Dienstag, 15. April 2014

Evy bei der Offenen Bühne im März

Vier FarbenHallo!

Schon vor meiner Auszeit war mir klar, dass ich sie für einen wichtigen Termin unterbrechen werde - die Offene Bühne :-) Der Auftritt war für mich etwas Besonderes und hat mir mehr bedeutet, als ich vermutet hatte. In Anlehnung an den letzten Post lest ihr hier von meinen Erlebnissen. Eine Kurzkritik findet ihr auf der Seite der Offenen Bühne.

Da der Fotograf leider verhindert war, gibt es zur Untermalung ein paar Zeichnungen aus der Auszeit.




Warum ist die Offene Bühne so wichtig für mich?


Die Veranstaltung verkörpert für mich einen künstlerischen Heimatort. Weniger wegen der Selbstdarstellung, sondern weil ich Menschen treffe, die meine Kunst schätzen und mit denen man gut plaudern kann.

Am Ende meiner Auszeit wollte ich langsam wieder in die Realität einsteigen. Ich hatte Angst davor, weil der Schritt zurück in die Fiktion hart ist, ich wusste nicht, wie ich auf die anderen reagiere, ob ich der Mensch sein kann, der ich vorher war oder mir die vielen unbekannten Menschen zuviel werden.

Letztendlich habe ich genau das gebraucht - etwas Vertrautes. Menschen, die fröhlich sind, die Kunst genießen und mit denen man seine Probleme für ein paar Stunden ausblenden kann.

Aufgehübscht - Evy in elegant


Da ich während meiner Auszeit zwar nicht im Jogginganzug, aber eher praktisch gekleidet war, genoss ich es, mich für meinen Auftritt schick zu machen. Mit Foundation, blauen Smokey-Eyes, Rouge und Lippenstift, die Haare glatt und zur Seite gekämmt. Ich wählte ein schwarzes Oberteil (das vom ersten Theater-Auftritt) und einen blau-schwarzen, kurzen Rock, dazu eine schwarze Strumpfhose und meine dunkelroten Stiefeletten - auch wenn der Absatz klein ist, fühle ich mich damit ein paar Centimeter größer, erhabener :-)

Vorgeplänkel


Getreu dem Motto Gebrochen bin ich am besten musste ich vor meiner Auftritt noch in einen Konflikt geraten, der ziemlich wehtat. Aber ich habe mich davon nicht irritieren lassen - Literatur ist meine Leidenschaft - und das lasse ich mir von niemandem nehmen. Niemals.

Die Nervosität konnte ich mithilfe der Wut im Zaum halten - keine gute, aber eine effektive Methode :-)

Die Texte habe ich zwei Tage vorher ausgewählt und etwas geübt, was mich selbstbewusster gemacht hat. Ich wusste schon zwei Tage vorher, dass alles ziemlich gut werden würde.

Grün

Die Texte


Als ich mich Anfang März angemeldet hatte, wusste ich nicht, was ich vortragen sollte. Denn anderes als erwartet habe ich mich während meiner Auszeit mehr über das Zeichnen als über das Schreiben ausgedrückt. Am Ende kam genügend Material zusammen, ich musste sogar ein paar kleine Gedichte eliminieren :-)

Interessant ist, dass ich diesmal weniger nach dem Inhalt, als nach dem Gefühl gegangen bin, das vermittelt wird - ich wollte vielseitig klingen. Bei der Aufnahme auf Soundcloud kommt das besser raus.

Freundlichkeit handelt von einem Freund, der mich sehr beeindruckt hat. Ähnlich wie mein Bett hat dieser Mensch eine Ausstrahlung, die ich selten erlebt habe - mehr Freundlichkeit als Ich-Bezogenheit. Gleichzeitig bezweifle ich, dass er so einseitig schön ist, wie ich ihn erlebe. Die Gewissheit, dass alles seinen Preis hat, schwingt mit. Ich mag den Bruch am Ende, der in Sarkasmus mündet und mit der bitteren Erkenntnis schließt, dass die Zweifel zugunsten des Genusses zurück gedrängt werden.

