Dienstag, 2. Juli 2013

"Nächstenhiebe" von Florens Thamm


Hallo lieber Leser!

Hier folgt wieder mal eine Rezension mit Herz (ok, ich schreibe immer mit Herz - aber diesmal mit einem großen Herz :-)).




Hier findet ihr den Trailer auf Youtube :-)

Bei Interesse am Werk einfach eine Mail schreiben: musik@florens-thamm.de 

Wer singt da?


Florens Thamm stammt aus der Nähe von Koblenz und zog vor einem Jahr in das schöne Dresden. Seitdem bereist der 22-Jährige die Bühnen der Stadt und des Umlandes mit seiner Gitarre :-)

Ich habe ihn bei der Offenen Bühne spielen sehen und weil ich seine Gitarre und sein Spiel so schön fand, habe ich mir ein Herz gefasst und ihn angesprochen. Was mit einer Visitenkarte (ja, sowas gibt es noch!) begann, entwickelte sich zu einer Beobachtung seines Schaffens, die hier ihren vorläufigen Höhepunkt findet.
 Von den ersten Aufnahmen im Wohnzimmer über semi-professionelle Aufnahmen hin zur endgültigen CD ließ er uns auf YouTube an allem teilhaben und setzte die Rückmeldungen der Hörer um. Es war für mich sehr faszinierend.

Der Titel der EP wurde übrigens per Abstimmung auf seiner Facebook-Seite ermittelt :-)

Gestaltung


Die CD liegt in einer normalen CD-Hülle, in der das in Grautönen gehaltene Titelbild liegt. Es zeigt den Sänger vor einem Fenster, scheinbar unbeobachtet spielt er auf seiner Gitarre. Die Botschaft gefällt mir gut, auch wenn ich seine Haltung nicht optimal finde. Die Pflanze im Vordergrund ist aber ein guter Kontrast zum Grau.

Rückseite und CD greifen die Farben und Formen wieder auf. Auf manche mag das zu simple wirken, ich finde es aber erfrischend anders im Vergleich zu den fotoüberfrachteten, unruhigen Bildern anderer CDs. Außerdem ist die Schrift gut lesbar. Und ich mag warme Grautöne :-)

Inhalt im Groben


Die CD enthält 10 Lieder und läuft insgesamt 21 min. Trotz der Kürze haben viele Lieder die richtige Länge.

Die Gitarrensongs handeln meist von Erlebnissen aus dem Alltag und sind oft gesellschaftskritisch. Dabei wird der Autor ironisch bis sarkastisch. Über manche Songs kann man wunderbar nachgrübeln, was nun Ironie und was Ernst ist :-)

Inhalt en Detail


Traum-Frau handelt von einer Frau, die man sich  vorstellt. Das an Minne-Gesang erinnernde Stück hat ein schönes, leider etwas langes Intro, dessen Motiv immer wieder aufgegriffen wird. Ich mag den tiefen Gesang. Der Platz am Anfang ist gut gewählt!

Das Antinichtraucherlied hat spanisches Flair und erzählt von den Qualen, denen man als Raucher in einer von Nichtrauchern dominierten Welt ausgeliefert ist. Der Einstieg wirkt schnell, das Lied hält aber das gemütliche Tempo der EP ein, auch wenn mir der Gesang manchmal etwas zu flott ist. Dennoch ein provokatives, amüsantes Lied, über das sowohl Raucher als auch Nichtraucher lachen können.

Im Weltscherz beschäftigt sich Thamm mit all den Schreckensmeldungen, die uns täglich überfluten. Auch hier ist das Intro gut und die Melodie passt zum Text. Sehr gut finde ich den Ansatz, mehr zu sprechen statt zu singen - leider führt der Sänger das nicht aus, sodass es wie viel Text in wenig Melodie scheint - aber man muss sich ja weiterentwickeln :-)

Mit Ich mag sie nicht folgt wieder ein Liebeslied bzw. ein Antiliebeslied, gewidmet all den Frauen, die sich für schön halten, aber eigentlich unausstehlich sind. In diesem flotten Lied beweist der Künstler, dass er auch hoch gut singen kann. Die Melodie ist toll und der Refrain bleibt im Ohr.

Die Ballade des Leistungsverweigerers ist wieder ein ironischer Song über die Faulheit mancher Menschen. Die Melodie ist fast schon übertrieben süß und wundervoll gemächlich. Besonderer Glanzpunkt ist das Jaulen, mit der das Meckern verstärkt wird.

Beim Lied vom Lieder machen habe ich überlegt, ob er am Ende nicht besser aufgehoben wäre, weil er sich mit den Ambitionen, die man als Liedermacher hat, auseinander setzt. Da das Ende aber eher traurig-zuversichtlich ist, ist er an dieser Stelle auch gut :-) Das Lied ist wieder sehr schnell und hat eine einprägsame Melodie.

Tiefsinn und Alkohol erzählt von den Gedanken, auf die man kommt, wenn man, umschmeichelt von einer Flasche Bier, dasitzt und denkt. Dieser Song, der nur aus Strophen besteht, hat eine schöne Bridge am Ende und einen wundervoll inbrünstigen Gesang.

Das Greislied wirkt traurig, melancholisch, erzählt aber irgendwie positiv von den Vorteilen des Altwerdens. Ein Lied, das nachdenklich stimmt.

In Sibirien sehnt sich der Sprecher weg von der überladenen Welt in die kalte, aber einfache Welt Sibiriens. Toll finde ich hier, dass die Sehnsucht durch die Anhebung der Stimme kenntlich gemacht wird.

Spießerjugend ist ein flottes Lied, das für Kontroversen sorgte und das auch ich nicht ganz deuten kann - der Erzähler mag die Linken nicht und möchte gerne furchtbar spießig sein. Der Sarkasmus ist hier beißend, aber die Gestaltung gefällt mir gut - die Worte sind treffend und die Sehnsucht wird spürbar.

Zusammenfassung


Die Lieder sind vielfältig und die Melodien einprägsam. Nur selten ähneln sie sich. Das Tempo ist relativ gleichmäßig, aber die Möglichkeiten der Gitarre gleichen das aus.

Schön ist, dass der Sänger nicht immer dem klassischen Schema Strophe-Refrain folgt, auch wenn diese Tatsache für Liedermacher üblich ist :-)

Die Songs sind ironisch, aber nicht zu provokativ - die Meinung des Erzählers kann man immer raushören.

Gesanglich varibale ist Thamm, er kann das aber nochmehr ausbauen. Gerade beim Sprechgesang bieten sich Möglichkeiten. Außerdem gibt es manchmal mehr Text als Melodie und die Intros sind ein bisschen lang.

Was ich bewundernswert finde: Der Sänger schafft es den Hörer in seinen Bann zu ziehen, auch wenn er sich nur mit der Gitarre begleitet. Gesang und Ton passen super zusammen und klingen sehr klar.

Außerdem ist er einfach ein guter Texter, der mit Leichtigkeit fließende Texte schreibt.

Fazit


Ein sehr gutes Debut, das ausgebaut werden sollte!


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