Montag, 23. März 2015

"Blutmond im Mitternachtsblau" von Blake Kato

Blutmond - Roter Berg
Hallo!

Als mich Blake fragte, ob ich sein Buch rezensieren will, war ich erfreut. Ich hatte gerade ein Buch beendet und war gespannt auf Neues. Das Cover sah gut aus und ich machte mich ans Werk. Leider konnte ich nicht wissen, dass mein Privatleben sich heftig bewegen und ich im Buch oft stagnieren würde. Denn es gibt Passagen, die sperrig sind. Aber an vielen Stellen ist es sehr kratftvoll und kreativ. Es hat Charme!



 

Allgemeines


Das Buch hat 366 Seiten und kostet als E-Book 4 EUR, als Papier-Version 11 EUR. Man kann es in allen gängigen Online-Shops beziehen.

Inhalt


Nora hat eine Fähigkeit: Sie kann die Träume der Menschen beeinflussen. Und sie hat ein Problem: Ihre Eltern und ihre beste Freundin starben bei einem Unfall. Außerdem ist sie in David verliebt. Das schafft genügend Traurigkeit für Traumgott Kuniteros, der ihre Fähigkeit nutzen will, um die reale Welt zu beherrschen. Doch Nora ist nicht allein. Gemeinsam mit ihren Freunden kämpft sie gegen ihre Ängste. Aber wer wird siegen?

Die Geschichte vermischt Teenager-Probleme, z.B. die Liebe, mit Weltrettung. Das sind klassische Elemente einer Fantasy-Geschichte. Besonders macht diese Story, dass die Auseinandersetzung mit dem Ich stark thematisiert wird. Was ist wichtiger - die eigenen Wünsche oder das Wohl der Allgemeinheit?


Charaktere


Blutmond - in blueNora ist die Hauptfigur. Mit ihr beginnt alles und sie stellt sich vielen Konflikte. Sie ist die klassische Außenseiterin, die ein Teil der Gemeinschaft sein will. Schon am Anfang steht sie vor der Entscheidung, ob sie Kuniteros Kräfte für sich nutzen soll, und sie wählt die "gute" Seite. Doch sie kann nicht ewig standhalten.

Stephen ist ein Schulfreund Noras und wirkt ausgleichend. Im Gegensatz zur arroganten Lucy und zur sprunghaften Alex ist er ruhig und versucht zu vermitteln. Selbst, als er sich unglücklich verliebt, ergibt er sich nicht seinem Gram, sondern kämpft für seine Freunde.

Lucy wird als arrogant charakterisiert und hat viel Energie. Sie ist immer ein bisschen zu laut, ein bisschen zu impulsiv und manchmal ein bisschen zu fies. Später wird sie etwas ruhiger. Lucy verliebt sich schnell, wird aber oft enttäuscht. Im Laufe des Buches ändert sich auch das.

Alex ist ziemlich intelligent und empathisch. In der Gruppe von Lucy und Stephen übernimmt sie die Führungsrolle. Alex hat sich in einen Engel verliebt und schafft so sie Verbindung zur dritten Kraft, neben der Gruppe und Kuniteros.

David *alle schönen und irgendwie unschuldigen Charaktere heißen so...* ist Noras Schwarm. Anfangs ist er nur eine Nebenfigur, später wird er stärker ins Geschehen eingebunden. Aus meiner Sicht ist er ein Spielball Noras/Kuniteros, der irgendwann eigene Gedanken entwickelt.

Kuniteros ist ein Traumgott und gleichermäßig intrigant und kindlich. Er wirkt nicht angrundtief böse, sondern verzweifelt.

Die Einsamkeit streift durch die Welt und sucht. Obwohl die Ereignisse traurig sind, wirkt sie ne verzweifelt, sondern stark. Sie irrt umher und sucht eine Lösung.

Die Eifersucht ist kraftvoll und hat einen negativen Einfluss. Mit schöner Maske schleicht sie sich an und impft ihre Gegner mit Bosheit.

Blutmond - more blueDie Charaktere sollen vieles sein, sind dadurch aber wenig. Das beginnt beim Alter: Obwohl Teenager, trinken sie ständig Kaffee, als müssten sie beweisen, wie erwachsen sie sind. Wenn eine Figur eingeführt wird, wirkt sie immer klischeemäßig. Doch das Klischee wird selten ausgeführt. Stattdessen wirken die Figuren geglättet und haben wenig Eigenes. Da sie ständig in der Gruppe agieren, sieht man sie nur als Teil davon. Ein paar Besonderheiten wären gut gewesen. Denn der Grundgedanke ist, dass Menschen mit unterschiedlichen Charakteren zusammenarbeiten können. Das wirkt, denke ich, nur realistisch, wenn man sie mal eigensinnig sein lässt und darstellt, dass sie sich trotzdem akzeptieren. Das kann einfach besser herausgearbeitet werden :-)


Themen


 Liebe: Die Liebe treibt die Charaktere voran, sie ist ein Stachel, der Bedürfnisse auslöst und Entscheidungen fordert. Nora liebt ihre Eltern und ihre beste Freundin und sie möchte Davids Zuneigung. Das löst die Handlung aus. Gleichzeitig dreht sich das Liebeskarusell gemeinsam mit Stephen, Alex und Lucy, was die Konflikte verschärft, aber Energie erzeugt.

