Freitag, 10. April 2015

Einmal PoetrySlam und zurück - Evy beim LiveLyrix

Hallo!

Sylvester hatte noch nichtmal angefangen, und schon hatte ich den Drang, verrückte Dinge zu tun. Durch eine Anzeige auf Facebook rückte das Ungreifbare in greifbare Nähe: Warum kein PoetrySlam? Vor allem deswegen nicht, weil ich PoetrySlams lange Zeit für komödiantisches Machtgetrampel unter schicken Leuten hielt, an die ich mit meinen Texten niemals rankommen würde. Nachdem ich in die Literaturszene langsam reinwachse und das nicht nur als Autorin, sondern auch als Helferin, schien mir alles vertrauter und ich habe festgestellt, dass die Grenzen fließend sind. Ein Text, der auf einer Slam-Bühne wenig Anklang findet (was ohnehin kein Qualitätskriterium ist), findet auf einer Lesebühne sein Publikum. Und mittlerweile ist die Szene sooooo riesig....


Fakt ist: LiveLyrix ist eine große Nummer. Der Slam findet in regelmäßigen Abständen statt und es treten viele große Leute auf. Viele Menschen zahlen Eintritt und die Moderatoren sind gute und erfahrene Autoren.

Vorbereitung ist alles... also fast...


Meine Anmeldung war rausgeschickt, die Bestätigung kam und mit ihr der Schock - ich brauchte ZWEI Texte, die jeweils in 7 min. passen. Ich schreibe meistens Gedichte oder Texte mit min. 6 Seiten. Und wenn ich versuche kurze Texte zu schreiben, geht das schief. Vermutlich bin ich ein Typ, der 7 min. aka 2 Seiten braucht, um die Einleitung zu tippen. Dramaturgisch bin ich ein Mittelfeldspieler. Andererseits hatte ich kurz zuvor bei einem Wettbewerb teilgenommen, bei dem ähnliches gefordert war. Das war eine gute Übung!

Fakt ist: Ich hab binnen 3 Stunden einen Text zusammengetippelt, meine Freundesliste nach guten und verfügbaren Betalesern abgegrast, versucht, per Chat einen überzeugenden Hundeblick hinzubekommen und ging letztlich mit einem Text, der eher gemischte Meinungen erzeugte und mich aufgrund des Themas bedingt überzeugte. Später habe ich ihn bei der BühneFrei vorgetragen.

Schminken? Schminken!


Ich weiß nichtmehr genau, was ich getragen habe, aber das Backstage-Selfie sagt, dass ich ein schwarzes Oberteil angezogen habe. Und dazu vermutlich keine Jogging-Hose trug :-) Geschminkt war ich, wie immer, elegant mit Lidstrich und Lippenstift. Leider ging er ab und ich betrat die Bühne mit halbroten Lippen :-)

Das Flair


Das größte Geschenk für mich war - ernsthaft - dass es Tee und Kaffee gab. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mehr bekomme als die Chance, auf dieser großen Bühne zu stehen. Und es gab Honig!

Die Atmosphäre war sehr nett, die Poeten entspannt und plauderfreudig. Man tauschte sich über Texte aus und lauschte gemeinsam.

Der Vorteil als Zuschauer ist, dass man sich auf die Texte konzentrieren kann. Als Poet muss man sich zwischen interessanten Mit-Lesern, dem Mensch auf der Bühne und dem Tee vor seiner Nase entscheiden. Ich habe viel mitgenommen, aber einige Texte muss ich später nochmal hören, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

Der Auftritt


Innerlich war ich sehr ruhig, aber meine Verpeiltheit sagt mir, dass es anders war. Auf der Bühne selbst war ich etwas aufgeregt, meine Stimme zitterte und ich war zu schnell. Aber eine Mit-Poetin hatte mich beruhigt und ich versuchte mich auf den Text zu konzentrieren. Denn er war mir wichtig.

Ich glaube, die Zuschauer haben mich komisch angeguckt, obwohl ich das nicht sehen konnte, denn durch die Beleuchtung war es ziemlich dunkel, von mir aus betrachtet. Aber der Schall des Mikros lässt mich fühlen, dass ich nicht allein bin.

Der Text


Da ich nicht in die Endrunde kam, blieb es bei einem Text. Die große Terz vom Vormittag hatte sich nicht gelohnt...

Mein Text war eine Variation bzw. Fortsetzung von "Im Eis". Diesen Text hatte ich für Von tausend Schatten geschrieben. Ein Jahr nach Erscheinen des Buches wollte ich mich nochmal damit beschäftigen, aber mit positiven Flair. Die Erzählung beschreibt verschiedene Etappen im "Heilungsprozess" - die Qual zu essen, der Wunsch, wieder genießen zu können, der Kampf mit dem Körper und der Ausgang.

Ich mag den Text, weil er viel Gefühl, aber auch viel Kraft hat und sagt: Ich setzte mich damit auseinander. Leute mit gewissen Besonderheiten sind nicht nachlässig mit ihrem Leben, sondern die Schwerpunkte haben sich verschoben. Wenn ein Knochen bricht, wächst er manchmal nicht richtig zusammen. Dafür kann keiner etwas. Und es tut weh. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, sondern versuchen durch unser Leben zu laufen!

Fazit


Ich hab nicht gewonnen *schade* Aber ich hatte einen interessanten Abend und habe Kontakte geknüpft. Ob ich das nochmal mache? Ich weiß nicht :-)

1 Kommentar:

  1. Cool! Herzlichen Dank für Deine Eindrücke vom LiveLyrix. Ich kann Deine Anspannung gut verstehen. Es ist echt krass vor sovielen Leuten zu sprechen und dann noch aus tiefstem Herzen. Und irgendwie reizt es mich doch.
    Mal sehen, ob ich irgendwann auch mal den Arsch in der Hose habe und mich anmelde.
    Respekt Evy!

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