Dienstag, 12. August 2014

Montagsfrage - Literarische Tattoos?

Exposition
Hallo!

Libromanie fragte und eigentlich hatte ich keine Lust, weil meine Meinung zu Tattoos gespalten ist und ich mir nicht vorstellen kann, mir einen Vers auf den Körper nadeln zu lassen. Aber vor ein paar Tagen hatte ich die Idee zu Kunstprojekt und kann nun beides kombinieren :P



Die Frage



WAS HÄLTST DU VON LITERARISCHEN TATTOOS?

 Meine Antwort


Tattoos allgemein

Es ist Kunst. Es ist manchmal richtig geile Kunst, die sich Menschen auf die Haut stechen. Und ich kann gut nachvollziehen, dass man bestimmte Gedanken in seiner Haut tragen will, damit man immer an sie erinnert wird bzw. sich stärker fühlt, weil die Gedanken nicht nur im Kopf, sondern auch physisch da sind.

Optisch habe ich damit Probleme: Früher definierten sich Menschen stark durch Kleidung, sie trugen ein T-Shirt und nackte Arme. Jetzt tragen sie Tattoos - und ich bin abgelenkt. Ich weiß nich, wo ich hingucken soll - und wo ich hingucken darf. Ich meine... Leute tragen Teile ihres Privatlebens deutlich sichtbar und einzigartiger als Klamotten von der Stange. Es ist eine Selbst-Darstellung - eine Darstellung VON sich selbst gegenüber anderen, aber auch FÜR sich selbst gegenüber dem eigenen Ich (oder einen davon).

Interessant wäre es natürlich, die Tattoos den Klamotten anzpassen oder umgekehrt, sodass alles eine Einheit bildet :-)

Schön finde ich Tattoos auf nackten (Ganz)-Körpern, weil man nichts hat, was ablenkt und das Motiv in seiner Schönheit bewundern kann!

ExpoDaher sieht es sehr reizvoll aus, wenn man Verse über den ganzen Körper verteilt hat. Der Körper wirkt dann verletztlich und nur auf diese Worte reduziert. Ich glaube, als Kunstaktion wäre das total cool - man nimmt einen lebensechten Körper, verziert ihn mit Schriften und der Betrachter kann die Figur in allen Einzelheiten erkunden. Vielleicht kann man auch Bezüge zwischen Körperteil und dem Inhalt der Worte herstellen? Wenn Dinge sich konzentrieren oder zerfließen? Z.B. einen traurigen Liebesbrief, der von der Schlüsselbeinen über den Oberkörper wie eine Perlengardine nach unten fällt und damit die verschiedenen Gedanken mit der gleichen Stimmung "Warum bist du weg?" zeigt? Gerade im Bereich der Kalligrafie könnte man mit Körperformen und Bedeutungen spielen, bis sich über den Körper ein Wort-Netz zieht, das wie ein Bild aussieht....

Was würde ich mir stechen lassen?

(ungeachtet der Tatsache, ob es möglich ist)

Ich würde vermutlich Zitate aus meinen Texten nehmen, weil ich.. mitreden kann :-) 

Anfangen würde ich bei den Zehen, wo (je nach Optik) mein Name und "Oscar" auf Arabsich tatowieren lassen. Erstens sieht "Wilde" nicht so hübsch aus, zweitens erinnert mich "Oscar" an eine Serie aus meiner Kindheit, die mit der Gender-Problematik spiel *damals waren die Japaner viel weiter :P *

KomplikationAn den Fußwurzelknochen zieht sich ein Delta verblassender Verse aus meinen Gedichten, auf der Ferse einen Blume. Ab der Wade verlaufen diese Verse nach hinten. Meinen Schamhügel sollten Worte zieren, die meinen Stolz und meine Selbstbestimmung zeigen, aber auch Poesie. Die Schrift sollte etwas rund sein, sodass die Haare optisch ersetzt werden. Ein paar Vers-Streifen dürfen die Oberschenkel zieren. Mein Bauchnabel wird betont, mein Bauchnabel muss aber erkennbar sein :P Ich glaube, etwas Geradlinies bietet sich an. Auf meinen Busen kommt eine Spirale der Dinge, die mich stärken z.B. Kreativität und Detailfreude. Davon auslaufend strahlenförmig die Namen meiner Figuren, weil sie... meins sind. Weil ich sie geprägt habe und sie mich - sie haben mir viel gezeigt. Auf den anderen Busen kommen Menschen, die mich geprägt haben, davon ab fließen meine Ex-Freunde. Auch wenn nicht alles gut ausging, haben wir gemeinsam viel geschaffen und sie verdienen meine Anerkennung. Am Ende könnte alles aussehen wie ein Top :-)

Die Arme werden analog zu den Füßen gestaltet, auch dort will ich nicht zuviele Zeichen.

