Samstag, 6. September 2014

Rezension hoch Drei - Chronik von Chiara von Nico Weinard

Hallo!

Nach vielen, vielen Romanen kommt hier die Kritik zu einer Episoden-Geschichte. Sie sieht etwas anderes aus, aber ihr bekommt trotzdem alle wichtigen Infos :-)

Im nächsten Beitrag gibt es ein Interview mit dem Autor - seid gespannt :P







Wie ich dazu kam


Nico Weinard veranstaltete einen Wettbewerb, um ein Model für das Titelbild zu Band 3 zu finden. Um mich in die Thematik einlesen und teilnehmen zu können, bat ich um ein Rezensionsexemplar. Ich lese ungern Vampirgeschichten, aber manchmal muss man sich überwinden :-)

Allgemeines


Die Serie besteht derzeit aus drei Teilen, die jeweils 0,99 EUR kosten. Die Geschichten sind als E-Book überall erhältlich.

Teil 1 ist mit 11 Seiten bzw. 5 min Lesezeit relativ kurz, Teil 2 mit 19 Seiten und 10 min Lesezeit etwas länger, an Teil 3 mit 51 Seiten liest man mit 20 min am längsten.

 

Der Autor


Nico Weinard wurde 1976 in Frankfurt am Main geboren und schrieb mit 15 Jahren seine erste Geschichte - auf einer Schreibmaschine. Später gründete er eine Booking-Agentur und organisierte Konzerte etc. Heute lebt er mit Frau und Kind auf der Schwäbischen Alb. Und schreibt wieder.

Neben der "Chronik von Chiara" hat er die Roman-Reihe "Der schwarze Bund" verfasst, von der bisher drei Teile erschienen sind.


Cover


Das Titelbild zum ersten Band zeigt ein nacktes Mädchen, das vor einer Steinwand steht und schüchtern in die Kamera guckt. Das passt gut zum Inhalt - es geht um das Erwachen.

Der zweite Band ist ähnlich, hier liegt die Figur auf einem Bett und sieht den Betrachter lasziv an. Interessant ist, dass die Lippen nur ein Stück hervorblitzen und mehr verheißen als aussagen.

Gemein ist beiden Bildern das weiche, eher gelbstichige Licht. Das Cover wirkt mysteriös,. unklar und verweist auf die alten, traditionellen Gemäuer.

Für den dritten Teil griff man auf ein neues Model zurück. Die Frau im rot-schwarzen Kleid sitzt auf einem Bett und stützt sich auf einem Schwert auf. Ihr Blick ist jung, ein bisschen naiv und nicht zu sinnlich. Durch die Pose wirkt sie selbstrbewusst, die Augen wirken weich. Hervorzuheben ist die Handhaltung, die sehr locker ist.

Bei den Schriftarten setzt Weinard auf einen Mix: Der Titel ist in einer Serifenschrift gedruckt, der Untertitel ist durchgängig groß und serifelos notiert, die Steinstruktur verweist auf das alte Flair der Geschichten. Nicht so passend ist der Name des Autors, der in einer futuristischen Schrift in der unteren rechten Ecke prangt.

Inhalt


Im ersten Teil lesen wir, wie Chiara von Levaque entführt und in einen Vampir verwandelt wird.

Teil 2 schildert, wie Chiara von Levaque verstoßen und eingesperrt wird. Im Kerker demütigen sie seine Handlanger, bis sie von Levaque die Erlaubnis erhält flüchten zu dürfen.

Der dritte Teil ist länger und inhaltlich stärker: Chiara trifft auf der Flucht auf die Geldeintreiber von Geron Werbung und wird einer von ihnen. Werbung hat sich vom Goldschmied zum Bankier hochgearbeitet und plant, über ein Zinses-Zins-System das Land zu erobern, zu schwächen, in einen Krieg zu führen und damit nochmehr Profit zu machen. Chiara durchschaut dies und will Geron aufhalten.

