Dienstag, 9. Juli 2013

Lange Nacht der Wissenschaften

Karte
Hallo liebe Leser!

Diesmal ohne 'Kategorie' am Anfang, aber der Titel war zu lang :-) Ich habe auf fb schon eine kleine Review geschrieben, wollte aber hier nochmal ausführlicher werden.




Warum ich überhaupt da war? Letztes Jahr war ein guter Freund von mir da, aber ich hatte keine Zeit. Diesmal sind wir uns zwar auch nicht über den Weg gelaufen, weil ich das Plakat erst zwei Tage vorher entdeckt hatte, aber ich hatte Spaß :-)

Was ist die Lange Nacht?


Bei dieser Veranstaltung stellen verschiedene Universitäten ihre Projekte vor. Da wir eher naturwissenschaftlich ausgerichtet sind, gibt es viel Technisches zu lernen :-)

Umgesetzt wird das mit Vorträgen und vielen, vielen Stationen, an denen Studenten erklären. Außerdem kann man Labore usw. besichtigen.

Insgesamt haben dieses Jahr 6 Universitäten und 36 andere wissenschaftliche Einrichtungen  teilgenommen, 540 Vorträge konnte man besuchen.

Die Veranstaltungen sind kostenlos.

Hier ist die Internetseite.

Wann findet sie statt?


Meistens im Sommer. Diesmal Anfang Juli.

Offiziell beginnt sie 18 Uhr und endet 1 Uhr, viele Veranstaltungen und Vorträge sind aber 21 Uhr schon vorbei.

Wo findet sie statt?


 Überall, wo es eine Uni gibt :-) Der meisten Veranstaltungen kann man auf dem Unigelände besuchen, doch auch in Zweigstellen und Instituten außerhalb ist viel los!

Jede Station ist mit Luftballons gekennzeichnet.

Wie kommt man hin?


Die meisten Einrichtungen sind gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, zusätzlich stellten die städtischen Verkehrsbetriebe 3 Bahn-/Buslinien zur Verfügung, die die wichtigsten Stationen (auch außerhalb) verbanden. Man konnte sie offiziell mit dem Programmheft benutzen, ich wurde aber nicht kontrolliert :-)

Außerdem wurde die Taktefrequenz auf den entsprechenden Linien erhöht, sodass man auch nachts noch gut nach Hause kam.

Übrigens hatte das Namlab (s.u.), das aufgrund einer Baustelle etwas versteckt lag, sogar Hinweispfeile auf den Bürgersteig gemalt :-)

Wer kann hin?


Das ist das Besondere: Alle! Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Kinder und Menschen, die mit sonst nur wenig mit Technik usw. zu tun haben. Es gab spezielle Vorträge für Kinder und viele Leute an den Ständen konnten ihre Projekt verständlich erklären.

Essen und Trinken


Wichtig zu wissen: Für das leibliche Wohl war gesorgt - die Cafeterias der Institute hatten geöffnet, vor einigen Stationen wurde auch gegrillt und das obligatorische Stickstoff-Eis durfte auch nicht fehlen :-)

Programmheft

Plan
Ich habe leider meines zu spät gefunden, und meine Erwartungen waren niedrig. Stattdessen verdienen die Veranstalter hier ein großes, großes Lob! Auf den beiden Umschlagseiten findet sich eine Karte mit Bahn-/Buslinen und den Nummern der Stationen. Da auch Straßennamen vermerkt sind, findet man sich gut zurecht! Leider waren die Linien farblich gleich, sodass nicht einfach war, zu erkennen, wo welche Linie langfährt.

Die einzelnen Stationen sind numerisch geordnet mit allen Veranstaltungen zu finden. Gut finde ich, dass auch die Internetseite dahsteht.

Auch wenn die Schrift manchmal etwas klein ist, bleibt man innerhalb einer Farbfamilie, sodass alles gut zu lesen und nicht zu bunt ist.

Mir gefällt das Design sehr gut!

Internetseite


Da ich zu Recherchezwecken ohnehin da bin:

Sie ist nett, aber die Schrift ist sehr klein. Man findet viele wichtige Infos.

