Samstag, 27. September 2014

"Rache wird kalt serviert" von Jasmin De


Hallo!

Der September ist nicht nur der Monat vieler Geburtstage, sondern auch einiger Blogtouren! Wir Blogger fahren gemütlich mit dem Bücherzug durch die Lande, um das Buch vorzustellen und ihr dürft uns bejubeln und vor allem das Buch feiern! Es ist sehr interessant und total bereichernd, wie jeder Blogger ein Stückchen dazu beiträgt, das Buch zu ergründen!


Teilnehmer der Blogtour


Leben mit Büchern - Autorenvorstellung und Leseproben vom der Mitte, nochmal der Mitte und noch einer anderen Stelle
Tintenbloggerin - Rezension und Interview
Jasmin De (ersatzweise) - Charaktere

Zwiebelchens Plauderecke  - Hintergrundinformationen und Rezension
Jeanne D'Arc Bücherblog - Rache & Bipolare Störung

Allgemeines


Das Buch hat 367 Seiten und kostet normalerweise 4 EUR als E-Book und 12 EUR als Papierversion.

Die Autorin


Jasmin De wurde 1994 im Ruhrpott geboren und lebt dort mit ihrer Katze. Bereits mit 15 Jahren hat sie ihren ersten Roman geschrieben und arbeite fleißig weiter :-) Jasmin liebt Regen sowie Erd- und Blaubeeren.

Cover 

 

Das Titelbild erinnert an eine Zeichnung. Es zeigt eine Frau mit Hut, die den Betrachter herausfordernd-mysteriös anguckt. Ihre Lippen sind, im Gegensatz zum weißen Gesicht, rot und voll. Sie hält Karten in der Hand.

Im Kontrast dazu ist die Schrift des Buchtitels ähnlich rot, aber plastisch dargestellt. Darüber leuchtet der Autorinnenname, was ihn leider nicht gut lesbar macht.

Trotzdem ist das Cover sehr einprägsam und bringt den Konflikt im Buch auf den Punkt :-)

Inhalt


Luna hat ein Problem: Seit ihre Eltern ermordet wurden, leidet sie an einer bipolaren Störung und versucht, ihr Leben zu ordnen. Während sie als Killerin arbeitet und im Club ihres Onkels jobbt, macht sie eine Psychotherapie. Eines Tages begegnet sie Leo, der sie körperlich anzieht und seelisch fasziniert. Doch welches Geheimnis verbirgt er? Und: Wird Luna ihre Rache bekommen?

Charaktere


Luna: Die weibliche Hauptfigur ist sehr gegensätzlich. Einerseits ist sie selbstbewusst und stellenweise rücksichtslos, andererseits sehr feinfühlig. Besonders an ihrer Liebe zu Leo merkt man, wie sehr sie sich nach Geborgenheit sehnt und sogar bereit ist, sich ein Stückchen aufzugeben. Die taffe Seite Lunas gefiel mir sehr gut, ich habe selten eine Heldin getroffen, die so knallig ist. Umsomehr hat mich ihre kuschelbedürftige Seite überrascht. Auf den ersten Blick mochte ich das nicht. Nachdem ich es im Zusammenhang mit ihrer Geschichte und ihrer Krankheit gesehen habe, passte es :-)

Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet Mond. Wie die Figur steht der Himmelskörper strahlend, aber einsam am Nachthimmel. Auch wenn es in ihrem Umfeld einige Sterne in Form ihres Onkels, der Tante und Leo gibt, sieht sie ihre Welt eher dunkel. Genauso wie der Mond dem Betrachter immer diesselbe Seite zeigt, so ist auch Luna bestrebt, niemanden ihre Zweifel sehen zu lassen.

Leo Blue: Der Mann mit den grünen *schmacht* Augen wird aufgrund seines körperlichen Vorzuges von Luna schlicht als "der Arsch" bezeichnet. Ähnlich wie sein Gegenstück schwankt er zwischen taffem und feinfühligem Auftreten. Leo ist ein Auftragskiller, übernimmt aber Verantwortung für seine Taten. Er ist für einen der Wendepunkte verantwortlich und wirkt auf mich reifer. Er ist der Beschützer, den Luna gesucht hat. Die grünen Augen machen ihn nicht nur besonders, sie geben ihm etwas Stechendes, Machtvolles.


"Leo" leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet Löwe. Das korrespondiert mit seiner Funktion als Beschützer. Allerdings jagt ein Löwe in der Dämmerung - während der Mond meistens nachts scheint. Den Liebenden bleibt in mehrerlei Hinsicht wenig Zeit.

