Donnerstag, 28. Mai 2015

"May Bee" von Tomas Maidan

Hallo!

"Ein Plan. Und nicht für die Liebe!" so könnte der Untertitel dieses Buches lauten. Denn das Buch ist ziemlich plan-mäßig, aber die Liebe findet kaum Platz. Stattdessen wummelt und wuselt und hummelt es vor Bienen. Kennt jemand die Werbung für Kinder-Überaschungs-Eier? Diese Spots mit niedlichen Viechern, die einem fröhlich vorsingen, dass sie in jedem siebten Ei zu finden sind? Diese niedlichen Dinger, bei denen die Werbung einpräsam und nervig gleichermaßen ist? So ist May Bee - schön, interessant, durchkomponiert und nervig in seiner Planmäßigkeit.


Allgemeines


Das Buch hat 300 Seiten und ist als E-Book für 2 EUR und als Papier-Version für 10 EUR in allen gängigen Online-Shops erhältlich.

 

Das Cover


Das Titelbild  ist toll. bunt, kleinteilig, stimmig. Der Hinweis auf mysteriöses Leuchten infolge bewusstseinserweiternder Substanzen kommt vor. Das Cover zieht den Leser in seinen Bann, aber er versinkt nicht darin. Leider sind Autoren-Name und Untertitel nicht gut lesbar.

Der Autor


Tomas Maidan wurde 1968 geboren und lebt in Bremen. Er hat das Licht an verschiedenen deutschen Theatern mitgestaltet und beschloss an seinem 40. Geburtstag, nur noch zu schreiben. Neben "May Bee" hat er die Vorgänger "Im Taubenschlag" und "Im Kessel" veröffentlicht.

Inhalt


May hat ein Problem: Kater Lou ist weg. Und sie hat einen Mann vor einem Laster gerettet. Der verschwunden und vermutlich ein Terrorist ist. Und wider besseren Wissens will die junge Polizistin nach einem Konsul suchen, den keiner leiden kann, weil er la personne plus criminelle ist. Bienchen May macht sich also im Namen des Fleißes und der Gerechtigkeit auf, den Mann vor dem Laster und den Mann MIT dem Laster zu finden. Und sich vor "psycho" in Acht zu nehmen - psychoaktiven Substanzen und psychisch aufgeschlossenen Mitstreiterinnen.

Charaktere


May heißt eigentlich Maria Birgitt Calla oder Maybrit Calla, ist seit sieben Jahren im Polizeidienst und steht kurz vor einer Beförderung. Ähnlich wie alle Figuren ist sie etwas verpeilt. Maria ist der Underdog, der sich wenig zutraut und von anderen ins (Un)glück geschubst wird. Sie will viel, ist aber nicht so durchsetzungsfähig.

Thu, eigentlich Thusnelda, ist Mays kriminelle Freundin mit einer Vorliebe für Feuerwerk. Sie ist der offensive Gegenpart zu May. Für Thu existieren Regeln nur, um übertreten zu werden. Während May durchdacht ermitteln will, pirscht Thu nach vorn und löst damit die Handlung aus. Thu ist die durchgeknallte Freundin, die man für ihre offenen Art beneidet und sich gleichzeitig beschämt wegdreht, aber froh ist, dass man sie hat.

Die Polizei ist eine Parodie auf einen bürokratischen Apparat, der sich lieber um Regeln kümmert. Neben herrischen Chefs, einer schnippischen Sekretärin und einem kriminellen Opfer gibt es dort auch  einen kommunikativen aber Unfähigen, einen "Körperlichen" und jemanden, der eine Beschwerde gegen May einreicht. Wirklich sympatisch ist keiner der Polizisten, ganz im Gegenteil: Sie wirken wie eine Übermacht, gegen die sich May nicht wehren kann.

Jo ist Mays Schwarm und tritt nur selten in Erscheinung. Er turnt gern nackt auf Bäumen herum und hat eine geheime Identität. Ansonsten wird bei Jo mehr angedeutet als ausgesprochen. Niedlich finde ich, dass er am Ende sogar handwerkliche Qualitäten beweist und damit das Buch bodenständig macht.

Die Baronin ist Auslöser des Wahnsinns und wirkt ziemlich wahnsinnig. Versteht man das Buch als einen Drogentripp, ist sie das deutlichste Opfer - sie ist körperlich verfallen und geistig wahnsinnig. Und wie viele Bösewichte sind ihre Handlanger schlimmer als sie.


Das Kollektiv ist extrem, aber es fehlt die Reibung. Die Rollen sind ein bisschen zu klar verteilt, besonders bei den Protagonisten. Während man bei der Baronin und ihrem Gefolge erst spät erfährt, wie alles zusammenhängt, wird man den meckernden Polizisten und der schüchternen May schnell überdrüssig. Wäre schön, wenn May endlich so cool werden würde, wie sie es gerne wäre...

