Samstag, 24. Mai 2014

"Was Einstein seinem Papagei erzählte" von Christian Hesse

Hallo,

schlagartig folgt Rezi auf Rezi, denn ich habe während meiner Auszeit viel gelesen. Dieses Buch ist jüngeren Datums; ich habe es letzte Woche gekauft und brav gelesen. Anfangs aus Interesse, nach einem Drittel nur noch, damit ich eine Buchkritik schreiben kann :-)







Vom Einstein auf der Holzbank


Wissenschaftliches lese ich relativ selten, obwohl ich das Genre mag. Ich fand schon immer spannend, wie die Welt funktioniert. Und nachdem mir meine Physik-Lehrerin erklärt hatte, wie Teilchen sich bewegen (in Form vom Plastikscheibchen auf Luftpolstern) und aufeinander knallen *bumms*, war meine Leidenschaft für Naturwissenschaften geweckt. Aber irgendwie geriet diese Passion in Vergessenheit, bis...

... ich eines Tages einen Mann auf einer Bank sitzen sah. Er hätte auch Albert heißen können, denn er wirkte ähnlich elegant wie Einstein. Er trug den Kragen stolz gerichtet über seinem Pulli und das Haar wippend zur Seite gescheitelt. Während er dasaß und es nieselte und ich trotzdem neben ihm stand, aber nicht wusste, ob ich mich setzen konnte, betrachtete ich das Buch in seiner Hand. Das Titelbild sah interessant aus - so interessant, dass es den eigentlichen Buchtitel vergessen machte. Piepsend fragte ich, ob ich reinlesen könne, und er reichte mir das Buch. Die Witze waren gut, der Mann weniger (seine Stimme....), und so zog ich nach ein paar Seiten höflich von dannen. Zuhause angekommen begann das große Googlen, das ich mir hätte sparen können, wenn ich - moderner Mensch - das Cover mit dem Handy fotografiert oder den Titel notiert hätte. Aber man kann eine Menge über Einstein und Papageien lernen, während man ein Buch sucht.... Jedenfalls fand ich das Werk irgendwann, suchte einen Buchgutschein, fand ihn, rannte in die nächste Buchhandlung (ok, erst am folgenden Tag....) und kaufte es. Naja.

Allgemeines


Das Buch hat 234 Seiten und ist bei C.H. Beck erschienen. Das E-Book kostet 10 EUR, die Papierversion 13 EUR. Man kann es über die Verlagsseite bestellen oder in zahlreichen (Online-)Buchhandlungen erwerben.


Der Autor


Christian Hesse wurde 1960 geboren und hat Mathematik studiert. Nach seiner Promotion in Harvard lehrte in Berkeley (USA). Seit 1991 ist er Professor an der Stuttgarter Universität.

Hesse hat einige Bücher über Mathematik im Alltag und Schach geschrieben, eine Liste seiner Veröffentlichungen findet ihr auf der Verlagsseite. 

Das Cover

 

Auf weißem Hintergrund sieht man eine leicht unscharfe Schwarz-Weiß-Fotografie von Albert Einstein, auf die ein bunter Papagei montiert wurde. Darüber liest man in Serifenschrift den Autorennamen (rot), den Titel (schwarz) und den Untertitel (rot und kursiv). Ich finde es sehr hübsch - es wirkt klassisch und unauffällig. Ich assoziiere damit wissenschaftliche, fundierte Informationen mit kleinen Gags. Rückblickend passt das nicht zum Inhalt und zur Aufmachung, denn beides ist zu leger.

Auf der Rückseite wiederholt sich zwar der Papagei, ansonsten ist sie ein starker Kontrast zum Titel. Vor einem grau-schwarzen Hintergrund sieht man den Autor - perspektivisch ungünstig - auf einem grauen Bürodrehstuhl. Er trägt einen schwarzen Anzug und die Arme verschränkt. Er wirkt nerdig, aber ernsthaft; für mich ein bisschen zu ernsthaft. Die Formeln auf der rechten Seite knallen unsanft gegen den Buchrücken. Die Schrift des Klappentextes ist orange, was zum Papageien passt. Dennoch wirken Vorder- und Rückseite nicht wie eine Einheit. Vielleicht ein Symbol für den Spagat, der auch im Buch nicht gemeistert werden kann - Lockerheit und Ernsthaftigkeit.

Der Inhalt


In 53 Kapiteln (Einleitung und Bildnachweis nicht mitgerechnet) zeigt der Autor Witze, Anekdoten und Karikaturen aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft und ergänzt sie mit kleinen Abhandlungen über Witze und die entsprechenden Wissensgebiete.

