Sonntag, 21. Juni 2015

Montagsfrage: Sind deine Erfahrungen mit Indie-Autoren/Selfpublishern eher positiv oder eher negativ?

 Hallo!

Buchfresserchen hat gefragt - und ich werde antworten :-)  Ins Selfpublishing (lesen) bin ich reingeglitten :P Ich habe angefangen Fanfictions zu lesen, obwohl für mich eher der Reiz an kostenlosen Geschichten und neuen Autoren als an Serien bestand. Über das Kommentieren bin ich bei Autoren gelandet und durch deren Bücher bei den Selbstverlegern. Da mir noch nie wichtig war, von welchem Verlag oder welchem Autor ein Buch stammt, sehe ich das alles sehr entspannt!


Allgemeines


Das Thema "Selfpublisher" ist ein ziemliches großes in meiner Wahrnehmung. Ich denke, es hat viel mit Freiheit zu tun - und als Beobachter oder zukünftiger Autor will man ergründen, wie andere mit dieser Freiheit umgehen. Ich habe den Eindruck, dass vonseiten der Autoren nach einer Euphorie-Welle eine Skepsis-Phase kam und nun alle auf dem Boden der Realität angekommen sind: Das Amazon-Problem muss diskutiert werden bzw. die Vertriebswege, die Frage des Marketings... Auf der Seite der Leser muss vor allem aufgeklärt werden - denn liest man die Antworten der Teilnehmer - bis jetzt - hat kaum einer Erfahrungen mit Selfpublishern. Selbstverlegte Bücher sind ein riesiger Markt, der vom Leser mehr Entscheidungen, mehr Aufwand beim Kauf fordert - denn man muss gute Qualität erstmal finden.... Andererseits: Passt das nicht zu unserer Zeit? Mehr Freiheit bedeutet mehr Suchen nach dem Richtigen :-)

Bestandsaufnahme


Auf dem Blog sind von den derzeit 64 Rezension 19 zu selbstverlegten Büchern. Interessanterweise habe ich beim Durchgucken einige Bücher in die Indie-/SP-Kategorie eingeordnet, obwohl sie bei einem Kleinverlag erschienen sind. Dabei bin ich nach der Qualität (Schreibstil, Rechtschreibung) und dem Engagement des Autors gegangen.

Das bedeutet für mich, dass Kleinverlage und Selbstveröffentlicher jeweils effektive oder nicht-effektive Arbeit leisten können.

Zahlenmäßig finde ich ca. 1/3 Selbstverlegtes eine gute Quote.


Fred Ink - Das Grauen in den Bergen
  • Georg Greiner - Blind-Date in der Therme
  • Christian Sidjani - Schließfach 644
  • Fred Ink - Fünf Tode
  • Kim Jones - Vampire City
  • Malin Wolf - Drachenlust - Drachenkrieger
  • Fred Ink - Wurmstichig
  • Eva Finkenstädt - Das Erbe der Füchsin
  • Tomas Maidan - May Bee
  • Romana Grimm - Blinde Verführung
  • Blake Kato - Blutmond im Mitternachtsblau
  • Anna Fischer und Annika Bühnemann - Traummänner und andere Hirngespinste"
  • Josefine Gottwald - Die Krieger des Horns"
  • Jasmin De - Rache wird kalt serviert
  • Nico Weinard - Chronik von Chiara
  • Tabea S. Mainberg - Verlogene Wahrheit
  • Nele Night - Ein Tagebuch
  • Romy Fischer - Panikattacke Deluxe
  • Von tausend Schatten

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    Kürze


    Als Carlsen 2007 die Chibi-Mangas veröffentlichte, war ich mir nicht sicher, ob ein Mini-Heft mit wenig Inhalt funktioniert. Heutzutage ist das völlig normal. Viele Autoren nutzen die Chance, kurze Geschichten, manchmal als Ergänzung zu einem größeren Werk, zu veröffentlichen und damit Werbung zu machen. Teilweise werden bei E-Books sogar Lesezeiten angegeben, damit man weiß, ob man sie auf den Hinweg zur Arbeit lesen kann oder auch noch den Rückweg benötigt.

    Kürze ermöglicht mehr Fluss und man kann als Autor anhand der Resonanz schnell entscheiden, ob man seinen Weg weitergeht. Für mich als Leser kann das nachteilig sein, weil sich Themen oder der Stil ähnelt. Oder weil der Autor plötzlich aufgehört hat.

    Ich sehe hier aber viel Potential.

