Mittwoch, 26. Juni 2013

"Anwaltshure 2" von Helen Carter


Nachdem ich es wochenlang schleifen ließ, obwohl ich das Buch selbst innerhalb von zwei Tagen gelesen habe, raffte ich mich auf und schrieb - Band 3 habe ich übrigens auch schon gelesen :-)

Besonderheit hier: Ich habe die restlichen Bände als Mängelexemplare beim Verlag gekauft - mal abgesehen davon, dass ich manchmal gerne Papier in den Händen halte, sind 4,90 EUR (plus Versand) günstiger als 9,90 EUR - hier kommt der Sparfuchs in mir zum Vorschein :P


Für Infos zu Autorin und Verlag verweise ich auf meinen ersten Blogbeitrag.

Warnung: Diese Rezension enthält Spoiler - die genauso toll, aber spoilerfreie Version stelle ich wieder auf Amazon :-)

Allgemeines


Das Buch (ISBN-10: 3940505323) ist als Print und E-Book bei Blue Panther Books erschienen und hat 224 Seiten. Für die Papier-Ausgabe bezahlt man 9,90 EUR, für die elektronische 9,99 EUR.

Das Cover


Mittelpunkt des Titelbildes ist eine schwarzhaarige Frau im rosa-roten Kleid, an einem Geländer vor einem Gang in einem alten Gemäuer sitzt und laszi-unsicher-fordernd in die Kamera guckt. Warum sie sie ein Zigarette in der Hand halten muss - ohne Rauch! - ist mir nicht ganz klar. Aber ihre Schuhe haben dieselbe Farbe wie das Kleid. Titel und Autorin stehen auf Höhe der Beine, sodass der Oberkörper der Frau über allem thront. Ich finde es gelungen.

Inhalt


Das Buch beginnt mit der Gratis-Geschichte aus Band 1 - dem Besuch des reichen Russens Sergeij, der im weiteren Verlauf der rote Faden sein wird. Dieses beeindruckt Emma dadurch, dass er nicht nur mit ihr schläft, sondern ihr auch das Frühstück zubereitet und so zum edlen Retter stilisiert wird.

Danach folgt die Geschichte, die in meiner Leseprobe war und die mich so beeindruck hat, dass ich mit der Reihe angefangen habe - die Inszenierung eines Einbruchs, bei dem der militärisch angehauchten Täter mit der reichen Tussi schläft und ihr damit all den Egoismus rauspimpert. Dieser entpuppt sich als Jay, den wir bereits kennen - und im Buch auch noch besser kennen lernen werden.

Während in Band 1 alles begann, gucken wir Emma nun dabei zu, wie sie mit Herren der Oberschicht schläft und ihre Verhältnisse zu George und Derek aufarbeitet. Hervorzuheben ist die Szene, in der Derek Emma die Augen verbindet und mit ihr auf einer Bühne vor ein paar Männern schläft - aber sich erst zum Schluss zu erkennen gibt. Das stellt für Emma einen Vertrauensbruch dar, der in Band 3 wieder aufgegriffen wird.

Insgesamt reihen sich in diesem Band wieder erotische Episoden aneinander, zusammen gehalten von den beiden Gegenpolen Derek und George, gewürzt mit der Problematik um Sergeij.

Charaktere


Alle Figuren werden etwas ausgebaut, gewinnen aber nicht merklich an Tiefe - ob sie es jemals werden, bezweifle ich.

Sergeij: Er kommt für die Dauer des Buches in das Kollektiv und verschwindet später. Er ist ein wichtiger, gefährlicher, russischer Geschäftsmann, der immer mit Bodyguards auftaucht und von dem man nie weiß, was er gerade tut. Er ist sehr nett zu Emma, sie verklärt ihn romantisch und sieht ihm im Gegensatz zu kalten George und seinem skrupellosen Sohn. Sergeij wiederum liebt es Emma zu bemuttern - er ist ein typischer Gentleman. Schlussendlich will Anna ihn sogar heiraten und damit aus dem emotional gefährlichen Gebilde Georges flüchten - doch dieser hält sie davon ab.

Jay: Ein schöner Mann mit lockigem Haar, den Anna bei der Wäschevorführung in Band 1 erstmals trifft und den seine Zeit im Gefängnis geprägt hat. Jay wirkt intellligent und ist sehr gutmütig, er ist die Verkörperung des schönen Schwans, den der Druck, mit seinem Körper Geld zu verdienen, kaputt macht. Die Figur verwandelt sich vom bloßen Schönling zu einer Person mit Tiefgang und macht damit die größte Entwicklung durch. Für Emma wird er zu einem guten Freund, mit dem sie zwar auch schläft, aber auch Freundschaft spürt - beispielsweise darf sie Jay auch in ihrem Haus besuchen.

Emma: Sie ist die Hauptfigur und aus ihrer Perspektive wird das Buch erzählt. Immer deutlicher wird ihr innerer Konflikt, weil sie einerseits nach Reichtum strebt und die Tatsache, dass sie ihn durch George bekommt, andererseits auch einen Märchenprinzen sucht. Diesen findet sie in Sergeij, doch die Aussicht, demnächst nur mit einem Mann zu schlafen und auf die Privilegien zu verzichten, lassen sie schwach werden. Emma genießt es, mit vielen Männer Sex zu haben und Anerkennung zu bekommen, weil sie ihr Handwerk beherrscht. Das macht sie aber auch sehr arrogant - nicht nur, weil sie ihre Fähigkeiten bewusst einsetzt und weiterentwickelt, sondern weil sie oft betont, wie leicht ihr das fällt.

