Samstag, 20. Juli 2013

"Anwaltshure 4" von Helen Carter

Liebe Leserinnen und Leser,

bitte halten Sie die Taschentücher bereit, werfen Sie sich ein letztes Mal in den schwarzen, leider total empfindlichen, sexy Fummel, reden Sie sich ein, dass Sie mit etwas Willen jeden Kerl und jede Technik geil finden können und fragen Sie beim Anwalt Ihres Vertrauens, ob Sie bei ihm anfangen können.

Denn wir steuern einem historischen Moment entgegen - dem vorläufig letzten Band der Anwaltshure-Reihe!



Ein letztes Mal zelebriert die Autorin anfangs unschönes, schlussendlich aber geiles Rum***, Charaktere, die so cholerisch und egoistisch sind, dass man mit ihnen keine Beziehung eingehen kann oder die sich einreden, Glamour und Schönheit zu brauchen, aber eigentlich in ihrem Garten festkleben und unglaublich schöne Häuser, die ausnahmslos in altem Gewand präsentiert werden! Neben aneinandergereihten Korpulierungsszenen und Wiederholungen bekannter Motive wird der Leser hier sogar mit einer SM-Passage verwöhnt!

Halten Sie sich fest und genießen Sie das Folgende!

Untermalt wird dieser Eintrag von einem Motiv, dass sich in Band 2 und 4 wiederfindet. Die Kette habe ich hier gekauft und mag sie sehr :-)

Wie üblich spoilere ich ein bisschen.


 



Allgemeines



Das Buch (ISBN 10: 3940505498) ist bei Blue Panther Books erschienen und hat 191 Seiten. Man kann es über den Verlag oder jeden gängigen (Online-)Buchladen beziehen. Das Taschenbuch kostet 9,90 EUR, die Kindle-Version 9,99 EUR; ich habe - wie bei den anderen Bänden - ein Mängelexemplar für 4,90 EUR (als 'gebraucht') erworben.

Infos zum Verlag und zur Autorin findet ihr auch im ersten Blogeintrag zur Reihe.

Cover


Das Titelbild ist vorwiegend in Brauntönen gehalten, in denen das hell-grün-gelbe Kleid, das wir schon aus den Bänden 1 und 3 kennen, gut zur Geltung kommt. Auch verwendet man wieder elegante Muster, diesmal den Tisch aus Band 1. Dadurch wird ein Bezug zum Anfang hergestellt bzw. ein Rahmen zu erzeugt. Die Figur ist diesmal nicht mittig platziert, sondern in der rechten oberen Ecke. Da sie größer ist und den Leser direkt ansieht, wird eine Bindung zum Leser aufgebaut. Außerdem wirkt sie dadurch sehr selbstbewusst, was auch zum Inhalt passt: Sie macht sich selbstständig.

Hier kann man ein Schema erkennen: In Band 1 sitzt die Figur noch unter dem Tisch, wirkt etwas untertänig - sie hat gerade erst mit dem Job anfangen. In Band 2, im roten Kleid, blickt sie den Leser selbstbewusst an, wirkt aber durch die schwierige Position und das Ganzkörperfoto verletztlich, ein bisschen ohne Halt, auch wenn es einen Rahmen gibt. In Band 3 ist die Haltung entspannter, lässig; eine Frau, die sich bedienen lässt und es nicht nötig hat, selbst etwas zu tun. Das wird durch das Glas in ihrer Hand verstärkt. In Band 4 hängt die Figur nichtmehr an der Tischplatte, sondern umfasst das Tischbein selbstbewusst.



Übrigens befindet sich die Band-Nummer, wie bei allen Büchern des Verlages, hochgestellt und vor weißem Hintergrund - ein tolles Wiedererkennungsmerkmal.

Inhalt


Das Buch beginnt mit einer Selbstreflektion der Hauptfigur, bevor sich, umrahmt von Emmas Kampf um und mit Derek sowie der Aufbau ihres Escort-Service, verschiedene Sexszenen aneinander reihen. Schlussendlich treffen sich die Liebenden am Bahnhof - ein Cliffhanger, der in der Zusatzgeschichte aufgelöst wird.

Charaktere


Da die Protagonisten immer noch dieselben sind und sich nur die Nebenfiguren ändern, werde ich hier die Änderungen der Figuren beleuchten und verweise für eine grundsätzliche Charakterisierng auf Band 1.

Emma wirkt anfangs sehr nachdenklich, was mir gut gefällt, driftet aber später in Klischees ab; sie macht alle sexuellen Spielarten nach ein paar Zweifeln mit und es macht ihr Spaß. Es gibt nichts, was sie ablehnt. Ihr Verhältnis zu Derek hat sie gut analysiert und leistet zum Schluss sogar etwas Widerstand. Dennoch verwechselt sie Faszination mit Liebe, und das das ganze Buch lang. Diese Naivität tritt auch bei ihrer Selbstständigkeit zutage: Sie plant zwar, kalkuliert aber nicht Georges Macht ein.

