Mittwoch, 27. August 2014

Interview mit Romy Fischer

Hallo!

Nach der Rezension folgt heute das sehr interessante und amüsante Interview mit der Autorin von Panikattacke Deluxe.



Zur Einstimmung ein kleines Video, das ihren Humor verdeutlicht. Und ihr könnt euch jetzt vorstellen, als würde sie euch gegenübersitzen und die Fragen persönlich beantworten :-)



Evy: Die Sache mit dem Humor:

Romy Fischer: Naja, die Sache ist, dass ich generell aus dem Comedy-Genre komme und auch privat meinen Humor auslebe. Von den meisten "Gleichgesinnten", die das Buch bisher gelesen haben, habe ich positives Feedback bekommen, weil sie es ähnlich sehen wie ich: Der Humor kann der Weg ans Ziel sein bzw. Kraft geben. Natürlich gibt es unterschiedliche Humorstile - der lacht über dies, der andere lacht über etwas anderes. Aber wenn man einen Diktator, der nur so tut, als hätte er tödliche Waffen, auslacht, dann verliert er mit jedem weiteren Tag seine Macht, die er bisweilen über einen hatte. Auch die Ursache für diese Erkrankung ist ein Diktator. Auch darüber muss man lachen dürfen (wenn man das Verlangen danach hat), um ihn zu entzaubern. 
  
Hast du deiner Störung einen Namen gegeben? Fiffie oder Alvin oder Botox? Du lebst ja schon lange damit....

Hm, bislang habe ich meiner Panikstörung noch keinen Namen gegeben. Vielleicht sollte ich das tun. Vielleicht sowas widerlich unsympathisches wie Adolf. Sie hat ja vergleichbare Verhaltenszüge wie er...


Was ist deine Lieblingsimagination?
 
Am Strand, Meeresrauschen, Möwengeschrei, das Gefühl, in bzw. an der Düne zu sitzen, durch den Sand laufen, angenehme Temperaturen, die Seeluft, Sonnenlicht... Einfach Urlaub, ohne Stress, ohne Sightseeing-Marathon, einfach nur SEIN und ATMEN. Um meine "Imaginationen" aufzufrischen und mich richtig erholen zu können, war ich letztens auch in Cuxhaven am Strand. Und ich habe sehr viel für mich mit nach Hause genommen.
 

Wie reagiert dein Umfeld heute? Hast du Freunde/Verwandte informiert? Wie reagieren sie, wenn du sagst "Ich hab grade ne Panikattacke"?
 
Ich ziehe konkrete Grenzen hierbei: Gleichgesinnte und Nicht-Gleichgesinnte. Mit den Gleichgesinnten, die ich in verschiedenen Gruppen kennen gelernt habe, ist das absolut kein Problem. Da achtet auch jeder auf den anderen, um ihn nicht zu überfordern. Mit den Nicht-Gleichgesinnten ist das schon immer schwierig gewesen - zumindest was mein eigenes Umfeld betrifft. Da hat keiner wirklich Geduld für so etwas, und das war an sich schon immer so. Ich sage meist dann schon vorher Verabredungen ab, wenn ich schon vorher merke, dass es mir nicht so gut geht. Und damit ich mir keine blöden Sprüche anhören muss, sage ich sowas wie "mir ist was dazwischen gekommen" oder auch "ich bin krank". Es gibt nur ganz wenige vereinzelte Nicht-Gleichgesinnte, die wirklich Geduld haben und denen ich das dann auch direkt sagen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass da schon wieder jemand mit den Augen rollt, mich auslacht oder sagt: "Dass du dich aber auch immer so anstellen musst..."
 

Wo verläuft die Grenze zwischen "Ich fahr nicht gerne Straßenbahn" und "Panik"?
 
Das "Ich fahre nicht gerne Straßenbahn" ist draußen - auf dem Bahnsteig. "Panik" ist drinnen - manchmal noch bevor die Tür schließt, schlimmer noch, wenn die Tür zu ist und die Bahn anfährt. Fukushima ist dann, wenn die Bahn im Tunnel stecken bleibt - alles schon zig Mal erlebt. Echt gruselig...
 

Was ist stärker als die Panikattacke?
 
Was stärker ist als eine Panikattacke, kann ich so gar nicht sagen. Ich überlege die ganze Zeit... Vielleicht mein Chilli con carne? Das ist so scharf, das ätzt alles weg, was nicht in den Magen gehört... Wenn ich ernst bleiben soll, dann würde ich vielleicht Kriegsgeräte sagen, oder "der echte Tod". Eine Panikattacke ist ja nur "der kleine Tod" oder "der falsche Tod".
  
Was war das Konzept bzw. wie bist du an dieses Buch herangegangen?
 
