Dienstag, 8. April 2014

Shades of Grey - Befreite Lust

Hallo,

inmitten meiner Auszeit fand ich viel, viel Zeit zum Lesen, und 50 Shades fühlte sich wie eine Heimat an, weil es wundervoll kitschig und voller rosaroter Liebeswölkchen ist :-) Daher gibt es hier die Kritik!

 

 

 

 

 

Allgemeines


Das Buch hat 673 Seiten und kostet 10 EUR. Es ist als Papier und E-Book überall erhältlich.

Cover


Das Titelbild orientiert sich an Band II: Die Oberfläche ist samtig und geprägt, nur der grüne Kreis in der Mittel glänzt, die Rückseite ist matt. Nach den Orchideen in den Vorbänden hat man sich für eine rosane Rose entschieden, was ich sehr passend finde. Dazu der rot-violette Untergrund, der typisch für die Trilogie ist. Die Beschriftung ist schön: Der grasgrüne Kreis ist ein Kontrast, das Weiß des Titels greift den hellen Ton der Rose auf, während das Weinrot von Unterteil und Autorenname mit dem Untergrund korrespondiert.

Unschön ist der Aufkleber mit dem Cover der englischen Ausgabe - es ist ein gelungenes Motiv, aber auf der deutschen Ausgabe? Außerdem ist das Cover ausklappbar, es werden aber keine sinnvollen Infos präsentiert. Lediglich eine kurze Biografie und die Blumen aus den Vorbänden sind zu finden.

Das Titelbild ist hübsch und hat mit der Oberfläche etwas Extravagantes, mit der Werbung für die anderen Bücher ist man aber über das Ziel hinausgeschossen.

Inhalt


Ana und Christian sind glücklich verheiratet und frönen den ehelichen 'Pflichten', bis Jack Hyde, Anas Ex-Chef, Verehrer und Bösewicht aus Band II, wiederkehrt und es zum finalen Showdown kommt. Danach wird das schöne Leben mit einem Knacks, einer Blase und einem Problem fortgesetzt: Christian vertraut Ana nichtmehr, weil sie sich infolge Jacks Verbrechen unnötig in Gefahr begab, Ana ist schwanger und sie weiß nicht, ob Christians Bruder Elliot ihre Freundin Kate liebt. Aber es gibt ein Happy End *tänzel*

Das erste Drittel des Buches besteht nur aus Sex und daran krankt der ganze Text. Es ist schön *Romantik-Fan*, aber man erwartet danach nichts mehr und die folgenden Seiten wirken, als müsste sie die Autorin füllen. Dazu passt, dass Konflikte künstlich erzeugt werden (Kate und Elliot) und der Höhepunkt (Jack Hyde) sehr kurz geschildert wird. Die Sexszenen werden vermehrt angedeutet, aber nicht ausgeführt. Das geht einher mit der Erzählstruktur: Es werden Szenen, Episoden erzählt, Handlungsorte (oder Zimmer) und Zeiten gewechselt. Der Leser weiß nie, ob es im nächsten Absatz am selben Ort weitergeht.

Ich finde den Krimi-Handlungsstrang aus Band II verkrampft, als Spannungsmittel aber legitim. Und dass er in diesem Band fortgeführt wird, ist klar. Aber die Struktur ist zunehmend porös, die Ideen werden weniger, die Handlung oberflächlicher.

Charaktere


Ana wird selbstsicherer, tritt aber bei ihrem Kampf um Unabhängigkeit in einige Fettnäpfchen und die Grenzen ihres Gatten mit Füßen. Auch wenn sie versucht, Christian zu ergründen und Zugang zu seiner Seele findet, entwickelt sie sich nicht weiter.

Christian tritt zunehmend in den Hintergrund und existiert nach Abschluss der Eroberer-Rolle im ersten Band indirekt als Anas Konfliktpartner. Ana ist ständig sauer auf Christian, weil dieser sauer auf sie ist. Erst die Konfrontation mit Anas Schwangerschaft fördert neue Facetten zutage bzw. alte aus Band II: Die Kindheit und Angst, kein guter Vater zu sein. Die Stellen sind kurz, aber hier scheint die Figur für sich selbst zu stehen.

Jack Hyde ist als Bösewicht angelegt, tritt aber nur selten in Erscheinung. Die Hintergründe seiner Tat erfährt der Leser von Christian. Man merkt, dass Jack nur als Auslöser der Handlung fungieren soll.

Das Kollektiv mit Kate, Elliot und anderen Verwandten und Bekannten der Hauptfiguren ist mehr Füllwatte - sie lenken mit ihren Zwischenspielen und kleinen Konflikten von der vorhersehbaren Handlung ab.

Insgesamt ist die Stimmung zwischen den Figuren negativer, sie sind ständig sauer aufeinander, Konflikte werden aber selten gelöst. Auch eine Weiterentwicklung findet kaum statt.

Themen


Traumata: Nachdem in Band II die Ursache für Christians kühles Verhalten und seine SM-Neigungen ausgeführt werden, schließt er das Trauma in Band III vorläufig ab bzw. die Folgen werden sichtbar: Christian wuchs bei einer drogensüchtigen Mutter auf und wurde später von den Greys adoptiert. Danach ging er eine Beziehung zu einer älteren Frau (Ms Robinson) ein und wurde ihr Sklave. Indem sie seine Entscheidungen traf, regelte sie das Leben des kriminellen Jugendlichen, bis er selbst zum Dom werden konnte. In Gesprächen mit Ana gesteht er ihr, dass er seine  leibliche Mutter geliebt hat, und bricht den Kontakt zu Ms Robinson ab. Er hat ihr viel zu verdanken, hat aber dank Ana seine Unabhängigkeit gefunden. Christian bezweifelt, dass er die Vaterrolle erfüllen kann, da ihm viel Leid zugefügt wurde. Am Ende sieht man, dass er ein guter Vater ist: Zwar weiß er mit Ablehnung nichts anzufangen, teilt aber die kindliche Freude seines Sohnes.

