Mittwoch, 11. Juni 2014

"Warum Enten Dialekt sprechen" von Karl Kruszelnicki

Hallo,

ich habe mich getraut! Nein, ich habe nicht geheiratet (mein Computer weigert sich hartnäckig :-( ), sondern habe ein Rezensionsexemplar beim Piper-Verlag angefordert - und es hat geklappt :-)








Gelbe Enten in grünen Regalen


Das Buch gefunden habe ich, als ich das Wissenschaftler-Witze-Buch gesucht habe. Gut sichtbar hatte es der Buchhändler im Regal platziert, damit es jedem mit seinem knallgelben Cover entgegen springt. Außerdem war der Titel witzig. Das erste Reinlesen ergab einen gemischten Eindruck: Die Kapitel kurz und knackig, die Themen nicht neu, aber interessant. Doch die Übersetzung irritierte mich; als Sprach-Fanatiker mag ich es nicht, wenn Bücher Wörter enthalten, die es meiner Meinung nach nicht gibt. Daher habe ich es zurück gestellt. Zuhause ließen mich die Entchen nicht los, und ich beschloss, dem Buch noch eine Chance zu geben. Da es nicht in der Bibliothek zu finden war, habe ich panisch und verpeilt das Formular auf der Verlagsseite ausgefüllt. Innerlich hatte ich mich auf eine Absage eingestellt, weil ich nicht so groß bin. Aber dann kam drei Tage später ein Päckchen :-)

Allgemeines


Das Buch hat 240 Seiten und kostet als Papierversion 10 EUR. Man kann es in vielen Buchhandlungen und auf Amazon kaufen.

Die deutsche Ausgabe wurde 2013 veröffentlicht, das englische Original 2004.

Einen Auszug dazu habe ich auf Google gefunden, außerdem sind einige Texte auf der Webseite von ABC veröffentlicht. Dort hat Dr Karl seine Kolumne.

Der Autor


Karl Kruszelnicki wurde 1948 in Helsingborg als Sohn polnischer Holocaust-Überlebender geboren. Später zog die Familie nach Australien, wo Kruszelnicki Mathe und Physik sowie Medizin studierte. Seit Beginn der 80iger Jahre tritt er in Fernsehen, Funk und in Kolumnen auf.

Dr Karl hat insgesamt 33 Bücher veröffentlicht, von denen leider nur wenige auf Deutsch erschienen sind z.B.

Dr. Karls neue Geschichten aus der Wissenschaft: oder Warum Hühner nicht auf Pink Floyd stehen (2007)
Dr. Karls Geschichten aus der Wissenschaft: oder Wie Telefone Fische fangen (2005)
Wie Telefone Fische fangen: Dr. Karls kuriose Geschichten (2004)

Übrigens hat Dr Karl den Ig-Nobelpreis für seine Forschung über Bauchnabelfusseln bekommen :-)

Hier ist seine Internetseite.
 

Cover


Das Titelbild finde ich wunderschön, es ist witzig und macht gute Laune :-) Das Sonnengelb strahlt den Leser an, die Enten auf der Leine, die unterschiedliche Quak-Versionen "sprechen", sind witzig und die orangene Schrift fügt sich harmonisch ein. Das findet sich auch auf der Rückseite wieder. Der Klappentext in Schwarz passt, nur das Spiegel-Zitat finde ich schwammig - eine nette Alliteration, aber... man hätte es nicht zitieren müssen :-)

Inhalt


Der Autor geht ca. 50 Irrtümern aus unserem Alltag auf den Grund. Einiges ist bekannt z.B. über die Blackbox, Ventilatoren oder Schokolade, anderes neu. Die Bandbreite ist sehr groß, ich fand die meisten Themen interessant.

