Montag, 3. Juni 2013

"Fountain Bridge" von Samantha Young


Hallo liebe Leser!

Ja, ich bin eine eifrige Bild-Leserin (vielseitig und einfach zu konsumieren) und als ich las, dass es ein Gratisbuch gab (das es übrigens auch kostenlos auf Amazon gibt - nur eben im Kindle-Format - also war Bild mit pdf doch besser) griff ich natürlich begeistert zu! Eigentlich ist "Fountain Bridge" nur eine Promo-Aktion für "London Road", das neuste Buch der Autorin; wenn ich das richtig verstanden habe, hat "London Road" weder etwas mit "Fountain Bridge" noch mit dem Vorgänger "Dublin Street" zu tun, jedoch stehen die beiden letzten Bücher in Verbindung: Braden und Joss aus "Dublin Street" sind Bruder bzw. beste Freundin von Ellie aus "Fountain Bridge" - das Buch erzählt also die Vorgeschichte bzw. eine Nebenhandlung. Klingt kompliziert, ist aber eine tolle Möglichkeit, auf die Autorin aufmerksam zu machen; heutzutage ist "50 Shades" das höchste, was den Bekanntheitsgrad betrifft, und alles muss sich darin messen. Da die meisten Bücher, die besser oder 'anders' als 50 Shades (am Ende aber doch viel, viel BESSER sein sollen, was sie meistens nicht sind) sein sollten, dem nicht gerecht werden und das der Leser schon vorher weiß, versucht man es jetzt
mit Gratisbeigaben - Hurra!

Allgemeines

Das Buch gibt es nur als elektronische Version, korrekterweise bei Amazon oder bei Bild.de, Thalia listet es, offiziell ist es dort aber noch nicht erschienen. Im PDF-Format hat das Buch 155 Seiten (149 plus Leseprobe) und man liest ca. 4 Stunden daran.

Die ISBN-10 lautet 3-8437-0492-9.

Die Briten dürfen dafür übrigens 2 Pfund bezahlen :-)


Die Autorin

Samantha Young  wurde 1986 geboren und hat in Edinburgh studiert. Seit sie denken kann, schreibt sie in verschiedenen Genres, seit 2011 verlegt sie selbst. Young hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, in Deutschland sind bis jetzt nur "London Road" und "Dublin Street" erschienen.

Das Cover

Das Titelbild ist genretypisch monochrom gehalten, man sieht ein Pärchen kurz vor dem Kuss, grün-blau eingefärbt, dazu passend gelbe Schrift. Übrigens wird in der englischen Ausgabe das gleiche Bild verwendet, nur in Vollfarbe.

Auch wenn die Situation sinnlich wirkt, ist es nichts Besonderes, auch die Farbegestaltung ist bekannt. Mich stört das Gelb der Schrift - der Kontrast ist zu hart.

Die Geschichte

Die Autorin konstruiert hier eine Geschichte in der Geschichte - während Elllie ihre Tagebücher durchstöbert, erlebt sie mit ihrem Freund Adam ihr Kennenlernen nochmals. Spannung verspricht die Tatsache, dass Adam das Geschehen zum ersten Mal aus ihrer Perspektive sieht - Folgen hat es aber für das Buch nicht.

Adam ist der beste Freund von Ellies Bruder und sie ist schon seit der Pubertät in ihr verliebt, die beiden werden aber erst nach ihrem Studium, also ca. 13 Jahre später, ein Paar.

Passend zur den Tagebucheinträgen werden Episoden aus Ellies Leben geschildert, beginnend mit der Faszination für Adam. Typisch ist, dass die beiden fast immer kurz vor einem Kuss bzw. einer Beziehung stehen. Da man schon vorher weiß, dass sie zusammen kommen, fragt man sich mit jeder Szene, ob es jetzt ENDLICH soweit ist. Andererseits nimmt die Tatsache, dass man weiß, wie es ausgeht, auch eine Menge Spannung raus - egal, was passiert, sie kommen zusammen. Und wirkliche Stolpersteine gibt es nicht - zwar schläft Adam mit vielen Frauen und auch Ellie hat Beziehungen, diese sind aber nicht ernst, und sie wirken auch nicht so. Alles läuft auf eine Beziehung zu Adam hinaus.

