im ländlichen Raum. Mit 194 Teilnehmern in ganz Sachsen war es aus meiner Sicht überschaubar; auch wenn es im Stadtgebiet Dresden ca. 25 Ateliers gab, lagen diese teilweise weit auseinander. Sie öffneten an unterschiedlichen Tagen von Samstag bis Montag.

Gut war, dass die Öffnungszeiten zentral festgelegt waren - von 10 bis 18 Uhr. So musste man nicht bei jedem Atelier einzeln gucken.

Allerdings hatte nicht jedes Atelier an jedem Tag geöffnet - der Schwerpunkt lag auf Sonntag, manche hatten aber auch an allen drei Tagen geöffnet. Das wurde zwar im Flyer erklärt, es war aber schwer, sich alles zu merken und das Wochenende so zu planen.

Präsentation

Auch wenn es heute etwas durcheinander ist, wollte ich mich kurz der Internetseite bzw. der Pressearbeit für das Projekt widmen.

In der Realität wurde extrem wenig Werbung gemacht, ich habe nirgendwo Plakate gesehen, obwohl sie gut gemacht sind. Von der Veranstaltung habe ich durch einen Künstler auf Facebook erfahren...

Auch Flyer habe ich kaum gefunden. Dieser war aber übersichtlich gestaltet! Obwohl die Schrift etwas klein war, standen zu jedem Atelier die Kontaktdaten und sogar eine Internetseite da! Außerdem war in einer Tabelle vermerkt, an welchen Tagen es geöffnet hat - so konnte man einfach überblicken, was am jeweiligen Tag los ist. Eine zentrale Karte zeigte den ungefähren Standort an, sodass man sich Ateliers in einem Gebiet raussuchen konnte.

Großes Manko war aber die Internetseite! Sie ist zwar klar und übersichtlich strukturiert, aber es ist problematisch, wenn man beim Klick auf 'Teilnehmer' eine Liste sieht und erst über einen weiteren Link zur Sachsenkarte kommt. Deren Suchfunktion eine Katastrophe ist. Zwar kann man nach der Art der Kunst gucken, aber es ist nicht klar, was man in das Suchfeld eingeben muss; eine Rechereche nach Ateliers in einer Stadt oder innerhalb eines Umkreises war nicht möglich; gibt man z.B. in das Feld 'Dresden' ein, werden zwei Ateliers am Stadtrand angezeigt - obwohl es wesentlich mehr gibt!

Insgesamt sind die Informationen, die zu den Künstler bereit gestellt werden, vielfältig, aber nicht benutzerfreundlich aufbereitet.

Hinkommen

Von Seiten der Stadt und des Vereines wurde wenig getan (s. unten), die Künstler haben sich aber umso mehr gekümmert. Viele Ateliers liegen nicht im Erdgeschoss mit Schaufenster und Leuchtreklame, sondern sind eher versteckt - deshalb war es klasse, dass man an der Haustür und im Treppenhaus Hinweisschilder fand. Vielleicht ist das normal, aber es stellt schon eine Hemmschwelle dar, in ein Gebäude reinzugehen und damit zu rechnen, dass man im falschen Haus ist und die Bewohner nervt.

Was aber nicht in Ordnung war - und dafür können die Veranstalter nichts: Dass die Stadt es nicht für nötig befindet, eine lange Baustelle fußgängerfreundlich zu beschriften! Ich habe zwei Ateliers besucht, die man am einfachsten über die Schandauer Straße erreicht - die schon seit Monaten - und unter großer Ankündigung der Verkehrsbetriebe inkl. stylischer mobiler, digitaler Anzeige - umgebaut wird. Aber es gibt keine Hinweisschilder, wie man gehen kann! Ist es so teuer, ein paar Schilder aufzustellen? Als Anwohner ist man das möglicherweise gewohnt, aber wenn man sich dort nicht auskennt?! (Mir tun die Schüler der umliegenden Schulen leid...) Ich wäre fast verzweifelt...


Resonanz

In den drei Ateliers, in denen ich war, war wenig los, bei Paperartists zählte man samstags ca. 25 Besucher, bis ich kam, also werden es am Ende ca. 30 gewesen sein. Auch Frank K. Richter erklärte, dass es im November ein stetiges Kommen und Gehen gäbe, während ich mit zwei Besuchern lange allein im Atelier stand.

