Mittwoch, 29. Juli 2015

"Different Boys, Folge 1" von Norman Stark

Different Boys - Titel
Hallo!

An allem ist nur Tommy Toalingling schuld :-) Nachdem die Reihe wochenlang durch die (digitalen) Medien geisterte *Liebe Printmedien, ich erwarte einen Verriss :-) *, stellte einer meiner Lieblings-Youtuber das Buch in Form eines Videos über Schwulen-Klischees vor. Also opferte ich 2,50 EUR und las rein.





Das Besondere: "Different Boys" zählt sich selbst zur "Gay Romance", wird von einem großen Verlag herausgegeben und bewusst als E-Book-Serie beworben.

Mit 2,50 EUR für je 100 Seiten ist das Buch erschwinglich und man hat das Gefühl, nicht zuviel Geld ausgegeben zu haben.

Schade finde ich, dass es die Reihe NUR als E-Book gibt. Ich kann mir das als kleines Heftchen (so klein wäre es mit 100 Seite nicht, aber...) gut vorstellen. Außerdem: Mangas gibt es auch in Papierform :P

Allgemeines


Different Boys wird von Bastei Lübbe veröffentlicht und hat 6 Teile. Jeder Teil hat ca. 100 Seiten und kostet 2,50 EUR. Er ist sowohl über die Verlagsseite als auch über zahlreiche Online-Shops erhältlich.

Der Autor


Norman Stark, so teilt es der Verlag mit, ist das Pseudonym eines Drehbuchautors, der für's Fernsehen Stoffe entwickelt und schreibt. Außerdem ist er tatsächlich schwul. Und er lebt in Köln - dem Handlungsort.

Different Boys - Der AutorVielleicht täuscht mich mein Gefühl, aber ich lese in letzter Zeit oft, dass Autoren erfolgreich Bücher geschrieben oder für's Fernsehen gearbeitet haben und jetzt unter einem Pseudonym andere Bücher schreiben. Ich habe den Eindruck, dass man damit suggerieren will "Der kann es!" Muss er nicht. Nur, weil jemand etwas erlebt hat, muss er nicht gut darin sein, es aufzuschreiben. Und auch wenn ein Autor in einem Genre sehr erfolgreich ist, kann er in einem anderen scheitern. Ich denke, mehr Nähe zum Leser kann man mit einem Zitat oder mit ein paar Berührungspunkten herstellen - wäre putzig, wenn auch Norman Stark ein Kissen mit Neon-Stickerei bei sich zu Hause liegen hat :-)

Immerhin kann ich mir jetzt super einen Trailer für's Fernsehen vorstellen. Streichen wir die nächste "Ich bin eine Frau und zeige es den Männern"-Serie und verfilmen, unterlegt mit der aktuellen Trailer-Stimme von Sat1 *wer ist das nur...?* und flotter Musik (Virtual Insanity, nur moderner) "Different Boys"

Das sind 

Tom (nahe dem Lautsprecherständer und noch näher einem Nervenzusammenbruch)

und Collin (die Szene auf der Party, natürlich halbwegs zensiert)

Tom verliert seine Traumprinzen schneller, als er sie finden kann (Zitat Sascha, während er ihn nach einer gemeinsamen Nacht verlässt)

Collin entwickelt rafinierte Pläne, um in wenig Zeit möglichst viel Spaß zu haben ("Haben wir noch Chardonnay?" im Flugzeug)

Und trotzdem teilen die beiden nicht nur ihre Gene, sondern auch jeglichen Kummer (das Eroberungs-Selfie am Ende)

Sie sind eben "Different Boys" (die Kuchenszene am Anfang)

Montag, 20:15 Uhr in XY

Übrigens: Ein schönes Interview zum Autor und dem Schreibprozess gibt es beim Lesesofa. Fragen zur Schwulenliteratur beantwortet Norman Stark im BeamBlog.

Das Cover


Das Titelbild zeigt zwei Jungs (er eine erinnert mich an Scott Eastwood, der andere an T. R. Knight) vor einem wolkigen Hintergrund, darunter die Silhuette Kölns und der Titel in einer fluffig-geschwungenen Schrift. Bei jedem Teil wird die Farbe des Hintergrundes und des Schriftzuges "Boys" variiert, sodass man die Bücher gut auseinander halten kann.

