Sonntag, 5. Mai 2013

"Perfect Copy" von Andreas Eschbach


Schon die zweite Rezension binnen so kurzer Zeit, aber ich habe wirklich nur drei Tage bzw. 10 Stunden gebraucht, um das Buch zu lesen.


Vorgeplänkel

Ich mag keine Jugendbücher - und wegen diesem Buch weiß ich auch wieder, warum. Ich hatte das Gefühl, dass ich viele gute Bücher FÜR Jugendliche gelesen habe, aber das waren offensichtlich keine Jugendbücher. Jedenfalls nervt mich weniger die klischeehafte Story (das kann einem überall passieren), sondern der kinderfreundliche, bildhafte Schreibstil. Dieser hat immer den Anschein, als würde er jugendlichen Lesern nicht zutrauen, dass sie auch komplexe Sachverhalte in einem 'erwachsenen' Stil verstehen - mehr Satzgefüge, weniger bildhaft, weniger nah dran am Protagonisten.

However, Cover und Thema haben mich angesprochen, und ich freute mich auf's Lesen. Am Ende war ich ziemlich enttäuscht.

Allgemeines

Das Buch ist 2002 im Arena Verlag erschienen, es gibt auch eine Ausgabe (2005) von Bastei Lübbe. Und eine E-Book-Version.

Ich habe die zweite Auflage der Ausgabe des Arena Verlages.

Das Buch hat 248 Seiten und einen kartonierten Einband.

Arena Verlag - ISBN-10: 3401503162 - 6,99 EUR (E-Book und Print)
Bastei Lübbe - ISBN-13: 978-3-404-24343-3 - 7,50 EUR (der Verlag hat es im Programm, bei Amazon habe ich es aber nicht gefunden)

Das Cover

Die Hauptfarbe ist Rot - gläsern zieht sich ein DNA-Strang über die Seite und bildet einen guten Kontrast zum Nachnamen des Autors oberhalb und dem Titel unterhalb. Aufällig ist, dass der Schriftzug 'Copy' nach oben stufenweise ausgeblendet wird, was eine nette Spielerei mit dem Thema ist.

Der Vorname des Autors geht etwas unter, aber insgesamt ist das Titelbild sehr stimmig!

Der Autor

Andreas Eschbach schrieb lange Zeit Bücher für Erwachsene, bekannt sind ua. 'Das Jesus-Video' und 'Eine Billion Dollar'. Mittlerweile hat er auch einige Bücher für Jugendliche verfasst.

Er wurde 1959 in Ulm geboren und hat dort Luft- und Raumfahrtechnik studiert. Er hat einen Sohn und lebt mit seiner Frau in der Bretagne.

Seit seinem 12. Lebensjahr schreibt er und hat 1995 seinen ersten Roman veröffentlicht. Lt. seiner Homepage hält er auch Vorträge über das  Schreiben und beschäftigt sich realtiv ausführlich damit (und der Publikation von Infos darüber).

Hier ist die Autoren-Page.

Gestaltung

Das Buch besteht aus 18 Kapiteln, jeweils ca. 20 Seiten lang, die aneinander anschließen, also ohne, dass eine neue Seite beginnt. Fremdwörter des türkischen Klassenkameraden des Protagonisten sind kursiv gedruckt, wie man es oft findet, ansonsten gibt es weder besondere Formatierungen noch Illustrationen.

Inhalt

mit Spoiler

Der Autor verknüpft die Klonproblematik mit einer klassischen Selbstfindungs- und Liebesgeschichte: Wolfgang, ein 16-jähriger Cellospieler, wird von seinen Eltern zum Musizieren animiert, zweifelt aber nach dem Konzert eines japanischen Spielers an seinem Talent. Auf der Suche nach einem Beweis findet er schließlich heraus, dass er der Klon seines Bruders ist, der viel Talent, aber auch Leidenschaft hatte und nach einem Unfall die Gelegenheit nutzte und dem elterlichen Druck entfloh. Im Glauben, ihr Sohn sei tot, schaffte der Vater einen neuen Sohn, um damit seinen verlorenen Traum von der Dirigenten-Karriere zu leben. Wolfgangs Bruder konnte unter falscher Identität das Leben als Journalist, das er immer haben wollte, leben. Doch unserer Protagonist wird auch von seiner - erwiderten Liebe - zu einer Klassenkameradin gepeinigt und von einem Mathelehrer, der in ihm auch ein Talent für Zahlen sieht.

Am Ende geht alles gut aus - der Vater kommt ins Gefängnis, man lebt glücklich zusammen und wenngleich Wolfgang vermutlich eine mathematische Begabung hat, will er dieser nicht nachgehen, sondern sehen, was ihm Spaß macht.