Mir sind zunächst verschiedene Assoziationen zu diversen Erlebnissen eingefallen, die ich hier und da mal notiert hatte. Irgendwann bin ich darauf hingewiesen worden, dass ich daraus doch bitte unbedingt ein Buch machen sollte. Naja, und dann kamen immer wieder diverse Erinnerungen an Menschen aus der Vergangenheit, die meinten, über mich und meine Erkrankung lachen und lästern zu müssen, die teilweise wirklich sehr böse gegen mich gewettert haben - aber so unintelligent, dass es ja doch bei mir angekommen ist. Aber warum war das so? Weil sie es nicht verstanden hatten. Aber wie kann man Menschen erreichen, wenn man sie gleichzeitig vertreibt, sobald man sie mit schwarzen Gefühlen und Elend übergießt? Es geht nur mit Humor. denn Humor ist Unterhaltung. Ich gehe schon seit Jahren genauso mit mir, meinem Leben und meiner Erkrankung um, wie ich es im Buch geschildert habe. Es fühlt sich seither leichter an. Glücklicherweise konnte ich dadurch schon Menschen aus beiden Richtungen erreichen: Die Menschen, die selbst betroffen sind, da sie sagen: "Wenn ich jetzt selbst in dieser oder jener Situation stecke, muss ich an dein Buch denken, dann muss ich lachen, und es ist nur noch halb so schlimm. Es wird jedes Mal sogar besser." Ich habe Nicht-Betroffene erreicht, die jetzt sogar sagen: "Früher habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt und konnte es einfach nicht begreifen. Ich habe immer gesagt, man muss einfach den Hintern hochkriegen und machen. Dann geht das schon. Heute weiß ich, dass das nicht so leicht ist und habe sogar großen Respekt vor Menschen, die sich so durchs Leben kämpfen müssen." Und genau das war mein Konzept, während ich schrieb: Menschen unterhalten, Menschen aufklären, Menschen Kraft geben bzw. die Möglichkeit anbieten, gewisse Dinge einmal aus einer anderen Perspektive anzuschauen.
 

Sind Lesungen oder ein Hörbuch geplant? Eine Fortsetzung des Buches?
 
Ich wurde schon ein paar Mal nach einer Fortsetzung gefragt, besonders mit Situationen wie am Pfandflaschenautomaten oder vom Maschseefest, das übrigens gerade wieder läuft und ich mich wieder dort durchkämpfe. Aber ich habe mich noch nicht so ganz entschieden. Ich liebäugele derzeit mehr mit fiktiven Geschichten/Romanen zum Thema - aber alles weiterhin auf der Humorschiene. Lesungen gebe ich momentan nicht, da mir meine Panikstörung einen kleinen, aber doch stark spürbaren Strich durch die Rechnung macht. Ich arbeite aber daran, um vielleicht schon nächstes Jahr die Weltherrschaft an mich zu reißen... Keuchend versteht sich...
 

Wirst du auf der FBM bzw. LBM sein?
 
Ob ich auf der Frankfurter Buchmesse sein werde, steht noch nicht ganz fest, aber ich war dieses Jahr schon auf der Leipziger Buchmesse. Es war sehr anstrengend, weil der/die/das Adolf ein paar Mal angeklopft hat, aber ich habe es mehr oder weniger durchgehalten. Ich lebe noch...






Danke an Romy Fischer für das Interview und den Verlag für das Buch!

Kommentare:

  1. Ein tolles Interview, hat Spaß gemacht, es zu lesen :)
    Danke!

    LG Gwynny

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  2. Hallo,

    ich habe mir deine Buchvorstellung und jetzt auch gleich das Interview mit der Autorin durchgelesen. Sehr ausführlich und interessant, danke dir dafür!

    Liebe Grüße, Alexandra

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    1. DAnke, das freut mich! Die Buchvorstlellung war viel Arbeit, aber das Interview war cool! Zuerst sind mir keine Fragen eingefallen, aber dann fragete ich mich, was ich als Autor darüber erzählen wollte :-)

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  3. Ein sehr interessantes Interview!
    Panikattacken sind leider keine Seltenheit und ich finde es enorm wichtig darauf aufmerksam zu machen. Sei es über Buch, Blog oder sonstige Medien!
    Für die Autorin wünsche ich alles Gute für die Zukunft und das sie ein verständnisvolleres Umfeld bekommt von "Nicht-Gleichgesinnten" :)
    LG Ela

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  4. Ein schönes Interview, berührend :)

    Alles Liebe,
    Neele von Royalcoeur

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  5. Sehr interessant!
    Es ist wirklich zu bewundern, wenn Betroffene ihre Erfahrungen und ihre Erkrankung mit Humor nehmen können - das schafft nicht jeder! Ich glaube auch, das Panikattacken viel häufiger sind, als wie man denkt... es wird leider immer noch zu wenig in der Öffentlichkeit darüber geredet, aber die Autorin ist einen großen Schritt in diese Richtung gegangen. Dafür bewundere ich sie total!

    LG Larissa

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    1. Ja, viele Krankheiten sieht man nich oder ordnet sie falsch sein.

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  6. Hallo :-)
    ein tolles Interview. Und neugierig auf das Buch bin ich jetzt auch :-) Deshalb kommts einmal auf die wuli :-)
    Finde es toll ,dass jemand mal ein Buch über die Panikattacken schreibt, weil man sich so einfach auch ein besseres Bild davon machen kann. Hut ab für den Mut darüber zu schreiben.

    Liebe Grüße
    Claudi

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    1. `Ja, aber es ist ne Offenbarung, etwas sehr Privates. Wenn man psychisch krank ist, ist man ne Gefahr. Denken viele.

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  7. Du hast einen schönen Blog und den Eintrag mag ich auch! Du hast nun eine Leserin mehr.
    Auf meinem Blog läuft momentan ein Giveaway. http://mintcandy-apple.blogspot.de/2014/08/giveaway-danke-uber-400-leser.html#comment-form

    Noch einen angenehmen tag
    Geena Samantha
    http://mintcandy-apple.blogspot.de

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    1. Oh, das freut mich :-) Es tut gut, sowas zu hören! Ich guck mir mal den Link an!

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