Außerdem finde ich die Kombination aus buntem oberen Teil und schwarzem unteren Teil sehr stimmig. Es sieht gut aus!

Different Boys - Cover
Allerdings finde ich die Männer etwas zu hübsch, zu klischeemäßig. Denn das Buch spielt auf einige Klischees an, ist aber insgesamt eher ruhig. Und mir ist das Cover ein bisschen zu jugendlich - ich dachte, auch aufgrund des englischen Titels und den Namen der Hauptfiguren, an ein Jugendbuch. Ist es aber nicht :-) Und ich hab mir die beiden einfach anders vorgestellt :-)



Inhalt


Das Buch beginnt mit dem 29. Geburtstag der beiden Brüder. Nachdem beide nicht alleine nach Hause gehen, stolpert Collin in sein nächstes Abenteuer, während Tom erst enttäuscht wird und dann jemand trifft, der sein Herz höher schlagen lässt. Doch das Leben wäre für die beiden zu einfach, wenn nicht von irgendwo her Stolpersteine niederprasseln würden...

Charaktere


Collin ist der Maneater der beiden Brüder und ständig auf der Suche nach attraktiven Männern. Durch seinen Job als Purser (ranghöchster Flugbegleiter) hat er ohnehin keine Zeit für eine feste Beziehung. Ich fand es amüsant und interessant zu sehen, wieviel Aufwand er betreibt und dass es auch für ihn nicht einfach ist, einen Typen aufzureißen. Ich hoffe, ich lese in den Folgebänden nochmehr davon und er wird nicht zu schnell soft. Seinen Namen habe ich mir übrigens durch das C gemerkt - wer zuerst im Alphabet steht, kriegt auch zuerst einen Typen ab :-)

Tom hat einen Laden für Design und ist sehr glücklich damit. Weniger glücklich ist damit, dass er, selbst nach einer Tüte Pommes Rot-Weiß als Vorspiel, abserviert wird. Ich denke, er ist ein bisschen schüchtern und sensibel - er hat Alpträume, wird leicht mürrisch und ist manchmal in sich gekehrt. In seinen Details ist Tom gut, mir war er aber etwas zu sensibel.

Different Boys - Charaktere
Lisa ist die Schwester der beiden und wurde genauso liberal erzogen. Sie hat zwei Kinder mit modernen, aber nicht klischeemäßigen Namen und einen dominanten Ehemann. Horst kommt aus dem Erzgebirge und ist homophob. Er ist damit der Prototyp des Homo-Hassers, was gut für die Geschichte ist. Aber ob es soviele Klischees sein mussten? In Köln gibt es sicher auch homophobe Männer mit Minderwertigkeitskomplexen. Außerdem ist der Kontrast aus Lisas Erziehung und ihrem Mann zu krass.

Ela ist die Mutter der drei und hat eine Kneipe. Sie ist locker, aber die Beziehung zu ihren Söhnen ist eher kumpelhaft - seinen Kummer kann Tom ihr nur schwer anvertrauen. Außerdem leidet sie darunter, dass Lisa Horst geheiratet hat. Ela ist für mich die liberale Mutti, die ihre Hippie-Gene irgendwann wiedererwecken wird, aber gerne einen Partner hätte :-)

Basti ist Assistent in Toms Laden und das Gourmet-Käse-Blättchen der Schwulenszene. Er weiß alles und wenn er etwas nicht weiß, ist er betrübt. Er weiß meistens Rat und ist Tom eine gute Stütze. Oder ein Antrieb :-) Erinnert hat mich Basti übrigens an Trey Gerrald.

Die Stadt


Köln-Kenner werden manchen Schauplatz wiedererkennen und auch L.A. wird geschildert, als wäre der Autor dort gewesen. Man findet sich als Leser aber auch ohne Ortskenntnisse gut rein.

Gefallen hat mir, dass die Welt der "different boys" sehr normal ist - keine Menschen, die alle extrem schwulen-feindlich sind (gut, manche zucken mit den Augenbrauen, aber naja...), sondern eine ziemlich ruhige Welt, in der es auf das Wesentliche ankommt - Menschen und ihre Erlebnisse.

