Donnerstag, 17. Juli 2014

Evy in Paris - Teil 4 - Ende, Sonstiges und Fazit

Hallo!

Manchmal muss man bekloppte Dinge tun oder sich Träume erfüllen - das habe ich getan :-) Ich bin nach Paris gefahren. Und... für mich war es etwas sehr Entspanntes, sehr Natürliches, eine schöne Stadt jenseits des Glamours.








Ich habe den Beitrag in vier Teile geteilt:

Teil 1 - Hinkommen
Teil 2 - Galeries Lafayette, Louvre und Jeu du Paume
Teil 3 - Eiffelturm, Architekturmuseum und Champs-Elysées
 

 Tag 3


Am letzten Tag konnte ich meinen Traum vom Mini-Shopping-Trip doch noch realisieren - bei der französischen Klamottenkette Jennyfer kaufte ich ein Prinzessinen-Kleid und ein T-Shirt. SommerSchlussVerkauf *es lebe die Nostalgie!!!* sei dank sogar relativ günstig :-) Danach bin ich gelaufen und gelaufen und hab mich irgendwann zum Gare de l'Est begeben. Nachdem ich festgestellt hatte, dass man nicht überall bei Starbucks kostenlos surfen kann, setzte ich mich vor den Bahnhof und genoss die Luft. Dann war es Zeit für den Abschied :-)


Sonstiges


Die Metro

Ich habe gehört, dass Paris eine der unübersichtlichsten U-Bahn-Systeme hat - kann ich nicht bestätigen. Nachdem ich bereits die dunklen Gänge Wiens und Berlins, mit dem Super-Chaos am Alexanderplatz, erlebt habe, fand ich mich in Paris gut zurecht. Einziges Problem: Man löst seine Fahrkarte am Eingang der Station - und kann, wenn man am falschen Gleis steht, nicht einfach zurück, sondern muss einen Umweg über den Ausgang gehen. Außerdem sind die Durchgänge nicht sehr kofferfreundlich.

Die Wagen gefallen mir sehr gut - da sie nicht so grell sind wie in Berlin, sondern eher bläulich, fühle ich mich dort sehr wohl. Allerdings sind die Sitze auch nahe der Türen, was ich etwas ungemütlich finde.

An einigen Bahnhöfen sind die Gleisen mit Plastikwänden gesichert, damit niemand vor einem Zug landet. Das hat mich anfangs irritiert, funktioniert aber gut - die Bahnen halten an den richtigen Stellen. Die Bahnhöfe selbst wirken etwas alt, haben aber Sitzflächen und manchmal auch Getränkeautomaten :-)

Übrigens verkehrt die Bahn meistens unterirdisch. Und das Netz ist nicht so dicht, wie ich gehofft hatte - meistens musste ich eine Haltestelle suchen. Diese sind auch nicht einfach zu finden - die Eingangsschilder sind schön nostalgisch, aber weiße Schrift auf blauem Grund (wie in Berlin und München?) fällt mehr auf.

Die Sprachbarriere

Das Klischee lautet, dass Franzosen alles ignorieren, was nicht französisch spricht. Dem ist nicht so. Wenn man sich bemüht, ein paar Brocken zu reden, mögen sie einen. Außerdem ist Paris eine Touristen-Stadt, sodass man auch mit Englisch weit kommt. Interessant ist, dass jüngere Leute nicht besser Englisch können, ganz im Gegenteil: Sie sind genauso unsicher wie wir :-)

Ich hatte in der Schule fünf Jahre Französisch und habe seitdem nichtmehr gesprochen. Mein Französisch reicht für Wikipedia, aber mehr nicht :-) Trotzdem klappte es gut, praktischerweise mag ich das Wort chercher (suchen) - daher ging mir Je cherche... (Ich suche...) so leicht über die Lippen, dass man dachte, dass ich gut Französisch spreche :-) Ich mag den Klang der Sprache sehr! Trotzdem hätte ich mehr üben sollen... Letztendlich habe ich leidenschaftlich eine Mischung aus Englisch und Französisch gesprochen :-)


Afrikaner

Paris war für mich ein kleiner Kulturschock - denn ich haben noch nie so selbstverständlich soviele Menschen mit dunkler Hautfarbe über die Straße gehen sehen. In Dresden findet man meistens Mitbürger mit asiatischen oder osteuropäischen Wurzeln. Dank zahlreicher Filme und der Tatsache, dass viele französisch sprechen, wirkten sie sehr freundlich. Und mich hat auch keiner dumm angemacht oder so - ich hab sie nicht als bedrohlich empfunden. Aber es war ungewohnt. Gleichzeitig macht es mich traurig, dass viele der Straßenverkäufer vermutlich aus Afrika kommen und es noch nicht nach oben geschafft haben. Vielleicht irre ich - vielleicht ist das Verkaufen von Frankreich-Souvenirs ein lukratives Geschäft. Aber auf mich wirkten sie verzweifelt. Und Deutschland ist besser. Ich fühle Beklemmung, wenn ich höre, dass Deutschland bessere Lebensbedingungen als Frankreich bieten soll. Denn wir haben soviele kleine Probleme; es existieren Vorurteile und Ängste auf allen Seiten... Jedenfalls hat mich das zum Nachdenken angeregt :-)