 

 

 

Die Welt


Die Figuren agieren in einer Welt, die in Zonen aufgeteilt ist und in der es genetisch veränderte Lebewesen gibt. Technische Innovationen nicht. Sie ist etwas weiterentwickelt als unsere Welt, aber nicht wesentlich.

Die Welt scheint ein bisschen über unserer zu schweben :-)

Motive


Musik: Musik kann Gefühle verdeutlichen und sogar einen Rausch erzeugen :-) Im Text sind zwei Songs besonders wichtig. "Wonderwall" von Oasis mit der legendären Zeile "Because maybe you / You're gonna be the one that saves me" wird im ersten Teil zitiert und bringt das "Vielleicht?", das May ausstrahlt, auf den Punkt. Vielleicht rettet sie Jo. Oder der Kater. Vielleicht Thu? Nach zwei Dritteln und auf dem Höhepunkt wird es mit "Come as you are" von Nirvana rockiger. "Komm, wie du bist, wie du warst, wie ich will, dass du bist / Als ein Freund, als ein Freund, als ein alter Feind" bringt den Zwiespalt Mays auf den Punkt. Ist es richtig, den Konsul retten zu wollen? Und wer muss tatsächlich gerettet werden? Der Song passt gut zu Mays genervter Stimmung.

Ich finde die Idee der Lieder toll und mag beide. Allerdings ist "Wonderwall" überstrapaziert und die ständige Verbindung zu May und Bee ist mir zuviel. Zur Figur passen aber beide Songs.

Vielleicht: Schon Mays Name ist ein Wortspiel mit den zentralen Themen des Buches. Vielleicht ist May ungeeignet für den Polizeidienst. Vielleicht ist Thu durchgeknallt. Und vielleicht ist alles nicht so mysteriös wie gedacht. Was ist real, was ist Rausch? Das Vielleicht erzeugt Spannung, taucht aber als Motiv zu oft auf.

Bienen: Bienen sind Arbeitstiere. Und obwohl der Autor der Heldin sogar eine Hornisse als Feind gegenüber stellt, sind die Bienen hier nur Mittel zum Zweck. Sie sind mutiert und nun noch gefährlicher. Man könnte es auch umgekehrt deuten: Die Menschen sind in das Reich der Bienen eingedrungen und ernten als Strafe den Wahnsinn? Vielleicht war der Wahnsinn auch zuerst da?

Honig: Honig wird im Buch in Massen produziert. Mit Anspielungen und mit vielen Bienen. Honig schützt und konserviert und ist ein Lebenselixier. Allerdings gibt es auch bitteren Honig, der (real) tödlich ist. Honig wird im Buch eher positiv dargestellt, denn auch wenn er bedrohlich ist, ist er nicht tödlich. Tödlich sind die Menschen. Honig wird tagsüber steinhart, bietet also Schutz. Honig ist Mittel zum Zweck - die klebrige Masse erzeugt Unbehagen.

Liebe: Die Liebe ist ein Auslöser für die Handlung. May möchte Jo wiedersehen und herausfinden, was er mit dem Verbrechen zu tun hat. Leider bleibt Jo ziemlich blass und die Liebesgeschichte ist sehr komprimiert. Mir fehlten die Gefühle.

Schreibstil


Der Autor schreibt amüsant, aber keinen Klamauk. Obwohl es viele Anspielungen auf Honig und Bienen gibt, passen diese überwiegend. Das ist sehr gekonnt. Leider lenkt es auch ab, weil man, wenn man z.B. gerade eine Figur kennenlernt, nicht innehalten und über einen Gag lachen kann. Die Figur ist dann wichtiger. Es ist gut durchgeplant, aber nicht immer stimmig für das Gesamtbild.

Grundsätzlich ist der Text gut lesbar, die Rhythmik gemütlich und nie zu schnell. Der Autor hat eine Vorliebe für manch eklige Worte, die ich nicht teile, aber das ist eine Präferenz.

Die Handlung schreitet voran und ich fand das Tempo gut. Manchmal, z.B. als May in einen Rauschzustand gerät, ist es etwas langatmig.

Die Dialoge sind treffend formuliert und sehr real, manchmal aber zu perfekt, sodass sich der Text zieht.

Das Buch ist an vielen Stellen fehlerfrei, nur manchmal fehlen Worte oder Kommata.


Fazit


Das Buch ist gut geschrieben, flüssig zu lesen und spannend. Obwohl es etwas skurill ist, ist es nie abgehoben. Aber das Buch ist zu perfekt. Zu durchkomponiert, zu treffend gesetzt sind die Anspielungen. Irgendwann übertreten sie die Grenze von "amüsant" zu "nervig" und werden banal.

Ein interessantes Interview zum Buch habe ich übrigens auf Ninjaprooved gefunden.


1 Kommentar:

  1. Eine tolle Buchvorstellung. Schön ausführlich und nicht nur lobend. Trotzdem klingt das Buch recht interessant. Vor allem für die Sommerzeit, wo man vielleicht nicht ganz so schwere Lektüre für den Strand braucht.
    lg

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