Donnerstag, 2. Januar 2014

'Alles Mythos! 24 populäre Irrtümer über Weihnachten'

Hallo liebe Leser!

Ich wurde angefragt, ob ich Bücher der 'Alles Mythos!'-Reihe des Theiss-Verlages lesen möchte – und habe mich für die Bücher über Weihnachten (geht immer), die Antike (Wer mag sie nicht?) und die BRD und die DDR (3 Jahre DDR sind zuwenig für meine Bildung) entschieden. Ernsthaft: Ich finde Sachbücher sehr interessant, besonders, wenn sie nicht zu wissenschaftlich geschrieben sind.

Heute lest ihr den ersten Beitrag – über Weihnachten.


Allgemeines


Die Reihe 'Alles Mythos!' wurde 2013 eingeführt und umfasst derzeit neun Bücher, die sich meist mit verschiedenen Epochen und Völkern auseinandersetzen. Auf ca. 200 Seiten werden 20 Mythen aufgeklärt. Die Bücher sind für 17 EUR bei allen Buchhändlern zu bekommen, leider (noch) nicht als E-Book.

Mein Buch (ISBN: 978-3-8062-2686-7) klärt – passend zum Thema – über 24 Mythen auf und hat mit 224 ein paar Seiten mehr :-)

Leider hat das Buch keine eigene URL, ihr findet es aber über die Suchfunktion auf der Verlagsseite.

Die Autorin


Claudia Weingartner hat Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet heute als freiberufliche Journalistin u.a. beim Focus.

Das Cover


Das Layout der Reihe ist sehr gut, weil alle Informationen übersichtlich präsentiert werden: Auf das Titelfoto wird ein halb-transparenter Rahmen gelegt, auf dem Foto prangt ein scheinbar umgeknickter Zettel mit dem Namen der Reihe (groß und in Schwarz), dem Untertitel (klein und Weiß) und dem Thema (mittelgroß in einer Kontrastfarbe). Der Autorenname ist entsprechend des Fotos platziert.

Bei Weihnachten hat man sich für den Kopf eines Schokoweihnachtsmannes und Gelbgrün als Grundfarbe entschieden, was ein guter Kontrast ist.

Auf der Rückseite befinden sich neben dem Klappentext ein umgeknicktes Foto und eine Kurzbiografie zum Autor. Leider ist diese sehr unterschiedlich – bei Weihnachten und Antike ist sie sehr kurz, bei BRD und DDR driftet sie ab und wird zum Teil des Klappentextes.

Der Umschlag aus dünner Pappe ist angeraut und fühlt sich gut an, allerdings ist das Format mit 14,5 x 21,7 x 2 cm nicht sehr handlich.

Gliederung und Gestaltung


Neben dem Inhaltsverzeichnis gibt es ein Vorwort und am Ende eine Seite mit Anmerkungen, weiterführender Literatur und einem Register. Das finde ich sehr gut.

Die Kapitel sind zwischen 5 und 16 Seiten lang und mit 'Irrtum' sowie einer Behauptung überschrieben. Innerhalb eines Kapitels arbeitet man mit Zwischenüberschriften und Absätzen. Erstere schwanken zwischen griffig und banal, sind aber nicht immer aussagekräftig. Die Absätze sind so gewählt, dass ein Abschnitt fast nie aufgeteilt wird. Das ist sehr leserfreundlich, hat aber den Nachteil, dass manchmal 1/4 der Seite frei bleibt. Außerdem weiß man als Leser nicht, ob das ganze Kapitel oder lediglich der Abschnitt beendet ist.

Interessant ist, dass für die Kapiteltitel eine andere Schriftart verwendet wird als beim Cover: Eine verschnörkelte Kursivschrift, die leider fett formatiert ist und etwas wuchtig wirkt. Bei den Zwischenüberschriften hat man es besser gemacht: eine leicht geneigte Schrift mit Serifen. Der Wechsel, der bei allen Büchern vorkommt, ist ein netter Gag, aber ich finde es besser, wenn die Schrift in allen Büchern einheitlich ist. Die Texte selbst sind übrigens in Times New Roman (oder ähnliches) gedruckt, was bekannt und gut lesbar ist.

Im Text arbeitet man mit Kursivformatierungen und Fußnoten, leider sind nur längere Zitate gekennzeichnet. Bei Studien oder neueren Medien fehlen Verweise. Das ist einerseits gut, weil die Autorin in manchen Abschnitten soviele Zitate einfügt, dass die Liste am Ende sehr lang wäre. Andererseits ist bekannt, dass Aussagen oft aus dem Zusammenhang gerissen werden, und das möchte ich manchmal nachprüfen. Auch bei Studien möchte ich nachlesen und weitere Informationen bekommen. Ich finde es besser, wenn die Zitate auf der Seite zu finden sind.

Leider gibt es weder Illustrationen noch Diagramme, was besonders die Statistiken veranschaulicht hätte. Auch im Kapitel zur Kunst hätten sich Bilder angeboten.

Insgesamt finde ich die Gliederung gut gedacht, im Detail aber etwas nachlässig.

