Dienstag, 14. Januar 2014

'Blinde Verführung' von Romana Grimm

Hallo!

Noch lange vor den Daily Bunnys *love* wurde ich auf Romana Grimm aufmerksam - ich durfte ihren Roman Wie ich auszog, um Zigaretten zu holen und als Retter der Welt zurück kam in der Beta-Version lesen *ist das lange her...* und war begeistert - mühelos schafft sie es die Seiten zu fülllen, ohne, dass es langweilig wird. Und der Humor war toll. Als sie Rezensenten für Blinde Verführung suchte, bin ich erhobenen Zeigenfings auf und ab gehüpft und durfte das Heilige Rezensionsexemplar in Empfang nehmen :-)





Allgemeines


Das Buch hat 233 Seiten und ist als E-Book (3 EUR) und Papier-Version (10 EUR) erhältlich.

Zur Autorin


Romana Grimm wurde 1983 geboren und ist ein wahres Multitalent: Neben der Schreiberei zeichnet sie manga-ähnliche Figuren, kocht vegan und malt die Daily Bunnys - und arbeitet :-) Obwohl sie sich gerne ausprobiert, sind ihre Werke in den Genres Romantik und Krimi angesiedelt. Ihnen gemein ist die durchdachte Sprache und vielfältige Wortwahl.

Das Cover


Es ist geil. Einfach nur sehr stimmig und trotz der einfachen Bestandteile schön anzusehen. In der Mitte sieht man auf weißem Untergrund und in verschnörkelter Schrift den Titel, darunter ohne Serifen den Autorinnen-Namen. Obwohl ich solche Gegensätze weniger mag, wirkt es diesmal gut, weil dazwischen ein Strich ist, der mit seinem Muster und dem geraden Strich eine Verbindung herstellt. Auch greift die anthrazit-farbene Schrift die dunklen Haare des obene Fotos auf, während das Weinrot der Autorin mit den Erdbeeren im unteren Bild in Einklang steht.

Die Fotos verkörpern die Schwerpunkte des Buches - Liebe und Essen, meistens Erdbeerkuchen. Auch hier schafft das Weiß, das in beiden Bildern auftaucht, eine Verbindung. Und das Braun der Holzblanken unten taucht in den Haaren oben auf :-)

Alles in allem: sehr stimmig. Wow.

Inhalt


Konditorin Marlene betreibt mit ihrer Freundin Heidi ein kleines Café und trifft eines Tages den blinden Künstler Patrick. Zwischen den beiden entspinnt sich eine klassische Liebesgeschichte, die nur durch eines gestört wird: Patricks Ex-Freundin Evelina, die ihm nicht nur das Augenlicht, sondern ihren Nachfolgerinnen die Nerven geraubt hat. Ein Problem, das gelöst werden muss...

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine klassische Liebesgeschichte, die mich aufgrund des Flairs an 50 Shades erinnert hat: eine schüchterne Heldin und ihre selbstbewusste Freundin, der starke Mann mit Schwächen, ein Kollektiv an Figuren, die nett sind, und eine Bedrohung in Form einer Ex. Bei genauerer Betrachtung merkt man aber, dass die Schwerpunkte etwas anders gewichtet sind: Essen spielt eine zentrale Rolle, während das Krimi-Element in den Hintergrund rückt. Einerseits ist diese Abweichung erfrischend, andererseits widerspricht sie den Erwartungen der Leser etwas, mir fehlte der Biss bzw. war die Abweichung nicht krass genug.

Die Figuren


Marlene ist Mitte 20 und hatte seine der Trennung von ihrem Freund Stefan wenig Kontakt zu Männern. Sie hat die richtige Mischung aus Schüchterheit und Selbstbewusstsein, die für dieses Genre notwendig ist: Einerseits findet sie sich nicht schön genug, besonders im Gegensatz zu Evelina, und fügt sich gut in Patricks Freundeskreis ein. Gleichzeitig weiß sie, was sie als Konditorin leisten kann und muss und folgt Patrick nicht bedingungslos.

Heidi ist Marlenes beste Freundin und der resulute Gegenpart. Sie ist etwas taffer als Marlene, hat mehr Leben, wirkt aber genauso menschlich. Heidi umgibt bis zum Schluss ein Geheimnis :-) Interessant ist, dass sie laktose-intolerant ist und eine Gluten-Unverträglichkeit hat. Das gibt dem Buch eine zusätzliche Dimension. Toll fand ich, dass Heidi und Marlene zusammen halten und ihre Freundschaft echt wirkt - nicht übertrieben.

Partick ist der Märchenprinz mit einer Prise Curry - im Gegensatz zu gängigen Klischees ist er nicht nur reich, sondern auch Künstler - der haut Skulpturen. Und dank eines Unfalls blind. Anfangs wirkt er nur nett, später zeigt sich, besonders im Zusammenspiel mit seinen Freunden, dass er ironisch bis sarkastisch sein kann. Und es macht ihm Spaß, Marlene sexuell zu ärgern :P

Obwohl ich Figuren mit künsterlischem Background reizvoll finde, war diese für mich nicht stimmig: Seine Lockerheit wirkt auf mich nicht stimmig, weil die Blindheit und das Künstlertum zu wenig thematisiert werden, besonders am Anfang. Es fiel mir schwer, mir ein Bild von ihm zu malen, bevor ich ihn weiter verfolgen konnte. Auch seine Offenheit im Bett schien mir eher ein Muss des Grundtyps als eine Notwendigkeit durch die Figur.