    Themenwahl und Textformen


    Ich habe einige Selbstverleger gelesen, die Stoffe anders betrachtet oder aufbereitet haben. Ein Buch wie Hypertextträume funktioniert für mich gut als E-Book, weil es kurz und außergewöhnlich ist. Ein ganzes Buch lang würde ich den sehr rhythmischen Stil aber nicht durchhalten :-) In einem Verlag würde der Text möglicherweise untergehen, weil er in eine Schublade gesteckt wird. Ein ähnliches Problem ist mir bei May Bee aufgefallen - der Text lässt sich weder Krimi noch Satire zuordnen, ist aber ziemlich übertrieben. Für mich war das ein Experiment, das bei einem Verlag schwer durchgekommen wäre.

    Ich denke, hier schlummert noch einiges - besonders, was Lyrik und andere Textformen betrifft. Dass man Grenzen übertritt!

    Qualität


    Es gibt sie. Menschen, die denken, ein Buch veröffentlichen zu müssen, aber niemanden haben, der beta-liest. Und ja, es gibt sie, die Bücher, die vor Fehlern wie ein Flummi vor den Augen des Lesers rumhüpfen. Daran habe ich mich gewöhnt und ich habe das Gefühl, dass sich das Feld langsam lichtet.

    Was ich bedaure, sind stilistische Gräben. Füllwörter zu killen oder Verben richtige Präpositionen zuzuordnen ist eine Fleißarbeit, die man machen muss - aber man kann das lernen. Schwieriger wird es beim Timing, dem passenden Wechsel aus Zeitraffung und Zeitstreckung. Oder der Frage "Wieviel Handlung, wieviel Umfeld?"

    Hier wünsche ich mir mehr Offenheit, einfach nachzufragen :-) Es gibt Leser, die gegen ein paar nette Worte Texte testlesen oder man sucht über Foren.

    Natürlich bedingt das, dass man als Autor damit umgehen kann. Ich will das "Kritikfähigkeit"-Schildchen nicht zu hoch halten, denn es dauert, bis man sie erlernt hat - das geht nicht von jetzt auf gleich. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für jeden Fehler sogar zwei Pluspunkte bekommt - man kann den Fehler korrigieren und lernt etwas Neues. Man geht weiter, findet neue Ideen und das bereichert!

    Cover


    Mittleweile tendiere ich dazu, Fotos mit schlecht lesbarer Schrift einfach zu übersehen. Obwohl das ein Klischee ist und nichts über die Qualität des Buches aussagt. Aber Menschen mögen Schubladen. Gleichzeitig sind mir Verlagsbücher manchmal zu bunt :-)

    Der Knackpunkt ist: Es kostet Geld und erfordert den Mut, sich einen Designer zu suchen. Oder Zeit und ein Gespür für Optik.

    Marketing


    Viele Selbstveröffentlicher sind sehr nah am Konsumenten - sie schreiben Blogger an, haben eine Facebook-Fanpage oder eine Website, sie halten uns ständig auf dem Laufenden. Das erzeugt Nähe zum Leser und wirkt, wenn es gut gemacht ist, sehr sympatisch.  Ich fühle mich wohl, wenn der Autor vom Schreibprozess berichtet oder ... etwas aus seinem Schreib-Alltag erzählt. Weniger mag ich permanentes Posten, zuviel Privates oder wenn es zu weit vom Schreiben weggeht.

    Einige Autoren beziehen sogar Youtube mit ein, wie Annika Bühnemann. Die Posts von Vera Netwich mag ich sehr - Sie gibt Ratschläge, reflektiert vor allem, was bei ihr gut oder weniger gut geklappt hat.

    Allerdings: Das ist nicht jedermanns Sache. Viele Autoren, die ich kenne, schreiben nebenberuflich und manche haben weder Zeit noch Kraft, ihr Buch zu bewerben. Diese Autoren fallen hinuter. Bei einem (guten) Verlag wird das Marketing von diesem übernommen, man wird als Autor entlastet.

    Ich finde es schade, dass hier noch Möglichkeiten fehlen, um das auszugleichen. Ich habe gute Bücher gesehen, für die ich mich in die Fußgängerzone stellen und Zettelchen verteilen würde, weil ich das Gefühl habe: Das muss gelesen werden!

    Netzwerken


    Etwas, wofür ich einige Selbstveröffentlicher beneide: Sie haben Netzwerke.

    Man braucht jemanden zum Testlesen, einen Cover-Artist usw. Das kann man schwer alleine stemmen, außerdem braucht man Informationen. Ich glaube, diese Netzwerke sind unsichtbar vorhanden - man kennt jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt.... Aber man muss sich trauen, sie anzuzapfen.  Und das ist schwer.

    Und Blogger sind nicht nur zum Werbung machen da - wir geben nützliche Rückmeldungen und sind dankbar für Autoren, die uns als Partner und nicht als Werbefläche betrachten :-) Auch wir sind ein Teil des Netzwerkes, wenn man uns ernst nimmt!