Charaktere

Wolfgang, die Hauptfigur, ist schüchtern und denkt viel nach. Sein Schwarm Svenja ist das Gegenteil - fröhlich, intellligent und etwas rebellisch. Des Weiteren gibt es noch Marco, deren Exfreund, der clevere Mobber, und Cem, Wolfgangs türkischer Freund und Mädchenschwarm, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Wolfgangs Vater ist herrisch und egoistisch, seine Mutter desinteressiert, aber streng.

Außerdem gibt es noch Johannes, Wolfgangs verschollener Bruder, und einige Lehrer.

Insgesamt sind die Figuren wundervoll klischeehaft, sie erfüllen alle Schubladen, die man erwartet, sind aber meistens stimmig.

Es gibt nur einen Widerspruch: Obwohl Wolfgang so schüchtern ist, erscheint er vor Svenja doch ziemlich wortgewandt, es gibt nur eine Stelle, in der seine Schüchternheit auch in der Sprache sichtbar wird - durch Großschreibung und Striche wird klar, dass er er seine Gefühle in diesem Moment unterdrückt.

Allerdings wirken die Charaktere glaubwürdig - ihre Handlungen passen zu ihrer Beschreibung, sie fallen nie aus diesem Rahmen heraus, man fühlt mit ihnen.

Spannung

Ob ein Thriller spannend sein sollte, darüber hat sich kürzlich ein Autor ausgelassen und ich denke, dieses Buch ist es - im Rahmen der Klischees. Gerade am Ende, als der Vater Wolfgang und die anderen im Klonlabor einsperrt, erscheint er unberechenbar und man weiß nicht, ob es Tote geben wird. Das Ende wirkte auf mich im ersten Moment überraschend, auf den zweiten Blick wurde mir klar, dass es nur zwei Optionen gibt - und ich auf die falsche getippt hab :-)

Insgesamt ist vieles in diesem Buch logisch und vorhersehbar und die Dinge, die man als Leser nicht herausbekommt, sind bei ihrer Auflösung nicht wirklich überraschend.

Was mich vorangetrieben hat, war die Hoffnung, dass es irgendwann richtig knallt und spannend wird - wurde es aber nicht.

Behandlung des Themas

Man erfährt eine Menge über das Klonen, klassischerweise liest unser Protagonist  ein Buch über das Thema und nutzt diese Informationen. Es waren Fakten dabei, die ich noch nicht kannte und es ist gut, dass man damit nicht überflutet wird.

Allerdings ist es philosophisch bzw. gesellschaftlich zu kurz gedacht - die Grundbotschaft, dass es nicht nur auf die Erbanlagen ankommt, wird am Ende formuliert, und vermutlich reicht sie für manche Leser. Mir ging das aber nicht weit genug - ich denke, das wäre eine gute Möglichkeit gewesen, der Hauptfigur mehr Tiefe zu geben und sie in eine kleine Depression zu stürzen - stattdessen zweifelt Wolfgang und fühlt sich als minderwertig, das aber nur kurz. Möglicherweise ist das Buch auch nur als Anregung gedacht?

Insgesamt fühlte ich mich zwar informiert, das Klonen wurde aber eher banal in das Buch eingebunden und nicht richtig ausgeführt.

Allerdings ist der Kunstgriff mit dem verschollenen Bruder ganz gut - so kann man die Identität der beiden Brüder nicht mit einem einfachen Gentest beweisen, sondern kann auf die Problematik mit den kürzer werdenden DNA-Anhängseln verweisen - tatsächlich ein sehr spannendes Thema :-)

Erzählstruktur

Auf dem Weg zum Ende folgt der Autor der klassischen Dramenkurve - Einleitung (leider etwas zu lang), ein auslösendes Moment einschließlich einer Grundproblematik, die sich durch das ganze Buch zieht und im Höhepunkt aufgeklärt wird, sowie ein Happy End einschließlich kleinem retardierendem Moment.

Es ist ungünstig, dass die ersten 20 Seiten von Wolfgang und seinem Leben handeln, obwohl der Titel vermuten lässt, dass es um das Klonen geht.

Schreibstil

Für mich das Wichtigste :-) Ich empfinde ihn als jugendbuch-typisch: sehr nah am Protagonisten, viele Adjektive, die Umgebung wird relativ genau beschrieben, lange Sätze, aber keine komplexen Satzgefüge bzw. Bandwurmsätze, viele Gedanken.

Der Rhythmus ist gleichmäßig und man kommt gut voran.

Manche Worte wie der 'Cellopabst' wiederholen sich, hier wären mehr Umschreibungen gut gewesen, ansonsten ist der Wortschatz groß.

Ingesamt war mir der Schreibstil zu jung, ich habe mich aber in die Welt hineinfinden können.

Fazit

Ich hatte etwas mehr erwartet, es ist aber ein einfach zu lesendes Jugendbuch, das Lust auf die Problematik macht.


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