Auf meinen Rücken kommt eine Mischung aus Mandela und Bleiglasfenster, sehr blumig und mit Hellligkeitsunterschieden. Das Ganze als kalligrafisches Kunstwerk. Zu lesen sind Lieblingssätze aus meinen Werken.
Höhepunkt
Auf meinem Po darf alles ausfaden :P

Um dem Japanischen, das ist optisch sehr schön finde und gerne schreibe, und dessen eingedeutschte Kultur mich geprägt hat *Mangas*, zu huldigen, kommen über meine Augenbrauen Verse, die den Unterschied aus "Sehen" und "Wahrnehmen" verdeutlichen.

An die seitlichen Wangenknochen (zum Kinn hin) kann auch etwas hin, als Definition des Gesichtes und Ausgleich zu den Brauen. Vielleicht (auf Japanisch) "Midnight Owl" und "Dark Howl"; ich liebe dunkelblau und die Eule hat mir mal jemand geschenkt. "Howl - Das Geheul" ist ein toller Kunstfilm, den ich in einer Stressphase gesehen habe. 

Retardition

Fazit


Ich glaube, ich habe bei den Tättowierungen sowohl auf die Bedeutung als auch auf die Optik geachtet. Ich habe meine Körperformen einbezogen und meistens etwas ersetzt (die Augenbrauen, die Fußnägel und die Haare). Außerdem mag ich schwarz, weil der Kontrast zur Haut am besten ist. Mir fällt auch kein Vers aus einem Buch ein, den ich mir stechen lassen würde - die Figuren beeindrucken mich mehr! 

Falls ihr Fragen zu den Fotos haben solltet - stellt sie :P 


Kommentare:

  1. :))) Das ist die ausführlichste Antwort der Woche! Bitte Fotos, wenn alles fertig ist :D
    Lg. Lara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist nur fiktiv - ich würde es gar nich aushalten, soviel Farbe auf meinem Körper zu haben. Aber die Idee mit dem Fußtattoo klingt reizvoll - vor allem wg. dem Schriftzug. Trotzdem finde ich es schöner, meinen Körper in natürlicher Schönheit zu haben und ihn ständig anpinseln zu können :P

      Löschen
  2. Ein wirklich klasse Blogbeitrag zum Thema Tattoo. Es ist wirklich eine große Kunst, und zudem eine sehr individuelle Darstellung des Trägers. Seine Ansichten und Passionen nicht nur im Kopf, sondern auch auf dem Körper jedem zugänglich zu machen, finde ich einfach fantastisch. Ich werde mmir dieses Jahr eine kleine Fledermaus und den ägyptischen Lebensschlüssel auf die Unterarme tätowieren lassen. Die Fledermaus trage ich an meinem Ledernietenhalsband. Gothic in halbpraktizierter Form ist für mich ein sehr individueller Ausdruck meiner Gesinnung. Jetzt stelle ich ir vor, wie Sohn sich Chemieformeln auf seinem ganzen Körper stechen lässt. Als Chemiker wäre das sein Ausdruck seines heißgeliebten Berufes. Lach. Grüsse dich mal aus Berlin.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist ja krass! Fledermäuse sind cool xD Und so ne Chemieformel... why not? Vor allem kann dann niemand lesen, was sich dahinter verbirgt :P Aber ich glaube, ich könnte mich nie überwinden. Ich mag meinen Körper, wie er ist. Eine weiße Leinwand. Dafür habe ich ihn vermutlich schon öter vollgemalt - also... temporär tättowiert XD

