Mittwoch, 25. Juni 2014

"Fünf Tode" von Fred Ink

Hallo!

Fred Ink hat wieder ein Wanderbuch losgeschickt und es ist bei mir gelandet :-) Ich freue mich jedes Mal über solche Aktionen, weil man tolle Bücher kennenlernt!









Allgemeines


Das Buch hat 198 Seiten und kostet als E-Book 2,99 EUR, als Papierausgabe 8,40 EUR.

Zum Autor


1980 geboren verschlug es Fred Ink über zahlreiche Umwege nicht nur zur Biologie, sondern auch zu Horrorgeschichten. Diese orientieren sich stark an H.P. Lovecraft, sind aber immer eigenständig und auch für Laien verständlich.

Eine ausführliche Biografie findet ihr hier.

Neben der Romantriologie "Strange Days" und der Erzählung "Das Grauen in den Bergen" war er an der Anthologie "Der ist nur tot" beteiligt

Cover


Das Titelbild möchte man einfach nur knuddeln - es ist samtig und fühlt sich gut an :-) Auch das Motiv ist gelungen: Auf schwarzem Hintergrund liest man, flammenhinterlegt, Titel und Autor. Dazwischen rauchende Köpfe. Ich finde das sehr hübsch, hatte aber immer Angst, dass ich Asche draufgekippt habe (klar, in einem Nichtraucher-Haushalt... ) oder Ähnliches :-)

Auf der Rückseite sieht man ein Rauchzeichen und den Klappentext. Dieser ist leider in einer serifenlosen Schrift gedruckt, was nicht ganz passt.

Inhalt


Tim Reiter kann sie sehen: Die Zarge. Graue, wolkenähnliche Wesen, die Unheil unter den Menschen verbreiten. Immer wieder stirbt er beim Versuch, sie zu vernichten. Aber mit jedem Tod kommt er dem Geheimnis ein Stückchen näher...

Die Figuren


Der Leser begleitet Tim vom Kleinkindalter bis Anfang 20, was der Autor besonders sprachlich umsetzt: In der Jetzt-Zeit spricht Tim sehr umgangssprachlich, fast gossen-mäßig. Er ist ein typischer Held, der seine Familie beschützen und herausfinden will, was ihn quält. Dabei wirkt er manchmal hilflos, aber auch rebellisch. Er ist ein Einzelgänger, der seinen Weg verfolgt, auch wenn ihm an einigen Stellen ein Kollektiv beisteht.

Neben den Zargen als eigentliche Antagonisten gibt es noch die Anhänger einer mysteriösen Sekte, bei denen weder Tim noch der Leser weiß, auf wessen Seite sie stehen. Obwohl die Mitglieder optisch kreativ gezeichnet waren, wirkte die Sekte eher klischeemäßig.

Interessant ist Tims Schwester: Sie ist durch die Zarge krank geworden und steht als Beispiel dafür, dass die Zarge "Keime pflanzen", die lange wachsen und auch später noch Folgen haben. Sie stellt Tims Antrieb dar. Gleichzeitig übt der Autor an ihr Gesellschaftskritik, was mir zuviel war.

Eine tragende Rolle spielt Tims Mitbewohner: Er ist philosphisch gebildet und hat etwas Ruhiges. Er tritt nur kurz auf, hinterlässt aber einen bleibenden Eindruck.

Der Autor schafft ein buntes Kollektiv, das die Handlung vorantreibt und trägt.


Themen


Moralisches Handeln: Das Thema ist nicht neu, wird aber intensiv ausgebreitet. Ist es in Ordnung, Menschen für ihr (un)moralisches Tun zu bestrafen? In welcher Form? Was ist mit Kollateralschäden? Der Autor hat das gut umgesetzt, es hätte aber noch prägnanter sein können.

Oberflächlichkeit: Tims Schwester ist dem Schönheitswahn verfallen und droht daran zu zerbrechen. Und auch der Showdown weist auf dieses Thema hin. Ich finde es einerseits gut, weil es etwas Vertrautes ist, es wird täglich in den Medien diskutiert. Gleichzeitig ist es zu komplex für pauschale Kritik. Ich fand das nicht gut.

Komische Sekten: Auch in unserere heutigen Welt gibt es Menschen, die blindlings einem Anführer folgen und erst zum Schluss begreifen, was sie anrichten.

Psychische Krankheiten: Tim befindet sich seit Kindertagen in psychartrischen Einrichtungen, später in eine betreuten WG. Ich finde es gut, dass einerseits die Frage aufgeworfen wird, wie diese Menschen betreut werden, aber relativ selbstständig leben können. Und gleichzeitig gezeigt wird, dass Menschen nicht dumm sind, nur, weil sie ein seelisches Problem haben.

Spannung und Gruselfaktor

Der Anfang hat mich mitgerissen, was besonders am kleinen Tim liegt - Kinder, die sich verletzen, sind nie schön :-( Außerdem die wolkigen Wesen. Danach tauchten bekannte Elemente auf: Schleimige Tunnel, eine mysteriöse, dunkle Welt und ein Geheimnis. Obwohl ich mir alles gut vorstellen konnte, waren mir die Zarge ein bisschen zu lasch. Ich glaube, Wurmstichig war prägnanter, weil man die Bewohner reden hören konnte. Solche akustischen Eindrücke finden sich weniger.

Ansonsten ist das Buch spannend, die Handlung schreitet schnell voran und passt gut auf die 198 Seiten.


Sprache


Wie nicht anders zu erwarten ist die Wortwahl auch hier sehr gut, ich habe selten Wortwiederholungen gefunden. Die Sätze haben eine angenehme Länge, das Buch lässt sich gut lesen.

Tims Sprache wirkt etwas distanziert, aber das ist ok. Problematisch ist die Umgangssprache - mir war es teilweise zu klischeehaft. Obwohl es eine Abwechslung war.

Struktur


Die Handlung ist geradlinig und aus Sicht Tims geschrieben, wechselt aber stellenweise zu seinen Träumen, in denen er einen andere Perspektive einnimmt.

Die 43 Kapitel sind relativ kurz und gut konsumierbar, durch viele Absätze wird die Lesbarkeit erleichtert.

Fazit


Das Cover ist geil. Sehr, sehr toll. Und auch die Einteilung gefällt mir. Die Grundidee und die Wesen sind toll, aber mir war es stellenweise zu klischeehaft und nicht eklig genug :-) Dennoch: Schreiben kann der Mann. Ouch :P

Kommentare:

  1. Hey schöner Blog!:) Ich mache gerade eine Blogvorstellung,vielleicht hast du ja Lust teilzunehmen?:) würde mich sehr freuen.:) liebe Grüße
    mylifeashiki.blogspot.de

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  2. Tolle Rezension :) ich werde mir das Buch jetzt aufjedenfall ansehen allein schon wegen dem cover :)
    Ich wünsche dir noch einen sonnigen Tag!
    Liebste Grüße,
    Lilly <3 von www.fetch-ing.blogspot.de

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  3. Hallo Evy,

    ein wirklich ansprechender Reziaufbau. "Fünf Tode" befindet sich noch auf meinem SuB. Bisher habe ich noch nichts von Fred Ink gelesen, aber nur Gutes von ihm gehört.

    LG Steffi

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  4. Das freut mich :-) Gibt mir ne Info, wenn du es gelesen hast!

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