Selbstbewusstsein: Jeder Kampf fordert, dass man sich mit sich auseinandersetzt und weiß, dass man es schaffen kann. Die Figuren im Buch spüren das besonders in der zweiten Hälfte, als sie in der Traumwelt kämpfen. Sie gehen bis an ihre Grenze.

Einsamkeit: Der Hauptantrieb der Figuren wird, gemeinsam mit der Eifersucht, personifiziert. Sie wollen ihr entkommen. Obwohl ich denke, dass Einsamkeit manchmal notwendig ist.

Eifersucht: Das Gefühl, das ein Teil der Einsamkeit ist und gleichzeitig ihr Freund, richtet Böses an. Sie stellt die Figuren immer vor die Wahl, ob sie ihr eigenes Wohl verfolgen oder das der anderen.

Prioritäten: Besonders Nora steht ständig zwischen ihrer Familie und ihren neuen Freunden. Und ich fragte mich oft, welche Entscheidung sie trifft und wann sie sich Kuniteros ergibt.

Spannung


Es passiert viel. Einleitung und Hauptteil gehen ineinander über und Probleme gibt es von Anfang bis Ende :-) Im letzten Drittel wird das Geschehen einzigartig und damit spannend, davor ist etwas klischeehaft und nicht richtig greifbar.

Aufbau und Perspektiven


Blutmond - grüne TälerDas Buch besteht aus zwei Erzählsträngen: Im ersten sieht man die Einsamkeit, die auf ihrem Weg
verschiedenen Gefühlen begegnet. Dieser Teil ist sehr poetisch und ... tiefgründig geschrieben, sprachlich sehr gut. Der zweite Strang enthält die Handlung um Nora. Er ist etwas sperriger und schleppend.

Die Geschichte ist in 29 Kapitel, plus Prolog und Nachwort (was nicht ganz korrekt ist...) unterteilt. Die Kapitel sind überwiegend 12 bis 18 Seiten lang, nur drei Kapitel sind mit bis zu 38 Seiten etwas länger. Auch Prolog und Nachwort fallen kürzer aus. Für den Leser macht das keinen Unterschied, denn die Kapitelteilung ist nur formal, nicht inhaltlich. Der Autor vermischt beide Erzählstränge und nutzt leider nur Leerzielen und manchmal Kursivformatierung als Unterscheidung. Es war für mich schwer, den Text in Päckchen zu teilen.

Schreibstil


Der Teil mit der Einsamkeit ist toll. Ruhig geschildert, schöne Naturbeschreibungen, schöne Metaphern, die bekannte Inhalte (besonders im Nachwort) schön verpacken und zu einem Erlebnis machen. Traurige Szenen zu schreiben liegt dem Autor!

Weniger gut gelungen sind die Erzählpassagen. In ihrem Bemühen, wichtig und elegant zu klingen, wirken die Abschnitte sehr sperrig und das Buch schwer. Ich hatte manchmal das Bedürfnis das Buch wegzulegen, weil ich viele Worte gelesen habe, aber nicht voran kam. Wenn man die Füllwörter reduziert und Phrasen abschwächt, wird der Text besser lesbar und weniger lang.

Insgesamt ist die Sprache leicht verständlich, die Dialoge stellenweise lebensnah und alles nett geschrieben.

Blutmond - gesamt

Fazit


Die Geschichte hat viele Stärken und glänzt mit einzelnen und irgendwie einsamen Kämpfern. Die Konflikte sind lebensnah und es braucht lange, bis sie gelöst sind. Nur der Schreibstil ist nicht immer gelungen.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich habe das Buch auch gelesen und hatte einen ähnlich gemischten Eindruck wie du. Mich störten aber vorallem die vielen Rechtschreibfehler und auch so einige Formulierungen, die einfach nicht wirklich schlüssig klangen. Deine Rezension zu dem Buch finde ich auf jedenfall sehr gelungen und ich habe sie gerne gelesen.
    Liebe Grüße
    Sabrina von
    www.sabrinaslesetraeume.wordpress.com

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    1. Danke, das freut mich :-) Rechtschreibfehler kann ich gut "runterschlucken", aber wenn das Tempo nicht stimmt, bekomme ich Probleme....

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  2. Huhu,

    bin mir etwas unschlüssig, ob ich zu diesem Buch greifen soll. Interessant ja, aber irgendwie nicht mitreißend das ich es sofort haben müsste.

    LG Danni

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    1. Das Buch gibt einem etwas. Jedes Buch tut das :-) Und hier sticht besonders die Personifizierung der Einsamkeit und des Neides hervor. Das geht ins Blut und regt zum Nachdenken an!

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