Dienstag, 2. Juli 2013

"Wurmstichig" von Fred Ink

Hallo,

heute kein Bericht mit Herz, sondern mit Ekel und Grauen - Fred Ink hat mal wieder gruslige Dinge ausgebrütet und diese auch noch verbreitet (wenn also irgendwann blaue Affen, pulsierende Steine und Würmer mit dreieckigen Mäulern den Weltherrschaft übernehmen, schreibt einen Bewerdebrief :P) Ernsthaft: Genauso wie zu Das Grauen in den Bergen hat er ein Wanderbuch auf die Reise geschickt und nun ist es bei mir gelandet.

Ich hatte schon viel Grusliges darüber gehört, aber ich habe es überlebt :-)


Allgemeines


Das Buch hat 149 Seiten und kostet als Taschenbuch 6,95 EUR, als E-Book 2,99 EUR. Man bekommt es bei Amazon (ISBN-10: 1484805445).

Der Autor


1980 geboren verschlug es Fred Ink über zahlreiche Umwege nicht nur zur Biologie, sondern auch zu Horrorgeschichten. Diese orientieren sich stark an H.P. Lovecraft, sind aber immer eigenständig und auch für Laien verständlich.

Eine ausführliche Biografie findet ihr hier.

Neben der Romantriologie "Strange Days" und der Erzählung "Das Grauen in den Bergen" war er an der Anthologie "Der ist nur tot" beteiligt.

Das Cover


Das Titelbild ist in dunklen Rottönen gehalten und wird von einem Wurm geziert. Es erinnert an einen Comic. Ich mag den Hintergrund sehr - er sieht einfach harmonisch aus :-) Gut ist, dass das Cover aussagekräftig, aber nicht zu gruslig ist. Die eher lockere, aber geradlinige Schrift in Weiß ist gut zu lesen.

Inhalt


Ein Mann kommt zu einem Arzt, legt eine Pistole auf den Tisch, nimmt sich Whiskey und erzählt seine Geschichte. Eine Geschichte von Würmern aus dem Weltall, die Menschen übernehmen und das auf sehr unappettitliche Weise.

Charaktere


Die Hauptfigur ist anfangs ein ziemliches Ekel - er ist Vertreter für Hundefutter und es ist ihm egal, was damit passiert. Bis er irgendwann seine Neugier nicht mehr zügeln kann.

Typisch für solche Geschichten wird die Hauptfigur nur grob charakterisiert, was der Autor aber gut schafft - das Bild des überheblichen Vertreters behält man die ganze Zeit im Kopf, ohne, dass es irgendwann nervt.

Die Nebenfiguren sind treffend ausgearbeitet, dienen aber meistens als Parallelfiguren zum Protagonisten.

Perspektive


Bei Horrorbüchern aus meiner Sicht das Wichtigste - wie wird der Inhalt vermittelt? Wir haben einen Mann, der den Leser (= Arzt) anspricht und aus der Ich-Perspektive seine Geschichte erzählt. Auch wenn das Prinzip aus vielen Erzählungen bekannt ist, ist es hier gut umgesetzt - es wirkt unaufdringlich und ist korrekt ausgeführt.

Spannung


Der Autor ist gemein zum Leser - er konstruiert keine Geschichte, die geradlinig ihrem Höhepunkt entgegen strebt, sondern schafft immer wieder Verschnaufpausen, in denen man denkt 'Das war es jetzt!' - nein, war es noch nicht :-) Nach dem ersten kleinen Höhepunkt in der Mitte nimmt die Spannung ab und die Ent-Spannung zu, bis sich kurz vor Ende der zweite Höhepunkt erhebt und am Ende die Gewissheit...

Der Vorteil ist hier: Man bekommt die wichtigen Informationen nur häppchenweise und wird nicht mit dem Erlebten, seiner Ursache und den Folgen überfordert.

Es ist sehr interessant, wie scheinbare Nebensächlichkeiten am Ende an Bedeutung gewinnen.

Themen


Der Autor schreibt im Vorwort, sich an Lovecraft orientiert zu haben - man kann sich auf eine Schnitzeljagd begeben und nach Anlehnungen suchen (oder einfach die anderen Bücher des Autors lesen :-)) oder es lassen - was auch gut geht.

Auch hier spielen dunkle Gänge und Ödnis eine Rolle, das Grauen lauert abgeschieden und will sich ausbreiten. Ziel ist natürlich die Vernichtung der Welt. Ich finde das Thema etwas abgriffen, aber genre-typisch. Und im Vordergrund steht ohnehin der Grusel.

Schreibstil


Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben, der Ausdruck ist bis auf ein paar Kleinigkeiten (gleiche Sachverhalte werden mit gleichen Worten beschrieben) sehr gut, die Wortwahl treffend (auf manche Formulierungen wäre ich nie gekommen) und der Rhythmus sehr gleichmäßig - man kann es gut und flott lesen.

Gestaltung


Im Gegensatz zu anderen Büchern wird hier in einer serifenlosen Schrift (ähnlich Arial, 10 pt) auf reinweißem Papier geschrieben, sodass man es gut lesen kann. Besondere Abschnitte wie Briefe etc. werden mit Courier New hervorgehoben, was ein Kontrast ist, aber die Lesbarkeit nicht beieinträchtigt.

Der Text enthält keine Kapitel, aber Abschnitte, die mit einem Symbol getrennt sind. So wirkt das Buch weniger massig. Allerdings finde ich die Form und die Schattierung des Sympols etwas einfach im Vergleich zum detailreichen Cover.

Ich habe im Buch keine nenneswerten Rechtschreibfehler gefunden.

Lesegefühl


Ich hatte Angst, aber wenn man an eklige Tierchen aus den Medien gewohnt ist, passiert wenig. Das Buch hat mich sehr gefesselt, ich war während der 4 Stunden, die ich daran las, komplett weg und habe mich, auch wenn ich nur kurz las, erschreckt, wenn jemand kam :-)

Das Grauen knallt in diesem Buch nicht, sondern wirkt subtil, weil man einfach mitfiebert.


Fazit


Das Buch ist unterhaltsam, gruslig und gut gestaltet. Man muss kein Horrorfan sein, um es zu mögen, sollte sich aber auf Übernatürliches einlassen können. Schön finde ich, dass es zwar nicht appetitllich ist, aber nie zu eklig wird.

Ich mag's :-)



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