Freitag, 3. Januar 2014

'Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Antike'

Cover
Hallo,

nach Weihnachten folgt nun das zweite Buch, das ich aus der Reihe 'Alles Mythos!' vom Theiss-Verlag lesen darf. Es war eine Herzensangelegenheit, denn ich finde das Thema sehr spannend. Mein Lehrer erzählte damals eindrucksvoll vom Kampf zwischen Athen und Sparta – zwei gegensätzlichen Brüdern *pathetisch* Neben Napoleon und dem zweiten Weltkrieg scheint es die Lieblingsepoche der Lehrer und Schüler zu sein :-)


Allgemeines


Die Reihe 'Alles Mythos!' wurde 2013 eingeführt und umfasst derzeit neun Bücher, die sich meist mit verschiedenen Epochen und Völkern auseinandersetzen. Auf ca. 200 Seiten werden 20 Mythen aufgeklärt. Die Bücher sind für 17 EUR bei allen Buchhändlern zu bekommen, leider (noch) nicht als E-Book.

 Das Buch über die Antike (ISBN: 978-3-8062-2644-7) hat 224 Seiten.

Der Autor


Ulrich Graser ist Historiker und arbeitet als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen z.B. dem Forchheim-Blog.

Das Cover


Das Layout der Reihe ist sehr gut, weil alle Informationen übersichtlich präsentiert werden: Auf das Titelfoto wird ein halb-transparenter Rahmen gelegt, auf dem Foto prangt ein scheinbar umgeknickter Zettel mit dem Namen der Reihe (groß und in Schwarz), dem Untertitel (klein und Weiß) und dem Thema (mittelgroß in einer Kontrastfarbe). Der Autorenname ist entsprechend des Fotos platziert.

Hier hat man sich für ein helles Lila *mag ich* als Grundfarbe und Gelb als Kontrastfarbe entscheiden. Das Lila harmoniert gut mit dem von Silber, Schwarz und Rot dominierten Foto, das einen antiken Krieger zeigt. Außerdem wirkt das Gelb nicht zu knallig. 

Hinten finden sich der Klappentext und eine kurze Biografie des Autors. Leider ist der Klappentext sprachlich etwas massig, umreißt das Thema aber gut.


Gliederung und Gestaltung


Nach einer Einleitung folgen 20 Kapitel, die jeweils 10 Seiten lang sind. Am Ende folgt 'Weiterführende Literatur', die in Allgemeines und Themenbezogenes unterteilt ist, was ich gut finde. Außerdem gibt es ein Sachregister, ein Personen- und ein Ortsregister.

Der Text selbst ist in Times New Roman gedruckt, bei den Kapiteltiteln greift man auf eine ähnliche Schrift zurück, die etwas breiter ist. Es gibt Absätze, aber keine Leerzeilen und auch keine Zwischenüberschriften. Der Autor nutzt manchmal die Kursivformatierung, besonders wenn Fremdwörter eingeführt werden – die aber so zahlreich sind, dass man sie vergisst. Gut ist, dass auf jeder Seite vermerkt ist, bei welchem Irrtum man sich grade befindet!

Ähnlich wie beim Weihnachtsbuch sind die Zitate nicht ausreichend gekennzeichnet – hier gibt es nicht einmal Fußnoten, obwohl die Zitate mittels Anführungszeichen ausgewiesen sind. 

Leider verzichtet der Verlag auf Grafiken. Besonders Karten wären gut gewesen, um Kriegshandlungen zu veranschaulichen. Auch einen Zeitstrahl als Einführung finde ich praktisch.

Inhalt


Die Einleitung ist drei Seiten lang und umreißt das Thema gut. Im Gegensatz zum restlichen Text ist sie etwas lockerer geschrieben. Wie alle Kapitel hat sie zum Schluss eine Zusammenfassung – das ist gut! Typisch ist auch, dass mit einer Geschichte begonnen wird, die der Autor am Ende aufgreift.


1. Alle Gladiatoren waren Männer – und kaum einer verließ die Arena lebend berichtet von Gladiatorenkämpfen. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger auf Frauen (wie man vermuten könnte), sondern lebend – anhand verschiedener Kämpfe erkärt der Autor, dass es durchaus Überlebende gab. Für mich grundsätzlich nichts Neues, die Details waren aber spannend.

2. Caesar war Stammgast im Kolosseum beschäftigt sich überwiegend mit den Asterix-Comics und ihrem Bild, das sie vom alten Rom malen. Caesar kommt nur am Anfang vor. Die Informationen waren etwas militär-lastig und der Titel ist irreführend.

3. Dabei sein ist alles – das galt schon bei den antiken Olympischen Spielen erzählt, welche Bedeutung die Spiele wirklich hatten, wie belogen und betrogen wurde, welche wirtschaftliche Kraft dahinterstand. Das war sehr spannend. Allerdings kamen zuviele Namen und Geschichten vor, ich habe den Überblick verloren.

4. Die Griechen waren alle homosexuell handelt von der Definition der Männerliebe in Griechenland – denn meistens verstand man darunter die Liebe eines alten Mannes zu einem jüngeren Mann. Der Autor schreibt viel und es war interessant, aber ich hätte mir mehr Bezug zur Kunst gewünscht, denn das Thema wird auch heute oft als Motiv verwendet.

5. Die Antike war die hohe Zeit der Intellektuellen – nur Philosophie, Kultur, gutes Benehmen und Tugend zählten bietet zahlreiche Verfehlungen, Eigenheiten und Skuriles bedeutender Persönlichkeiten. Ich fand es amüsant, aber vorhersehbar.

