Samstag, 28. Juni 2014

Losing it von Cora Carmack

Hallo!

Nach den Kurzgeschichten war es mal wieder Zeit für einen Roman. Ich hatte mich vom schönen Cover blenden lassen und erlebte eine unangenehme Überraschung.









Allgemeines



Das Buch ist im April 2014 bei LYX Egmont erschienen und kostet als Papierausgabe 10 EUR, als E-Book 9 EUR.

Die Nachfolgebände Faking it (erscheint im Oktober) und Finding it (März 2015) beschäftigen sich mit jeweils einer Nebenfigur aus Band 1. Außerdem gibt es die Bonusgeschichte Keeping her ab September.

Die Autorin


Cora Carmack ist eine Mittzwanzigerin, die u.a. am Theater und als Lehrerin gearbeitet hat. Mittlerweile widmet sie sich dem Schreiben und bezeichnet sich als nerdig.

Hier ist der Blog der Autorin: http://coracarmack.blogspot.de/

Cover und Titel


Der Umschlag ist in Blau-Weiß-Grün gehalten und zeigt auf der Vorderseite ein Pärchen. Sie liegt auf der Wiese und zieht ihn zu sich, um ihm liebevoll in die Augen zu gucken oder ihn zu küssen. Ich finde das schön :-) Darauf prangt ein weißes, glänzendes Banner, in das der Titel geprägt ist. Auf der Rückseite ist inmitten eines grün-verschwommenen Hintergrundes der Klappentext abgedruckt, was sehr hübsch ist. Im Inneren findet man eine leider ziemlich lange Inhaltsangabe und eine Kurzbio der Autorin.

Der Buchtitel verwirrt zuerst, stellt sich aber als geniales Wortspiel heraus (das im Deutschen als 'Verlieren ist nicht einfach' sicher ähnlich gut funktioniert hätte...): Blass verliert nicht nur ihre Unschuld, sondern auch ihren besten Freund und kämpft. Der Untertitel Alles nicht so einfach wirkt ziemlich jugendlich, aber naja...

Inhalt


Bliss ist 22 und noch Jungfrau - das soll sich ändern! Auf einer Party trifft sie den gutaussehenden Garrick, der sich drei Tage später als ihr Schauspiellehrer entpuppt. Binnen 300 Seiten müssen die beiden zusammen kommen, Bliss muss ihren besten Freund verlieren und wiederfinden und irgendwann muss sich auch die Jungfräulichkeit geschlagen geben.

Charaktere


Bliss ist schüchtern und leidenschaftliche Schauspielerin, die sich nie zwischen Theaterleitung und Spielen entscheiden konnte. Sie ist gut in ihren Freundeskreis integriert, trinkt gern mit, mag aber keine freizügige Kleidung. Außerdem kann sie nur Nudeln kochen. Garrick beschreibt Bliss als panisch, was auf mich nicht so wirkte. Sie ist manchmal mit Situationen überfordert, was zu lustigen Szenen führt. Bliss ist die typische Studentin, für mich aber zu glattgeschliffen - sie ist Garrick nicht hilflos augeliefert, aber gut kontern kann sie auch nicht.

Garrick ist der schöne, männliche Gegenpart. Er fällt durch seinen britischen Akzent und seine lockigen Haare auf. Garrick ist liebevoll und nett, kann aber besitzergreifend werden. Er hat seine Studienstadt Philadelphia aus persönlichen Gründen verlassen, was ihm etwas Weiches, Ängstliches gibt. Obwohl er dominant wirkt und hübsch ist, ist auch er mir zu... glatt.

Cade ist Bliss' bester Freund, dessen Geschichte in Faking it weitergeführt wird. Er ist ist heimlich in Bliss verliebt, was zu Konflikten führt. Die Beziehung zwischen den beiden ist nur stellenweise spürbar, sie hätte intensiver sein können.

Kelsey ist Bliss' beste Freundin und mag Partys und Männer. Sie bleibt leider etwas blass. Mich stört vor allem, dass Bliss sie manchmal ziemlich abfällig bezeichnet, besonders wegen ihres Lebensstils. Trotzdem erfüllt sie die Rolle der Gefährtin gut.

Der Rest der Figuren bildet ein nettes Kollektiv, bei dem mancher mal mehr, mal weniger hervortritt und das Geschehen an einer Uni untermalt.


Themen


Die Jungfräulichkeit: Bliss hat trotz ihrer 22 Jahre noch nicht mit meinem Mann geschlafen. Das begründet sie damit, dass sich keine Gelegenheit ergab und sie Angst hatte. Ich finde es gut, dass dahinter kein religiöser Konflikt steht, weil dies in den Medien ziemlich ausgebreitet wurde. Mit Bliss' Motiven können sich sicher viele Leserinnen  identifizieren. Mich eingeschlossen, denn ich stand auch mit 22 mit intaktem Hymen da. (Aber ich habe keinen Kerl aus der Disco flachgelegt) Problematisch ist, dass das Vorspiel für Bliss entspannt ist; sie entdeckt und wundert sich, verspürt aber da keine Angst. Nur als es zum Akt kommt. Dort sind wiederum Schmerzen dargestellt, was sehr real ist. Insgesamt ist das Thema ein bisschen idealistisch beschrieben; es gibt reale Ansätze, aber ich hätte mir gewünscht, dass das Thema mehr ausgebreitet wird - besonders, weil Bliss kein Teenager mehr ist und eine erwachsene Sicht interessant ist.