Das Thema ist sehr gut in die Handlung integriert, wird aber etwas oberflächlich behandelt. Das frühkindliche Trauma berührt die Seele, die Beziehung zu Ms Robinson mit der Frage des Missbrauchs greift ein Tabu-Thema auf und fordert den Leser auf, über Moral nachzudenken. Allerdings wird man ständig mit einigen, wenigen Folgen konfrontiert: Angst vor Berührungen, Aggression, Kontrollsucht. Das stumpft ab.

Ehe: Obwohl oft davon gesprochen wird, sieht man von einer Ehe wenig - Christian und Ana tun das Gleiche, was sie als Paar getan haben: Essen (gehen), streiten, arbeiten, Sex haben und sie bauen ein Haus. Die Autorin wirbt nicht für die Ehe als Lebensform, sondern stellt sie als natürliche Konsequenz der Liebe dar. Aber sie nutzt die Hochzeit als zusätzliches Argument für Sex und Status. Ana soll Christian auf seinen Geschäftsreisen begleiten, denn sie ist seine Ehefrau - da Christian nicht ohne sie leben will, hätte sie ihn ohnehin begleitet. Das gilt auch für Sex - Ana betont stetig, dass sie mit ihrem Ehemann schläft.

Ich finde das ein bisschen verlogen: Die Autorin stellt die Ehe als etwas Besonderes dar, führt es aber nicht aus. Stattdessen nervt die inhaltsleere Wiederholung von Ehefrau und Ehemann den Leser und füllt unnötig Seiten.

Die Erotik

 

Auch wenn in diesem Band viel gesexelt wird, entwickelt sich der Akt selbst zurück: Es gibt weniger Sex-Szenen, diese überschreiten keine besonderen Grenzen. Das passt zwar zum veränderten Christian, widerspricht aber der Erwartungshaltung des Lesers. Diesem wurde eine Steigerung der Szenen bzw. Verschiebung der Grenzen suggeriert. Die Fahrstuhlszene wird nur angedeutet, was ich sehr schade finde. Außerdem werden Szenen abgekürzt- entweder gingen der Autorin die Ideen aus oder sie weiß, dass sie den Leser anödet. Vertraut sind die Flirts der Hauptfiguren und Christians Vorliebe für Brüste und Finger :-)

Ich empfinde die Szenen als erregend, allerdings sie sind nicht kreativ und andere Themen gehen unter.

Schreibstil


Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber die Autorin hat sprachlich nachgelassen. Die Wortwiederholungen häufen sich, Worte passen nicht und Füllwörter treten auf. Zwar ist das Buch leicht und flüssig zu lesen, aber diese Fehler schmälern den Genuss.


Struktur und Gestaltung



Die Grundgeschichte ist in 25 ähnlich lange Kapitel unterteilt, die nur mit Nummern überschrieben sind und keine inhaltliche Bedeutung haben, da die Geschichte voranschreitet. Weder geht damit ein Wechsel der Perspektive noch des Schauplatzes einher.

Die Gedanken der Figuren sind kursiv gedruckt, ansonsten sind nur Mails oder Grußkarten hervorgehoben - finde ich gut!

Interessant an diesem Band ist, dass neben der Hauptgeschichte (einschließlich Epilog) zwei weitere Geschichten präsentiert werden, die mit 'Shades of Christian' überschrieben sind: Das erste Weihnachten des vierjährigen Christian in seiner neuen Familie und das erste Kapitel der Geschichte aus Christians Perspektive.

Fazit


Ich habe das Buch gern gelesen, weil es flüssig geschrieben und wundervoll kitschig ist - Liebe kann so schön sein, wenn man Geld und viele einfach zu lösende Probleme hat :-) Zunehmend gehen der Autorin die Ideen aus  - man hätte das Buch auf 100 Seiten kürzen und in die anderen Bände integrieren sollen.

Shades of Christian


Weihnachten zeigt das erste Weihnachtsfest des frisch adoptierten Christian und bietet Einblicke in sein Verhalten und den Konflikt mit Elliot.

Christian beschreibt die erste Begegnung mit Ana aus seiner Sicht, einschließlich eines Steckbriefs. Der Abschnitt zeigt Christians Kontrollsucht gut, betont aber zu sehr seine Arroganz und den Wandel von sexhungrig zu verliebt. Trotzdem spannend.

Die Kapitel sind erfrischend, obwohl sich der Schreibstil wenig ändert, sind sie etwas 'deftiger' geschrieben. Ein nettes Extra, das man besser in das Buch hätte integrieren sollen.

Kommentare:

  1. Den ersten Teil hab ich auch gelesen und fand's gar nicht so schlecht.
    Aber auf die anderen Teile hab ich dann keine Lust mehr gehabt, war mir ein wenig zu viel :D
    Bei mir läuft gerade ein Gewinnspiel, vllt magst du ja mitmachen!

    <3
    www.gluehwurmi.blogspot.de

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    1. Ich hab mir die weiteren Teile nur gekauft, weil man Ex meinte, dass ich als Erotik-Fan auch die anderen Teile brauche... :-)

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  2. Sehr schöne Rezension und spiegelt sehr viel von dem, was ich beim Lesen empfunden habe. Das Zitat finde ich besonders schön: Liebe kann so schön sein, wenn man Geld und viele einfach zu lösende Probleme hat

    LG Lyne

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    1. Danke :-) Aber es war ein bisschen sarkastisch gemeint :P Aber zumindest die Wohnung mit den Panorama-Fenstern und den Flügel hätte ich gerne...

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