6. In der Antike sprach man Griechisch oder Latein erkärt, wie es zum Sprachenreichtum in der Antike kam, dass es Übersetzer gab und Herrscher auch die Sprache des vermeintlichen Feines konnten. Betont wird weniger, wieviele Sprachen es gab, sondern wie normal es war, bestimmte Sprachen in bestimmten Situationen zu nutzen.

7. In der Antike speiste man ganz entspannt im Liegen war für mich das spannendeste Kapitel, weil ich das selten wahrgenommen habe. Der Einfallsreichtum der Römer und Griechen war interessant. Außerdem wird von der gesellschaftlichen Bedeutung des Essens erzählt. Ich fand es aber einen Hauch zu langatmig.

8. Im antiken Opferkult wurden ganze Viehherden sinnlos niedergemetzelt hat mich überrascht – ich dachte meistens an menschliche Opfer. Dass aber jedes Opfer durchkomponiert war, was und wie man geopfert hat, habe ich gerne gelesen.

9. Die Römer schufen eine überragende Kultur beschreibt ausführlich, dass nicht alles Rom war, was Rom scheint. Oft bauten die Römer auf den Griechen auf, in manchen Dingen verflügelten sie sie. Manches hat sogar bis in die Neuzeit überlebt z.B. was unsere heutigen Gesetze betrifft.

10. Die Römer waren sehr reinlich zeigt wie erwartet, dass die römischen Bürger manchmal sehr, sehr schmutzig waren und man es besonders mit Fäkalien nicht so genau nahm. Allerdings ist das Kapitel nicht so eklig, wie ich vermutet hatte.

11. Griechenland war eine Demokratie – alle durften wählen und mitentscheiden war sehr komplex und erfordert viel Vorwissen. Anstatt zu erklären, was Demokratie ist und worin sich die Legende von der Realität unterscheidet, springt der Autor durch die verschiedenen Stadtstaaten und Zeiten.

12. In Rom liefen alle in weißen Togen herum erzählt leichtfüßig von der Kleidung der Römer. Es hätte noch etwas detaillierter sein können (Fotos wären gut), bot aber viele interessante Informationen, wie der Römer aussah und wie sich die Kleidung entwickelt hat.

13. Sklaven waren arm und rechtlos beginnt mit einer (unübersichtlichen) Anekdote über einen Mann, der einen Sklaven verklagt. Danach wird zuerst von Sklaven und dann von Versklavung gesprochen. Der Bogen wird weit gespannt und greift alle Fragen auf, die ich gestellt hätte.

14. Religiöse Minderheiten wurden in der Antike rücksichtslos verfolgt war wieder etwas unübersichtlich und zu breit gefächert. Die Grundaussage ist: Jeder konnte glauben, woran er wollte, solange er dem Staat treu diente – und das kollidierte manchmal miteinander. Außerdem war der Streit um Religion meistens ein Machtkampf.

15. Griechen und Perser waren Todfeinde erzählt anhand vieler Beispiele, welche verwandschaftlichen und machtpolitischen Verflechtungen zwischen beiden Ländern bestanden – manchmal wirklich kurios. Leider bin ich auch hier durcheinander gekommen, weil der Autor verschiedene Zeiten usw. anspricht.

16. Der Limes war eine undurchlässige Grenze ist ein spannenes Kapitel über das, was ich nur als großen, steinernen Wall kannte. Der Autor erklärt, wie der Limes entstand und wie er genutzt wurde. Das war sehr anschaulich!

17. Caesar eroberte Britannien hat etwas Witziges, denn der Abschnitt handelt vor allem von Scheitern Caesars. Ich hatte mir etwas mehr über Britannien erhofft, und auch hier wäre eine Karte gut gewesen. Trotzdem fand ich das Kapitel gut zu lesen.

18. Alexander der Große eroberte die ganze damals bekannte Welt war etwas langatmig. Das Kapitel beschäftigt sich mit dem Alexander-Roman, den Geschichten, die über Alexander und seine Eroberungen berichten. Schnell stellt sich heraus, dass vieles in der Legende geschönt wurde – aber der Autor breitet das unnötigt aus.

19. Mit dem letzten weströmischen Kaiser endete die Antike geht zwar chronologisch vor, wird aber durch die vielen Einschübe unübersichtlich. Schön fand ich hier die Konklusion am Ende – warum man sich nicht auf ein Jahr festlegen kann, es aber trotzdem tut.

20. Die Antike erstrahlte in glänzend weißem Marmor beschäftigt sich mit der Kleidung und warum wir die Statuen und Tempel weiß wahrnehmen, obwohl sie bunt waren. Das war sehr interessant und anschaulich, leider fehlen hier Bilder. Denn es ist wirklich schwer, sich Statuen in bunt vorzustellen.

Schreibstil


Der Autor schreibt locker, aber nicht aufdringlich. Man merkt ihm die Freude für das Thema an, er bleibt trotzdem sachlich. Manchmal gibt es zuviele Jahreszahlen und Namen, wäre es gut gewesen, lieber tief als breit gefächert zu erzählen. Trotzdem gefällt mir der Stil gut, besonders die Schlussfolgerungen.

Kleine Stolpersteine beim Ausdruck gibt es selten.

Fazit


Das Buch bietet viele interessante Informationen und der Schreibstil ist schön. Man sollte für manche Kapitel aber eine Basis mitbringen bzw. das Buch sollte sie in Form einer Einleitung liefern.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)