Unschönes - man hat mich beklaut

In der U-Bahn zum Hotel, ich war keine fünf Minuten in Paris, hat mir ein junger Mann gesagt, dass ich gut auf meine Taschen aufpassen und immer alles im Auge behalten soll. In der U-Bahn hat man mich nicht beklaut. Dafür auf offener Straße - eine indisch-aussehende Mädchengang hat in meinen offenen Stoffbeutel gegriffen und einen Tafel Schokolade erbeutet. Sie haben mich von hinten überrascht und meinen Schock genutzt, um reinzugreifen. Ich war sehr geschockt und finde es auch jetzt noch sehr gruslig. Es war eine Mischung aus Hände weg von meinem Zeugs! und Übertreibst du nicht? Ich komme aus einer kleinen Stadt und selbst in Berlin habe ich nie so etwas Dreistes erlebt. Natürlich sind zwei Euro wenig für die große Lehre, die ich daraus gezogen habe - aber schade um die Schoki. Die ihnen nichtmal geschmeckt hat - hätten sie genauer hingeguckt (und mir Zeit zum Reagieren gelassen...), hätten sie gemerkt, dass Ingwer-Schoki keine gute Wahl ist... Danach habe ich alle Einkäufe sorgfältig verstaut und alles bewacht.

Die Musik


Meine Lieblingsbeschäftigung im Hotel war Fernsehen - ich hab zur Entspannung gern französische Video-Clips geguckt, weil ich den Klang mag. Erstaunt hat mich, dass die Sprache austauschbar ist - die Lieder klingen poppig und locker und könnten genauso auf Englisch laufen. Wenn ich an deutschsprachige Musik denke, verknüpfe ich damit ruhige, sentimentale Songs oder Rap, manchmal auch Reggae. In der Muttersprache kann man Dinge direkter ausdrücken, sie wirken emotionaler - und davor hat man manchmal Angst. Ich mag die Selbstverständlichkeit, mit der Lieder auf französisch gesungen werden. Allerdings habe ich den Druck gespürt, auf dem Weltmarkt mitzuhalten und englisch zu sprechen - in einigen Liedern findet man englische Passagen, was ich sehr schade finde.

Jedenfalls habe ich den Montag nach meiner Rückkehr damit verbracht, alle Clips im Internet zu suchen, die mich begeistert haben - und hier sind sie!

Tal - L'international

Tal ist eine isrealisch-französische Sängerin, die 1989 geboren wurde. Ich mag den Song wegen dem Jazz-Reggae-Flair und dem anklagenden Songtext - der Typ hat sie nicht gut behandelt. Ein Lied, zu dem ich gerne groove xD Nur die englische Passage hätte nicht sein müssen...

TAL -- A L'International - MyVideo

Yannick Noah - On court

Yannick Noah wurde 1960 geboren und hat bis 1991 erfolgreich Tennis gespielt. Danach war er als Trainer aktiv und widmete sich seiner Gesangskarriere. On court (Man rennt) ist ein entspannter Soul-Funk-Song darüber, dass das Leben so schnell läuft und man mal innehalten und genießen soll.



La Bande a Renaud - Dès Que Le Vent Soufflera

Das Projekt besteht aus 14 Künstlern, u.a. Carla Bruni, die Lieder des französischen Chansoniers Renaud gecovert haben. Bei diesem Song mag ich das Gemeinschaftsgefühl - 14 Leuten singen ein Seemannslied :-)

La Bande A Renaud -- Dès Que Le Vent Soufflera - MyVideo







Coeur de Pirate - Mistral Gagnant


Die Singer-Songwriterin wurde 1989 in Montreal geboren und hat 2008 ihr Debutalbum veröffentlicht. Ich finde ihre Stimme einzigartig, ein bisschen brüchig, gegerbt, und trotzdem hoch und mädchenhaft. Das Lied stammt ursprünglich von Renaud und wurde für das o.g. Projekt La Bande a Renaud neu aufgenommen. Der Titel bezeichnet übrigens eine französische Süßigkeit, die für den Erzähler das Symbol ist, dass alles vergänglich ist - vor allem die Zeit mit seiner kleinen Tochter. Kinder werden erwachsen.




