Montag, 23. September 2013

About: Wahlhelfen

Hallo!

Da auf diesem Blog sehr wenig passiert (kaum zu glauben, dass ich das mal sage, aber: manche Posts dauern...), heute ein kleiner Beitrag zum Thema Wahlhelfer. Man hört sehr wenig darüber, zumindest nicht von Leuten, die es tun, eher von der Stadt, die DRINGEND Helfer sucht - zu jeder Wahl :-)

Ich berichte dabei von meinen Erfahrungen - das kann bei euch anders ablaufen :-)



Positionen


Pro Wahlbezirk/Wahlraum (ca. 1000 Wähler) gibt es ein Team, das aus folgenden Positionen besteht:

  • Vorsitzende - nimmt die Unterlagen in Empfang und gibt sie ab
  • stellvertretende Vorsitzende - unterstützt den Vorsitzenden und übernimmt teilweise seine Position
  • Schriftführer - trägt das Wahlergebnis ein
  • stellv. Schriftführer
  • 2 - 7 Beisitzer
Im Wahlraum muss ständig der Vorsitzende oder sein Stellvertreter anwesend sein, der Schriftführer und sein Stellvertreter werden aus den Besitzern festgelegt.

Auch wenn sowohl der Vorsitzende als auch sein Stellvertreter eine Schulung besuchen, hat erstere die meiste Verantwortung: Er entscheidet bei Problemen und erklärt die Stimmenauszählung. Das ist wichtig, weil das Procedere manchmal sehr kompliziert ist.

Was macht man?


Theoretisch betrachtet helfen Wahlhelfer bei der Durchführung der Wahl - ganz klar :-) In der Praxis bedeutet das:

  • Überprüfen, ob der Bürger zur Wahl berechtigt bist - man guckt in das Wählerverzeichnis und checkt die Identität über die Wahlbenachrichtigung und/oder den Personalausweis
  • Ausgabe der Stimmzettel und ggf. Erklärung der Wahlhandlung
  • Sicherstellung der Wahlrechtsgrundsätze - hierbei besonders, dass der Wähler sein Kreuz in der Kabine macht, also 'geheim' wählen kann. 
  • Überwachung des Einwerfens mit vorheriger Prüfung der Identität - der Wahlzettel wird erst in die Urne geworfen, wenn alles geklärt ist.
  • Auszählung der Stimmzettel
  • je nach Position: Sicherstellung, dass der Wahlort vorbereitet ist - gut ausgeschildert und die Tische hingestellt. In manchen Wahllokalen wird vieles von Hausmeistern etc. gemacht, manches muss man selbst tun.
  • Außerdem: Wahlunterlagen in Empfang nehmen und bewachen, bis sie von einem Vertreter der Gemeinde abgeholt werden.
 Man stellt einfach sicher, dass alles reibungslos läuft - das bedeutet auch, dass man auf die Kinder achtet, wenn die Eltern wählen gehen, alten und behinderten Menschen hilft, wenn sie Probleme haben, aufpasst, dass es allen gut geht usw. 

Wie anspruchsvoll ist die Arbeit?


Nicht so schlimm, wie es scheint. Man muss sich in die Struktur des Wahlregisters reinfinden, denn die Namen sind (zumindest bei uns) nach Straße, Hausnummer und Name geordnet - aber verschiedene Hausnummern gehören zu unterschiedlichen Wahlbezirken :-) Dennoch ist es sehr einfach, wenn man sich nicht verunsichern lässt und auch bei vielen Wählern ruhig bleibt - es ist nicht schlimm, wenn sie etwas warten müssen.

Bei Problemen gibt es eine Hotline, die - zumindest bei uns - sehr gut hilft.

Wie lange arbeitet man?


Die Besitzer (ohne Verantwortung) treffen sich meist 7:30 Uhr, um letzte Vorbereitungen zu treffen und zu koordinieren, wie die Wahl durchgeführt wird (manche kontrollieren den Personalausweis, andere nur die Wahlbenachrichtigung, wer sitzt wo usw.) und wer wann arbeitet. Meistens wechselt man nach 2 bis 4 Stunden. Ab 18 Uhr erfolgt die Stimmauszählung, bei der alle Helfer anwesend sein müssen. Nach 2 Stunden ist man - wenn alles gut läuft - fertig. Der Vorsitzende wartet dann auf den Fahrer, der die Unterlagen abholt. Das kann bis 21 h dauern.

Insgesamt arbeitet man also 7 bis 9 Stunden.

Wieviel bekommt man?


Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, man bekommt also eine Aufwandsentschädigung/Erfrischungsgeld. Bundesrechtlich sind 21 EUR vorgesehen, die Gemeinde stockt meistens auf. Eine Stafflung nach Verantwortung (Vorsitzener und Beisitzer) ist möglich. Unter bestimmten Voraussetzungen können die Fahrtkosten erstattet werden.