"Blue" ist die englische Bezeichnung für Blau und ist sprachlich damit verwandt. Blau wirkt auf Menschen beruhigend, genauso wie Leo Luna beruhigt. Es steht aber auch für "traurig", was zu Leos Stimmung passt - seine Verantwortung macht ihn traurig. Er trägt Schuld weiter und das belastet ihn.

Carl: Lunas Onkel (bzw. der Mann ihrer Tante) betreibt einen Club und passt auf seine Nichte auf. Ich mag ihn sehr, weil er ständig darauf achtet, dass Luna keine Grenzen überschreitet. Als sie sich zum Wohle des Clubs halbnackt hinter die Bar stellen will, verbietet Carl dies. Er unterstützt sie bei ihrer Suche nach Rache.

"Carl" ist die latinisierte Form von Karl und leitet sich vom Althochdeutschen ab. Dort bezeichnet "karal" einen (Ehe)Mann oder einen freien Mann. Carl ist verheiratet und besitzt er als Clubchef und Onkel Lunas Macht. Er ist wie ein Vater, der seine Schäfchen bewacht :-)

Julie: Die Tante Lunas wirkt sehr elegant, aber manchmal etwas verpeilt. Sie ist in adligen Kreisen aktiv und achtet darauf, dass Luna integriert ist. Sie wird von Luna und Carl gemocht, ihr fehlt aber das Verständnis für die beiden. Julie ist die gute Seele, sie steht für Fröhlichkeit, Unbeschwertheit und den weiblich-kindlichen Teil des Kollektivs.

"Julie" ist die französische Form von Julia, was sich wiederum vom griechische Geschlecht der Julier ableitet. Das Wort klingt aufgrund der hellen Vokale Ü und I sehr locker. Mit Julie assoziiere ich Schönheit und strahlende Mädchen, die das Leben genießen, wenngleich sie etwas naiv sind. Das trifft auf die Figur zu :-)

Esme: Die Therapeutin ist Lunas beste Freundin. Sie versucht, ihr beizustehen und ihr bei ihren Problemen zu helfen. So schickt sie sie z.B. zur Uni, damit sie ihre Panikattacken bekämpfen kann und Kontakte knüpft. Allerdings kann Esme nicht immer die Mauern Lunas überwinden. Sie schafft es, ihre Wut und Trauer abzufedern, aber gemeinsam kämpfen können die beiden nicht.

"Esme" hat verschiedene Bedeutungen: Es steht für eine Abkürzung des griechischen "Esmeralda", was "grüner Smaragd" bedeutet. Im Türkischen lautet die Übersetzung "nicht wehen". Die Figur im Buch ist leicht und positiv gestimmt, löst keine Stürme aus, ist aber für Luna ein Ruhepol. Bei Esme weht nichts, es steht und ruht sich aus :-)

Das Kollektiv ist gut gestaltet: Luna und Leo sind starke Hauptfiguren mit unterschiedlichen Facetten eines Problemes, Carl steht für männliche Güte, Julie für positive Unbeschwertheit und Esme ist ein Ruhepol. Probleme hatte ich mit den Namen: Sie kommen aus unterschiedlichen Kulturen und werden unterschiedlich ausgesprochen. Ich musste beim Lesen oft umdenken. Geht man von der Bedeutung der Namen für die Figuren aus, passt wiederum alles.

Themen


Bipolare Störung: Laut Wikipedia ist diese Krankheit durch einen episodenhaften Wechsel des Antriebes gekennzeichnet. Man schwankt oft zwischen Depression und Manie. Luna deutet das anfangs an: "Mein Tiefpunkt steht wieder bevor und ich fühle mich wie … zweigeteilt." (Kapitel 2, ca. 4%). Die Manie wird im zweiten Teil deutlich, als Luna die Leere in ihrem Herzen mit einer fast krankhaften Besessenheit zu Leo kompensiert. Ich finde die Ansätze gut, das Thema hätte für mich aber stärker herausgearbeitet werden können. Allerdings besteht wie bei vielen Krankheiten die Frage, was man dem Leser und der Geschichte zumuten kann.

Liebe: Luna sucht jemanden, der ihren Schmerz verstehen kann, und findet Leo. Obwohl die beiden anfangs ihre Stärke und Abgeklärtheit verbindet, ist es das Verlangen nach Nähe, was sie aneinander fasziniert. Liebe kann aber gefährlich werden, wenn man dafür sich oder andere opfert.