Das große Problem ist: Es ist weder das eine, noch das andere. Es ist keine bloße Aneinanderreihung von Lustigem, das der Autor kommentarlos stehen lässt. Die Zwischenteile sind aber nicht fundiert genug. Die Witze werde ein- und ausgeleitet, aber nicht auseinander genommen; mit manchen Pointen stand ich alleine da. Der Autor reißt vieles an, wird aber selten tiefgründig.

Humor


Diesen habe ich nicht nur an mir selbst, sondern auch an meinen Freunden getestet :-) Ergebnis: Die Witze sind zum Schmunzeln, die Pointen gut und die Inhalte überraschend. Man kann nicht lauthals loslachen, aber die Mundwinkel verziehen. Das kündigt der Autor schon im Vorwort an, in dem er dem Leser drei Witze präsentiert. Könne man über diese lachen, könne man das Buch lesen. Und so war es :-)

Mir sind die Witze stellenweise zu lang und manchmal etwas platt. Außerdem ist einiges bekannt.

Gestaltung


Während sich andere Autoren bis auf ein paar Kursiv-Formatierungen oder Kapitälchen zurückhalten, versinkt dieses Buch im Formatierungswirrwarr.

Das beginnt mit den Kapiteln, die nicht auf einer Extra-Seite beginnen. Da sie selten länger als drei Seiten sind, ist das in Ordnung - aber in Zusammenspiel mit dem Rest ist es nicht gelungen. Der Fließtext ist in einer typischen Serifenschrift notiert. Dazwischen stehen die Witze, kleiner und serifenlos. Außerdem hat jeder eine kursive Überschrift, die auf der gleichen Zeile steht. Da die Witze manchmal eine halbe Seite einnehmen, kann das unübersichtlich werden. Dazwischen stehen in Extra-Kästchen Anekdoten mit serifenloser (wieder anderer...) Schriftart und fetter Überschrift. Der Fließtext geht davor und danach inhaltlich weiter, die Kästchen passen zwar zum Abschnitt, aber nicht zum Inhalt des Zwischentextes. Man muss sich entscheiden, ob man das Kästchen vorläufig überliest oder aus dem Fließtext gerissen wird. Die Karikaturen machen es nicht bessser. Die unterschiedlichen Einrückungen auch nicht.

Ich wollte das Buch zwischenzeitlich an die Wand werfen. Wie kann man nur so nachlässig gegenüber seinen Lesern sein?

Schreibstil


Der Autor schreibt locker, kumpelhaft, und gut verständlich. Ironie schwingt mit. Der Stil ist bekannt und für solche Bücher typisch.

Unschön: Die Übersetzung bei den meist amerikanischen Karikaturen ist manchmal holprig - grammatikalisch ok, aber stilistisch nicht optimal.

Fazit


Ich kann mir gut vorstellen, wie der Autor vor Publikum steht und das Buch vorträgt - denn dazu ist es geeignet. Die kurzen Zwischenstücke passen super und Witze lassen sich ohnehin besser erzählen als lesen. Gedruckt fehlt demBuch die Tiefe und die Ruhe. Man kann sich nicht gemütlich einlesen. Außerdem ist die Formatierung gruslig und das Buch einfach unübersichtlich. Man sollte es aber in der Tasche haben, falls man auf eine Party mit Wissenschaftlern geht :-)


Kommentare:

  1. Hallöchen!
    Ich muss mal sagen, deine Rezension ist echt schön und die Bilder sind der Hammer. Echt gut.
    Alles Liebe,
    Katja

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  2. Na du bist ja eine verrückte :-)
    Sag mal warst du das damals mit Numbers?

    Deine Rezension ist richtig belebend.

    Liebe Grüße und danke für deinen Kommi :-)

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    1. Verrückt.. ja, meine Gehirnwindungen wurden an ungewöhnliche Plätze verrückt :-) Was meinst du mit 'Numbers'? Ich habe das Jugendbuch von Rachel Ward (?) gelesen und ich gucke gerne die TV-Serie :P

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    2. ...da gab es mal ein Video, da hat sich die YTerin das ganze Gesicht mit Buchstaben bemalt :-)
      Ich dachte gestern vielleiht warst du das :-)

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    3. Oh. Nein, das war ich nicht :-) Aber ich hab mich schon für manche Rezi angemalt z.B. "Liebesversuche" :-) Für "Blinde Verführung" habe ich Pralinen gegessen, für "Fake" und "Von tausend Schatten" Buchstaben bzw. Figuren geknetet. Das Leben als Kritiker ist echt furchtbar stressig und nervenaufreibend xD Von den Büchern und ihren Inhalten will ich gar nich anfangen :P

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