Freitag, 11. Juli 2014

"Im Bann geheimer Wünsche" von Portia da Costa

Hallo,

dieses Buch lag ewig bei mir rum, bis es beim Aufräumen wieder hervorgepurzelt ist. Gekauft habe ich es irgendwann in der Buchhandlung im Leipziger Hauptbahnhof (wo sonst?). Die Geschichte hat mich gereizt und es wirkte leicht lesbar. Leider war auch dieses Buch eher enttäuschend.



Allgemeines


Das Buch hat 304 Seiten und kostet als Papierversion 9 EUR, als E-Book 8 EUR. Irreführend ist, dass der englische Titel In too deep in der E-Book-Version mit Komm für mich übersetzt wird, in der Papierversion aber Im Bann geheimer Wünsche lautet. Auch das Cover ist unterschiedlich. Da ich die Papierversion habe, bezieht sich meine Rezension nur darauf.

Die Autorin


Portia da Costa veröffentlicht seit 1990 Bücher und hat mittlerweile über 25 Romane und mehr als 100 Kurzgeschichten verfasst. Ihre Bücher wurden u.a. auf Japanisch, Spanisch und Norwegisch übersetzt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und vier Katzen lebt sie in West Yorkshire (Großbritanien)

 Cover


Das Titelbild hat eine gelb-braune Tönung und zeigt einen glitzernden Gürtel. Titel und Autor sind in verschnörkelter und in streng-altmodischer Schrift gedruckt. Obwohl beide auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, ergänzen sie sich gut - der Titel ist gut lesbar und wirkt einzigartig.

Der Klappentext auf der Rückseite ist leider serifenlos gedruckt, was nicht passt.

Inhalt


Die schüchterne Bibliothekarin Gwendolynne findet einen Brief von Nemisis, der ihr schreibt, was er mit ihr tun möchte - schmutzige, schmutzige Dinge. Im Laufe des ersten Drittels bringt er sie per Chat und Brief dazu, Grenzen zu überschreiten, indem sie z.B. ohne Slip zur Arbeit geht. Außerdem ist die fasziniert von Daniel Brewster, einem ruhigen Geschichtsprofessor, der in der Bibliothek für ein neues Projekt recherchiert. Die beiden kommen zusammen und Gwen fragt sich, ob Nemisis Daniel ist. Die Antwort dieses verkrampften Spieles wird nicht eindeutig formuliert, ist aber ziemlich schnell offensichtlich.

Charaktere


Gwen wirkt anfangs sehr entschlossen und prinzipientreu, sie macht ihre Arbeit gewissenhaft und hat Spaß daran. Das fand ich sehr gut - Gwen hatte Farbe. Danach verstrickt sie sich in der Frage, wer Nemisis ist und hat rollentypisch Freude daran, Grenzen zu überschreiten und sich von Daniel verhauen zu lassen. Die Figur hat vieles genossen, ihr fehlte aber die Stärke.

Daniel lebt zurückgezogen, hat aber eine dunkle Seite. Er sitzt oft in den Kellern der Bibliothek und liest Bücher, manchmal steht er auch in einen Nebenraum und rasiert oder mastrubiert. Seine Rolle ist gut angelegt: Er ist das unschuldige Wesen, das im Bett seine dunkle Seite rauslässt und die Frau ordentlich... beglückt. Allerdings bleibt er blass. Er ist eben nur das Objekt der Begierde Gwens.

Spannung


Die Geschichte hätte Potential gehabt, wenn der Schwerpunkt auf der Aufklärung von Nemisis Identität gelegen hätte und nicht auf dem Sex. Denn es wird schon sehr früh klar, wer Nemisis ist und auch wenn man als Leser die ganze Zeit auf eine wörtliche Bestätigung wartet, begnügt sich die Autorin damit, Gwen glauben zu lassen. Das Motiv, das Spannung erzeugt, wird nicht ausgeführt, sondern läuft aus.

Erotik


Einige Szenen sind reizvoll, z.B. als Gwen nach Nemisis Aufforderung einem Mann ihre Vagina zeigen soll oder Daniel im Park verführt. Außerdem gibt es etwas Voyeuristisches - Gwen beobachtet einen Bekannten beim Sex in einer dunklen Ecke. Das Hauptmotiv ist aber - mal wieder - SM. Daniel haut Gwen und diese hat Spaß. Ich hab nichts gegen diese Technik, aber sie ist abgegriffen.

Insgesamt sind manche Szenen durchaus erregend, oft aber ziemlich banal.

Schreibstil


Das Buch ist flüssig und leicht lesbar. Viele bildhafte Vergleiche unterstreichen die weibliche Perspektive, der Text wirkt beobachtend und sentimental.

Struktur


Das Beste am Buch ist der Einstieg: Gwen beobachtet Daniel vor dem Spiegel, danach wird das Geschehen zum Anfang gespult und erzählt. Der Leser bekommt ein kleines Appetithäppchen am Anfang :-)

Das Buch hat kein Inhaltsverzeichnis, aber 16 Kapitel, die unterschiedlich lang sind. Die Titel sollen Spannung erzeugen und lustvoll wirken, sind es aber nicht. Man verwendet durchgängig eine Schrift mit Serifen, in Nemisis Briefen bzw. den Chats verwendet man Kursivschrift und Großschreibung.

Fazit


Das Buch hat eine interessante Geschichte, versinkt aber in Klischees.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)