Autoritäten: Ich habe das Buch auch wegen diesem Konflikt gekauft, aber er wurde nur wenig ausgebreitet. Im Theater geht man lockerer miteinander um und Lehrer können auch oft unverhofft in Bars auftauchen... Es ist schade, dass Bliss zwar immer Angst hat, dass die beiden erwischt werden, aber nichts passiert.

Freundschaft: Was macht man, wenn der beste Freund in einen verliebt ist? Die Autorin beschönigt nichts und zeigt, dass sich die Beziehnung verändert. Es ist nicht mit einem Sorry getan, sondern dauert.

Das Theater: Die Schauspielschule ist der Handlungsort, daher berichtet die Autorin ausführlich von Stücken und Gepflogenheiten. Atmosphäre kommt auf, könnte aber intensiver sein. Der Versuch, das Stück im Buch mit der Handlung in Verbindung zu bringen, glückt nicht ganz, weil ich das Stück nicht kannte und mich erst reindenken musste. Hier hätte man etwas Bekanntes nehmen sollen.

Die Erotik


Bliss ist geil. Sie möchte ständig über Garrick herfallen, sodass die Erregung oft steigt. Aber es kommt nicht zum Höhepunkt. Das hat mich irritiert. Außerdem beschreibt sie zwar ausführlich, wie ihr Körper reagiert, das aber sehr blumig - sie ist elektrisiert usw., aber nicht erregt. Man liest nie, dass sie feucht wird oder Garricks Penis hart wird. Das finde ich unrealisistisch, weil es eine Reaktion ist, die auftritt und irritiert, wenn man unerfahren ist. Vielleicht wollte die Autorin bewusst romantisch, aber nicht pornomäßig sein. Ich fand das nicht gut.

Technisch passiert nicht viel: Man begnügt sich im Bett, Garrick küsst sie auf Parkplätzen, hinter der Bühne, in der Gardarobe und im Hörsaal. Es war anregend, aber nicht erregend und nicht kreativ genug.

Schreibstil


Die Autorin schreibt locker und manchmal sehr umgangssprachlich, besonders, wenn Bliss überfordert ist. Das macht das Buch außergewöhnlich, weil es real wirkt und nicht übertrieben. Trotzdem wäre mehr gut gewesen.

Ich habe übrigens einen Tippfehler gefunden *Jägerin*.

Gliederung und Gestaltung


Die 28 Kapitel plus Epilog sind gleichmäßig auf 293 Seiten verteilt und dank vieler Absätze gut lesbar. Die Kapiteltitel-Schrift orientiert sich an der Titelschrift, ist aber etwas groß und passt nicht richtig.

Fazit


Das Buch war eine herbe Enttäuschung. Der Stil ist nett und das Cover wundervoll, aus der Grundgeschichte hätte man aber mehr machen können. 


Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Hey, danke für deinen Kommentar, ich hab mich sehr darüber gefreut.
    Und hier die Antwort auf deine Frage: Ich finde das bei allen Bildern, die von Pinseln gemacht werden, die Pinselhaare fokusiert werden, doch ich fand das dies so auch gut aussah. Ich würde mich sehr über eine Antwort darauf von dir freuen, gerne kannst du mir auch eine e-mail schreiben. :-)

    Liebe Grüße, Svenja
    http://sg-photographie.blogspot.com/

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    1. Danke, die Frage wurde beantwortet - deine Begründung leuchtet ein xD

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  3. Hey!
    Ich kann deine Bewertung des Buches nicht teilen. Was du beschreibst und gerne gelesen hättest wäre eher passend für einen Erotikroman und in meinen Augen für einen Young Adult Roman zum Teil doch überzogen gewesen. Ich fand die Mischung hier gerade richtig. Man spürt Bliss Unsicherheit in Bezug auf Männer sehr deutlich.
    LG
    Yvonne

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    1. INterssant, dass es andere Meinungen gibrt und auch deine Argumente kann ich nachvollziehen. Aber mich stört genau das: Die Erotik ist da - massenhaft. Aber sie ist nicht realistisch. In krassen erotischen Geschichten übrigens auch nicht - würde ja die Erotik killen. Und die Charakter waren mir zu eindimensional. Aber du hast recht. Vermutlich gehört das zum Genre.

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    2. Hm... ich lese gerne mal erotische Romane, vor allem von Alexa MacNight, und als unrealistisch habe ich bislang keinen davon empfunden. Klar, nicht alles, was ich da lese möchte ich selber in meinem Schlafzimmer ausprobieren, das ist ja selbstverständlich, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gefällt. Die Romane von Alexa sind in meinen Augen zumindest sehr erotisch und ziemlich realistisch. Kann ich dir nur empfehlen.

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    3. Du hast recht, vieles ist durchführbar - ausgenommen, die Geschichte spielt in der Zukunft :-) Aber meistens scheitert es an den Beteiligten - es muss nich nur jemanden geben, der eine Fantasie hat, sondern auch jemande,n, der mitmacht :-) Über Alexa habe ich viel Gutes gehört - irgendwann werde ich sie mal lesen!

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