Montag, 26. Mai 2014

Ich war gewesen - Phrase 4

Hallo,

wochenlang begegnete mir diese Veranstaltungsreihe immer wieder, und als ein Freund sagte, er besuche sie regelmäßig, musste ich natürlich auch hingehen. Auch wenn besagter Freund nicht kam, wurde es ein schöner Abend :-)

 

 

 

 

Was ist Phrase 4?


Die Lesebühne wurde von vier Dresdner Autoren ins Leben gerufen und findet jeden dritten Dienstag um 20 Uhr in der Veränderbar statt. Der Eintritt ist frei, ein Hut steht da :-)

In zwei Blöcken lesen die Autoren je einen Text vor. In einem ist eine Phrase versteckt, die bei der vorherigen Veranstaltung festgelegt wurde. Das Publikum muss heraushören, wann die Phrase gelesen wird. Der Gewinner bekommt einen Flasche Wein und darf die nächste Phrase bestimmen.

Die Atmo


Den Raum zu finden ist nicht einfach: Zwar liegt das Gebäude an der vielbefahrenen Görlitzer Straße, man muss aber eine Haustür, eine Hinterhoftür, noch eine Haustür und eine Raumtür überwinden :-) Hat man das geschafft, läuft man durch einen Gastraum, an dessen Ende sich eine Bar befindet. Die Auswahl ist klein, aber ausreichend, und die Preise normal. Gegenüber sieht man das "Wohnzimmer". Die Bühne befindet sich auf einem Podest, liebevoll ausgestattet mit Sofas und Lampen - Nostalgie! Alles wirkt sehr gemütlich, besonders wegen des warmen Lichtes. Die Stühle stehen davor, hinten auch erhöht, und man kann alles gut erkennen. Ich mag den Charme kleiner Lesenbühnen :-)


Die Texte


Francis Mohr begann mit einem Text über Kommisar Kafka und der Frage Urlaub oder Therapie? Herrlich übertrieben und amüsant. Ich wollte danach eine Tafel Schoki futtern, hatte aber keine dabei :-(

Henning H. Wenzel klärte uns über Unterhosen und Menschen auf, die darüber reden. Der Text war stellenweise pikant und spöttisch, aber nie vulgär. Ich mag seinen Vorlesestil sehr gern - der Humor kommt langsam, fast lautlos, angekrochen und bricht dann inmitten seiner brummenden Stimme und klaren Aussprache aus. Während das Publikum lacht, liest er unbeirrt weiter.

Sabine Dreßler las die erste Geschichte aus ihrem Erzählband über Neuseeland vor. Sie berichtet von einem Tatort-Abend, an dessen Ende die Entscheidung steht, Deutschland zu verlassen und ins Unbekannte aufzubrechen. Auch wenn ich die Geschichte etwas lang fand, passte ihr Vorlesestil sehr gut - intelligent und tiefgründig mit einer Prise Ironie, bei der man sich oft, aber nie ganz, sicher ist, ob sie ernst gemeint ist.

Lars Hitzings Protagonist stand an einer Brücke und überlegte, ob er springen sollte. Sehr kluge Gedanken entstanden, und auch hier kam der Humor auf den Flügeln der Absurdität angeflogen. Wirkte anfangs melancholisch, war aber sehr erfrischend.

Nach der Pause las Sabine eine weitere Geschichte aus ihrem Erzählband vor. Ihre Figur nimmt statt des einfachen den schweren Weg und landet einsam und allein im Wald. Dort spürt sie neben Angst und Regen vor allem sich selbst und landet gestärkt am Ende des Weges. Eine sehr positive Geschichte, die durch ihre Ruhe und Nachdenklichkeit besticht. Leider hat der fröhliche Vorlesestil dem Text das Flair genommen, weil er stellenweise ungewollt ironisch klang. Ich empfand das als unnötig - was traurig und beängstigend ist, darf auch so vorgetragen werden :-) Dennoch meine Lieblingsgeschichte, weil ich mich gut mit der Hauptfigur identifizieren konnte.



Francis' Text hatte eine klare Botschaft: Erst denken, dann reden. Besonders, wenn es in Richtung Nationalismus geht. Seine Hauptfigur erklärte seinem Gegner - und dem Publikum - warum der Schlager Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt nicht 'deutsch' ist, obwohl er in Deutschland große Bekanntheit erlangte. Ich fand das sehr mutig, aber auch sehr erhellend.

Henning beschäftigte sich mit dem Promi-Wahnsinn - jeder kann irgendeine Anekdote erzählen, welchem Prominenten er auf kuriose Weise begegnet ist. Ein schöner, amüsanter Text, dessen Thema zwar nicht neu ist, aber gut aufbereitet wurde. Nur die Pointe nach der Pointe war mir zuviel - manchmal muss nach dem Dessert nicht noch der Käse reinpassen :-)

Lars machte Schluss. Mit dem Abend und in seinem Text. Denn er handelt von einer Frau, deren Nachbarin verlassen wird und deswegen alles in ihrer Wohnung säuberlich teilt. Es war sehr lustig zu hören, wie aus dem Spaß eine Passion wird, der alles zum Opfer fällt, was sich halbwegs klar zerlegen lässt :-)

Fazit


Die Texte waren toll, besonders, weil sie skurril, aber nicht brachial auf Humor ausgelegt waren. Die Chemie zwischen den Autoren stimmte und das Publikum hat mitgemacht. Es war eine sehr lockere Stimmung, bei der jeder lachen konnte. Man kann sich den Dienstagabend sicher anders vertreiben - aber nur weniges ist besser als das :P Außerdem kann man den Abend gemütlich in der Neustadt ausklingen lassen!


Kommentare:

  1. Habe meinen Kommentar über Google veröffentlich, Evy.

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  2. oha, danke für die zahlreichen Tipps (Und den gefundenen Fehler :D Hab es direkt geändert). Ich benutze eigentlich nur mein eigenes grammatikalisches Wissen :D Das war auch eher auf die Legasteniker unter uns gerichtet ^^ Aber wie gesagt, Duden werde ich auf jeden Fall noch in den Beitrag schreiben! Danke!

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