Was aber nicht sein kann: Dass die Seite Stunden vor der Veranstaltung nicht erreichbar ist!

Schnitzeljagd


Bevor ich mich den Stationen widme, die ich besucht habe, möchte ich zu einer Aktion kommen, die ich sehr spannend fand.

Das cfaed (Center for advancing eletronics Dresden) hatte eine kleine Schnitzeljagd vorbereitet, die für große und kleine Kinder gedacht war. Ziel war es, möglichst viele der aufgelisteten 12 Stationen zu besuchen und einen Aufkleber zu einsammeln. Zum Schluss kann man ein T-Shirt gewinnen.

Leider war nicht klar, wieviele Aufkleber man brauchte. Aber da viele Stationen nah beieinander lagen, habe ich 5 Aufkleber sammeln können :-) Als ich 23 Uhr ankam, war aber fast keiner mehr da... immerhin: ich hab ein cooles Poloshirt!

Was nicht so gut war: Die Stationen waren teilweise nicht darauf vorbereitet - im Namlab reichten die Aufkleber nicht und in der Info-Fak wusste man nicht, dass sie Teil der Aktion war; nachdem ich durch das ganze Gebäude gelaufen war, kam ich in einen Raum, indem tatsächlich Aufkleber lagen...

Grundsätzlich finde ich solche Aktionen gut, weil sie Kinder ermutigt, zu suchen, man wird durch das Gelände geleitet. Es wäre aber besser gewesen, wenn es kleine Rätsel etc. gegeben hätte.

Was habe ich besucht?


MPI
Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) - In dem schönen, großen Glasgebäude nahe der Universitätsklinik beschäftigt man sich mit der Frage "Wie organisieren sich Zellen zu Geweben?" - ein sehr spannendes Thema!

Man konnte hier Filme und Projekte mit Würmern angucken (bäh!), außerdem waren im Gebäude einige Infotafeln angebracht; auch Schokoeis konnte man essen. Kinder konnten Perlenarmbänder mit ihrem Namen als DNA basteln (leider waren die Perlen 2 Stunden vor Ende aus :-( ) und eine DNA-Helix falten. Das war nicht so einfach, wie gedacht - aber die netten Mitarbeiter haben mir geholfen. Gut war, dass man das tatsächlich bis 0:30 Uhr machen konnte :-)

Außerdem habe ich versucht, den Film The Inner Life the Cell anzugucken - aber leider waren die Darstellungen so bunt und detailliert, dass ich die Übersicht verloren habe, außerdem ist der Film auf Englisch und nachts bin ich ohnehin unkonzentriert :-)

Beeindruckt hat mich der Gang durch die unendlichen Tiefen der Labors - ich konnte nicht reingehen, aber.. ich kann mir nicht vorstellen, wie man tagtäglich in diesen hellgrauen, sterilen Gängen arbeiten kann :-)

Dennoch ist das Gebäude sehr schön!


Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme (MPI-PKS) - Ich habe das Gebäude an der Nöthnitzer Straße immer für ein Studentenwohnheim gehalten, dem ist aber nicht so :-)

Auch wenn das Gebäude für die Stände zu eng war, hatte ich viel Spaß. Mit Hilfe von 1m-großen Ballons wurde erklärt, was hoch-angeregte Atome (?) sind. Es war einfach sehr, sehr spannend :-)

Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe (MPI-CPFS)- und noch ein MPI :-) In den schicken Glasbau bin ich einfach reingelaufen und so manches Mal stellte sich mir die Frage "Warum machen die das?" - denn hier wird Grundlagenforschung betrieben - oft werden Stoffe hergestellt und auf ihre Eigenschaften getestet. U.a. wurden ferromagnetische Materialien, Ferrofluide und Formgedächtnislegierungen (sehr toll!) präsentiert.

Es gab Faltblätter (leider zu komplex beschrieben) und sogar eine Experimentier-Show für Kinder :-)

FraunhoferFraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) - Hier gab es nicht nur Stationen für Kinder, sondern eine riesige Halle, in den die Projekte vorgestellt wurden.