Der Inhalt


Das Vorwort umreißt auf 2 Seiten den Inhalt ganz gut, leider liegt der Schwerpunkt auf dem Weihnachtsfest allgemein, erst nach 2/3 kommt die Autorin auf die Mythen zu sprechen – prägend für das Buch. Und für den Stil: Wenn von 'mittelalterlichen Straßenpartys' die Rede ist, weiß man, dass Informationen gern übermäßig flippig ausgedrückt werden.

1. Weihnachten ist der Fest der Liebe beginnt mit negativen Aussagen zum Fest und beschreibt dann das Positive. Schwerpunkte sind Menschen im Stress, Konflikte und Konfliktbewältigung, der Weihnachtsfrieden im ersten Weltkrieg, die Herkunft des Mistelzweiges sowie Abrisse zur Geburten- und Todesrate. Es ist also sehr breit gefächert, mal tiefer und mal oberflächlicher, und das finde ich nicht gut. Außerdem arbeitet die Autorin mit zahlreichen Zitaten aus Funk, Fernsehen und Printmedien, was den Eindruck erweckt, besonders aktuell sein zu wollen – hier aber oberflächlich wirkt. Nicht jeden Leser interessieren Stars.

2. Den Heiligen Nikolaus gab es wirklich zeigt das Bild des Nikolaus und fragt dann, ob er tatsächlich existierte – um diese im nächsten Abschnitt zu verneinen. Dann beleuchtet sie die Entstehung der Figur und ihre Verbreitung über die Epochen und in verschiedenen Kulturen. Sie bezieht sich dabei oft auf Werner Mezger, verweist aber nur im Anhang auf sein Buch.

3. In Weihnachtsgeschichten geht es besinnlich zu erklärt, wie Weihnachtsgeschichten zu verschiedenen Zeiten gestaltet waren. Danach geht die Autorin auf Weihnachten in Romanen ein und nimmt Stellung zum Thema Weihnachtslieder. Ob Weihnachtslieder als 'Geschichten' zählen, darüber kann man streiten. Ich fand den Teil unnötig. Problematisch ist, dass uns übersetzte Songtexte geboten werden, aber nicht klar ist, wer sie übertragen hat. Nicht gut sind außerdem zwei Schusselfehler: Dinge können assoziiert werden, aber nicht sein. Außerdem hat man bei Andrew Ridgeley, dem anderen Teil von Wham!, das erste E vergessen...

4. Der Lichterketten-Wahnsinn hat mit Weihnachten nichts zu tun beschäftigt sich überwiegend mit der Beleuchtung. Die Autorin beschreibt mit Hilfe von Statistiken die Neuzeit und geht dann zurück zum Christentum. Nach ein bisschen Konsumkritik folgen Abschnitte zum Baumbehang. Hier driftet man wieder ab, was mir nicht gefällt.

5. An Weihnachten wurde Jesus geboren berichtet, wie man sich trotz vieler, uneindeutiger Quellen auf den 24. Dezember festlegte.

6. Die Hitliste der Geschenke: Frauen wollen Schmuck, Männer Technik bietet wieder viele, viele Statistiken und ist sehr konsumkritisch. Besonders auf die Kinder und ihre immer konkreter werdenden Wünsche geht man ein. Außdem wird die Frage gestellt, warum wir etwas schenken. Leider ist dieses Kapitel sehr auschweifend und hat mit dem eigentlichen Thema nur wenig zu tun.

7. Das Jesuskind lag in einer Krippe in Bethlehem betrachtet die Geburt Jesus und die Behandlung der Geschichte in der Historie. Außerdem beschäftigt man sich mit der Krippe – geschichtlich und in verschiedenen Kulturen. Auch das war mir wieder zu weit.

8. Weihnachtsmärkte sind romantische Veranstaltungen zeigt verschiedene, außergewöhnliche Weihnachtsmärkte – nicht immer negativer Natur.

9. Der Weihnachtsmann verdankt sein Aussehen Coca-Cola erklärt, wie die Figur für das Unternehmen entwickelt wurde und reißt die Themen Weihnachtsmann und Nikolaus kurz an.

10. Caspar, Melchior und Balthasar waren die 'Heiligen Drei Könige' beschreibt die Entstehung der Legende und löst sie auf.

11. Weihnachtsgebäck ist ungesund zeigt die Entstehung des Gebäcks und zeigt anhand der Zutaten (überwiegend Gewürze), dass es nicht ungesund ist. Leider wird zwar betont, dass man während der Feiertage nicht zunimmt, ich finde das aber zu einseitig.

12. Der Stern von Bethlehem war der Halleysche Komet erläutert die Entstehung der Behauptung und die Behandlung in der Historie.

13. 'Geht Barbara im Klee, kommt's Christkind im Schnee' klärt auf, wie es zu dieser Bauernregel (ich wusste nicht, dass es eine ist...) kommt und warum weiße Weihnachten nicht jedes Jahr vorkommen. Mit Anmerkungen zur Frage, warum wir uns danach sehnen, wird die Autorin psychologisch.