Corson - Raise me up


Der französische Sänger wurde Ende der 70iger Jahre geboren und ist noch ziemlich unbekannt. Sein Debut-Album The Rainbow erschien im Mai und enthält viele englischsprachige Songs. Ich mag seine Stimme sehr, sie ist relativ hoch und hat einen schönen Nachklang :-) Leider ist der Refrain in diesem Lied auf Englisch, sodass der Kontrast zwischen den Sprachen zu krass wirkt. Was soll's - angucken reicht :P




Fazit

Paris ist eine schöne Stadt - vor allem sehr ruhig. Die Stadt schien mich freundlich  zu empfangen wie eine alte Freundin - sehr tolerant und nett. Paris riecht so frisch - wenn die Restaurants morgens nicht das Wischwasser und anderes in die Kanalisation kippen und es nach Ausscheidungen riecht... Es ist eine Großstadt, in der es auch unschöne Ecken gibt, aber ich fühle mich sehr wohl. Vom Zauber, von dem man aus den Medien hört, habe ich nicht viel gesehen - was mich irritiert. Vielleicht ist sie aber genau das: Eine Stadt, in die man sich nicht verknallt, sondern verliebt? Die alten Gebäude gefielen mir sehr gut, mit den Parkanlagen werden ich mich scheinbar nie anfreunden :-) Vielleicht ist die Stadt aber ein bisschen zu perfekt? Zu überlaufen, vor allem mit Souvenier-Verkäufern? Ich weiß es nicht.

Paris ist cool, aber irgendwann will ich mal Landschaft sehen :P


Kommentare:

  1. Respekt dass du dich getraut hast, dieses Abenteuer zu erleben :)
    Lg, Lara

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    1. Danke :-) Aber das schlimmste war, ins Reisebüro zu gehen und später darauf zu warten, dass es losgeht :P

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  2. Es ist spannend, wie unterschiedlich man eine solche Stadt erleben kann. :-)
    Ich liebe gerade die Plätze, insbes. den Place des Vosges im Marais. Und die vielen Cafés sind auch toll.
    Super, dass du dich getraut hast.
    Gruß,

    Vera

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    1. Im Place des Vosges war ich leider nicht und ich habe kein einziges Cafe besucht - ich hab mich nich reingetraut bzw. war zu beschäftigt - ich wollte soviel erleben xD

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  3. Was für ein schöner Reisebericht, macht Lust, das Abenteuer auch mal zu wagen. Mein bisher einziger Besuch in Paris war vor vielen vielen Jahren - als Eurodisney eröffnet hat, ich noch ein Schulkind war und wir mit der Familie im Wohnwagen einen Zwischenstopp dort einlegten. Von uns 6 Personen sprach weder jemand Englisch noch Französisch und auch auf dem Stadtplan war alles mit Französischen Bezeichnungen eingezeichnet. Doch auch als Kind kann man sich behelfen - Zettel und Stift in die Hand und den Eifelturm flink aufgemalt und jemanden mit dem Stadtplan in der Hand danach befragt. :)
    Und meine Eltern waren inzwischen dabei am Straßenrand parkend Spaghetti für alle zu kochen *lach*

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    1. Coole Geschichte! Auf die Idee wäre ich gar nich gekommen!

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  4. Danke für den ausführlichen Bericht! Ich vermisse Paris so sehr, war das letzte Mal 2007 dort. Also vor einer gefühlten Ewigkeit. Und wieder habe ich etwas, das ich anschauen möchte. Es scheint in dieser Stadt kein Ende zu nehmen. So oft ich dort war, ich habe noch lange nicht alle schönen und interessanten Ecken gesehen. :-)

    Liebe Grüße
    Deborah

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    1. Paris ist einfach nett :P Was gefällt dir besonders?

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  5. Liebe Evy,

    zum Glück war es nur eine Tafel Schokolade, die man dir geklaut hat! Da hast du ein kleines Abenteuer erlebt. Mein Französisch ist nur noch rudimentär. Es ist halt mehr als 30 Jahre her. Ich verstehe aber noch das Meiste, mit dem Antworten ist es halt schwer.

    Ich mag das Flair in Paris, die Parks, den Montmarte, die kleinen Cafés mit meinen heiß geliebten Croissants, den Friedhof Père Lachaise mit den berühmten Gräbern z.B. von Jim Morrisson (Doors), den Flohmarkt. Tolle Stadt!

    Liebe Grüße
    Renate

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    1. Auf dem Friedhof war ich leider nicht und mit Croissants komme ich nur bedingt klar - manchmal essen ist ok, aber nich jeden Morgen :-) Ich will defintiv nochmal hin!

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