Sonntag, 14. Juli 2013

Psoriasis - Wo Schuppenshampoos sinnlos walten...

Hallo,

usprünglich hatte ich diesen Bericht für ciao (das Bewertungsportal) geschrieben, finde aber, dass er auch andere interessieren könnte.

Auf Bilder müsst ihr leider verzichten, weil sich die Schuppen bei mir auf dem Kopf zeigen und ich nicht durch meine Haare fotografieren kann :-) Und die Ekel-Bilder von wiki wollte ich euch ersparen.


Des Weiteren verzichte ich auf die Nennung konkreter Produkte, weil es einfach sehr, sehr viele, auch von unterschiedlichen Marken, gibt.

Letztendlich hat sich bei mir herauskristallisiert, dass die Konsistenz der Produkte sehr wichtig ist, weil ich mir wegen der Flechte nicht die Haare abrasieren will :-)

Wichtig: Ich versuche hier, meine EIGENEN Erfahren zu schildern und kann nur wenig Allgemeines sagen.

Ansonsten: Viel Spaß beim Lesen!

Fragen, Wünsche und Anregungen werden entgegen genommen :P

Was ist es?


Auf der Haut äußert es sich als raue Stelle, die nicht heilt - die Schuppen sind trocken, meistens lassen sie sich in kleinen Fetzen abziehen. Binnen weniger Minuten bildet sich Wundflüssigkeit und die Stelle wird rot. Nach drei bis fünf Tagen hat sich eine neue Kruste gebildet, die irgendwann abfällt. Manchmal tritt auch Juckreiz auf.


Einen ausführlichen Artikel findet ihr auf wikipedia.

 

Auftreten


Angefangen hat alles mit einer juckenden Stelle an der Schulter, der einfach nicht weg wollte. Später hatte ich Flecken auf der Stirn und dem Oberarm.


Einige Stellen sind im Laufe der Zeit verschwunden, andere hinzugekommen, auch der Bauchnabel :-( Aber es ist nichtmehr so extrem.

Leider hat es sich bei mir mittlerweile auf der Kopfhaut manifestiert. Mein Arzt hatte mir prophezeit, dass der Befall der Kopfhaut typisch ist für diese Krankheit und irgendwann ist das auch eingetroffen. (mein Arzt wartet übrigens bis heute darauf, dass Ellenbogen und andere typische Stellen die Symptome zeigen...)

Interessant ist: Es begann mit Herden und hat sich dann über die ganze Kopfhaut ausgedeht, besonders am Scheitel, dem Wirbel und dem Hinterkopf. Außerdem die Haaransätze. Solange es dem restlichen Kopf gut geht, verschwinden auch die Flecken am Ansatz.

Ursache



Es handelt sich vermutlich um eine Überreaktion des Immunsystems, der Körper beginnt auf einmal, sich selbst zu bekämpfen.

Genetische Ursachen sind wahrscheinlich, bei mir liegt es in der Familie.


Der Auslöser kann groß, oder völlig unauffällig sein - bei mir war es eine Erkältung, die meinen Körper geärgert hat.


Therapie



Salbe - Ich habe eine für den Körper, die ich nur noch selten verwende. Sie enthält Kortison und hilft sehr gut. Nebenwirkungen wie das Dünnerwerden der Haut, was oft genannt wird, habe ich nicht. Allerdings ist sie aufgrund der Konsistenz sehr fettig, sodass am Haaransatz z.B. die Haare fettig werden, allerdings wirkt es dann auch lange :-)

In akuten Phasen wende ich sie zweimal täglich an, nach 3 Tagen ist die Rötung weg, kehrt aber nach wenigen Tagen wieder. Empfohlen wird, die Salbe später einmal täglich anzuwenden.

Ich benutze sie nur, wenn mein Haaransatz schlimm aussieht und sich Leute Sorgen machen :-)

Shampoo - In meiner Anfangszeit hatte ich eines. Es ist frei verkäufllich und enthält ebenfalls Kortison. Man lässt es 15 min einwirken und spült es aus. Damit verschwanden die Schuppen ganzt gut.

Der Vorteil war, dass es sehr flüssig war und man es gut auf die Herde auftragen konnte. Ich glaube aber, dass irgendwann ein Gewöhnungseffekt auftrat.


Gel - Mein Arzt verschrieb mir ein Gel mit Salicylsäure, das aussah wie Kleber und sich nicht gut auftragen ließ - bei meinen schulterlangen Haaren ist alles, was nicht flüssig ist, problematisch. Es klebte mehr an meinen Fingern und roch sehr medizinisch. Die Schuppen gelöst hat es auch nicht.

Schaum - Auch dieser enthielt Kortison, aber die Anwendung war nicht umsetzbar - das meiste landete in meinen Längen.