Die Charaktere

Ellie ist jung und etwas rebellisch, sie weiß, was sie kann und versucht damit später, Adam für sich zu gewinnen - mit Erfolg. Sie leidet darunter, dass ihr Vater sie nicht akzeptiert und hat stattdessen ein enges Verhältnis zu ihrem Bruder.

Adam ist schön, aber auch etwas aufbrausend; er wurde von seinen Eltern verlassen, Ellie und ihr Bruder sind eigentlich seine Ersatzfamilie. Adam mag Frauen und Architektur. In Ellie sieht er lange Zeit nur die kleine Schwester seines besten Freundes und will siei beschützen. Das macht ihn sehr dominant.

Insgesamt sind die Charaktere sehr grob gezeichnet - vielleicht kommen sie in den Romanen besser rüber, aber mir fehlte die Tiefe - sie sind auf ihre geschlechtertypischen Eigentschaften reduziert, doch die Grundlage ihrer Beziehung wird nicht klar - man sieht sie zwar miteinander reden, dabei geht es aber meist um Eifersucht, nie um.. Normales. Die Charaktere sind hier ganz klar Mittel zum Zweck.

Die Erotik

Hier schwanke ich: es dauert sehr lange, bis man mal zur Sache kommt, aber die Szenen sind wirklich erregend. Leider fehlt ihnen der letzte Funke zur Perfektion - denn die Szenen, bei denen die beiden unterbrochen werden, sind heiß, aber weil sie nicht komplett ausgeführt werden, verschwindet die Erregung sehr schnell wieder - in manchen Konstellationen funktioniert das gut, dass man kurz vor dem Höhepunkt abbricht, hier klappt das aber nicht. Die eigentliche Sexszene, als sich die beiden gefunden haben, ist dagegen sehr kurz und nicht sehr ausführlich. Außerdem sind die Situationen, die beschrieben werden, nicht neu - in jeder guten Lovestory gibt es solche Szenen.

Gut ist aber, dass sie Worte zwar bekannt, aber nicht zu explizit sind. Dennoch nervt es, dass die Geschichte nicht richtig kreativ ist.

Die Sexszenen erregen, weil die Situationen erregen. Und sie sind so gut ausgeführt, dass man als Leser mitfühlt. Aber bei genauerer Betrachtung sind sie banal und nicht wirklich neu.

Sprache und Perspektive

Für mich der größte Störfaktor: obwohl es zwei Ebenen gibt, sind diese sprachlich GLEICH. Zwar merkt man Ellies Tagebucheinträgen manchmal an, dass es Gedankenströme sind, oft wird aber sowohl für die Jetzt-Zeit als auch für die verschiedenen Einträge, bei denen Ellie unterschiedlich alt war, die gleiche Sprache verwendet! Ich habe nur kurze Zeit Tagebuch geschrieben, aber zu einem Tagebuch spricht man anders, als wenn man das Geschehen erzählt - selbst wenn es die Ich-Perspektive ist. Und selbst wenn man diesen Punkt außer Acht lässt, hat jemand nicht 13 Jahre lang diegleiche Sprache.

Auch die Übersetzung ist nicht ganz gelungen, es gibt kleine grammatikalische Fehler und Wortwiederholungen.

Aber: Das Buch ist gut lesbar, mitreißend, man kommt schnell voran und kann sich nur schwer lösen.

Fazit

Ich stehe Erotik-Büchern mittlerweile skeptisch gegenüber, besonders, wenn sie so beworben werden, ich rechne meist mit Trivialem. Den Klappentext fand ich aber interessant. Leider war es schlimmer als erwartet - die Spannung wird schon zu Beginn fast aufgehoben, es geht die ganzen 149 Seiten nur um Adam und Ellie. Die Autorin hat sich eine Geschichte ausgedacht, und das machte ihr Spaß - aber um eigenständig funktionieren zu können, fehlt hier ein Stück Kreativität.

Nixdestotrotz ist es als literarische Kuscheldecke für einsame Abende vor dem prasselnden Regen ideal - gut zu lesen, bleibt nicht lange im Gedächtnis, man muss nicht viel nachdenken und kann genießen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)