Dienstag, 22. Juli 2014

Montagsfrage - Mit welcher Romanfigur wärst du gerne befreundet?

Rote RoseHallo,

eigentlich hatte ich nicht vor, dieses Woche etwas zur Frage von Libromanie beizutragen, aber dann hat mich Estel90 inspiriert - und hier ist meine mehr oder weniger konkrete Antwort :-)








Eigentliche Frage


Mit welcher Romanfigur wärst du gern befreundet?

Eigentliche Antwort


Gar keiner. Das Ziel von Romanen ist ja nicht, Figuren als ideale Freunde hinzustellen. Und selbst real könnte ich nicht nach 10 Stunden (Lesezeit) entscheiden, ob ich jemanden als Freund, guten Bekannten oder Zielscheibe für schlechte Tage haben wollte.

Abgeleitete Frage


Mit welcher Figur würdest du gerne mal einen Kaffee trinken?

Abgeleitete Antworten


Das Kollektiv aus Der Vulkan: Ich stelle es mir sehr interessant vor, in einem kleinen Pariser Cafe zu sitzen, Kakao zu schlürfen und politsch-intellektuelle Gespräche über die Weltlage zu verfolgen. Nebenbei die kleinen Trauerspiele verkrachter Existenzen zu hören, aber selbst nicht involiert zu sein. Soviel Cleverness auf einen Haufen, gleichzeitig der Zusammenhalt, der alle Figuren aufgrund der Lage zusammenschweißt... Ich finde die Mischung einfach sehr, sehr spannend! Einziges Problem: Paris war um 1940 nicht so sicher, die Angst allgegenwärtig - ginge also nur mit Zeitmaschine. Ernsthaft: Ich stelle mir das Flair sehr intessant vor und verehre den Roman :-)

Elena aus Im Delta der Venus: Auf ihrer Reise durch verschiedene Männer und Frauen und vor allem der Suche nach sich selbst landet die Figur als Nins Kurzgeschichte in einem Atelier einer Freundin. Stelle ich mir sehr interessant vor: Eine große Halle mit Stuck an den Wänden, goldenen Geländern, darin eine Mischung aus gut gekleideten Menschen und Künstlern, die in kleinen Gruppen über Kunst reden, Cocktails schlürfen und sich Exzessen hingeben. Sich inmitten dessen auf einen Sitzsack zu setzen, zu beobachten, philosophische Gespräche über Kunst zu führen, körperliche Gespräche über weibliche Erregung zu führen, danach ein Häppchen zu futtern und weiter zu plaudern - sehr cool!

MedienetageChris Grey aus Shades of Grey: Die Figur ist vermutlich die softe Version von Männern, die einem nicht guttun. Deswegen würde ich mir mit einem Blogartikel und Hartnäckigkeit sowie ein paar gut gesicherten Daten *Jagdtrieb* eine Audienz in seinem schicken Wolkenkratzer erquatzschen. Vermutlich wüsste er, noch bevor ich die Schwelle zu seiner Wohnung betreten hätte, alles über mich. Nach etwas Smalltalk, der sich zum persönlichen Streitgespräch zum Seelenstriptease inklusive Mauer auf beiden Seiten entwickelt, setzt er sich an sein Klaiver vor dem Panorama-Fenster und ich trinke Kaffee. Wir halten Abstand. Ich sehe, wie sich die Abendsonne in seinem rot-blonden Haar bricht und es orange schimmern lässt - schöner Anblick! Nachdem ich mich auf das weiße Sofa verzogen und die Decke angestarrt habe, während ich in seiner Musik aufgehe, stellt er einen Teller mit Nudelsalat neben mich und bittet mich streng, etwas zu essen *Hinterlassenschaften seiner Ex... * Dann starrt er aus dem Fenster und wartet darauf, dass ich etwas Versöhnliches sage, aber nach drei Bänden weiß ich, wie das Spiel gespielt wird *muhahhah* Schließlich gebe ich nach und kuschle mich an ihn. Da seine Ex ihn gut erzogen hat, weckt das eine Implosion der Explosion eines Vor-Orgasmus und er trägt mich in freudiger Erwartung ins Schlafzimmer, wo er mich flach hinlegt und nach drei Stunden kommen lässt :-) Ich tue ihm auch  noch etwas Gutes und lasse ihn dann liegen. Da ich nicht schlafen kann, setzte ich mich auf den Flügel, genieße den Ausblick, futtere Schoki und gönne mir noch ein Nümmerchen bei absoluter Stille und leuchtenden Fenstern. Danach lege ich mich wieder ins Bett und beobachte ihn - und ein bisschen Fummeln muss auch sein. Ich meine... wann komme ich das nächste Mal in den Genuss so teuerer Bettwäsche inklusive Innenleben? Da ich weiß, dass er mich spätestens um acht rauswerfen wird, ziehe ich mich an, nehme seine Kravatte als Andenken mit und gehe.