Erotik: Obwohl die Spannung zwischen den Figuren auf den ersten Seiten aufgebaut wird, entlädt sie sich erst im letzten Drittel - und das sehr knallig. Der Sex zwischen den Figuren ist, entsprechend ihrer Charaktere, sehr leidenschaftlich und kompensiert in seiner Feinfühligkeit der Realität. In der Realität der Figuren ist der gefühlvolle Sex fiktiv.

Rache: Das zentrale Thema des Romanes wird sehr vielfältig behandelt. Anfangs sucht Luna nach Rache. Nachdem sie sie gefunden hat, stellt sich die Frage, was sie mit dem Loch macht. Und ob der Preis, den sie dafür bezahlt hat, es wert war. Luna kann das Schuldgefühl in ihrem Herzen nicht bekämpfen, bringt sich aber durch ihre Rache in Gefahr. Ich glaube, Rache lässt einen atmen, weil man die Spannung auflöst, die Machtlosigkeit der Vergangenheit vernichtet. Allerdings fühlt man sich nicht schlecht, weil man nichts tun konnte, sondern nichts getan hat. Obwohl man in vielen Situationen nicht anders handeln kann, als man es getan hat. Wichtiger als Rache ist es, die Trauer zuzulassen. Sich an dem zu freuen, was man hat und nicht über das zu grübeln, was man verloren hat. Rache wird kalt serviert. Wenn man heißen Wasserdampf abkühlt, bleibt nur ein Eisklumpen übrig, den man zerschlagen kann.

Waffen: Lunas Lieblingsaccessoire ist eine Sig Sauer. Sie fühlt sich ohne ihre Waffe unsicher, obwohl sie sich gut mit ihrem Körper verteidigen kann. Sie hat eine freundschaftliche Beziehung zu ihrer Waffe. Die Benutzung der Waffe macht den Roman sehr cool, er wirkt actiongeladener, selbstbewusster und modern. Er wirkt stellenweise wie ein Computerspiel. Nicht vernachlässigen darf man natürlich das moralische Problem.

Gliederung und Schreibstil



Das Buch hat, einschließlich Epilog, ca. 30 Kapitel, die zwischen 3 und 10 Seiten lang sind. Die Titel sind manchmal amüsant ("Radieschen von unten"), mal poetisch ("Bittere Vanille"), mal neutral ("Neue Veränderungen, neue Probleme") und mal formal ("Leo").

Das Besondere sind die Perspektivwechsel: Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht Lunas erzählt, ausgenommen fünf Kapitel, die aus Esmes bzw. Leos personaler Perspektive erzählt werden. Ich denke, man kann damit eine Figur umfassend beleuchten, weil man sie nicht nur als Ich-Erzähler verfolgt, sondern auch den Blickwinkel anderer Figuren wahrnimmt. Bei mir ist das Gegenteil aufgetreten: Ich kam durcheinander, weil ich oft intensiv in der Figur drin war, aber dann herausgerissen und abgekühlt wurde. Ich denke, Autoren können hier Mut zeigen und einen Charakter in allen, positiven wie negativen, Facetten zeigen :-)

Da man in Lunas Haut steckt, bemerkt man ihre Emotionen direkt. Der Stil ist oft abgeklärt, später poetisch. Er passt gut zur Figur und ist flott lesbar.

An einigen Stellen gibt es Wortwiederholungen, die aber durch die Stimmung ausgeglichen werden. Das Buch ist ... knallhart und cool :-)

Spannung- und Spaßfaktor



Der Roman besteht aus zwei Teilen und spricht zwei Lesergruppen an: Die erste Hälfte, die die Rache als Thema hat, ist sehr schnell, ruppig und spannungsgeladen. In der zweiten wird abgebremst und die Autorin konzentriert sich auf die Liebe und das Problem, diese mit der Rache zu vereinen. Romantiker freuen sich. Ich fand den Umschwung problematisch, er wirkt aber im Gesamtkonzept stimmig.

Der erste Teil gefiel mir besser - Jasmin De weiß, wie man Action-Szenen schreibt und coole, kühle Charaktere kreiert!

Fazit


Der Roman hat mir viel Spaß gemacht, es war ein toller Ausflug in ein spannendes Genre!

Kommentare:

  1. Ich kenne das Buch zwar nicht, aber durch den kleinen einblick bekommt man Lust das selber zu lesen und zu erleben. Wünsche dir einen schönen Sonntag.

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