Wissen


Ich dachte, ich wüsste über die meisten Irrtümer bescheid - das war ein Irrtum (den ich sogar beweisen kann, denn in den meisten Frage-Spielen zu diesem Thema bin ich gut). Der Autor stellt nicht nur die Behauptungen richtig, sondern erklärt auch, wie es dazu kommen konnte. Es ist erstaunlich, welcher Blödsinn sich verbreitet hat :-)

Spannend fand ich z.B., dass Raucher ihre Nikotin-Dosis unbewusst kennen und bei starken Zigaretten weniger, bei schwachen mehr ziehen. Auch die Entstehung des Uluru oder warum die Hindenburg nicht aufgrund des Wasserstoffs gebrannt hat, war sehr interessant!

Insgesamt habe ich eine Menge gelernt!

Schreibstil


Das Buch ist verständlich geschrieben und wirkt ernsthaft - manchmal werden Witze eingestreut, man muss schmunzeln, aber die Fakten sind wichtiger als der Humor. An einigen Stellen wäre eine Grafik zur Veranschaulichung gut gewesen (wie im Original). Ich kann mir Sachverhalte besser vorstellen, wenn ich ein Bild sehe, sodass manche Dinge unklar geblieben sind. Worte haben nicht ausgereicht.

Die Gliederung der Kapitel ist nicht immer gelungen. Dr Karl findet einen Anfang, aber kein Ende. Oft fügt er, obwohl das Kapitel abgeschlossen ist, noch Fakten ein. Man ist gedanklich schon in der Ausleitung und auf einmal fordert er unsere Aufmerksamkeit. 

Die Übersetzung fand ich stellenweise unkonkret bzw. unglücklich ausgedrückt. Heart rate wird mit Herzrate übersetzt, was zwar im Online-Wörterbuch zu finden ist, aber nicht im Duden. Ich kann mir unter diesem Wort nichts vorstellen, tendiere aber zu Puls. Ob Kreislaufschwäche eine Ursache für Cellulite ist, weiß ich nicht - aber ich kann die Bilder umkippender Menschen nicht mit denen von Dellen an Oberschenkeln in Einklang bringen. Wie man poor circulation passend ins Deutsche übeträgt, konnte ich nicht rausfinden. Vielleicht wäre eine Umschreibung besser gewesen?

Als Laie im Übersetzen aber Freundin der deutschen Sprache empfinde ich die deutsche Version grammatikalisch korrekt, aber stilistisch nicht optimal .

 Gliederung und Gestaltung


Die Kapitel sind 3 bis 6 Seiten lang und damit leicht konsumierbar. Außerdem beginnen sie auf einer Extra-Seite, was ich gut finde. Die Überschriften sind in einer serifenlosen, etwas lang-gezogenen Schrift gedruckt, die mich an eine Fineliner-Linie erinnert - sie hat etwas Lockeres, ohne zu übertrieben zu sein. Darunter befindet sich ein Strich, danach kommt der Text. Mich hat diese Linie beim Lesen gestört, weil sie durch die Seiten scheint. Außerdem wirkt sie sehr hart. Manchmal sind die Kapitel in Abschnitte unterteilt, die mit einer Zwischenüberschrift abgegrenzt sind. Hier ist die Schrift sehr locker. Das war für mich ein zu starker Kontrast. Der Text selbst hat zwar wenige Leerzeilen, aber einige Absätze, sodass man ihn gut lesen kann.

Das Inhaltsverzeichnis finde ich etwas gequetscht und leer. Die Kapiteltitel sind fein säuberlich untereinander notiert, fünf Millimeter daneben die Seitenzahl. Das hat den Vorteil, dass man die Seiten schnell findet, aber das Bild ist nicht so hübsch.

Sehr gut ist das Quellenverzeichnis am Ende - geordnet nach Kapitel sind alle Bücher und Studien aufgelistet.


Fazit


Man kann sich das Buch ins Regal stellen oder an die Wand hängen und hat jeden Morgen gute Laune :-) Es beinhaltet interessante Geschichten, die leicht konsumierbar sind. Die fehlenden Grafiken und die holprige Übersetzung stören das positive Gesamtbild nur wenig. Mag ich :-)

Ein großes Dankeschön geht an den Piper Verlag, weil sie das Buch nicht nur veröffentlicht haben, sondern ich es lesen durfte :-)






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