14. Hitler wollte von Weihnachten nichts wissen beschreibt, wie die Nazis das Weihnachtsfest für ihre Zwecke nutzten und stellt die These auf, dass die Bevölkerung sich davon nicht beeindrucken ließ.

15. Bescherung ist am 24. Dezember zeigt, wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird. Der Kapiteltitel ist irreführend und erfasst den Inhalt überhaupt nicht. Außerdem wird der Eindruck erweckt, dass Väterchen Frost im Zuge der Oktoberrevolution 1917 eingeführt wurde – diese und weitere Figuren existierten aber schon vorher, sie wurden lediglich instrumentalisiert.

16. Der Weihnachtsmann wohnt im hohen Norden zählt viele mögliche Wohnorte des Weihnachtsmannes in Finnland, Deutschland und anderen Ländern auf. Außerdem wird auf das – allseits beliebte – Thema Weihnachten aus Sicht der Physik verwiesen. Problem hier: Das Phaeno-Museum in Wolfsburg wird zitiert, es gibt aber keine Quellenangabe – weder in den Fußnoten noch im Literaturverzeichnis. Das Internet kennt die Zahlen nicht. Ich hab aber andere Daten gefunden. Niedlich, aber genauso weit vom eigentlichen Thema entfernt ist der Leserbrief eines kleinen Mädchens in einer amerikanischen Zeitung. Hier geht es um die Existenz des Weihnachtsmannes. Der Brief wird seit 1897 regelmäßig aufgegriffen.

17. Das Christkind ist ein blonder weiblicher Engel erklärt, wie die Vorstellung entstanden ist und in unterschiedlichen Epochen wahrgenommen wurde.

18. Der Advent ist eine Zeit des Schlemmens erläutet, dass es um Fastenbrechen ging und beschreibt dieses Ritual über die Jahrhunderte.

19. Weihnachten ist das Fest der Familie zeigt, wie man außerhalb der Familie feierte und feiert. Für mich etwas abseits vom Kapiteltitel.

20. Knecht Ruprecht ist der Gehilfe des Nikolaus beschreibt die Entstehung und Historie der Figur.

21. Es bringt Unglück, den Weihnachtsbaum vor dem 6. Januar abzuschmücken beschäftigt sich, anders, als vermutet, nicht mit dem Datum, sondern dem Weihnachtsbaum.

22. Die Weihnachtsgeschichte wird nur im Christentum erzählt notiert verschiedene Religionen und wie die Weihnachtsgeschichte in ihnen auftaucht. Das ist zwar sehr interessant, aber unterschiedlich ausführlich – der Islam bekommt viel Raum, der Hinduismus weniger. Außerdem wird die Jungfräulichkeit und Schwangerschaft Marias betrachtet.

23. Die Feiertage wurden erst in der Neuzeit zur logistischen Herausforderung erzählt vom Einkaufen und von Grußkarten.

24. Die Weihnachtsgeschichte ist ein beliebtes Motiv in der Kunst widerlegt den Mythos nur, sondern differenziert – in verschiedenen Epochen wurde das Thema unterschiedlich behandelt.

Zusammenfassung


Das Buch bietet viele Informationen und es macht Spaß zu lesen. Manches ist gut recherchiert, anderes wirkt oberflächlich. Die Kapiteltitel spiegeln nicht immer den Inhalt wider, man driftet ab. Ich habe das Gefühl, dass die Informationen zum Thema Weihnachten irgendwie gegliedert, untergebracht werden mussten.

Außerdem sind die Kapitel zu lang. Die Vorstellung, jeden Tag eine Geschichte zu lesen, vielleicht gemeinsam mit den Kindern, ist niedlich. Aber man liest sehr lange und die Sprünge im Thema behindern die Konzentration. Statistiken mit vielen Zahlen sind nicht förderlich.

Schreibstil


Die Autorin schreibt überwiegend Artikel, weniger Sachbücher – und das merkt man. Oft versucht sie 'cool' zu wirken, flippig und etwas abfällig, in der Hoffnung Humor zu erzeugen. Leider lenkt das von den Informationen ab und die Füllwörter und langen Satzgefüge, die dadurch entstehen, blasen den Text unnötig auf. Hätte man etwas mehr Sachlichkeit walten lassen, hätte man das Buch um 1/4 kürzen können.

Fazit


Die Idee ist gut und es sind sehr viele Informationen enthalten. Auch das Cover gefällt mir. Aber es ist zu lang, zu vielfältig und die Gliederung ist nicht so klar. Außerdem nervt mich der laxe Umgang mit Zitaten – ich fühle ich nicht aufgehoben, sondern nicht ernst genommen - wenn ich es als Leser nichtmal wert bin, dass man mir sagt, woher man Infos hat? Ich schwanke sehr, weil ich vieles aus dem Buch mitnehmen kann - aber ständig dachte 'Das ist das Ende? Nee, doch nicht!' Die Verknüpfung zwischen Aufhänger (Mythen!!!) und Ausführung stimmt nicht.

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