Salicylsäure - Gemischt mit einem neutralen Öl und einem Tensid, damit man es auch ohne Shampoo auswaschen kann, kann man die Säure in der Apotheke abholen. Sie ist dann drei Monate haltbar, danach verliert sie langsam ihre Wirkung.

Salicylsäure ist DER Schuppenlöser. Man lässt sie min. 30 min einwirken, länger geht aber auch. Der Vorteil ist, dass sich die Schuppen damit sehr gut lösen, allerdings trocknet sie im Winter die Kopfhaut extrem aus.

Urea-Lösung - Zur Befeuchtung der Kopfhaut empfahl mir der Arzt eine rezeptfreie Lösung, die an Haarwasser erinnert. Sie befeuchtet tatsächlich, aber löst keine Schuppen.

Anti-Schuppen-Shampoo - Manche schwören darauf, bei mir trocknet es aber die Kopfhaut aus.

Entzündungshemmer - Mein aktuelles Produkt: das Gel besteht aus einem kortisonähnlichen Stoff und einer Substanz, die dem Dünnerwerden der Haut entgegen wirkt. Das Produkt ist teuer, da ich aber 'nur' zuzahlen muss, geht es.

Ich trage es abends auf und wasche am nächsten Morgen die Haare.

Großer Nachteil: Es macht die Haare fettig. Da sich das Gel gut verteilen lässt, kann man es sehr sparsam auftragen, sodass die Ergiebigkeit gut ist. Aber wenn man Volumen im Haar braucht wird es kritisch. Ich habe dunkle Haare und kann, auch wenn es aufgetragen ist, damit auf die Straße gehen, ohne, dass es auffällt. Im schlimmsten Fall hilft auch: Flechten. Das gibt dem Haar Struktur und das Fett fällt nicht auf :-)

Er wirkt wirklich gut! Aber leider muss ich es min. 2 x wöchtlich auftragen, sonst kommen die Schuppenmonster wieder...

Lichttherapie (PUVA)- Habe ich vier Wochen lang gemacht und in dieser Zeit ging es gut. Zuerst werden alle Schuppen mit Salicylsäure entfernt, dann kommt das Licht. Dafür wird der Kopf jeden Tag mit einer Lösung bestrichen, die die Haut lichtempfindlich macht und dann wird mit steigender Dosierung (UV-A-Strahlen) bestrahlt. Da man die übrige Haut mit Sonnencreme schützen kann, geht das ganz gut. Es wird etwas warm, aber das geht. Es gibt auch einen Licht-Kamm, den man zu Hause anwenden kann.

Leider ließ die Wirkung schon eine Woche nach Ende nach. Ich denke, regelmäßiges UV-Licht ist wirksamer.

Kleine Geschichte: Als ich mit der Therapie anfing, hatte ich zwei Wochen nix gemacht, weil ich 'natürlich' einsteigen wollte. Daher mussten meine Schuppen runter - ich bekam Salicylsäure aufgetragen und eine schöne Haube. Es fiel kaum auf, weil der Frühling begann und meine Haube aussah wie eine Mütze. Und es war angenehm, sich mal nich um seine Haare zu kümmern. Wirklich nicht schlimm. Nur meine Ohren taten irgendwann weh, sodass ich den Verband dahinter gesteckt habe - im Ergebnis fiel er nach einer Knuddellei ab - aber ein netter Mensch hat sie wieder aufgesetzt, sodass sie sogar noch bis zum nächsten Morgen hielt! Leider reichte bei mir ein Tag nicht aus, die Schuppen waren zu fest. Also musste ich noch mal ran. Es war deprimierend, ich hatte das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Aber .. jeder Körper ist anders. Und meiner hat vermutlich ein Talent dafür, Schuppen zu produzieren - vlt. sollte ich ihn beim Supertalent anmelden? :-) Immerhin habe ich die Säure gut vertragen.

 

Was mir hilft



UV-Licht - Ich versuche, jeden Tag min. eine halbe Stunde in der Sonne zu spazieren, was im Winter nicht ganz einfach ist - aber ich mag Ohrenschützer :-) Übertreiben sollte man es aber nicht - denn auch auf der Kopfhaut kann man einen Sonnenbrand bekommen!

Kleine Anekdote: Evy-chan wollte auf dem WGT unbedingt total hübsch mit Flechtfrisur rumrennen, die ein Sonnenhut natürlich verdeckt hätte. Ergebnis: Rote Stellen auf dem Kopf und der Nase. Tat nicht weh, sah aber gefährlich aus :-)

Haare waschen - Auch wenn es nervt, wasche ich min. alle 2 Tage die Haare und kämme danach die Schuppen aus - Plaques, die sich lösen, werden mit einem Nissenkamm rausgeholt, allerdings nicht gekratzt!
Und ich benutze Conditioner usw. nur in den Längen - auf meine Kopfhaut kommen nix als Medis und ein normales Shampoo.