Auf mich wirkt die Figur immer noch sehr konstruiert - sie betont immer, wie wichtig das Geld ist, gleichzeitig hat sie eine gewisse Bodenständigkeit - sie kümmert sich um ihre Blumenbete. Sie ist weder richtig kalt, noch warm, sondern es scheint eher, als dürfte sie weder das eine noch das andere sein. Und das, obwohl wir über die Ich-Perspektive ihre Gedanken sehen können!

George: Der reiche Gönner, mit dem alles begann. War er im Band 1 noch charmant, aber kalt, zeigt sich hier, dass er neben seinen Besitzansprüchen tatsächlich ein paar Gefühle für Emma übrig hat. Dennoch nutzt er sie aus - und beide wissen das; er wird Emma nicht lieben, sondern nur als Spielzeug und Machtmittel nutzen.


Derek: Die Figur sorgt mit ihrer Kälte, die aus der Eifersucht gegenüber dem Vater resultiert, für interessante Szenen, wirkt letztendlich aber nur stärker, nicht facettenreicher. Nach der Demütigung im Buchladen am Anfang von Band 1, schläft er nun vor einer gewählten Öffentlichkeit mit ihr, ohne ihr Einblick in seine Seele zu geben. Was vermutlich die größere Schmach ist. Emma ist für Derek scheinbar nur ein Spielzeug, das er seinem Vater wegnehmen will, auch hier ist sie Mittel zum Zweck. Allerdings greift er zu oft in ihr Leben ein, er sprengt zB. ein Date mit Jay, als dass es nur um George geht. Ich denke, er hat tatsächlich ein persönliches Interesse an Emma.

Die Erotik


Die Sexszenen sind oft vorhanden, aber nicht besonders - meistens spielt Emma eine Rolle oder schläft einfach mit Männern, die sich ihr bieten, die inszenierten Gelage finden in schicken Villen, oft alt, statt, und auch die Herren sind eher alt. Das Tempo ist normal, weder besonders dynamisch oder langatmig, die Akte lassen sich gut lesen. Technisch sind sie eher langweilig - man weiß, was Emma mag und auf dieses Repoirtoire verlässt man sich. Interessant ist die Szene, in der Jay mit Derek schläft - hier kommen Frauen auf ihre Kosten :-) Insgesamt waren die Szenen anregend, aber nicht erregend.

Warum sieht sich Emma als Hure?


Eine Frage, die ich mir schon die ganze Zeit stelle - warum gibt sich Emma diese eigentlich abwertende Bezeichnung, obwohl sie von ihren Sexpartnern fast nie so genannt wird. Zwar sagt Wikipedia, dass der Begriff mittlerweile aufgewertet wurde und die Selbstbestimmung der Frau im Vordergrund steht und nicht die wechselnden Sexualpartner oder das Geld. Dennoch hat der Begriff für mich einen bitteren Beigeschmack - für mich ist eine Hure eine Frau, die für Geld mit anderen Männern schlafen muss, das aber auch genießt. Sie nutzt Männer aus, und über allem steht Abfälligkeit - Männer sind für sie ein Mittel zum Zweck, aber vor allem sie selbst.

Emma hat eine positive Stimmung - sie braucht George, weil seine Aufträge ihr Leben finanzieren, aber er bestimmt es nicht. Genausowenig übt George den Job des 'Zuhälters' hauptberuflich aus, es ist für ihn Teil des Geschäftes, seine Kunden mit seiner Gespielin zu unterhalten, ein Nebenverdienst. Emma ist nur bedingt selbstbestimmt - manche der Männer findet sie nur attraktiv, meistens schläft sie mit ihnen, weil sie Lust hat und weil ihr Auftreten sie antörnt. Wenn sie einen Auftrag ablehnt, würde sie die Gunst Georges verlieren. Außerdem tritt George nicht so oft auf, sodass die Männer im Vordergrund stehen, nicht die Tatsache, dass sie Geld an ihnen verdient.

Ingesamt habe ich das Gefühl, dass sowohl die Autorin dem Buch als auch die Figur sich selbst etwas Verruchtes geben wollten. Aber auf mich wirkt das nicht - Emma ist kleines, junges Mädchen, das nach oben sieht, aber nirgendwo hingehört.

Schreibstil


Das Buch ist leicht lesbar, innerhalb eines Tages hat man es durch. Der Stil tropft nicht vor Geilheit, sondern ist gemächlich erzählend, die Wortwahl vielfältig und nur wenige Tippfehler vorhanden.

Die Gliederung ist in Ordnung, die Kapiteltitel treffend, die Dialoge aber manchmal gekünstelt - stellenweise habe ich das Gefühl, dass Emmas Gegenüber nur eine Version ihrer selbst sind.

Dennoch sehr gut bekömmlich.

Fazit


Das Buch ist gut lesbar und irgendwie fesselnd, nicht überladen mit Erotik. Es krankt jedoch an der Figurenentwicklung und dem ständigen Selbstbezeichnung der Hauptfigur.

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