Leider ließen sich nur wenige Fakten über den 'großen Bruder', den Tag des Offene Ateliers im November recherchieren, allerdings waren sich Künstler und Besucher einig, dass im November mehr los ist, weil sich die Veranstaltung etabliert hat und an diesem WE das Wetter zu schön war.

Realistisch betrachtet muss man sagen, dass an diesem Wochenende einfach alles zusammenfiel: Die Lange Nacht der Theater und das Dixieland-Festival in Dresden, der Wagner-Geburtstag und das WGT in Leipzig, das war einfach zuviel! Auch ein Mensch hat nur ein begrenztes Aufnahmevermögen :-)


Was wurde allgemein gezeigt?

Die Ateliers hatten geöffnet, aber es gab wenig Rahmenprogramm. Die Künstler präsentierten ihre Werke, Paperartists verkaufte und man konnte mit ihnen reden. Ich bin froh, dass es keine Verkaufsveranstaltungen waren, aber 'Künstlern über die Schulter schauen' kann man bei solchen Tagen nicht - wie soll ein Künstler mit Interessenten reden und gleichzeitig kreativ sein :-)

Dennoch wären Workshops etc. besser gewesen; manche waren besser auf Besucher vorbereitet als andere, aber manchmal wusste ich nicht, was ich machen sollte :-)

Und nachdem ich genug gemeckert hab, folgen hier die drei Ateliers, die ich besucht habe:

Paperartists

Das Atelier auf der Wittenberger Straße 76 liegt unweit des Verkehrsknotenpunktes Pohlandplatz und ist mit Bus & Bahn plus fünf Minuten Laufen gut erreichbar. Auffällig am Eingang ist der schwarz-bunte Schriftzug am Eingang - für mich schon das erste Highlight. Weitere waren die Origami-Lampe, die Legostein-Ringe, Blumen in Dosen und Schmuck zum Selberbasteln. Es gibt im Atelier viele Drucksachen und genreübergreifende Kunst - alles, was mit Papier zu tun hat. Ich mag diesen Ort sehr, weil er vielfältig, aber nicht aufdringlich ist; gerade in anderen Läden dieser Art habe ich immer das Gefühl, dass sie ein Thema haben (z.B. Streetart) und das auf vielen Medien präsentieren - hier steht aber das Medium im Vordergrund, es geht um die Ideen und das ist sehr angenehm!

Im Atelier kann man nicht nur Drucksachen herstellen lassen, sondern auch Kunstkurse besuchen oder Kindergeburstage feiern.

Wenn ihr einen Weg durch die Baustelle findet (oder einen Umweg geht), guckt mal rein!

Christine Grochau

Unweit der Paperartists, auf der Schlüterstraße 29, liegt das Atelier von Christine Grochau. Sie beschäftigt sich mit Tusche und Aquarell, aber auch Drucktechniken. Toll fand ich ihre Dresdenansichten, die mit schwarzer Tusche gezeichnet und bunten Aquarellfarben übermalt sind - eine tolle Kombination! Auch die eher monochromen Holzschnitte von Tieren haben mir sehr gefallen! Außerdem konnte sie mir erklären, wie ein Lithografie entsteht - eine lange offene Lücke wurde endlich geschlossen - danke! Des Weiteren malt sie in Acryl bzw. Öl.

Bei Christine Grochau kann man Kunstkurse besuchen, es gibt aber auch 14-tägig eine 'Offene Werkstatt' (ist das der richtige Begriff?), zu der man hingehen und zu einem groben Thema kreativ sein kann. Die Künstlerin erklärte mir dazu, dass diese Zeiten für Menschen wichtig seien, um überhaupt kreativ arbeiten zu können, weil man im Alltag keinen Platz dafür findet. Finde ich gut :-)

Frank K. Richter

Gestern stand das letzte Atelier auf dem Plan und es war eindrucksvollste Treffen. Ich ging danach nach Hause und fühlte mich, obwohl er völlig anders an sein Schaffen herangeht als ich, als Künstlerin. Wie weit die Kunst mit mir geht, ob es mal professionell wird oder ich jemals ein Niveau erreiche, bei dem anderen sagen: Wow!, ist egal. Für mich ist es eine gute Kombination aus 'etwas mit den Händen tun' und 'Dinge entdecken' - es ist ein Stück Freiheit. Und das ist doch toll :-)

Frank K. Richter zeigte uns (es waren noch zwei Besucher da :-)) Arbeiten aus verschiedenen Jahren, von seiner Diplomarbeit bis zu heutigen Arbeiten. Sein Atelier ist klein, aber es passt viel rein! Interessant fand ich, dass er Pinsel usw. fein säuberlich auf dem Tisch ausgebreitet hatte, was dem Raum Ordnung gab und fast selbst ein Kunstwerk war - natürlich kennt man Pinsel, aber ich hätte am liebsten zugegriffen und losgemalt.

