Sonntag, 28. Juli 2013

Ich war gewesen: Drei Ausstellungen und ein Fragezeichen

Hallo,

in letzter Zeit habe ich drei kleine Kunstausstellungen besucht und wollte euch davon berichten :-)



Straße nach Damaskus


Wie lange?

24.05.2013 - 29.08.2013

Die Kirche hat (glaube ich) von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ausgenommen sind natürlich Gottesdienste usw. :-)

Wo?

Martin-Luther-Kirche Dresden

Haltstelle 'Diakonissenkrankenhaus' (Linie 11), ca. 5 min Fußweg. Vom Albertplatz aus (Linien 6, 8, 7, 3 und 11) ca. 10 min Laufen.

Was wird gezeigt?

Porträts von Strafgefangenen. Eine schöne Erklärung liefert dieser Text.

Wie wird es gezeigt?

Die Austellung befindet sich in einer kleinen Nische neben den Bänken und ist durch die Fenster gut ausgeleuchtet. Es werden ca. 25 Fotografien gezeigt.

Leider gibt es zwar einen Flyer, aber keine Infotafeln und die Fotos sind größtenteils nicht beschriftet. Ich dachte bis zu diesem Blogbeitrag wirklich, dass es etwas mit Damaskus zu tun hat. Dass der Titel nur ein Synonym für den Weg ist, den die Fotografen gegangen sind, war mir nicht klar.

Einerseits kann man sich durch die wenigen Infos gut auf die Bilder konzentrieren, andererseits wird man allein gelassen.

Was habe ich gefühlt?

Ich stand ziemlich im Wald :-) Mir fehlten die Geschichten hinter den Menschen, ich sah die Fotos an und wusste nicht, was ich denken sollte. Wenn ich sie mir jetzt auf der Webseite angucke, habe sie etwas Melancholisches, man sieht den Menschen die Resignation und die Scham an. Obwohl der Ansatz religiös ist, hat es nichts Religiöses, sondern viel Menschliches.

Besonders beeindruckt hat mich ein Bild eines Mannes, der je nach Perspektive syrisch und deutsch aussah. Das soll nicht rassistisch klingen, aber wir stellen uns Menschen aus anderen Ländern auch optisch vor. Und wenn ich davon ausging, dass der Mann Syrer war, dachte ich: Ja, so sieht er aus. Wenn ich davon ausging, dass er Deutscher war, dachte ich dasselbe. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr Vorurteile wirken und welche Sympathien und Antipathien entstehen. Daraus resultierte aber auch Toleranz - im Grunde kommt es nicht auf die Herkunft, sondern nur den Blick in den Augen an.

Fazit

Die Ausstellung war gut gedacht, aber schlecht umgesetzt. In diesem Fall finde ich die Internet-Version besser :-)

Mitwirkende

Andreas Rost
Wenke Seemann
Lothar Rericha



Bernd Hahn. Malerei und Zeichnung


Wann?

22.06.2013 bis 22.09.2013

Wo?

Städtische Galerie Dresden (im Stadtmuseum)

Zu erreichen über die Haltstelle Pirnaischer Platz (Linien 1, 2 und 4 bzw. 3, 7, 12, 62 und 75).

Bitte beachtet, dass sich der Eingang nicht an der Frontseite befindet, sondern auf der Rückseite - also 50 m laufen :-)

Analog zum Museum kann die Ausstellung wie folgt besucht werden:

Dienstag bis Sonntag - 10 bis 18 Uhr
Freitag - 10 bis 19 Uhr
montags geschlossen

Wieviel bezahlt man?

Der Eintritt ins Stadtmuseum kostet 4 EUR für Erwachsene, 3 EUR ermäßigt. Freitags ab 12 Uhr ist freier Eintritt (betrifft auch andere Museen)

Was wird gezeigt?

Größtenteils Malerien, aber auch Zeichnungen und ein Trickfilm des Künstlers von den 80iger Jahren bis zu seinem Tod 2011.

Bernd Hahn widmete sich der abstrakten Malerei mit Schwerpunkt auf dem Kubismus.

Wie wird es gezeigt?

Die Ausstellung befindet sich in einem Seitenflügel im ersten Stock des Museums. Der Raum ist normalgroß, aber etwas verwinkelt. Im Vorraum kann man sich den Trickfilm angucken und die Ausstellung bewerten, was ich toll finde.

Im Hauptraum hängen die Bilder an weißen Wänden und sind nur selten von Infotafeln durchbrochen. Diese orientieren sich an der Biografie des Autors. Sehr gut gefällt mir, dass die Informationen für Laien verständlich sind, nicht überheblich klingen. Sie geben Anregungen für die Interpretation. Am Eingang gibt es auch eine Tafel mit biografischen Daten. Leider fehlte mir die zeitliche Einordnung bzw. welche Künstler einen ähnlichen Stil verfolgt haben.

