Donnerstag, 25. Juli 2013

"Mord im Lichthof" von Andreas Kimmelmann

Hallo liebe Leser!

Mein Weg zu diesem Buch war auch diesmal interessant: Ich sah den Autor auf der Buchmesse sitzen und wollte ihm eigentlich nur Gesellschaft leisten. Fünf Minuten später hatte ich ein Buch mit Widmung in der Hand. Gekauft habe ich es, weil mir das Cover gefiel und ich nach dem Dresden-Krimi mal wieder etwas Regionales lesen wollte - diesmal vom heimlichen Feind :-)


Allgemeines


Das Buch hat 248 Seiten und kostet als E-Book 5,95 EUR, als Papier-Version 10,90 EUR. Man bekommt es in allen gängigen Buchläden.

Der Autor


Andreas Kimmelmann wurde 1979 in München geboren und hat an der dortigen Ludwig-Maximilians-Universität Jura studiert. Er arbeitete als Rechtsanwalt und wissenschaftlicher Assistent und ist jetzt für Versicherungsunternehmen tätig.

2007 erschienen die beiden Romane "Virus X" und "Der Fluch des Schattenkönigs", seitdem veröffentlicht er vorwiegend Kurzgeschichten und Kinderbücher.

Cover


Das Titelbild zeigt das Siegestor in Münschen mit viel Kontrast, es wirkt künstlich. Die Grundfarbe ist grau, dazu passt auch das graue Schild mit dem Titel. Da es im Buch wiederkehrt, ist es ein gutes Gestaltungsmittel.

Titel und Autor sind gut lesbar.

Insgesamt ist das Cover farblich gut, erinnert aber zu sehr an eine Computergrafik.

Inhalt


Erzählt wird der erste Fall des jungen Rechtsanwaltes Alwin Eichhorn: Ein Student hat einen anderen ermordet, scheinbar aus Eifersucht. Alwin soll die Pflichtverteidigung übernehmen, was für die Kanzlei finanziell wenig lohnend und für ihn eine gute 'Fingerübung' ist. Doch Alwin vermutet hinter dem einfachen Fall mehr...

Charaktere


Alwin Eichhorn tritt seine erste Stelle in der Kanzlei "Dr. Bier & Kollegen" an und ist ziemlich naiv. Er muss sich erst an die Abläufe gewöhnen und wirkt etwas tollpatschig. Er hat einen starken Gerichtigkeitsinn, der ihn zu impulsiven, trotzigen Handlungen verleitet. Allerdings ist der dadurch auch mit dem Herzen bei der Sache. Auf mich wirkt er sympatisch und ist fähig, das Geschehen zu tragen.

Emil Schimmel ist Anwalt in der Kanzlei und hat zuvor zwei Jahre als Staatsanwalt gearbeitet, was ihm zu stressig wurde. Er hat sich auf die langen Arbeitszeiten eingerichtet und übernachtet oft im Büro. Genauso resigniert betrachtet er die Spannungen innerhalb der Kanzlei. Er wird für Alwin bald zum guten Freund und stellt als dieser eine gute Nebenfigur dar, die den Protagonisten unterstützt.

Dr. Bier ist der Eigentümer der Kanzlei, übernimmt jedoch nur wenige Fälle. Auch wenn er sich meist von der Chefsekretärin beeinflussen lässt, setzt er sich für Alwin ein. Dr. Bier schätzt gutes Essen. Er tritt nur wenig in Erscheinung, passt aber gut ins Kollektiv, weil er es erdet.

Frau Friedvoll ist die Chefsekretärin und sehr streng. Sie achtet auf Höflichkeit und korrektes Verhalten, auch, was die Arbeitszeit betrifft. Sie arbeitet schon seit 30 Jahren mit Dr. Bier zusammen, daher ist ihr Verhältnis kollegial, aber eng.

Verena Klein ist Alwins Sekretärin und zeichnet sich durch einen eigenwillligen Kleidungsstil aus - sie mag Rosa. Verena ist fleißig und loyal, hat aber ein Problem mit Männern; ihr Freund schlägt sie. Die Figur ist sympatisch und eigensinnig, besonders, weil sie bunte Klamotten trägt, aber nie zu sexy wirkt, auch wenn Alwin das anders sieht. Mit ihr bekommt die Geschichte Liebe und einen weiteren Erzählstrang - denn die Misshandlung Verenas durch ihren Freund will Alwin verhindern. Auf mich wirkt das alles etwas konstruiert, weil es zu perfekt ist - die hübsche Sekretärin mit dem Makel.


