Donnerstag, 22. Mai 2014

"Breathe" von Sarah Crossan

Hallo,

als Fan von Jules Verne und Technik finde ich utopische Geschichten sehr spannend, auch wenn ich mit Science-Fiction wenig anfangen kann (Philip K. Dick ist gut :-) ). Der Klappentext klang interessant, außerdem ist das Cover so hübsch! Daher habe ich trotz negativer Kritiken und einer Intervention meines Geldbeutels das Buch gekauft - und gelesen :-)







Allgemeines


Das Buch ist 2013 bei dtv erschienen und hat 432 Seiten. Man kann es als Taschenbuch (9 EUR), E-Book (15 EUR) und Hardcover (17 EUR) kaufen. Ich habe letzteres.

Der Nachfolger Breathe - Flucht nach Sequoia erschien im November 2013.

Die Autorin


Sarah Crossan wurde in Irland geboren und hat Literatur und Philosophie studiert. Sie arbeitete lange als Englisch-Lehrerin, widmet sich aber seit einigen Jahren vollständig dem Schreiben. Mittlerweile lebt sie in New Jersey. Ihr erster Roman The Weight of Water wurde 2011 veröffentlicht und ist in Deutschland unter dem Titel Die Sprache des Wassers erschienen.

Hier findet ihr die Autorin im Internet.

Das Cover


Das Titelbild fällt durch seine Kontraste auf - links sieht man einen Jungen im Profil, rechts ein Mädchen. Während ersterer durch die gelbe Tönung und die Sprenkel die gefährliche Welt außerhalb der Kuppel verkörpert, steht das Mädchen vor blauem Hintergrund und mit altrosa-stichiger Haut für die Kuppel. Darunter sieht man, mit Atemwölkchen versehen, den geprägten Titel. Leider sind die Haare des Mädchens unscharf und die Blickrichtungen unterschiedlich: Während sie nach oben, in die Zukunft, guckt, will er ihr in die Augen sehen - das passt nicht.

Die Rückseite ist weniger dramatisch, aber dynamisch: Blau-in-Blau erkennt man die Kuppel, darüber Rauschschwaden. Die Handlung wird angerissen und die Hauptfiguren vorgestellt. Dadurch hat man schon vor dem Lesen einen Bezug zu den Charakteren und ist mit der Gliederung vertraut. Es erinnert an den Vorspann zu einer Serie und das finde ich gut!

Das Innere ist in Cyan gehalten - eine tolle Farbe, die leider nicht zum Buch passt. Neben dem Klappentext findet man eine Autoren- und Übersetzer-Biografie.

Leider ist der Buchdeckel zwar wunderschön Dunkelblau *Suchtie*, aber die orange-rote Schrift auf dem Rücken fügt sich farblich nicht so gut ein.

Erwähnenswert ist auch das blau-graue Buchbändchen, das farblich nicht optimal passt, aber schick aussieht :-)

Insgesamt finde ich das Cover sehr gelungen, nur im Inneren stören Details.

Der Inhalt


Nach einer Katastrophe ist die Welt geteilt: Die Mehrzahl der Menschen lebt unter einer fast pflanzenlosen Kuppel, die von der Regierung mit Sauerstoff versorgt wird. Störenfriede werden nicht umgebracht, sondern ins Ödland, außerhalb der Kuppel, verbannt. Dort ist ein Leben aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes angeblich nicht möglich. Die privilegierten Bürger der Kuppel nutzen es stattdessen für Campingausflüge mit Nervenkitzel. Auch Quinn möchte gemeinsam mit seiner Freundin Bea verreisen, wird jedoch von Alina, einer Rebellin, aufgehalten. Erst widerwillig, dann gemeinsam, kommen die drei hinter das Geheimnis der Kuppel und müssen schließlich eine Entscheidung treffen.

Die Welt


Die Menschen innerhalb der Kuppel sind in zwei Klassen bzw. Zonen unterteilt: Die Premium-Mitglieder genießen schöne Straßen und Sauerstoff, während die Seconds in riesigen Wohnblöcken hausen und um jeden Atemzug kämpfen müssen. Außerdem besuchen beide Klassen die gleiche Schule, die Aufstiegschancen sind aber unterschiedlich; eine Second wird nie hohe Posten besetzen können.

Sauerstoff ist zu einer Ware geworden, die von der Regierung verteilt und kontrolliert wird. Die Lauf-Geschwindigkeit ist reguliert, damit der Verbrauch nicht zu hoch ist. Gleichzeitig wird das Ödland als gefährlich dargestellt. Dort leben nur wenige Menschen, die meisten mit Sauerstoffgeräten.

Pflanzen sind innerhalb der Kuppel verboten und nur in Reservaten zugänglich.

Die Autorin schafft eine klassische utopische Welt, in der sowohl das Streben nach oben als auch die Auflösung des Systems von Interesse sind. Der Kontrast zwischen Kuppel und Ödland wird spürbar.