Und nun der persönliche Teil: Wie lange mache ich das?


Seit ich denken kann. Viele Leute finden es spannend, das erste Mal zu wählen - ich wollte Wahlhelferin werden :-) Seit ich 18 bin, habe ich bei jeder Wahl mitgeholfen.

Warum mache ich das?


Man könnte politische Motive vermuten, dass ich den Staat unterstützen will. Das ist es nur bedingt. Mir fehlt das Gespür für Politik. Wichtiger ist mir, dass ich Menschen helfen kann.

Als ich anfing, war ich sehr schüchtern, und Leute anzugucken und ihnen einen Zettel in die Hand zu drücken  ist eine einfache Tätigkeit, bei der nicht viel passieren kann - selten müssen Probleme gelöst werden. Man muss sie anlächeln und gute Laune verbreiten, mehr nicht. Die meisten Leute kommen auch fröhlich zur Wahl, sie betrachten es als ein Privileg zu wählen und freuen sich, ihr Recht wahrnehmen zu können. Für manche ist es ein richtiges Ereignis!

Ich meine: Bei diesem Stundenlohn würde nicht jeder FREIWILLIG arbeiten :-)

Außerdem mag ich den Prozess: Der Vorsitzende sagt, was getan werden muss und binnen weniger Minuten weiß jeder, was zu tun ist - man fügt sich gut zusammen, ohne zu diskutieren.

Man lernt verschiedene Leute kennen, und selbst wenn man sie nicht mag, ist die Arbeit wichtiger. Es ist zuwenig Zeit, damit sich wirklich Gruppen bilden können. Obwohl es natürlich toll ist, wenn ein Team über mehrere Wahlen besteht.



Wie ist es dieses Jahr gelaufen?


Ich war in einem anderen Bezirk als sonst - statt junger Menschen eher alte Leute. Das bedeutet mehr Aufmerksamkeit und Verständnis, denn manche brauchen etwas länger, bis sie zur Wahlkabine laufen. Anderes muss mehrmals erklärt werden. Ich habe ständig geguckt, ob alles klappt :-) Allerdings habe ich gemerkt, dass man für diese Wählergruppe nicht optimal gerüstet ist - schon das Blau der Zweitstimme war etwas hell und die Schrift allgemein sehr klein. Man denkt an alles - selbst das Büromaterial ist genau abgezählt, es gibt ein Lineal und einen Block usw. Aber eine Lupe wäre gut. Oder eine Einweisung, wie man diese Menschen die Wahlhandlung erleichtern kann. Schön ist, dass alles barrierefrei ist. Außerdem sollten die Lokale besser ausgeschildert werden, gerade, wenn Gebäude mehrere Eingänge haben. Oder man druckt eine Karte auf die Wahlbenachrichtigung :-) Und mein Wahlraum befand sich in einem Saal mit einem anderen Raum - nicht so übersichtlich...

Dennoch geben sich alle viel Mühe, ich bin froh, dass wir sogar die Tische nicht umräumen müssen. Die Gemeinde kümmert sich um vieles, die Hotline ist toll, bis jetzt haben wir noch jede Wahl überstanden :-)

Fazit

Wahlhelfen rockt :-) Ob man einen Sonntag dafür opfert, ist die Frage. Aber ich mache lieber sowas, als shoppen zu gehen oder so.Es ist Arbeit, klar - aber man hat viel Freizeit, tut was Gutes, ist mit netten Menschen zusammen, bekommt neuen Input und wird sogar bezahlt :-)




Kommentare:

  1. Hallo,
    finde ich gut, dass du dich da engagierst. Ich habe bei der letzten Wahl auch mal Zeit gehabt dafür und habe mitgemacht. Ich hatte das Glück ins Briefwahlzentrum eingeteilt zu sein und tagüber nicht ranzumüssen, dafür waren wir dann abends bis 24 Uhr da und haben dann die Auszählung abgebrochen, da bei uns gleich 2 Wahlen und ein Volksentscheid zusammenfielen. Der Volksentschied blieb dann liegen, aber dennoch war es eine recht nette Sache und ich würde es sicher wieder tun.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist gut! Ich habe gehört, dass es im Briefwahlzentrum hart ist, weil es so lange dauert. Natürlich ist der Wahlsonntag auch stressig, wenn man tagsüber da ist, weil man, je nach Team, zwischendurch nur 4 Stunden Zeit hat. Und man muss sich versorgen, was blöd ist, weil ja Sonntag ist. Trotzdem ist es schön :-)

      Löschen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)