Spannung


Der Roman folgt der typischen Spannungskurve - Einleitung (Alwin als Anfänger), aufsteigende Handlung (er lebt sich ein, beschäftigt sich mit dem Fall und entdeckt Widersprüche), Höhepunkt (Aufklärung des Falls), absteigende Handlung (es wird erklärt und erklärt, wie das Verbrechen ausgeführt wurde) und ein retardierendes Moment (alles ist doch anders, als es scheint). Schlussendlich ein Ende, das keines ist, denn der nächste Fall wartet schon.

Neben dem Haupt-Erzählstrang gibt es noch einen kleineren sowie einige spannende Elemente, die erst zum Schluss aufgeklärt werden.

Ich fand die Handlung nicht besonders spannend, denn es werden gängige Motive aufgegriffen. Was passiert, ist selten überraschend. Die Fährten, die der Autor legt, sind logisch und regen den Leser zum Rätseln an. Aber irgendwie kennt man das alles schon.

Struktur


Der Roman besteht aus 53 Kapiteln, die zwischen 2 und 10 Seiten lang sind. Ich finde das nicht gut, weil zwar alle Abschnitte inhaltlich abgeschlossen sind, aber der Lesefluss ständig unterbrochen wird, weil ein neues Kapitel anfängt. Auch die Gliederung in drei Teile ist zwar inhaltlich in Ordnung, aber unnötig.

Es gibt einen Erzählstrang und die Perspektive liegt meistens personal bei Alwin. Nur manchmal kommt der kommentierende Erzähler durch bzw. die Sicht wechselt, weil der Erzähler etwas sieht, was die Figur nicht bemerkt, wodurch Spannung entsteht. Mir gefiel das nicht. Gerade die Kommentare bringen Humor rein, aber ich mag gleichmäßige Perspektiven.


Atmosphäre


Grundsätzlich kann man sich in die Welt gut reindenken, ich möchte aber auf zwei Punkte eingehen, die mir sehr wichtig waren:

München/Bayern - Es ist der Handlungsort, aber er wird kaum beschrieben. Über die LMU, besonders den Lichthof, lernt man eine Menge, aber mehr nicht. Man kann es sicher schnell übertreiben und dem Leser mit zuviele Informationen das Gefühl geben, dass er dieses Buch nicht lesen sollte, wenn er sich im Ort nicht auskennt. Aber die Geschichte hätte überall spielen können. Ich denke, man hätte sich weniger auf den Lichthof als auf die Stadt konzentrieren sollen.

Sehr toll finde ich aber die Namen - sie klingen alle sehr bodenständig, aber nicht alt.

Vom Dialekt spürt man leider nur sehr wenig, lediglich einer der Kommissare hat einen leichten Einschlag, der aber nur bedingt gekonnt wirkt.

Ingesamt etwas wenig.

Anwalt - Hier meint es der Autor etwas zu gut. Die Augen des Anfängers Alwin bieten sich an, die Arbeitsabläufe von der Vollmacht bis zu den Berichten der Polizei darzustellen. Aber nicht jedes Formular interessiert und auch nicht jedes Detail aus dem Polizeibericht. Ich fand es sehr mühselig, viele Dinge wieder und wieder zu hören.

Außerdem erscheint mir etwas unlogisch: Kann eine Leiche binnen einer Stunde so kalt werden, dass man feststellen kann, dass sie vor einer Stunde und nicht vor zwei Minuten ermordet wurde?

Schreibstil


Das Buch lässt sich flott lesen, allerdings nerven die Wiederholungen. Inhaltlich wird vieles wiederholt und auch bei der Wortwahl hätte man manchmal kreativer sein können. Besonders am Anfang ist die Satzstruktur etwas monoton.

Die unterschiedlichen Charaktere sind sprachlich gut getroffen, nur die Zeitungsartikel wirken gekünstelt - auch wenn man von einem Boulevard-Blatt nicht viel erwarten kann, ist es hier zuviel, ein zu niedriges Niveau.

Fazit


Das Buch ist unterhaltsam, auf Reisen usw. ganz nett. Ansonsten fehlen aber Innovationen und Flair.

Kommentare:

  1. Hört sich wirklich spannend an :)
    Ich liebe Krimis, da kann ich Fitzek wärmstens ans herz legen :)

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    1. Von Fitzek habe ich schon oft gelesen. Irgendwan.. kriege ich ihn auch noch :P

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