Sonntag, 23. Februar 2014

"Prometheus 2.0" an der TU Bühne


Hallo!

Bezugnehmend auf den letzten Post unterbreche ich die Pause und berichte in Kurzform vom Stück an der TU Bühne.

Ich wollte mal wieder ins Theater gehen und fand die Pressebilder sehr beeindruckend. Außerdem habe ich Robert Richter in Marat/Sade gesehen und beobachte mit Freude seine Entwicklung.



Das Stück verknüpft die Prometheus-Sage mit der Problematik um Edward Snowdon und stellt den - ziemlich breiten - Grat zwischen Opfer- und Täterrolle dar. Gleichzeitig erzählt es von einer gelangweilten Gesellschaft, für die die Aufregung eine willkommene Abwechslung ist.

Erreicht wird das durch zwei Männer, die vor dem PC sitzen und versuchen, unterhalten zu werden. Beginnend mit Pantomime verschiedener Superhelden schicken sich die beiden lustige Videos und spielen Ich sehe was, was du nicht siehst. Das ständige Schwanken zwischen Aufregung und Leere überträgt sich auf den Zuschauer, und manchmal war es unerträglich. In anderen Stücken passiert stetig etwas, die Aufmerksamkeit ist gefordert - hier wartet man irgendwann darauf, dass etwas geschieht. Unterbrochen wird das lustige Besammensein durch Sequenzen zur Problematik Snowdon. Wie bei einem Auftritt werden diese mit I've been looking for freedom eingeleitet und steigern sich. Anfangs sieht man Nachrichtensprecher, die sich immer mehr an ihrer Inszenierung verzetteln, bis der Inhalt nebensächlich ist. Später wird die Geschichte um Snowdon varriert erzählt, und immer häufiger fragt sich der Zuschauer, wie berechnend Snowdon war, ob er die Folgen seines Handelns nicht sehen konnte, warum er den Datenklau nicht verhindert und die Daten weiter gegeben hat. Auf die Spitze getrieben wird das am Ende, als man wiederholt tonlose Ausschnitte aus einem Interview sieht, die Snowdons Mimik zeigen. Der Zuschauer konzentriert sich auf seine Augenbrauen, seine Mundwinkel, den Blick seiner Augen und fragt sich, was kontrolliert und was inszeniert ist. Das Stück gibt darauf keine klare Antwort. Klar wird am Ende dagegen, was aus Langeweile entsteht - Grausamkeit. Die schöne Bindung zu den Computer-Kids wird jäh unterbrochen, als sie zu Täter und Opfer werden.

Das Bühnenbild stützt den Gedanken der Inszienierung: Die beiden Männer sitzen links und rechts, in der Mitte ein freier Bereich, auf dem sie sich in den Zwischenteilen treffen. Die Bühne ist damit klar in eine fiktive und eine reale Welt gegliedert. Die beiden Männer tragen Anzüge und verkörpern die Wohlstandsgesellschaft, die das Übermaß an Verantwortung mit vermeintlich witzigen Clips und Spielchen kompensiert. Das Licht ist gut gesetzt, betont die Gesichtszüge der Figuren sehr schön, blendet aber manchmal. Die Zuschauer und sogar das aktuelle Fußballspiel wurden eingebunden :-) Als nicht geglückt empfinde ich die Projektionen der Pressetexte an der Wand des mittleren Bühnenteils, weil die Schauspieler keinen Bezug darauf nehmen. Der Zuschauer konzentriert sich darauf, nimmt es weniger wahr, schließlich verschwindet es aus dem Kopf. Aber vielleicht ist das der Sinn - alles verschwindet, wenn man es oft wiederholt?

Robert Richter und Mario Pannach spielen ihre Rollen sehr gut und ich bewundere sie dafür, dass sie die lockeren Typen spielen, ohne übertrieben zu wirken. Manchmal stocken sie, wirken Dialoge zu perfekt gesprochen, zu kontrolliert, aber ihre körperliche Präsens ist besonders am Ende beeindruckend.

Fazit: Ein tolles Stück mit einer guten Dramaturgie, das darstellt, aber nicht klar Stellung bezieht. Gefällt mir :-)

Von Pausen und Blog-Awards

Hallo!

Auf Facebook habe ich es kenntlich gemacht, aber hier wusste ich nicht, wie ich es sagen sollte: Ich mach eine Pause. Mein Körper stand eines Tages vor meiner Wohnungstür und hat mich an einen geheimen Ort namens 'Insel der Enthaltsamkeit' geschleppt. Noch bis April genieße ich dort die Ruhe ohne Internet und Ähnliches und bin nur selten on. Daher wird es in den nächsten zwei Monaten auch fast keine Beiträge mehr geben.