Schwerpunkt sind derzeit Bilder, die zum Großteil mit Acryl gemalt sind, aber auch Zeichentusche ua. beinhalten. Sie sind bunt, abstrakt und man muss sich reindenken, um in den vielen Formen und Farben etwas erkennen zu können. Was aber auch Spaß macht - genauso wie für den Künstler das Schaffen ein Prozess ist, ist das Erschließen des Bildes, das Entdecken der Farbschichten und Formen ein Prozess. Manche Bilder sieht man an und fühlt sofort etwas. Bei seinen Bildern stand ich erstmal mit Fragezeichen da. Und die Bilder tragen eigentlich keinen Titel, sodass man nicht weiß, wo man ansetzen soll. Es ist komisch, aber in einer Galerie steht man vor dem Bild, guckt, ob es gefällt oder man etwas darin sieht und geht weiter. Hier sieht man den Künstler neben sich, der einem aber auch nicht sagen kann, was man fühlen soll :-) Das ist eine wichtige Erfahrung, ein Schritt nach vorn.

Sehr schön fand ich seine Fotografien. Sie sind zwar älter, aber ich finde einfach Zugang zu ihnen. Der Künstler hat sie in den Straßen Marseilles geschossen und dabei nach ähnlichen Formen, einer ironischen Gleichheit im Alltag gesucht. Dabei hat er viel mit Unschärfe gearbeitet, was mir die Wirkung dieses Stilmittels erst richtig bewusst gemacht hat. Die Bilder offenbaren ein gutes Auge für Kompositionen (sage ich als Laie), weil trotz des eher monochromen Getümmels der Straßen die betonten Gegenstände hervortreten, ohne zu stechen. Man kann die Stadt wirklich leben hören. Dazu trägt auch die altpapier-graue Pappe bei, auf der die Bilder präsentiert sind.

Für Frank K. Richter ist Kunst ein Prozess, die Bilder entstehen häppchenweise, wie ein Fluss, ein Puzzle, das sich langsam zusammensetzt, auch über einen langen Zeitraum. Das ist anders als mein Prozess, bei dem ich klar vor Augen habe, was ich will.

Fazit

Die beiden Tage waren nicht extrem knallig, aber ich habe nette Menschen getroffen und einiges gelernt, die Künstler waren nett und offen und es geht nicht immer nur ums Gefallen, sondern darum, was man mitnimmt :-)

Und noch ein kleiner Exkurs zum WGT

Leipzig

Ich fuhr mit einem anderen Schwerpunkt nach Leipzig, aber als Beobachter kann ich sagen: Nette Menschen,  die Stadt hat sich gut auf die Teilnehmer eingerichtet (Ansagen am Bahnhof - leider nur auf deutsch - was ist mit ausländischen Besuchern? - und die tschechisch-polnische Grenze ist auch nur 3 Stunden weg...) und die Einwohner haben sich an die Besucher gewöhnt. Das gilt natürlich auch umgekehrt :-) Da es sowohl in der Innenstadt als auch außerhalb kleinere Locations gibt, kann auch auch ohne Eintrittsbändchen (schlicht und schick!) einiges hören und sehen. Und Leipzig hat schöne Parks :-)

Was ich problematisch finde - und damit kann ich natürlich auch falsch liegen - ist, dass zwar das Miteinander innerhalb der Stadt gut ist, und Leipzig hat auch schöne Orte, die zu so einem Treffen passen. Aber man sich doch abgrenzt. Es fällt mir schwer, so was zu sagen, weil ich eig. keine Ahnung davon habe, aber mir fehlte dieser 'Hey, wir treffen uns einmal im Jahr - ist das nicht cool?'-Spirit.

Es ist nicht einfach an Grenzen zu stoßen - aber lieber dazu stehen, als nicht versucht zu haben, sich ihnen zu stellen.

So, das war es :-) Ich widme mich wieder dem Lesestoff und der Kunst und hoffe, dass ich euch beides bald in Kombination präsentieren kann!





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