Fazit


Es erschreckt mich, dass ich zu keiner Romanfigur eine richtige Bindung aufbauen kann. Ich kenne sie, aber gleichzeitig kenne ich ihre Probleme. Bei realen Freunden kann ich immer entscheiden, wie nah ich diese Probleme an mich ranlasse - geht in Romanen nicht :-) Es gibt viele Figuren, die ich bewundere, mit denen ich gerne Zeit verbringen würde - aber bei Freundschaften müssen sie auch mitentscheiden - ich kann ja nicht einfach jemandem ein Freundschaftsbändchen umbinden :-) Daher: Lieber fiktiv allein und real gemeinsam :P

Kommentare:

  1. Hallo Evy
    Stimme dir in deinem Fazit zu. Man kann zu keiner Romanfigur eine reale Verbindung aufbauen. Trotzdem würde ich gerne die Maggie Cleary aus Dornenvögel zu mir einladen wollen oder auch gemeinsam einen Coffee schlürfen. Sie macht so viel durch, ohne auch nur wirklich sich gegen die Liebe zu Pater Ralph de Bricassard zu wehren. Denn sie liebt ohne wenn und aber. Eben bedingungslos.

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  2. Also bis auf „Shades of Grey" kenne ich deine Bücherauswahl nicht, finde es aber spannend, dass du insbesondere auch den intellektuellen Austausch mit den Figuren in den Vordergrund stellst - das könnte wirklich sehr spannend werden. :)
    Was „Shades of Grey" angeht bin ich jedoch eher gegenteiliger Meinung. Meine Abneigung in dem Roman galt zwar größtenteils Ana Steele, aber Christian Grey wurde auf Dauer für mich auch ziemlich langweilig... Vielleicht kann ich ihn aber auch so schlecht „allein für sich stehend" bewerten, weil ich das einfach die ganzen drei Bücher eher mittelmäßig bis schlecht fand. Ist aber eine interessante Antwort von dir.

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    1. Anais Nin ist ein Klassiker der erotischen Literatur - und gut geschrieben :-) Und der Vulkan berichtet von der Emmigration, größtenteils der Intelektuellen, ohne das Grauen in den KZs darzustellen. Und Klaus Mann gefällt mir als Menschen (zumindest das, was ich von und über ihn gelesen habe).

      Ich bin vermutlich eine der wenigen Befürworter das Buches :-) Ana war stellenweise tatsächlich nervig, ich schiebe das aber auf die Autorin. Andererseits ist die ganze Geschichte bewusst stereotyp und als solche finde ich sie gelungen. Hier ist übrigens die Kritik dazu, falls du mal reinlesen willst :-) http://evyswunderkiste.blogspot.de/2014/04/shades-of-grey-befreite-lust.html

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    2. Ja, habe mir deine Rezension vorhin schon durchgelesen. ;) Wobei ich sagen muss, dass du ja auch ein paar Kritikpunkte hattest, wenn ich mich recht erinnere. Aber stimmt schon, man merkt, dass du das Buch deutlich positiver bewertest. Ich muss ja selbst zugeben, dass ich alle drei Bände gelesen habe... Also, es war lesbar (vor allem schnell und einfach), allerdings war es stellenweise echt zum Haare raufen. :D

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    3. Du bist ja clever xD Keine sorge, es geht schlimmer als Shades of Grey. Zumindest in Papierform. Ausgenommen Nin xD Digital geht es besser :P

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  3. Wahrscheinlich bin ich verrückt, aber mir gelingt es immer, eine ziemlich tiefe Verbindung zu Charaktern auzubauen. Natürlich ist das keine reele Verbindung, aber zumindest eine emotionale. Was habe ich gelitten, geweint, geflucht, getrauert und gehasst? Jahrelang bin ich mit Harry Potter durch die magische Welt gereist und war ein verdammter Teil davon ... Ja, sogar geschwärmt habe ich schon, unabhängig vom Alter.

    Aber ich verstehe deine Argumentation, und obwohl mir von den vorgestellten Büchern nur Shades of Grey bekannt ist - und ich dieses nicht mit der Kneifzange anfassen würde - finde ich die Gründe zum Kaffeetrinken sehr amüsant und auch spannend!

    Liebe Grüße
    lanee

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    1. Dankeschön :-) Ich ha auch festgestellt, dass ich gern Zeit mit manchen Figuren verbringe. Aber für mich sind sie Figuren. Geht mir bei realen Menschen aber ähnlich :P

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  4. Chris Grey aus Shades of Grey? Ich schätze das er es schaffen würde dich herumzukriegen und zwar mehr als einmal, zweimal, dreimal☺ Scherz! Ich habe die Bücher bisher boykottiert und werde es auch weiterhin tun.
    Wünsche dir einen tollen Tag
    GLG,
    Mel

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    1. Soll er doch xD Solange ich danach leckeres Essen und ein paar schöne Schmuckstücke bekomme (er wäre ohnehin zu höflich, um sie zurückzufordern), kann er das gerne tun. Der Reiz solcher Menschen besteht genau darin, dass sie einen mit ihrer Mischung aus Dominanz und Unschuld anziehen - und das an einem selbst auch anziehend finden. Im Grunde will Ana das Weiche aus Chris kitzeln, während Chris sie stärker machen will. Wenn man sich bewusst ist, dass das nicht funktioniert, kann man Distanz waren. Dann ist aber auch die Spannung hin.

      Warum lehnst du die Bücher ab?

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