Die Charaktere


Alina ist eine Rebellin und kämpft gemeinsam mit anderen Mitgliedern für Pflanzen. Dazu klaut sie Stecklingen aus dem Reservat und baut sie an. Als infolge der letzten Aktion ihr Freund ermordet wird, muss sie fliehen und schließt sich Quinn und Bea an. Ihr Ziel ist der Stützpunkt der Rebellen. Alina ist mutig, aber ein bisschen naiv. Sie kann die ganze Dimension der Rebellion nicht einschätzen, kämpft aber tapfer. Außerdem ist sie ein empathisches Wesen, das sich im Falle des Falles auch für Feinde einsetzt. Ihr eigenes Wohl geht meist vor, und für die Probleme Quinns und Beas hat sie selten Verständnis.

Bea ist eine Second und schon deshalb Gegnerin des Systems. Sie wirkt auf mich mädchenhaft und etwas einfach - sie kann die Dimension des Systems nicht einschätzen und glaubt an die Kuppel. Gleichzeitig ist sie durchsetzungsfähig. Das Wichtigste ist: Sie ist in Quinn verliebt :-)

Quinn ist der Sohn eines ranghohen Breathe-Mitgliedes und steht daher ständig unter Druck, das Richtige zu tun. Er ist aufgeweckt, intelligent und ein bisschen rebellisch. Am Ende fällt ihm eine Schlüsselrolle zu.  Quinn ist nicht wirklich bewusst, dass Bea ihn liebt, im Laufe der Geschichte kommen sich die beiden aber näher.

Maude ist eine Nebenfigur, die das Ödland verkörpert. Die drei Jugendlichen treffen sie außerhalb der Kuppel, wo sie mit einem Sauerstoff-Filter lebt. Anfangs sind sie nur wenig angetan von der alten Frau und sehen sie als Last. Im entscheidenden Moment erweist sie sich als große Hilfe.

Die Autorin schafft ein Kollektiv, das die Handlung vorantreibt. Die Figuren haben eigene Interessen und entwickeln sich im Laufe des Buches, zeigen Schwächen und Tiefe. Die Nebenfiguren sind gut integriert, sie fördern das Geschehen, sind aber nie zu dominant.


Schreibstil


Die Autorin schreibt einfach, sodass es für die Zielgruppe gut lesbar ist. Der Stil ist bildhaft und etwas dramatisch, lebensnah.

Gliederung


Das Buch besteht aus fünf Teilen, deren Titel auf den Handlungsschwerpunkt verweisen und Spannung erzeugen. Das Geschehen schreitet aber linear voran.

Innerhalb der Teile findet man Kapitel, die aus Sicht einer Figur geschrieben sind. Die Länge variiert dabei von 1 bis 19 Seiten. Wird die Reihenfolge Alina-Bea-Quinn im ersten Teil eingehalten, ändert sie sich später laufend. Die Autorin nutzt das manchmal, um zwischen den Handlungssträngen zu wechseln, meist wird aber binnen des Geschehens nur die Sicht gewechselt. Zu Dopplungen kommt es nicht.

Schwierig war es, zu erkennen, wessen Sicht man gerade liest, da der Schreibstil bei allen Figuren ähnlich ist. Sie haben keine spezifische Sprache.

Gestaltung


Die Schrift ist so schön groß :P Es handelt sich um eine Serifenschrift mit Tendenz in die Höhe, ca. 6 mm hoch. Die Kapitel sind mit dem Figurennamen in Großbuchstaben überschrieben. Mit Kursivformatierung arbeitet man selten. Durch die vielen Dialoge ist das Buch gut lesbar.

Fazit


Die Idee ist gut, aber es ist ein Jugendbuch. Daher liegt der Schwerpunkt mehr auf den Gefühlen als der Technik. Es ist keine gesellschaftskritische Utopie, sondern eine Geschichte um Liebe und persönliche Weiterentwicklung. Mir war es ein bisschen zu seicht, aber ich mochte die Nebenfiguren. Ich glaube, mehr Prägnanz bei den Charakteren wäre gut gewesen. Insgesamt ist es aber ein unterhaltsames Buch.


Kommentare:

  1. Huhu!

    Das mit den Perspektiven ... hmm ... ja, die waren sich schon ähnlich, aber ich fand es nicht so schlimm, dass ich nicht unterscheiden konnte, aus wessen Perspektive ich die Handlung jetzt erlebe. War also noch okay für mich :)

    Ich fürchte auch, dass du auf das Taschenbuch zum zweiten Band noch eine Weile warten musst. Das Hardcover ist ja noch nicht mal ein Jahr auf dem Markt.

    Liebe Grüße!

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  2. Huhu,
    deine Rezi gefällt mir und ich kann deine Bewertung verstehen, auch wenn ich das Buch als sehr positiv in Erinnerung habe.
    ;)
    Liebe Grüße
    Mandy

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    1. Ich mag das Cover trotzdem und finde den Buchdeckel (ohne Schutzumschlag) sehr stylisch! Könnte ich tatsächlich neben alte Dick-Ausgaben stellen :-)

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