Sonntag, 2. Juni 2013

Ich war gewesen: "Bilder aus einer privaten Sammlung" in der Galerie Döbele

RindeLiebe Leser,

ein bisschen Kultur schadet nie und so verschlug es mich nach der Fotosession für die letzte Rezension in die nahegelegene Galerie. "Bilder aus einer privaten Sammlung" klang etwas schwammig, aber mich hat der Zeitraum (um 1910) interessiert.


Wie kommt man hin?

Die Galerie liegt auf der Pohlandstraße 19, inmitten eines kleinen 'Gewerbegebietes' und ist derzeit am besten über den Schillerplatz und fünf Minuten Laufen zu erreichen. Der Weg vom Pohlandplatz (und zehn Minuten Laufen) ist aufgrund der Bauarbeiten auf der Schandauer Straße sehr beschwerlich :-)



Was wird gezeigt?

Laut Webseite beschäftigt sich die Ausstellung mit expressionistischen Künstlern, ua. sind Maler der 'Brücke'-Gruppe vertreten.

Mein Eindruck

Die Galerie ist sehr toll: ich hatte zuerst Angst, dass ich sie nicht finde, weil Galerien meistens versteckt liegen, aber alles war einfach zu finden. Um hineinzukommen muss man klingeln, wird aber freundlich empfangen und kann überall rumlaufen.

BlätterAbsolutes Highlight war der Duft :-) Es riecht in den alten, tw. sanierten Räumen mit dem Parkettboden sooooooo schön nach altem Haus - nicht muffig, sondern aromatisch! Ich habe mich sehr wohlgefühlt! Es gibt neben dem sehr aussagekräftigen Flyer zur Ausstellung auch eine extra Beschreibung, außerdem liegen Bücher ähnlicher Künstler herum.

Sehr gut ist, dass die Bilder ohne weitere Erklärung an der Wand hängen, man wird nicht in einen kunsthistorischen Strudel gerissen, muss sich darauf konzentrieren, welcher Maler aus welcher Epoche stammte und was welches künstlerische Mittel damals ausgedrückt hat. Nein! Man kann sich einfach auf die Vielfalt der Bilder einlassen! Manches ist bekannt, gerade die klaren Formen und knalligen Farben, auch das Monochrome der Holzschnitte. Andererseits wird mir bewusst, dass vieles parallel existierte, dass romantische Landschaften und Akte genauso existierten wie eher abstrakte Arbeiten. Jeder Künstler ist anders, und auch wenn man sich untereinander inspiriert, hat jeder ein anderes Bedürfnis, sich auszudrücken. Und das war gut :-)

Die Ausstellung war klein, aber ich habe mich sehr wohl gefühlt und... es war einfach sehr, sehr gemütlich :-)

Und jetzt findet ihr - wie immer - die Liste der Künstler, die mich besonders beeindruckt haben!

Bis zum nächsten Eintrag!

Weg


Ein Auszug der Werke

Edgar Ende: Der Vater des berühmten Schriftstellers beschäftigte sich  mit dem Surrealismus, was auch in die Werke seines Sohnes einfloss. Die Galerie zeigt zwei Bilder von ihm, u.a. "Drei Wanderer": Das Geschehen wirkt konzentriert, aber losgelöst vom Ort; die Menschen sind die Handelnden und gefangen in der Unendlichkeit; es ist typisch für Endes frühe Zeichnungen, dass die Menschen dreidimesional, die Umgebung fast wie eine Perspektiv-Skizze wirkt. Ich finde das sehr beklemmend!

Erich Heckel, einer der Gründer der Künstlergruppe 'Die Brücke' hat sich neben Landschaften auch weiblichen Akten gewidmet und zahlreichen Zeichnungen angefertigt. In der Ausstellung ist das Bild 'Herbstmorgen' zu sehen, was für mich eine schöne Abwechslung zum eher plakativen, expressionistischen Stil war. Obwohl das Werk pastellig ist, kann man sich gut reinfinden und einfach genießen :-)

Hans Siebert von Heister war Mitglied der 'Novembergruppe', die 'Kunst und Volk vereinen' sollte und die soziale Revolution unterstützte. Die Stile innerhalb dieser Gruppe sind vielfältig, von Heister malte ziemlich bunt.

Ludwig Meidner war ein expressionistischer Maler und Dichter. Er beschäftigte sich ua. mit dem Großstadtleben und einer eher dunklen Zukunftsvision. Das Bild in der Galerie zeigt das sehr eindrücklich. Es ähnelt diesem Bild. Das Werk hat etwas Bedrohliches, ohne zu knallig zu wirken, die schwarze Farbe, die Perspektive und die dichte der Linien veranschaulichen die Botschaft.

Der "Sitzende Akt" von Ernst Bursche, einem Schüler Otto Dix, ist eines meiner Lieblingswerke der Ausstellung. Die Formensprache ist sehr klar und harmonisch und erinnert mich an die nackten Darstellungen der Götter a la Rubens. Gleichzeitig wirkt es, typisch für Aktzeichnungen um 1900, weich und kurvig, mit ernstem Ausdruck. Das Bild hat etwas Verletzliches, der Mensch steht im m Vordergrund, er scheint nicht mehr mit ihr, sondern nur noch in ihr zu leben.

Über Alexander Osmerkin erfährt man leider nur wenig, aber der russische Künstler, der vom Kubismus und Impressionismus beeinflusst war, hat ein tolles Stillleben gemalt. Interessant bei diesem Bild ist, dass es anders als Obstkörbe etc. nicht stil, sondern eher dynamisch wirkt. Es gibt grobe, klar abgegrenzte Farbflächen und die Decke könnte runterfallen. Ich mag das Bild, weil es blau ist :-) und etwas zu erzählen scheint. Es sind Gegenstände, aber sie scheinen zu leben.



Kommentare:

  1. Ich mag Naturbilder sehr gern, weil man sie stundenlang anschauen kann und immer wieder etwas Neues entdeckt.

    LG Scully

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    1. Ich finde, sie haben etwas Beruhigendes; allerdings müssen sie zum Beitrag passen - und da ich vor der Ausstellung im Park war (und auch danach - ich habe das Vid für Eva aufgezeichnet), bot es sich an. Ich mag lange Text ohne Bilder nicht, andererseits muss man aufpassen, dass sie nich nur Mittel zum Zweck sind und vor allem den Lesefluss behindern...

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