Charaktere


Da Band 1 und 2 die Einleitung darstellen, gibt es wenige Figuren und diese werden nur kurz dargestellt. Sogar Levaque als Antagonist wirkt zwar fies, dominant und mysteriös, aber nicht so knallig. In Band 3 ändert sich das. Es gibt viele Nebenfiguren, die in wichtige Ereignisse eingebunden werden und so im Gedächtnis bleiben. Chiara wird mit ihnen über längere Zeit konfrontiert und entwickelt Gefühle. Jede Figur hat ihre Rolle und passt gut in das Kollektiv. Das gefällt mir!

Chiara ist in Band 1 mutig, aber eher schüchtern. Auch in Band 2 ist sie zwar bereit, sich Levaque zu unterwerfen, entwickelt aber die Kraft sich gegen ihn zu stellen. Im dritten Band blüht sie auf: Obwohl sie immer noch mit ihrer Verwandlung hadert und an ihren Fähigkeiten arbeiten muss, offenbart sie großes Selbstbewusstsein. Sie kann Sachverhalte geistig und gefühlsmäßig durchdenken und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Chiara ist meistens mitfühlend, strebt aber nach Gerechtigkeit. Das führt zu einigen Todesfällen :-)

Chiara ist ein vielseitiger Charakter, der mir an manchen Stellen ein bisschen zu perfekt ist. Sie hat aber das Potential die folgenden Bände zu tragen.

Themen


Vampire: Weinard nutzt in diesem Buch die gängigen Klischees: Vampire jagen nachts, haben eine erotische Ausstrahlung, hadern damit, ob sie ihren Durst auch mit Menschen stillen dürfen und sind sehr stark. In diesem Buch ist jeder Vampir an ein Tier gebunden, das ihm helfen kann. Dieser Aspekt ist ungewöhnlich und ich finde ihn gut.

Erotik: Vampire haben viel Energie, auch sexuell, und das führt Weinard aus. Besonders im dritten Band gehen infolge ausgiebiger Spielchen einige Kleidungsstücke kaputt :-) Entsprechend den Klischees stehen Vampire nicht auf Kuschelsex, sondern tendieren zu SM. Weinard schildert die Ereignisse im dritten Band sehr detailliert, mir fehlte aber ein bisschen Energie. Im zweiten Band wird die Erotik nur angedeutet, was besonders bei Chiaras Zeit im Kerker für den Leser gut ist.

Kapitalismuskritik: Große Stärke des dritten Bandes ist seine politische Dimension. Inmitten des Mikrokosmus erklärt er das System der Banken und wie zerstörisch es sein kann. Dabei nutzt er eine Kombination aus Erlebtem (einige Figuren leiden) und Theoretischem (das Manifest, das Werbung besitzt). Ich fand das sehr erfrischend und gut eingebaut.

 Sprache


Weinard schreibt bildhaft, aber nicht zu ausschmückend und hat eine gute Wortwahl. Wortwiederholungen gibt es selten und er erzeugt Atmosphäre. An einigen Stellen, besonders in den ersten Bänden, vermisste ich die erzählerische Dichte, was aber auch an der Gestaltung liegen kann. Insgesamt habe ich mich aber sehr wohl im Buch gefühlt.




Gestaltung


Die Geschichte ist in Episoden (Bände) unterteilt und innerhalb dieser in Kapitel. Die Länge steigert sich von ca. 3 Seiten in Band 1 zu 13 Seiten im dritten Band. Die Einteilung ist logisch und hilft beim Lesen. Besonders in Band 1 wirkt der Text aber etwas abgehackt, weil man die Einleitung nicht zusammenhängend lesen kann, sondern ständig eine Pause macht. Ich hatte das Gefühl, in der Handlung zu springen, obwohl die Handlung nicht wirklich springt.

Binnen eines Kapitels gibt es außerdem Absätze, sodass der Text gut lesbar ist.

Fazit


"Chronik von Chiara" hat das Potential richtig gut zu werden. Die Mischung aus Vampiren, Figuren und Gesellschaftskritik gefällt mir sehr gut! Die ersten Bände stellen aber nur die Einleitung dar, daher ist das Geschehen nicht so fesselnd - hätte man die Reihe als Roman konzipiert, hätte man in diese Bände mehr Gewicht legen können, damit einem Chiara, wie in einer Einleitung üblich, vertraut wird. Das passiert erst in Band 3. Trotzdem sehr lesenswert! Mal sehen, was noch kommt :P


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