Mein Eindruck

Ich finde leicht Zugang zu geometrischen Formen, daher fiel mir die Interpretation sehr leicht bzw. ich habe etwas darin sehen können. Beeindruckt hat mich die Technik: Die Linien sind sehr klar, sie erinnern mit ihrer Sauberkeit an Dan Flavin. Außerdem finde ich es bewundernswert, dass der Künstler trotz Krebserkrankung weitergearbeitet hat.

Einige Bilder wirken wie Adaptionen Mark Rothkos, Hahns Spätwerke zeigen jedoch tetrisähnliche-Formen auf weißem Hintergrund. Sehr gut finde ich den Kontrast aus schwarzen bzw. bunten Formen und scheinbar willkürlichen, runden Linien im Hintergrund.

Der Trickfilm war ungewohnt, er beschäftigt sich mit einem Würfel, der aufklappt, eigentliches Thema ist 'Rock'. War nett anzusehen, aber... ich wurde daraus nicht schlau.

Fazit

Wer Abstraktes mag und den Weg eines Künstlers verfolgen will, sollte die Ausstellung besuchen. Wem das nicht liegt, kann sich eine Ausstellung über Otto Dix und ähnliche Künstler im anderen Flügel ansehen, den Rest des Museums besuchen oder sich im Museumsshop ein Buch über Kunst bzw. Dresden kaufen (er ist echt schick - und wo kann man sonntags in der Innenstadt Bücher kaufen? :-))


Rot trifft Blau


Wann?

ab 24.05.2013, leider ist kein Ende-Datum zu finden.

Wo?

Galerie Abstrakte Momente

Haltestellen Rosa-Luxemburg-Platz (Linien 6 und 13) bzw. Bautzner Straße/Rothenburger Straße (Linien 6, 11 und 13), danach 2 min Fußweg.

Öffnungszeiten der Galerie:

Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag - 15 bis 19 Uhr
Mittwoch - 10 bis 14 Uhr
Samstag -  10 bis 13 Uhr

Was wird gezeigt?

Bilder mit Blau oder Rot als Hauptfarbe. Die Werke wurde für die Ausstellung konzipiert und sind mit unterschiedlichen Techniken hergestellt. Die Künstler arbeiten oft mit pastosen Farben bzw. Strukturpaste, außerdem gibt es eine Metallplatte mit Holzherzen. Auffällig ist, dass Blau oft mit Gold kombiniert wird.

Wie wird es gezeigt?

In der kleinen Galerie hängen die Werke mit Beschriftung an der Wand, außerdem gibt es eine Wand in der Mitte.

Sehr gut ist die Musik, die mit ihrem atmosphärischen Klang das Fließende der Bilder unterstreicht!

Mein Eindruck

Es hat mir Spaß gemacht, die Techniken der Bilder zu erkunden. Außerdem ist man nicht gezwungen, sich mit EINEM Künstler zu beschäftigen, sondern findet sowohl Abstraktes als auch Gegenständliches. Ich konnte mich gut in die Farben reinkuscheln :-)

Meine Lieblingsbilder

Blue Note - Ich mag die klaren, geschwungenen Linien, ich konnte den Verlauf, die Energie gut spüren.

Levelaufstieg - Bei diesem Bild dachte ich an Zellwände, aber wenn ich den Titel lese, assoziiere ich damit ein Jump 'n  Run-Spiel. Mir gefällt die klare Abstufung: die 'runden' Formen liegen tief und glänzen, während die Umrisse erhaben sind. Sehr dramatisch.

System Blau-Rot - Das Bild wirkte auf mich zuerst eher bekannt, weil das Konzept nicht neu ist. Interessant ist aber, dass das Blau auch in den Streifen auftaucht. Es macht Spaß, die Brüche in der regelmäßigen Anordnung zu erkunden :-)

Rot trifft Blau - Es ist ungewohnt, Metall in einer von Leinwänden dominierten Ausstellung zu sehen. Aber ich mag die Formen, sie wirken so schön zufällig :-) Und die Herzen sind niedlich - man sieht die Maserung durch die Farbe und man könnte sie auf der Platte verschieben.

Beteiligte Künstler

Andreas Garbe
Anne Blum
Bozena Ossowski
Jo Zipfel
Maja Kühne (alias Maya)
Gramminger-Kämpf
Torsten Peter
Monii
Yosi Losaij
Thomas Stephan


Kommentare:

  1. Liebe Evy, Du hast wirklich einen tollen Blog. Viele verschiedene Themen, das gefällt mir. Und ich lese Artikel über Dinge, für die ich mich sonst eigentlich nicht interessiere. Super geschrieben und dazu tolle Fotos, perfekte Mischung. Leider kann ich mich nicht als Leser eintragen, das klappt nicht.. Ich nehme Dich aber gerne in meine Blogroll auf.:...Ich danke Dir für die vielen Kommentare auf meinem Blog www.die-rezensentin.de :-D Schöne Pfingsten noch und liebe Grüße Annette

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    1. Danke :-) Es tut gut, so etwas zu hören. Mein Schwerpunkt soll aber künftig auf Büchern bzw. Erlebnissen liegen - mal gucken, wie es ausgeht :-)

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