Evelina ist Patricks eifersüchtige Ex-Freundin. Von ihrer Mutter zum Modell erzogen und entsprechend hübsch hat sie die Trennung von Patrick nie überwunden und bricht trotz mehrerer Versuche immer wieder aus der Nervenklinik aus. Sie ist ein guter Gegenpol, aber ich fand sie nicht realistisch: Wie schafft es ein Mensch, immer wieder zu flüchten, warum hält sie keiner auf? Auch sprachlich hatte ich mit ihr Probleme, weil zwar russische Wörter verwendet werden, die Mischung mit Deutsch aber klischeemäßig klingt. Real empfinde ich das anders.




Das Kollektiv besteht aus Patricks Freunden und dessen Frauen: Mit Ethan beginnt Heidi eine Affäre, in Kellys Restaurant arbeiten Marlene und Heidi vorübergehend, Andy hilft Marlene bei der Selbstverteidigung. Nicht nur die Protagonistin, sondern auch der Leser kann sich gut in diese Menge an Charakteren einkuscheln, auch wenn ich irgendwann die Übersicht verloren habe. Jeder Charakter hat etwas Spezifisches, aber mir war es zuviel. Man muss aber auch sagen: Diese Gefüge findet man in vielen Romanen des Genres, daher passt es.

Was mich stört sind die Namen: Heidi und Marlene sind deutsch, Patrick und seine Freunde aber englisch. Auch wenn die Herkunft erklärt wird, habe ich erst in der Mitte des Buches begriffen, dass die Geschichte in Deutschland spielt. Außerdem ist die Alliteration Miss Marlene nicht stimmig - sie klingt nicht gut.

Themen


Künstlertum: Patrick ist Bildhauer und die Autorin beschreibt sehr anschaulich, wie sein Arbeitsprozess abläuft - leider zu spät, erst im letzten Drittel. Man merkt, dass er Kunst mag, es wird Bezug drauf genommen, aber dieser Zug hätte stärker herausgearbeitet werden sollen. Ihm fehlt das Eigensinnige, was Künstler haben.

Blindheit: Der Protagonist ist blind und das veranschaulicht die Autorin unterschiedlich gut. Sie erwähnt den Blindenstock und erklärt, wie das Klickern funktioniert. Außerdem fließt es in den Schaffensprozess ein. Ansonsten merkt man die Blindheit aber eher durch Weglassen als durch Erwähnen: Patrick sieht Marlene nicht in die Augen, sieht sie aber an. Er verhält sich völlig normal.

Einerseits wird das Thema nicht überstrapaziert und bekannt aufgegriffen. Andererseits ist die Behinderung etwas Charakteristisches. Für mich wurde sie nie Teil der Figur. Obwohl das Thema sehr spannend ist!

Essen und Einschränkungen: Die kulinarischen Genüsse nehmen eine wichtige Rolle ein, weil die Hauptfiguren und ein Teil der Nebenfiguren in der Gastronomie arbeiten. Daher wird oft gegessen. Hinzu kommt, dass Ethan Veganer ist und Heidi nicht alles essen kann. Die Autorin zeigt Speisen und geht auf die Zubereitung ein, was ich sehr gut finde. Leider waren die Mahlzeiten sehr bekannt, mir fehlte die Vielfalt. Es hätte ein Kochbuch werden müssen, aber das Thema ist interessant - man hätte es mehr einflechten können. Gestört hat mich außerdem, dass Marlene meistens Erdbeertorten backt - und diese bestehen oft aus Erdbeeren und Creme. War leider etwas einseitig.


Erotik


Das wichtigste Element dieses Buches unterschlägt die Autoin einfach im Klappentext - selber schuld :P Ernsthaft: Ich war erstaunt und verstört. Erstaunt, weil ich es nicht erwartet hatte, aber auch, weil es gut gemacht ist. Die Autorin baut mehrere Szenen ein, die sich steigern, sodass man darauf wartet, dass sie sich vereinigen - das baut Spannung auf. Allerdings benutzt sie bekannte Worte. Und meiner Meinung nach passt es nicht in das Buch. Es gibt soviele andere Themen, Probleme, die bewältigt werden müssen - Sex ist in diesem Zusammenhang zuviel.

Ich mag erotische Szenen und Klischees widerstreben mir. Aber wenn eine Geschichte diesem Weg folgt, erwarte ich Konsequenz :-)

Struktur und Spannung


Im Laufe der 18 Kapitel folgt die Autorin der klassischen Dramenstruktur und das passt gut. Der Höhepunkt hätte etwas prägnanter sein können und das Ende war vorhersehbar perfekt, aber naja. Als Leser wird man mitgerissen von den Figuren, sie tragen die Geschichte mehr als die Spannung. Man liest und liest und wundert sich, dass auf einmal 100 Seiten weniger angezeigt werden :-)

Das Erzähltempo war in Ordnung, auch wenn ich mir manchmal mehr Ausführlichkeit gewünscht hätte.

Schreibstil


Romana Grimm weiß mit Worten umzugehen und ihr Wortschatz ist riesig. Sie verwendet Worte, auf die ich nie gekommen wäre, und sowohl Rechtschreibung als auch Ausdruck sind fehlerfrei. Manchmal ist er zu gekonnt, wirkt etwas sperrig - nicht störend, aber unterschwelllig auffallend. Trotzdem kann man alles gut lesen und wird schön durch die Geschichte geleitet.

Fazit


Eine klassische Liebesgeschichte mit ungewöhnliche Protagonisten, gutem Schreibstil und tollem Cover. Freunde des Genres sollten reinlesen, Freunde des Ästhetik ein Platz auf dem Regal reservieren und Leute, die Außergewöhnliches mögen, sollten die Zigaretten lesen :-)

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