    Fazit


    Aus großer Freiheit folgt große Verantwortung, würde Spiderman sagen, wenn er ein Selfpublisher wäre :-) Ich habe überwiegend gute Erfahrungen mit selbstveröffentlichten Büchern gemacht. Für mich sind sie Bücher wie alle anderen und ich lese sie gern. Allerdings bedeutet das viel Geduld bei der Auswahl der Werke. Dafür kann man seinen Weg und seine Interessen durch die Bücherlandschaft noch genauer und selbstbestimmter verfolgen. Und Menschen mit Geld unterstützen :-)


    Kommentare:

    1. Verrückt wie da eine ganze Szene an mir vorbeizurauschen scheint :D
      Ich finde deinen Post hier sehr interessant, weil ich wirklich relativ wenig von Selfpublishern mitbekommen habe bisher. Ist es nicht auch so, dass das meistens E-Books sind dann? Denn in dem Fall muss meine Ignoranz weiterhin bestehen bleiben, weil ich keinen E-Book-Reader besitze :D
      Aber ich bin auch äußerst empfindlich, was Rechtschreibung und Stilistik angeht - von daher stehe ich der ganzen Geschichte eh ein bisschen skeptisch gegenüber. Bei Gelegenheit schaue ich mir deine Rezis aber mal an - wenn du schon Handzettel verteilen würdest, scheinst du ja sehr begeistert zu sein.

      Liebe Grüße
      MelMel

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      1. Ja, es werden viele E-Books als Selfies veröffentlicht, weil es - hat man den rechtlichen Kram erledigt - einfacher ist, als auf einen Druck zu warten etc. Es war echt schwer, die beiden Themen nicht zu sehr zu verschmelzen :-) Mit einem entsprechenden Programm kannst du die E-Books auch auf dem PC lesen :-) Manche Autoren bzw. Plattformen bieten auch ein PDF, sodass man kein extra Programm braucht!

        Fred Ink gibt seine Bücher auch in Papierform raus, "Von tausend Schatten" gibt es nur als Papierbuch, von "Panikattacke Deluxe" gibt es beide Versionen.... Ich glaube, Georg Greiner und Nico Weinard veröffentlichen (fast) nur E-Books. Wie im Rest des Artikels: Gefühlt sind es fast nur E-Books, real aber 60:40 :-)

        Handzettel: Kommt auf das Buch an :-) Ich schätze bei allen Büchern das Handwerk und die Gedanken, die sich die Autoren gemacht haben. Jedes Buch hat etwas in mir bewegt.

        Empfehlen kann ich:

        Fred Ink - auch als Nicht-Horror-Fan habe ich die Bücher überlebt und die Wortwahl ist klasse!
        Romana Grimm - tolle Cover und ne tolle Präsentation in sozialen Netzwerken
        Annika Bühnemann - ihr Buch hat einen tollen Twist und... sie kümmert sich um ihre Community
        Panikattacke Deluxe und "Ein Tagebuch" - der Stoff ist schwer, aber... man bekommt ein gutes Bild und es ist nicht so lehrerhaft

        Ich kann eig. alle empfehlen - und die Autoren der kleinen und großen Verlage habe ich noch nich mitgezählt :P

        PS: Danke für deine gedankenanregenden Kommenare!

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    2. Hallo Evy,
      danke für deinen Hinweis! Das ist wirklich interessant zu lesen, da ich mich da noch nicht so auskenne. Die Autorin Laura Newman ist mir inzwischen ein Begriff, ihre Bücher möchte ich unbedingt lesen. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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      1. Ich hab sie mal auf Amazon abgecheckt - leider sind Dystopie nicht mein bevorzugtes Genre. Aber.. die Cover sehen cool aus :)

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    3. Hallo Evy :)

      Ein sehr informativer, spannender Text, der sich gerade echt gut lesen ließ. Ich mag deine Ansichten sehr gerne und kann das meiste auch so unterschreiben. ^^

      Liebste Grüße

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    4. Hallo Evy,

      ich finde dene Ansichten sehr spannend und würde auch vieles unterschreiben. Mit den meisten Selfpublishern habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, ein paar schwarze Schafe gabs auch, aber die gibts überall. Es gibt schließlich auch Verlagsbücher, welche ich eher enttäuschend finde.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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      1. Danke für den Kommentar :-) Ich lese es öfters, dass Verlagsbücher enttäuschen. Aber ich habe das GEfühl, dass bei SPlern die Hemmschwelle, das Buch überhaupt zu lesen, sehr groß ist.

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