Struktur und Gestaltung


Different Boys - Struktur
Nach der Geburtstagsparty am Anfang wird das Geschehen kapitelweise aus der Sicht von Tom und Collin erzählt. Die Party dient dazu, die Figuren einzuführen und die Idee gefällt mir gut. Allerdings habe ich leicht den Überblick verloren, weil keine Zeit war, jeden Charakter ausführlich darzustellen. Außerdem war sie mir zu klischeemäßig - musste es unbedingt ein Kuchen in Form eines schönen Mannes sein, der wie eine griechische Statue wirkt, aber einen Riesenphallus hat?


Gut fand ich, dass die Kapitel, obwohl manchmal sehr kurz, in sich geschlossen sind und man in Ruhe die Wege der Brüder verfolgen kann.

Positiv aufgefallen ist mir, dass das Buch tatsächlich nach 97 Seiten endet bzw. man die letzten Seiten nicht mit Werbung, Widmungen etc. füllt.

Leider muss man aber am Anfang blättern: Nach dem Cover folgen 1 Seite Inhaltsverzeichnis, 1 Seite Info zur Reihe, 1 Seite Info zu diesem Teil der Reihe, 1 Seite Beschreibung zu den Hauptfiguren, 1 Seite Beschreibung zu den Nebenfiguren, 1 Seite zum Autor, 1 Seite Unter-Titelblatt, 1 Seiten Impressum. Ich kenne dieses Prinzip aus Mangas und die Figurenbeschreibung ist gut, um sich nach langer Zeit wieder in die Geschichte hineinzudenken. Aber ich denke nicht, dass eine Info zur Reihe und der Klappentext notwendig sind, wenn ich das Buch schon gekauft habe. Die Info zum Autor kann ans Ende. Es nützt mir nichts, wenn die Figurenbeschreibung zwar da ist, ich sie aber suchen muss.


Schreibstil


Norman Stark schreibt ziemlich locker und (selbst)ironisch. Die vielen Anspielungen haben mir gefallen. Szenevokabeln wie "bare" kamen selten vor - "ohne" wäre gut gewesen, "mit" ist aber zu verkraften.

Different Boys - Schreibstil
Die Bett-Szenen waren kurz und knackig, deuten mehr an als dass sie beschreiben. Ich hätte mich über mehr gefreut und denke, dass das Buch dadurch nicht an Qualität verloren hätte - ganz im Gegenteil - es wäre eine kleine Prise Muskatnuss im Kartoffelbrei gewesen :-) Aber dann wäre es vermutlich nicht mehr ab 16 Jahren freigegeben worden und manche Leser wären irritiert.



Fazit


"Different Boys" ist ein Buch, das Spaß macht. Auch wenn es einige Klischees bedient, finde ich die Bezeichnung "Gay Romance" ein bisschen negativ. Es ist eine romantische Geschichte mit schwulen Protagonisten, die es real geben könnte. Es ist nicht, wie erwartet, zu bunt und abgedreht, sondern normal. Ich konnte viele Gedanken nachvollziehen. Und *räusper* natürlich muss ich weiterlesen :-)

Kommentare:

  1. Vielen Dank Evy <3

    Deine Rezi ist dir wundervoll gelungen, macht neugierig und spoilert nicht zu viel :) Eine gelungene Mischung!
    Ich stimme dir bedenkenlos zu, besonders die Handlungsorte Berlin (da war ich schon) und L.A. (da will ich noch hin).

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    1. Danke, das freut mich :-) Das mit dem Spoilern ist schwierig, aber... ich orientiere mich am Klappentext :-)

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  2. Jetzt bin ich aber ein bisschen rot ;) wie mega cool, dass du meinem Tipp vertraut hast und das Buch geholt hast.
    Sau toller Eintrag. Du hast es genau auf den Punkt gebracht und sehr gut beschrieben. Darf ich deinen Eintrag in meiner Infobox verlinken?

    Beste Liebe aus Bonn

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    1. Bild dir nich zuviel ein, du warst das Zünglein an der Waage :P Ja, darfst du! Ich freue mich sehr, dass du den Beitrag gesehen hast - ich hab gar nich damit gerechnet!

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