U.a. konnte man Stoffe mit Erinnerungsfunktion (?),  Clinche als Alternative zur Niete und Geräte, die die Kraft einer Verformung am Material messen, bestaunen und es gab Vorführungen.

Die Halle war sehr beeindruckend, mit einem Mal wurde mir bewusst, welche Möglichkeiten wir haben! Die Präsentationen waren auch sehr kinderfreundlich, z.B. konnte man Töne mit gefüllten Flaschen erzeugen, um dann neue Verfahren der Schalldämmung zu erläutern. Leider standen zwar gut lesbare Hinweistafeln da, aber sie waren schwer zu verstehen.

Zwei Projekte, die mich beeindruckt haben: 

Geräte bzw. Teile manchen Lärm, wenn man sie benutzt - und das ist manchmal nicht gewollt. Daher versucht man, einen Gegenschall zu erzeugen, damit dieser den anderen Schall aufhebt. Im Institut gibt es ein Projekt, bei dem man das Gerät für den Gegenschall in den Gegenstand baut - sehr cool!

Vermessung in 3D - Diese Technik wurde ursprünglich für Computerspiele entwickelt, Stichwort 'Motion Capture', jetzt versucht man sie in der Forschung zu nutzen.

Was hier negativ auffällt: Es wird sehr oft mit Kinect-Geräten gearbeitet - das kann daran liegen, dass man die Software nicht nur zur Erfassung, sondern auch zur Verarbeitung von Informationen nutzen kann. Mir war das zuviel.

Nano-electronic Materials Laboratory (NaMLab) - Das Institut liegt etwas abseits und ist durch eine Baustelle nur schwer zu finden - aber es war gut ausgeschildert! Es gab Markierungen auf dem Boden und Hinweis-Schilder - großer Pluspunkt!

Hier konnte man ein Labor besichtigen und Stichstoff-Eis essen :-) Außerdem  wurde erklärt, wie man Stoffe gleichmäßig in Schichten auftragen kann - entweder nacheinander oder parallel. Sehr spannend. Leider gab es auch hier keine Prospekte, sodass ich mich auf meine Erinnerung verlassen muss :-(

Und nun mein persönliches Highlight:

Der Informatik-Neubau - hier finden sich die Informatik-Fakultät und das Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (zih).

Nachdem ich das Gebäude bisher nur von außen gesehen hatte, wollte ich es endlich mal von innen sehen - und es ist schön :-) Doch bevor ich zur Architektur-Orgie komme, ein kleiner Rückblick, was man dort machen konnte:

Neben viele Vorträgen gab es zahlreichen Präsentationen, für die sich die kleinen Räume gut eignen. Beispielsweise ging es um die Darstellung von Bewegungen usw.

Sehr cool war die Steuerung von GoogleEarth mittels Blick und Fußpedal: Man betrachtet ein Ziel auf der Karte und durch die Erfassung mit dem Kintec-Gerät wird darauf fokussiert. Den Maßstab ändert man, indem man auf dem Pedal vor und zurück wippt. Was sich kompliziert anhört, ist in der Praxis sehr einfach, jedoch ist es schwer, sich immer auf einen Punkt zu konzentrieren. Immerhin: Auch wenn das System nicht auf die Besucher, sondern die Entwickler kalibriert war, ging es sehr gut :-) Dennoch empfinde ich die Steuerung mit dem Fuß nur als eine Zwischenlösung, langfristig wäre eine Steuerung nur mit Blicken oder Sprachsteuerung sinnvoll. Weitere Infos zum Projekt gibt es hier.


Und nun mein kleiner Exkurs zum Thema 'Warum ich das Gebäude so mag' 

Ich mag Architektur, besonders alte Gebäude und die Kombination aus Glas und Beton. Ja, ich mag Glas und wie sich Dinge darin spiegeln :-) Da Beton aber ziemlich grau ist, nimmt man meistens noch Farbe dazu. Das gelang beim Hörsaalzentrum weniger gut, irgendwie wirkt das Gebäude zu steif und glatt, was auch die bunten Gemälde nicht ausgleichen. Beim Infomatikneubau ist es aber gut gelungen!