Derek ist wie in den vorhergehenden Bänden extrem cholerisch, aufbrausend, egoistisch, er nimmt sich; was er will, ohne Rücksicht auf andere - besonders, weil diese es auch mitmachen. Er sehnt sich nach einem bürgerlichen Leben, allerdings werden die Gründe nicht von ihm aufgeführt, sondern man muss sie sich erschließen - Kriminelle wollen ein ruhiges Leben führen.

George tritt hier noch weniger auf als in den anderen Bänden. Er will Emma von Derek fernhalten, als Gründe führen die Figuren auf, dass es ihm um das Geschäft mit Emma und seinen guten Ruf geht. Allerdings bleibt vieles vage. Außerdem ist er, obwohl er immer als intelligent, gerissen und eher dominant dargestellt wird, ziemlich nett zum Emma - er will, dass sie ihr Geschäft nicht in London betreibt, damit sie weit weg von Derek ist, betrachtet sie aber nicht als Konkurrenz - was unlogisch ist. Es hätte in schöner Machtkampf werden können.

Weitere Figuren sind Dereks Ehefrau Laura, die mit ihrer Naivität stimmig wirkt, Alexander, den Emma am Anfang züchtigen soll, und Jane, die erste Dame, die Emma anwirbt. Mit der Frau, die sie aus Band 1 kennt, erlebt sie ein kleines Nümmerchen im Büro.

Insgesamt bleiben die Charaktere blass wie in den Vorbänden. Mit der Szene am Anfang versucht die Autorin, Emma Tiefe zu verleihen, und auch ihre Vorliebe für ihren Garten macht sie menschlich. Allerdings sind sie und die anderen Charaktere zu gewollt - zwar rund, aber doch klischeehaft.

Die Sexszenen


Diesmal reihen sich die Szenen wie Perlen auf einer Schnur aneinander und variieren: Von der SM-Szene, mit der endlich die 50 Shades-Anhänger befriedigt werden, über Rollenspiele (Ladendieb und Schuljunge) bis zu Lesben-Geschichten ist alles dabei.

Die Szenen sind gut geschildert, die Wortwahl ist treffend, allerdings wiederholen sich die Motive: Riesige Schwänze, die in kleine Polöcher passen müssen, Säfte, die so stark fließen, dass man nicht aufstehen kann usw.

Es fällt auf, dass sich das Spiel mit der Perlenkette und Sex im Theater wiederholen. In Band 2 spielt Anna eine Frau, die von einem Einbrecher überrascht wird, in Band 4 überführt sie einen Dieb. Ebenfalls in Band 2 wird sie von Derek mit verbundenen Augen auf einer Bühne verführt, während andere zusehen, in Band 4 wird sie vor unsichtbarem Publikum auf einem Gynäkologen-Stuhl penetriert. Ob das als Hommage gedacht ist oder nur einfallslos, kann ich nicht beurteilen.

Interessant ist die SM-Szene: Anders als bei den anderen Spielen zweifelt Emma hier an ihrem Können, sie will dem Mann nicht wehtun, ihre Gedanken wirken aber zu oberflächlich. Das ist schade. Obwohl die Passage sehr eindrucksvoll wirkt, habe ich das Gefühl, dass man sie nur eingebaut hat, weil Leser SM mögen.

Ingesamt war ich etwas enttäuscht, weil die Szenen zwar nett geschrieben und erregend sind, aber so häufig vorkommen, dass man sie irgendwann überliest - man kann doch nicht ständig Sex haben!

Schreibstil 


Das Buch ist gekonnt geschrieben, allerdings schleichen sich vermehrt Flüchtigkeitsfehler wie Wortwiederholungen usw. ein. Außerdem gibt es manchmal Fremdwörter, die nicht jedem Leser geläufig sind.

Die Autorin schafft es, Atmosphäre zu erzeugen und ich mag den Blick auf die Details. Leider geht er immer noch unter, weil die Geschichte sehr auf Sex fixiert ist. Man kann die entsprechenden Szenen genießen - aber auch überlesen, weil nichts passiert.

Insgesamt lässt sich der Schlussband gut lesen, nach einem Tag ist man fertig. Allerdings behindern die Sexszenen den Lesefluss erheblich, weil sie zu häufig sind.

Gliederung und Gestaltung


Das Buch ist mit 191 Seiten und 24 Kapiteln der Band mit der geringsten Anzahl an Seiten pro Kapitel -  manche Kapitel sind nur eine halbe Seite lang, andere ca. 10 Seiten. Wie immer wird innerhalb eines Abschnittes mit Sternchen gegliedert. Die Passagen sind inhaltlich abgeschlossen, allerdings gibt es nur einen Erzählstrang, sodass weniger Kapitel nicht schlimm gewesen wären.

Was nervt, sind die gequetzschten Buchstaben, die sich setzungsbedingt ergeben.


Fazit


Leider der schwächste Band der Reihe - die Autorin versucht, die Rahmenhandlung um Derek und Emma durch unnötige Sexszenen zu dehnen, verwendet Wiederholungen und schreibt nur bedingt realistisch. Das ist sehr, sehr schade.

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