Nicht rumfummeln - Es ist verführerisch, aber das Aufkratzen macht es nur noch schlimmer. Man muss einfach darauf vertrauen, dass es besser wird.

Haare färben?


Davon hört man oft und beim Frisör bekomme ich maximal eine Tönung.

Natürlich ist es bei jedem anders, aber ich vertrage sowohl Colorationen als auch Blondierungen gut. Manchmal sind die Schuppen danach etwas weniger, und wenn ich gekratzt habe, brennt es. Aber ansonsten geht es.
Allerdings: Schuppige Stellen nehmen die Farbe besser an - und wenn ich Probleme mit dem Haaransatz habe, habe ich schöne, bunte Flecken :-)

 Und: Ich färbe nicht ständig, frühestens nach 3 Monaten wird wieder etwas getan.

 

Meine Mitmenschen

Interessant ist, dass meine Mitmenschen denken, dass mich die roten Stellen am Haaransatz belasten - tun sie nicht. Es ist zwar da, aber es ist nur ein Teil meines Gesichtes.

Gerade in akuten Phasen ist es peinlich, wenn man alles vollschuppt oder grade etwas in den Haaren hängt. Aber normalerweise merkt man es mir nicht an :-)

Fazit

 

Ich bin froh, dass es mich nicht so hart getroffen hat (wenn ich an Bekannte denke, deren Hände befallen sind...) und es stört mich weniger als mein Umfeld. Allerdings ist es schon belastend, alle zwei Tage die Haare zu waschen und genau zu planen, wann man ein Medikament aufträgt - wenn man z.B. abends weggeht. Natürlich hat man Spannen, vergessen tut nicht weh - aber wenn ich nur einmal in der Woche wasche oder etwas tue, merke ich das.

Wenn man einen Schuppenpanzer auf dem Kopf hat, fühlt sich das wie ein Helm an - und dann weiß man zwar, wie sich die Ritter im Mittelalter gefüht haben, aber es ist nicht angenehm!

Ich bin froh, dass mich meine Familie unterstützt und mir hilft, wir können leider nicht um unseren Kopf herum gucken :-)

Kommentare:

  1. Mein Mann macht seit Jahren eine Eigenurintherapie. Klingt eklig, ist aber nur halb so schlimm, da es nur auf die Haut aufgetragen wird und sehr schnell verfliegt. Ich kann Dir da einige Tipps geben, wenn Du Interesse hast. Mein Mann hat mittlerweile keine Probleme mehr mit Schuppenflechte. Mail mir doch mal und wir können uns austauschen: meinliebesfrollein@gmx.de

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    1. Danke für den Tipp! Ich hab mit Urin kein Problem :-) Bis jetzt komme ich mit dem Medi gut klar. Sollte es sich aber verschlimmern und ich Alternativen benötigen, melde ich mich!

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  2. Hallo erstmal toller Bericht! bin zufällig durch google darauf gestoßen. Kannst du einen Lichtkamm empfehlen? Ich habe bisher außer dieser Seite zu Lichtkämmen nichts gefunden: http://www.lichtkamm.net/#Was_ist_eine_Lichtkamm_Therapie Aber hier sind keine Produkte verlinkt.

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    1. Damit habe ich leider keine Erfahrungen. Am besten sprichst du mit deinem Hautarzt darüber. Sonnenlicht ist aus meiner sicht aber die kostengünstigere Variante xD

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    2. Ich habe seit über einen Jahr einen Lichtkamm und bin sehr zufrieden.
      liebe grüße maria aus dem odenwald

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  3. Seit ca. 5 Jahren habe ich die Schuppenflechte am Kopf, deshalb ist meine Kopfhaut trocken und entzündet. Ich wasche die Haare mit PsoEasy Psoriasis Shampoo. Mann muss 2 Minuten lang die Kopfhaut beim Waschen im lauwarmen fließenden Wasser massieren. Es ist sehr wichtig, das Haar vorsichtig zu waschen, um die betroffenen Hautarealen nicht zu verletzen. Dann Shampoo abspülen. Dieses Shampoo hilf, die Schuppen sanft zu entfernen und die Entzündung zu hemmen.

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    1. Danke! Ich werde das mal recherchieren :-)

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  4. Liebe Evy,
    hast Du PsoEasy Shampoo ausprobiert? Hast Du schon Erfahrungen damit gemacht? Ich bin sehr daran interessiert, da es dort nur natürliche Inhaltsstoffe drin gibt. LG

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    1. Ich habe recherchiert, aber ich finde die Erfahrungsberichte noch nicht überzeugend. Daher werde ich es erstmal nicht ausprobieren.

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