Das Gebäude variiert große und kleine Flächen über die Etagen verteilt und innerhalb dieser - dadurch wirkt die Fassade sehr klar, man fühlt sich sicher, und trotzdem ist es sehr abwechslungsreich. Die Farbe Grün ist toll eingebunden: Dank der Transparenz auf der Vorderseite wirkt es nicht so mächtig, auch an den Fensterrahmen spielt man mit hellen und dunklen Tönen, die mich an einen Binär-Code erinnern :-) Das Foyer ist groß und hell, man fühlt sich sehr frei. Die Wendeltreppe ist etwas ungewohnt, aber überall gibt es kleine Oasen, durch die Licht von außen eindringt. Sehr witzig finde ich die Steckdosen im Garten, durch die man auch draßen arbeiten kann. Dazu trägt auch der kleine See mit den Fischen bei, der für eine gemütliche Atmosphäre sorgt. Die Plastik von André Tempel bringt etwas Kunst mit rein und bringt mich zum Lachen, weil sie putzig ist und eigentlich nicht in dieses Gebäude passt - es geht um Informatik! Andererseits habe ich bei der Langen Nacht gelernt, dass Informatik aus mehr als Ja und Nein, vielen, vielen Zahlen besteht - man kann alles praktisch anwenden. Es ist nur nicht immer ersichtlich. Zahlen sind nur eine andere Darstellung der Welt. Aber schon die Physik wusste: Energien können umgewandelt werden - Informationen auch.

Weitere Infos zum Gebäude findet ihr in dieser Brochure :-)

Gefaltet

Wie ich mich gefühlt habe


Ich fand die Lange Nacht sehr gut! Das Publikum war toll, wir waren eine kleine, technik-interessierte Gemeinschaft, die durch die kleinen Straßen huschte :-) Es wurde viel getan, besonders für Kinder, und das meiste war gut gelungen! Auch die Verkehrsbetriebe leisteten gute Arbeit!

Leider gab es organisatorische Probleme, die nicht sein müssten. Außerdem könnte man die 'Nacht' auch zu einer Tagesveranstaltung ausbauen, denn es gibt soooooo vieles - und man schafft nicht alles. Mal abgesehen davon, dass der Kopf irgendwann voll ist, gibt es gerade auf dem Unigelände soviele Institute, in denen man hängen bleibt :-) Außerdem sollte mehr außerhalb der Technik geschehen, es gibt sicher auch in den Geistenswissenschaften interessante Projekte. Schade war auch, dass viele Stationen nicht bis 1 Uhr zugänglich waren, so war es weniger eine Nacht als ein Abend :-)

Sehr schön fand ich die Mitternachtsandacht - auch wenn ich ihr nicht bewohnen konnte.

Fazit


Ein sehr vielfältiger Abend mit einer Fülle an Angeboten mit Groß und Klein. Man kann sowohl aktiv mitmachen als auch passiv nur gucken. Und das alles kostenlos. Wow :-)

Kommentare:

  1. Hallo Evy,
    "Die lange Nacht der Wissenschaften" gibt es in Nürnberg auch. Es ist mein absolutes Highlight :-) Ich bin froh, das solche Veranstaltungen stattfinden. Ich sage immer es ist der reinste Input..... Das Leben besteht für mich aus Wissen, immer mehr Wissen. "Ich weiß, dass ich nichts weiß", desto mehr ich weiß :-)
    Eine Sache noch :-) :-) ;-) Ich beneide dich... wie gerne hätte ich GoogleEarth mittels Blick und Fußpedal gesteuert.... seufz..... das wäre eine Erfahrung wert :-)
    Liebe Grüße
    Bärbel

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    1. Ich fand das eher komplex - Grobkoordination liegt mir nich xD Aber.. .es ist einfach wundervoll, dass man diese Mischung aus Unterhlatung und Wissenschaft bekommt - und das kostenlos!

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