Vulkangeflüster ist eines der wenigen Gedichte, deren Titel nicht im Werk selbst vorkommt. Der Text stand lange ohne Überschrift auf dem Papier, bis ich ihn in Anlehnung an die Magma wählte. Wir sind wie Vulkane - groß, heiß, man sieht uns von Weitem, wenn wir Dampf, Asche und Magma ausspucken und damit die Welt überschütten. Vulkane haben etwas Bedrohliches, aber auch sehr Trauriges, weil um sie herum nichts wachsen kann - die Hitze löscht alles aus. Im Gegensatz dazu steht das Geflüster. Denn wir haben uns wenig zu sagen, und das, was zu sagen wäre, wird nicht ausgesprochen. Mimik und Gestik erledigen alles, wenngleich manchmal falsch. Das Gedicht ist ein literarischer Tagebucheintrag und ein Fragment - so, wie der Text dasteht, ist er in Ordnung, aber ich denke, es fehlt noch etwas. Ich mag den Text, weil er meinen Schreibstil symbolisiert bzw. mich an diesen erinnert hat: Ein ruhiger Anfang mit ungleichmäßigen Reimen, zum Schluss ein Haufenreim mit viel Tempo. Die große Panik am Ende - obwohl alles ruhig war?

Die Metapher am Ende ist übrigens ein Insider-Gag und wird meistens falsch verstanden - was in Ordnung ist, denn beide Interpretationen gefallen mir :P

Nicht peinlich genug ist das emotionalste, wütendste Gedicht meines Vortrages und nach einer emotionalen, wütenden Situation entstanden. Der Text beschäftigt sich mit der Frage nach Schein und Sein. Warum sieht das Umfeld nichts, wenn sich zwei Menschen kaputt reden? Warum sieht es das vermeintliche Ränkespiel als Belustigung an und begreift die Tragik nicht. Andererseits: Muss es das? Trägt die Gesellschaft Verantwortung für das Tun Einzelner? Menschen spüren es, wenn etwas in einer Gemeinschaft nicht stimmt - aber vielleicht trauen sie dem Einzelnen auch zu, dass er das alleine schafft? Heftiger als im Vulkangeflüster kommt die Bitterkeit heraus, die bittere Enttäuschung darüber, dass Ehrlichkeit nicht immer vorhanden ist - auf beiden Seiten. Ich finde das Gedicht etwas lang, aber die Bilder gefallen mir :-)

BlauDer Baum ist entstanden, als ich in den Himmel blickte und die Äste über mir als bedrohlich empfand. Ich fragte mich, was passieren würde, wenn sie brächen. Dieser Moment war für mich sehr wichtig, denn er brachte mich zu dem zurück, was mich auszeichnet und antreibt: die Natur. Die Natur zu beobachten, den Wind zu spüren, die Luft zu riechen - das macht mich glücklich. Beim Schreiben sind noch andere Dinge eingeflossen z.B. die Frage, ob man gesund sein möchte oder Krankheiten auch Vorteile haben. Ich beschäftige mich nicht gern damit. Denn die Angst, dass am Ende die Erkenntnis steht Kranksein ist toll! ist groß.



 Ich habe vielmehr die Angst, dass ich mit Veränderungen nicht umgehen kann - obwohl ich dazu fähig bin. Die Frage nach Vor- und Nachteilen stellt sich nicht. Sondern die, wie man das Leben vor und das Leben in im Leben danach zusammenführen kann. Auch wenn ich einige Passagen sehr gelungen finde, sind Metrum und Reime ziemlich unregelmäßig :-)


Der Auftritt 


Ich war erstaunlich entspannt - alles war sehr gemütlich und Kollisionen mit dem Mikro gab es nicht. Mangels Computer hatte ich die Texte handschriftlich notiert, was trotz Schönschrift nicht die beste Idee war :-) Da ich die Gedichte stellenweise auswendig kannte, konnte ich ins Publikum gucken. Das war für mich neu - ich war da und aufnahmebereit, ich haben die Menschen tatsächlich angeguckt, Inhalte vermittelt.

Meine Stimme war weniger knallig, nicht so effekt-hascherig, übertrieben, sondern entspannt. Die Freundlichkeit habe ich nicht so fröhlich betont, wie ich wollte, und bei der Peinlichkeit war noch Luft nach oben. Spannend ist, dass ich mir von einem Bekannten die Ruhe, das Sonore abgeguckt habe - bewundere ich ein bisschen. Wenn Leute spontan und gut Texte rezitieren können - und damit an mich heranreichen :P Ernsthaft: Es hat meinen Vortrag bereichert.

Das Publikum war ruhig, am Ende zu ruhig :-) Später habe ich erfahren, dass es inhaltlich zuviel war - zuviele Bilder, zuviele Probleme, über die man nachdenken kann, zuviel Trauer? Das hat mich gefreut. Auch wenn ich - mal wieder - feststellen musste, dass meine Texte nicht für große Bühnen taugen, weil sie zu ernst und/oder zu verschnörkelt sind.

Aber ich liebe das Gefühl, vor dem Mikro zu stehen und den Schall zu spüren, den Text zu gestalten.

Kästchen

Fazit


Es war geil. Die Menschen sind toll, das Publikum auch, schöne Gespräche, gut Atmosphäre - was will man mehr?

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