      Löschen
  3. Ich glaube das wäre mir zuviel des Guten, jedenfalls für mich selber. Außerdem frage ich mich gerade, ob ich soviel von mir selber preisgeben möchte? Ich denke eher nicht, aber gut, dass das ja jeder für sich selber entscheiden kann.
    LG
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich würde es auch nie in dieser Form machen lassen :-) aber.. ich bin dann wie ein Kunstwerk. Und meinen Busen sieht ja keiner :P Wird natürlich krisch, wenn der neue Freund seine Vorgänger bewundern kann XD

      Löschen
  4. Ich beantworte dir mal hier die Frage, die du mir auf meinem Blog gestellt hast. Welches Wandtattoo es wäre. Das ist eine sehr gute Frage, die ich dir gar nicht hunterprozentig beantowrten kann. Kommt nämlich auf Raum und Gestaltung an. Aber was ich absolut toll finde sind die Geschichten über Sherlock Holmes. Möglichweise wäre es ein Zitat aus einem sehr Bücher.

    Liebe Grüße Hjördis/Tiniii

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für die Rückmeldung! Ich finde Silouhetten ganz cool, obwohl man ja ein ganzes Zimmer mit Fototapete gestalten und so Holmes Arbeitszimmer nachbilden könnte :-) Das wäre dann ein Riesentattoo!

      Löschen
  5. Du hast das richtig cool gemacht mit den Fotos!! :D SUPER!
    Das grinsen konnte ich mir ehrlich nicht verkneifen. <3

    LG Baka Monkey <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, das freut mich sehr :P Auf die Idee hat mich ein Freund gebracht - unbeabsichtigt :P

      Löschen
  6. Ich glaube, niemand hat auf diese Frage o ausführlich geantwortet wie du :O
    Deine Ansätze kann ich durchaus verstehen, aber ich befürchte, dass sich neunzig Prozent der breiten Masse eher aus ästhetischen Gründen oder dem Gruppenzwang hinaus tattowieren lassen.. Die meisten denken nicht nachhaltig genug, geschweige denn tiefgründig.
    Aber ich denke, die Entscheidung liegt immer beim Individuum selbst. Ich für meinen Teil finde Tattoos okay. Ob es allerdings etwas literarisches sein muss? Da käme eigentlich nur ein Zitat in Frage:

    "Gebrochen eh der Sturm sie entblättert" aus Lessings Emilia Galotti.

    Warum? Weil das Buch mich geprägt hat und in seiner Melancholie eine Endgültigkeit und tief begründete Wahrheit verborgen liegt :)

    Liebe Grüße, Natascha von den Bücherjunkies

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wow, sowas Altes :-) Aber es hört sich gut an!

      Es ist ok, sich tätowieen zu lassen, weil man etwas schön findet. Sonst muss man es nich tun :P

      ich glaube, das ist ne schwierige Frage. Die wir gar nicht stellen müssten, wenn wir andere nicht als Gegner, sondern als Bereicherung sehen würden. Dann würden wir uns über sie und uns freuen :-)

      Löschen
  7. Hallo Evy,

    vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag - und die tollen Fotos :D

    Ich selbst habe zwei literarisch inspirierte Tattoos. Beide beziehen sich auf Bücher, die mich sehr geprägt haben, sind klein und schlicht und erschließen sich nur Leuten, die wissen worum es geht :)

    Ganz ehrlich? Ich hab's noch keinen Moment bereut, sie mir stechen zu lassen. Auch, wenn das erste schon fast 10 Jahre alt ist und das zweite fast immer sichtbar.

    Ganz herzliche Grüße
    Caro

    AntwortenLöschen
  8. Deine Beschreibung gefällt mir. Sehr ehrlich, sehr authentisch und ich habe sofort den Ansatz von Kunst verstanden. Es hat mich ein bisschen an Divergent - Die Bestimmung erinnert, um genau zu sein an Fours Tattoos und ihre Bedeutung. Natürlich wäre es bei dir wesentlich komplexer, aber der Mensch ist nun mal auch eine komplexe Persönlichkeit.
    Tolle Antwort!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich :-) Ich hab das Buch leider noch nich gelesen, aber... wenn, dann richtig. Außerdem sollen die Tattoos auf dem Oberkörper wie ein Top wirken - wäre praktisch :P

      Löschen

Ich freue mich über deinen Kommentar! Für Fragen oder Kommentare zu meinem Kommentar auf deiner Seite kannst du mir eine Nachricht schicken - oben rechts steht die Adresse :-)